5782 X« 276, 28. November 1933. Künftig erscheinende Bücher. Börsenblatt f. d. Dtschn Buchhandel. /lus -er Ura Lin-a-Ghronik „Liebe Erben! Am unserer lieben Ahnen willen und um unserer Freiheit willen tausen-mal so bitte ich Euch, lasset -och nie -ie Augen einer Pfaffenkappe über -iese Schriften wei-en. Sie sprechen süße Worte, aber sie reißen unmerklich an allem, was uns Friesen betrifft. Am reiche Pfründe zu gewinnen, halten sie zu -en frem- -en Königen. Diese wissen, -aß wir ihre größten Fein-e sin-, weil wir zu ihren Leuten zu sprechen wagen von Freiheit, Recht un- Fürstenpflicht. Darum lassen sie alles austilgen, was von un seren Ahnen kommt un- was -a noch verbleibt von unseren alten Sitten. Ach, Lieben, ich bin bei ihnen am Hofe gewesen. Will Wral-a es -ul-en, un- machen wir uns nicht stark, so wer- -en sie uns allesamt noch austilgen. Geschrieben zu Lju-wer-, achthun-ertun--rei Zahre nach -er Christen Meinung. Liko Ovira Lin-a." Sv schrieb ein friesischer Dickschädel auf -iese Schriften, -ie er seinen Erben übergab zu einer Heit, als Karl -er Große alle germanischen Heilig tümer un- Aberlieferungen vernichten ließ und in Z0 jährigem Kampfe mit Feuer un- Schwert -as Christentum, -ie Religion -erLiebe, im ger manischen Sachsen einführte. An- so erbten sich -iese Schriften von Generatton zu Generation fort, stets geheimgehalten, von Zeit zu Zeit neu abgeschrieben un- durch mündliche Aberlieserung ergänzt.AndalsvorZahrhunderten -asMeer ins Land einbrach,damals als -ieZui-ersee entstand, -a rettete hidde, zugenannt Ara Lin-a, zuerst -iese geheimen Schriften, dann Weib un- Kind: „C>kke, mein Sohn! Diese Bücher mußt Du mit Leib un- Seele wahren. Sie umfassen -ie Ge schichte unseres ganzen Volkes un- unserer Ahnen, vergangenes Zahr habe ich sie aus -er Flut gerettet mit Dir un- Deiner Mutter. Aber sie waren naß geworden: dadurch fingen sie nach her an zu verderben. Am sie nicht zu verlieren, habe ich sie aus ausländischem Papier abgeschrie ben. So wenn Du sie erben wirst, sollst Du sie auch abschreiben. Deine Kinder desgleichen, da mit sie nimmermehr verloren gehen. Geschrieben zu Liuwert, nachdem Atland ver sunken ist, -as Z44Y. Zahr, das ist nach -er Christen Rechnung -as 125ü. Zahr. Hidde." Vir Ura Liaöa-Chronik ist krine Fälschung wie es von niederländischen Philologen, als -ie Handschrift um -ie Mitte des 1Z. Zahrhunderts in -ie Öffentlichkeit gelangte, behauptet wurde, ohne -aß man -ie Chronik einer quellenkritischen Antersuchung unterzogen hätte.Prvf. Wirthweist entgegen damals undseitdemvorgebrachtenZwei feln nach, -aß -ie „Fälschung" -ie Abschrift einer Humanistenhandschrift sei, -ie ihrerseits wieder auf einen Kode-, aus -emlZ.bezw. eineArhan-- schrift aus dem y. Zahrhundert zurückgeht (s. obige Proben). „Zn -erAraLinda-Chronik",sagtPrvf. Wirth, „ist uns als Kern die letzte Aberlieferung altgermanischer Geisteskultur-er Nordsee aus vvr- eddischer un- vorrömischer Zeit erhalten". Was das,, Buch -er Folger Adelas", „Frgas Ce-c", -ie Schriften „Minnos" von Sitten, Gebräuchen, geschichtlichen Einzelheiten bis ins Zahr 21YZ v.Ehr.verzeichnen, „ist -as Kostbarste un-heilig ste, was uns überkommen ist." Die Ura Lin-a-Chronik, -as älteste Zeugnis germanischer Geschichte, erläutert von Herman Virth, erscheint am 5. Dezember. Umfang 300 Seiten Text un- 300 /lbbil-ungen » Ganzleinen RM Koehler L Mmelang ^ Leipzig