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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.10.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-10-30
- Erscheinungsdatum
- 30.10.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
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- Digitalisat
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Redaktioneller Teil. X? 245, 30, Oktober IS20, Herr Geheimrat Karl Siegismund (Berlin): Unter diesen Um ständen bitte ich meinen Wunsch als nicht ausgesprochen ansehen zu wolle», aber ich stelle mich heute abend, wenn Sie es wünschen, jeder zeit gern zur Verfügung. Herr Gottlieb Braun sMarburgj: Ich möchte nur meine per sönliche Ansicht hier äußern. Ich glaube nicht, daß wir heute schon zu irgendwelchen Richtlinien kommen. Ich sür meinen Teil würde es nur begrüßen, wenn Herr Geheimrat Siegismund von Ansang an an der Besprechung teilnehmen würde. Ich hoffe, daß, wenn wir zu Entscheidungen kommen sollten, wir von dem Angebot des Herrn Geheimrat Siegismund Gebrauch machen, und danke ihm sür seine Bereitwilligkeit, sich uns zur Verfügung zu halten. Vorsitzender Herr Walther Jäh sHalle a. S.>: Wir kommen nunmehr zu unserer Tagesordnung zurück, und zwar zu Punkt 3: »Verkehrsrcformcn in Leipzig«. Die Tragweite der Voigtländcr-Quelle- schcn Vorschläge ist so außerordentlich groß sür den Gcsamtbuchhandel, daß wir es für unsere Pflicht hielten, diese Frage aus die Tagesord nung zu setzen, ohne uns mit den Vorschlägen identifizieren zu wollen. Wir haben Herrn Janssen gebeten, das Referat zu übernehmen, und die Herren vom Leipziger Kommissionsgeschäft sind ja in hin reichender Zahl hier vertreten, um ihre Interessen in der Debatte wahrzunehmen. Außerdem ist auch Herr Voigtländer selbst an wesend. Ich selbst habe mich mit dieser Frage wiederholt eingehend beschäftigt und dabei immer wieder empfunden, daß, so großzügig und wegweisend die in den Vorschlägen entwickelten Gedanken sind, es nicht durchführbar sein wird, das ganze durch Generationen hin durch entwickelte Leipziger Kommissionsgeschäft aus Privatbesitz in eine Genossenschaft überzusühren. Ich bin deshalb der Meinung, daß inan die Frage der Vergenossenschaftlichung nicht in den Vorder grund stellen sollte. Ich habe infolgedessen in einem Briefwechsel mit Herrn Voigtländer die Frage angeschnitten, ob es nicht zweck mäßig wäre, sich zu überlegen, welcher seiner Vorschläge unab hängig von einer Genossenschaft durchzuführen wäre. Dieser Weg scheint mir augenblicklich der einzig gangbare zu sein. Ich erteile nun zunächst Herrn Janssen das Wort. Herr Alfred Jan-srn (Hamburg): Kurz vor Kantate dieses Jahres erschien die Denkschrift der Herren Boigtländer und Ge nossen im Börsenblatt. Sie überraschte uns mit der Ankündigung, daß das buchhändlerische Viertel in Leipzig niedergerissen und an seiner Stelle ein gewaltiges Gebäude errichtet weiden solle. In einer weiträumigen Halle werde eine mächtige Maschine, die Buchpaket- vcrteilungsmaschinc, ausgestellt werden. Als wir Auswärtigen nach Leipzig kamen, fanden wir, daß alles nur aus dem Papier stand. Wir suchten uns deshalb von dem Gebäude und der Maschine, so gut es ging, eine Vorstellung zu machen, be- trachteten sie von allen Seiten und bestaunten sie gebührend, wie man das bei Wunderwerken tut. Bald aber fragte der eine und der andere, ob denn die Maschine auch in Betrieb gesetzt werden könne und ob sie gut arbeiten werde. Die Erfinder versicherten uns, daran wäre nicht zu zweifeln, während die Besitzer der bisherigen Maschinen erklärten, es sei ganz unmöglich, daß der neue Betrieb so viel leisten könne wie der alte. Da sich die Parteien nicht einigen konnten, so wurde ein Ausschuß aus dem ganzen Buchhandel ernannt, der den Plan der Denkschrift gründlich untersuchen sollte. Bisher hat der Ausschuß noch nicht getagt. Wir sind also heute gerade so klug wie zu Kantate, und es steht jedem frei, sich seine Gedanken über das Re formwerk zu machen. Ich lade Sie deshalb ein, sich mit nur die Riesenmaschine näher anzusehen. Ich bin kein Leipziger und auch kein Sachverständiger. Es ist deshalb reichlich kühn, wenn ich mich hier sreimütig über ein Unternehmen äußere, das ich noch nicht bis in alle Einzelheiten habe durchdenken können. Aber ich wage es selbst aus die Gesahr hin, daß ich mich irre, und dann will ich mich gern belehren lassen. Ich tue es auf Wunsch des Verbandsvorstandes, um zu einer hoffentlich recht ergiebigen Aussprache anzurcgcn. Je unvollkommener meine Ausführungen sind, desto mehr Gelegenheit haben Sie, mich zu be richtigen und zu ergänzen. Wir müssen den Verfassern der Denkschrift dankbar sein, daß sie sich an das ungeheure Problem herangewagt und daß sie uns eine Fülle von Lösnngeversuchen dargeboten haben. Wenn wir die Denkschrist lesen, so haben wir den Eindruck, als hätten sie die größten Schwierigkeiten spielend überwunden. Die Kommissionsgeschäste 43tö sollen zusammengelegt werden. Das Barsortiment und die Grosso- geschäste werden vereinfacht. Das Rechnungswesen wird durch die Buchhändlerbank besorgt. Die bestehenden Leipziger Verkehrs, einrichtungen werden verbessert, und der ganze Betrieb wird in die Hand einer Genossenschaft gelegt, an der sich alle deutschen Buch. Händler des In- und Auslandes beteiligen müssen. Eine Reihe von Problemen, die den Buchhandel schon lange beschästigen, wie die Auchbuchhändlerfrage, die Hebung und Förderung des soliden Sorti ments usw., sollen bei der Gelegenheit gleich mit gelöst werden. Wer möchte da nicht helfen, daß der schöne Plan so bald wie möglich ver wirklicht werde! Aber von heute auf morgen ist es beim besten Willen nicht ge tan. Wird es überhaupt möglich sein? Kann man in dieser Zeit der hohen Kosten so große Neu- und Umbauten vornehmen? Die Eisen- bahnverwaltung hat schon erklärt, daß sie außerstande sei, die erforder lichen Geleise umzubauen. Zuschüsse von Staat und Stadt sind wahrscheinlich nicht zu erwarten. Es ist die ungünstigste Zeit sür alle Neuanschaffungen. Groß ist auch der Kapitalbetrag, um die alten Betriebe abzulösen, und gewaltig die Zinssumme, die der neue Be- trieb Herauswirtschaften muß. Die Erklärung der Leipziger Kom missionäre, daß das Werk in dieser Zeit unaussührbar sei, kann man deshalb wohl verstehen. Herr Opctz hat das in der Kantalc-Verbands- sitzung im einzelnen ausgesührl und kürzlich im Börsenblatt wieder holt und ergänzt. Ist damit die Sache abgetan? Können wir uns dabei be ruhigen? Das haben wir zunächst zu untersuchen. Die Kommissionäre haben erklärt, daß sie trotz aller Schwierig keiten des Wirtschaftslebens und der Zeitverhältnisse den Verkehr über Leipzig so lange, so gut und so billig als irgend möglich ausrecht erhalten wollen. Wenn dies einmal nicht mehr möglich sein sollte, werde der Vorstand rechtzeitig und unter weitestgehender Rücksichtnahme auf die Interessen der Kommittenten mit den berufenen Vertretern des Buchhandels über die dann zu ergreifenden Maßnahmen beraten. Die Denkschrift will nicht solange warten, sondern meint, es sei keine Zeit mehr zu verlieren. Aus beiden Kundgebungen geht hervor, daß mit der Möglichkeit des Versagens der Kommissionsgeschäste jeden falls gerechnet werden muß. Die Sache ist so schwerwiegend, daß wir uns volle Klarheit darüber verschaffen müssen. Die Denkschrist verlangt von den Kommissionären, daß sie sich sür das Allgemein wohl opsern, daß sie ihre Betriebe zugunsten einer neuzugründenden Genossenschaft aufgeben sollen. Der Gedanke , wäre groß und be wundernswert, wenn er von den Kommissionären selbst ausginge, die keinen anderen Ausweg aus der Not der Zeit erkennen könnten. Es ist aber eine ungeheuerliche Zumutung, wenn die Forderung von anderer Seite gestellt wird. Deshalb muß uns die zwingende Not wendigkeit nachgewiesen werden. Solange nicht das Aufgehen der Kommissionsgeschäste in die Genossenschaft als ein unabwendbares Schicksal vor uns steht, müssen wir nach einer anderen Lösung suchen. Der Gedanke, daß ehrwürdige, von den Vätern ererbte Geschäfte zum allen Eisen geworsen, daß langjährige persönliche Beziehungen wie Spinnfäden zerrissen werden, mutet uns zu unsympathisch an. Man kann doch nicht mit lebendigen Betrieben wie mit Bauklötzen, mit Menschen wie mit Schachsiguren umgehen. Man sollte meinen, die Verfasser der Denkschrist hätten nur so schwarz gemalt, damit sich die bunten Farben ihres Entwurfes von dem dunklen Grunde um so wirkungsvoller abheben. Aber es nützt alles nichts, wir kommen um die Schwierigkeiten nicht herum. Die Kommissionäre haben selbst gesagt: »wenn der Verkehr über Leipzig einmal nicht mehr möglich sein sollte«. — Wir müssen uns also mit dem Gedanken ernstlich be schäftigen. Der Buchhandel steht in einer schweren Zeit. Die allmähliche Steigerung der Bücherpreise in den letzten Jahren hat den Bücher absatz nicht beeinträchtigt. Die plötzliche Steigerung in diesem Jahre dagegen und die Höhe der Preise, die wir jetzt erreicht haben, muß allerdings den Absatz stark beeinflussen. Dazu kommt die ver minderte Kaufkraft des Publikums, das durch immer neue Steuern gezwungen wird, sich auf die notwendigsten Bedarfsgegenstände zu beschränken. Der Abbau der Preise ist künstlich nicht zu erzwingen auch nicht durch Aushebung des Sortimenter-Teuerungszuschlages. Wenn das Sortiment nicht mit Gewalt vernichtet werden soll, so müssen die Ladenpreise und der Rabatt erhöht werden, che der Teuc- rungszujchlag sortsallen kann. Also wir müssen in der nächsten Zeit
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