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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.10.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-10-30
- Erscheinungsdatum
- 30.10.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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Börsenblatt f. d. Dtschn. vuchbandel. Redaktioneller Teil. >1 245, 3V. Oktober 1920. land sind wir alle selbst mit unseren Angelegenheiten gerade genug beschäftigt. Die Leipziger können und müssen ihre Einrichtungen in erster Linie selbst schassen. Die Leipziger Sortimenter, Verleger und Kommissionäre müssen eine Genossenschaft oder, wenn es zweck- mäßig ist, mehrere Genossenschaften bilden — auch andere Formen sind möglich —, uni durch sie die vorgeschlagenen fünf Ämter und andere Einrichtungen zu betreiben. Kapital und Persönlichkeiten, Geist und Tatkraft sind genug in Leipzig vorhanden, sie brauchen uns also nicht. Die Kommissionäre haben ja auch schon bisher ge meinsame Einrichtungen getroffen, wie z. B. die Buchhändler- Paletaustauschstcllc. Aber alle deutschen Buchhändler in einer Ge nossenschaft zu vereinigen, sieht nach einer übereilten Sozialisierung aus. Vielleicht sollen aus diesem Wege andere Zwecke erreicht werden. Die Zwangsbestimmung »der Geschäftsbetrieb erstreckt sich nur aus Mitglieder der Genossenschaft» scheint eine Gewaltpolitik zur Lösung der Auch-Buchhändlcrsrage und zur Verminderung der Sortiments- betriebe zu beabsichtigen. Ich halte diese Lösung für sehr gefährlich. Also man organisiere sich in Leipzig. Unterdessen müssen die Kreis- und Ortsvcrcinc die Gründung von Gcnosscnschasten aus wärts anregen, die die gemeinsamen Aufgaben des Buchhandels in einem Orte oder in einem Bezirke zu erledigen haben. Aus den Ver einen müssen alle wirtschaftlichen Bestrebungen ausscheiden, sie müssen sich aus die Erörterung der buchhändlerischen Angelegenheiten beschränken. Die wirtschaftlichen Dinge sind den Gcnosscnschasten zu übertragen. Die Propaganda der Vereine hierfür wird gewiß Er folg haben. Das gute Beispiel an einzelnen Orten wird auf andere anseuernd wirken. Hernach muß ein Verband der Genossenschaften gebildet werden, der die gemeinsamen Interessen der Genossen schaften zu vertreten hat. Dieser kann vielleicht über die Leipziger Verkehrseinrichtungen ein Aufsichtsrecht erhalten oder in anderer Weise dort bei den gemeinsamen Veranstaltungen Mitwirken. Die Organisierung des Buchhandels in dieser Form will mir natürlicher und zweckmäßiger erscheinen als der Vorschlag der Denkschrift. Ich habe bisher zu dem Plan der Denkschrift als Ganzem Stellung genommen. Auf die Einzelheiten einzugehen, will ich unterlassen. Es ist gewiß ganz interessant, die Vorschläge der Denkschrift mit den Entgegnungen der Kommissionäre zu vergleichen. Auch die kürzlich im Börsenblatt erschienenen Aussätze wären dabei zu berücksichtigen. Jcdcnsalls hat der ganze Buchhandel und besonders der Ausschuß noch viel Arbeit zu leisten, bis sich übersehen läßt, was bei der Sache heraus kommt. Möge das sür den ganzen Buchhandel Heilsame gesunden werden! Ich schließe meinen Bericht mit folgendem Vorschläge: Die Leipziger Buchhändler schließen sich wirtschaftlich zusammen und schassen das Zettelamt, das Zeitschristcnamt und das Rech nungsamt. Die Kommissionäre behalten einstweilen die Auslieferung und die Spedition. Erweist sich später die Notwendigkeit, auch das Auslieserungsamt und das Paketamt zu gründen, so wird man die bei der Schassung der ersten Ämter gemachten Erfahrungen gut be nutzen können. Wir Auswärtigen werden die Vorgänge in Leipzig mit Aufmerksamkeit versolgen und gern bereit sein, mit Rat und Tat zu helfen. Borsitzender Herr Walther Jäh (Halle a. S.s: Wir begrüßen es mit bestem Dank und großer Freude, daß uns Herr Janssen dieses Referat erstattet hat, in dem eine Anzahl neuer Gedanken enthalten ist. Ich bitte nun Herrn Voigtländsr, uns seine Aussührungen dazu zu machen. Herr Robert Boigtländer sLeiPzig): Ich benutze gern die Ge legenheit, die sich vor einem größeren Kreise bietet, um die Gesichts- Punkte, die zu der Absassung der Denkschrift geführt haben, Ihnen in etwas ausführlicherer Weise darzulegen, als das bisher möglich gewesen ist. Sie werden mir gestatten, daß ich dabei auch noch auf das ein gehe, was sich zwischen Ostern und heute zugctragen hat. Zunächst ein kurzer Rückblick aus die Entwicklung dieser Dinge. Am 27. August vorigen Jahres war aus Anlaß der Angestelltenbewegung ein großer Kreis auswärtiger Buchhändler nach Leipzig gebeten worden, um von diesen zu hören, ob wir bei dem Kamps mit den Leipziger An- gestellten, den wir als einen Kamps sür den ganzen Buchhandel be trachteten, auf die Unterstützung der auswärtigen Kollegen rechnen könnten. Diese Unterstützung wurde gewährt, nur wurde uns gesagt: Sie müssen in Leipzig Reformen einführen; die Verkehrsverhält nisse sind nicht mehr so, wie sie sein sollten. Am 17. Dezember vorigen 1320 Jahres trat der vom Börsenverein berufene Zwanziger-Ausschuß zu sammen, in dem die Kommissionäre allerlei Forderungen aus Er Höhung ihrer Gebühren stellten. Die erwarteten Ncformvoischläge aber, die den Kommissionären obgelegen hätten, waren ausgeblieben. Darob erhob sich in dem Ausschuß ein solcher Ausbruch des Unmutes, daß ich sofort das Gcsühl hatte: du bist hier als Leipziger an deiner Ehre angefaßt. Diejenigen, die Leipzig Rückständigkeit vorwarfen, haben ja im Grunde recht. Nachdem ich einige Tage in inneren: Kampf habe verstreichen lassen, ob ich aus meine alten Tage mich noch auf neue Dinge einlassen solle, habe ich unseren Vorsteher, Herrn Hosrat Linnemann, gefragt: »Ist beabsichtigt, in dieser Sache etwas zu tun?« »Ja«, war die Antwort. Nun erst habe ich Herrn Hosrat Linnemann meine Gedanken entwickelt. Er erwiderte: »Das ist doch eines der wunderbarsten Zusammentreffen; ich kann Ihnen sagen, daß ein anderer Herr dieselben Gedanken gehabt, sie auch be reits als Denkschrift ausgearbeitct hat, und daß wir in den nächsten Tagen darüber verhandeln werden.« Ich habe dann auch meine Gedanken schriftlich gefaßt. Am 5. Januar waren wir so weit, um vor einen erweiterten Kreis treten zu können, darunter verschiedene auswärtige Herren, die vom 5. bis 8. Januar in Leipzig zusammen waren. Wir hatten die Freude, daß diese Herren unseren Gedanken rückhaltlos zugestimmt und ihre Unterschrift gegeben haben. DieNamen sind in der Denkschrift mitgeteilt. Unser nächster Schritt war, an den Konzern Kochler und Volckmar hcranzutreten, mit einer sehr be greiflichen Scheu. Aber die Aufnahme, die wir dort fanden, war überraschend ermutigend und entgegenkommend. Herr Volckmar konnte uns Mitteilen, daß er vor zehn Jahren bereits ähnliche Ge danken einer Zusammenfassung des Buchhandels dem Vorstand des Börscnvcreins unterbreitet hat. Er wies scrncr daraus hin, daß am 1. Januar 1912 Herr Geheimrat Siegismund aus Grund seiner, Herrn Volckmars, Ideen einen längeren Aussatz im Börsenblatt ver öffentlicht habe. Wir schieden von dort in der Hoffnung, mit eineni Abschluß mildem Volckmar-Koehlcr-Konzern,dem die anderen zu folgen hätten, also mit einem wirtschastlich, rechnerisch und vertraglich fest- gelegten Plan in absehbarer Zeit, vielleicht schon zur Ostermcsse, vor den Gesamtbuchhandel treten zu können. Der damals so günstig scheinende Wind schlug um. Es kamen die Märzunruhen in Leipzig, und die Ostermcsse nahte heran. Von dem Plan war allerlei durch gesickert. Nun trat an uns die Ehrensragc: sollen wir nochmals eine Messe über uns ergehen lassen mit voraussichtlich lebhaften Vor würfen gegen Leipzig, ohne zu zeigen, daß wir ans Abhilfe gedacht hatten? Wir entschlossen uns daher, einen anderen Weg einzuschlagen, d. h. unsere Denkschrift herauszubringen, mit anderen Worten, zur Flucht in die Öffentlichkeit. Diese Öffentlichkeit hat unseren Er wartungen sehr wenig entsprochen. Wir waren gefaßt aus einen Sturm der Gefühle, teils des Mißfallens, teils der Zustimmung. Aber nichts derartiges. Zur Ostermcsse hat man unsere Aussührungen angchört und alles Weitere einem Ausschuß zugcschoben. Zur Sache selbst möchte ich bitten, sich aus den Standpunkt von: 17. Dezember 1919 zurückzuversetzcn. Die Kommissionäre haben damals klipp und klar erklärt: wir können nicht mehr weiter; auch das Barsortiment sei im Stranden begrisfen; es stehe der Zeitpunkt bevor, daß die Betriebe eingestellt werden müssen. Was dann? Diese Frage ging zunächst den Leipziger Buchhandel an, mußte aber auch den Gesamtbuchhandel in den tiefsten Tiesen berühren. Daß das Spe ditionsgeschäft in Leipzig Plötzlich stillgelegt werde, halte ich nicht für sehr wahrscheinlich, obschon Form und Inhalt der Äußerungen der Kommissionäre daraus schließen lassen konnten. Für wahrscheinlich halte ich aber, daß, wenn die Dinge sich wieder einmal zuspitzen, was leicht geschahen kann, die Kommissionäre eine Umgestaltung ihrer Betriebe vornehmen müssen, die unter dem Druck der Not, rasch aus Zwangslagen entstanden, nicht verständig überlegt werden und alle Fehler eines Revolutionsgesetzes tragen kann. Es trat ferner der Gedanke sehr in den Vordergrund, daß das Kommissionsgeschäst, obgleich Privatbesitz, dennoch gewissermaßen eine allgemein-buchhändlcrische Einrichtung sei, jedenfalls eng zum Buchhandel gehöre und aus ihm nicht ausgeschaltet werden könne. Bisher fielen die privatwirtschastlichcn Interessen der Kommissionäre und die des Gesamtbuchhandels zusammen. In der Not der Zeit drohen sie auseinanderzugehen. Kann der Buchhandel wünschen, daß ein sür ihn ganz unentbehrliches Vcrkchrsglied weiterhin in Privat- händcn bleibe, aber plötzlich einer ohne seine Mitwirkung entstehenden
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