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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.11.1932
- Strukturtyp
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- 1932-11-29
- Erscheinungsdatum
- 29.11.1932
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- Deutsch
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Nr. 278 (R. 128). Leipzig, Dienstag den 29. November 1932. 98. Jahrgang. TÄMümellerTÄ Der Verleger und seine Lieferanten. Eine zeitgemäße Betrachtung. Mit großer Befriedigung habe ich den Artikel »Feldzug gegen die krumme Buchdecke« gelesen, den die Stuttgarter Ver legervereinigung in Nummer 243 des Börsenblattes veröffentlicht hat. Es wäre zu wünschen, daß die Ratschläge von allen Ver legerkollegen in Zukunft nicht erst bei, sondern schon vor Ver gebung ihrer Bindeaufträge beachtet würden. Ich sage absichtlich »vor«, denn wenn nicht alle technischen Erfordernisse vorher bis in alle Einzelheiten geprüft und vorbereitet werden, stellen sich später Unannehmlichkeiten und Differenzen ein. Unerhörtes Drängen und kurze Liefertermine sind leider in der letzten Zeit eine tägliche Erscheinung, und es ist erklärlich, daß bei solcher Hast die Qualität leiden muß. Welcher Verleger gewährt heut zutage der Buchbinderei acht bis zehn Tage sür Pressen, Trockne» und Lagern? Tempo! Tempo! das ist die Hauptsache. Äußert die Buchbinderei Bedenken, dann droht der Verleger zur Kon kurrenz zu gehen, die »besser eingerichtet« sei und keine Vor behalte mache, vielmehr beste Arbeit in kürzester Zeit liefere, an geblich oft zu noch weit billigeren Preisen. Infolge der Eile muß naturgemäß unproduktive Arbeit geleistet werden, und die Folge davon ist, daß der Buchbinderei Verluste erwachsen. Dies ist mit ein Grund, weshalb so viele Buchbindereien in der letzten Zeit ihre Betriebe schließen mußten. Um billige Preise einhalten zu können, muß überdies nicht selten auch an der Qualität gespart werden, bisweilen nicht mit Zustimmung des Verlegers oder des Herstellungsbeamten, denen oft die nötigen Fachkenntnisse fehlen. So habe ich in der Praxis beispielsweise festgcstellt, daß die von den Auftraggebern cinge- sandten Bücher, nachdem sie auseinandergenommen wurden, Decken aus Strohpappe statt aus Graupappe enthielten. Stroh- pappc ist natürlich billiger, aber auch minderwertiger und weniger haltbar. Die verwandte «sogenannte« Goldantioxyd- folic war nach einiger Zeit schwarz geworden, die »wirkliche« Goldantioxydfolie, die den Glanz behält, ist naturgemäß teurer. Wie oft werden starke Bücher nicht gehülst und nur eingelegt, vielleicht nicht einmal hinterklebt. Auch die Pappenstärke und vieles andere muß beachtet werden. Bei einer fachmännischen Prüfung der von verschiedenen Firmen eingeholten Angebote werden sich oft Preisdifferenzen, die bei oberflächlicher Durch sicht scheinbar vorhanden sind, aufklären. Ähnlich verhält es sich mit den übrigen Teilen eines Buches. Es geschieht noch viel zu wenig, um die Herren in die haupt sächlichsten technischen Erfordernisse, welche bei der Herstellung eines Buches zu beachten sind, einzuiveihen. Mir scheint es auch, als ob die Zusammenarbeit zwischen Verlegern und Liefe ranten früher glatter vonstatten gegangen wäre. Ich bin seit etwa 3b Jahren im graphischen Gewerbe tätig, habe zahllose Bücher das Licht der Welt erblicken sehen, teils als Hersteller, Kalkulator und Betriebsleiter. Besonders in der letzten Zeit sind die Druckereien und Buchbindereien weit mehr als früher sozusagen »Vcrlagsherstellcr« geworden, weil den Herren im Ver lage die erforderlichen technischen Kenntnisse fehlen. Wenn ein Auftraggeber nichts weiter tut, als unaufhörlich drängen, dann kann sich kein Gebild gestalten. Der Verleger muß sich von vorn herein über die -buchtechnischc Gestaltung ein Bild machen, muß im Geiste das fertige Buch in allen Einzelheiten vor sich sehen und erst dann Kostenanschläge cinsordern und hierbei für die Herstellung ganz genaue Angaben »lachen. Die Lieferanten wer den ihn gewiß in allen Dingen gern beraten, -aber bitte: vorher beraten lassen, nicht hinterher, wenn es zu spät ist. Wenn dann nicht mit nervöser Hast gearbeitet zu werden braucht, wird sich der gesamte Geschäftsverkehr reibungslos abwickeln. Wie oft werden bei Preisansragen nicht einmal die Manuskripte einge- san-dt. Sie müssen vor Abgabe der Preise von der Druckerei genau durchgesehen und abgeschätzt werden. Oft liegt nur eilt Teil vor, die llnisänge haben Laien geschätzt, es fehlen die Re gister, man weiß nicht, ob die Titelei römisch für sich oder niit dem Text gemeinsam arabisch zu Paginieren ist. Die Schreib weise des Autors ist unklar oder uneinheitlich; über Einzüge, Überschriften usw. erhält die Druckerei keine klaren Angaben. Man weiß nicht, ob etwaige Anmerkungen unter den Seiten oder am Schluß des Werkes angebracht werden sollen. Werden alle diese Dinge nicht vorher einwandfrei geklärt, dann wird es hinterher ohne Ausnahme Schwierigkeiten und Rückfragen geben, ferner besondere Kosten für Satzerschwerungen, die bei der Prcis- abgabe nicht berücksichtigt werden konnten, eben weil vorher nicht alle Fragen bei Durchsicht des gesamten Manuskripts von 'der Druckerei geklärt werden konnten. Was sür Ärger hat schon die Berechnung der nachträglichen sogenannten »Autorkorrek turen« verursacht. Sie könnten auf ein Mindestmaß herabgesetzt werden, wenn die Herren Verleger sich endlich einmal ent schließen könnten, den Druckereien satzreife Manuskripte zu über mitteln. Werden schon -die vorgenannten Notwendigkeiten, die, man sollte meinen, selbstverständlich sind, von vielen Auftrag gebern nicht beachtet, wieviel schwieriger sind dann etlvas ferner liegende Dinge, von denen jetzt die Rede sein soll, über die aber ein Verleger oder Berlagshersteller ebenfalls genaue Kenntnis haben sollte. Nachdem in der Fachpresse zahlreiche Artikel über die Wer tsendung ungeeigneter Papiere beim Druck erschienen sind, sollt« man meinen, daß der Drucker niit diesem übelstand nicht mehr so oft zu kämpfen hätte als früher. Weit gefehlt! Noch immer die gleiche Plage über harte, mit Füllstoffen versehene Sorten, die Schrift und Platten angreisen, oder federleichte stäubende Papier«, wovon sich kleine Teilchen auf Schriftsorm und Walzen festsetzen, die ungleichmäßigen Druck zur Folge haben. Erst kürzlich wieder erhielten wir ein ganz hartes Papier geliefert, welches verstählte Stereotyp-Platten nach 100 000 Drucken voll kommen zerstörte. Weshalb setzt sich der Verleger nicht vor Be stellung des Papieres mit seinem Drucker in Verbindung, damit dieser den Stoff begutachten und einige Musterbogen mit durch die Maschine laufen lassen kann? Dann würden überdies die Fabriken bei der Anfertigung etwas mehr Sorgfalt aufwendcu müssen, während sie sich, wenn keine fachmännische Prüfung des Stoffes erfolgt und besondere Wünsche nicht genau angegeben worden sind, hinter ihre Lieferung?- und Verkaufsbedingungen verschanzen. Daß bei Festsetzung der Bogengröße der Beschnitt des Buches berücksichtigt werden muß, wissen wohl alle Hersteller, aber sie rechnen oft nicht genau. Er beträgt an 'der Seite 14' cm, oben 14 cm, unten 14 cm. Beträgt beispielsweise die beschnittene Blattgröße 12l<Xl8X cm, dann mißt sie unbeschnitten 13X 1914 cm, und das Papier ist 16 Seiten flachliegend 52X78 cm oder 32 Seiten flachliegend 78X104 cm zu bestellen. Man frage stets die Druckerei, in welchem Format das Papier benötigt wird, denn das am günstigsten zu verdruckende Format richtet sich nach 857
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