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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.09.1934
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1934-09-15
- Erscheinungsdatum
- 15.09.1934
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- Deutsch
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X- 216, 15. September 1934. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. b. Dtschn Buchhandel. linicnsobrikcn wird aus dem Inland unbefriedigender Geschäfts gang gemeldet. Wenn auch Juli und August saisonmätzig stille Zeit bedeuten, so war der Eingang von Aufträgen trotzdem besonders gering. Die Ausfuhr ist zwar etwas besser als in der gleichen Zeit des Vorjahres, beträgt aber auch nur einen Teil des einstigen Aus- landgeschäftcs. Bei den chemigraphischen Anstalten ist das Geschäft nach wie vor saisonmäßig still«. Gegen die beabsichtigten Papier- Preiserhöhungen ist Widerspruch erhoben worden. überschaut man das Ganze der Konjunkturmeldungcn im Zu sammenhang, so bestätigt sich aufs neue der Eindruck, auf den hier schon früher hingcwiescn worden ist: die deutsche Wirtschaft lebt unter starker, planvoller Führung mehr und mehr ein Leben für sich, steht in sich geschlossen der Außenwelt gegenüber, genötigt und gewillt, sich ihr gegenüber zu behaupten und nach eigenem Gesetz durchzusetzen. Das ist auch in den letzten Reden Or. Schachts dem deutschen Volk wie der übrigen Welt deutlich vor Augen ge stellt worden. Noch sieht es nicht so aus, als ob man draußen diese Sprache schon richtig zu verstehen und zu würdigen imstande und geneigt wäre. Vielleicht ist es nicht zum wenigsten das schlechte Ge wissen, um deswillen man sich vorläufig noch die Ohren zuhält. Noch immer hängt man der Hoffnung nach, mit finanzierungs technischen Mitteln und Hilfskonstruktionen eine Überbrückung der Schwierigkeiten zu erreichen, um so der Bitterkeit zu entrinnen, der deutschen Logik recht geben zu müssen. Gerade jetzt wieder hat der französische Handclsministcr erneut Anregungen in dieser Rich tung vcrlautbart, Gedanken, die sich mit jenen um neue Ausgaben der Basler Tributbank kreisenden Plänen berühren, auf die hier schon hingewiescn worden ist. Es ist nicht zu bestreiten, daß auf diesem Wege, sofern er nur wirklich ehrlich ohne Hintergedanken und egoistische Sondcrabsichten beschnitten und folgerichtig zu Ende gegangen würde, vorwärtszukommen wäre. Aus jeden Fall wäre das aber nur gangbar und aussichtsreich, wenn zuvor die Schacht- schcn Grundsätze anerkannt und damit feste Grundlagen für den Umbau gesichert wären. Nicht als alternativer Ersatz für die von Schacht vorgeschlagene Lösung kommen jene Pläne in Frage, son dern nur als nachfolgende Ergänzung und wciterführendc Krö nung. Erst also endgültige Bereinigung des Schuldenproblems durch Konsolidierung und Konvertierung, Anerkennung der Gleichberechtigung Deutschlands und seiner uneingeschränkten Ver trauenswürdigkeit, damit Wiederherstellung des allgemeinen gegen seitigen Vertrauens in der Welt, dann kann diese befriedete Welt daran denken, sich durch Ausbau und Vervollkommnung des tech nischen Apparates für den internationalen Zahlungsverkehr auf der Grundlage stabilisierter Währungen die Erneuerung des Welt handels mit gesteigerter Produktion und wachsendem Wohlstand zum Besten aller zu erleichtern. Nur gemeinsam kann die Aufgabe bewältigt werden. Deutschland ist bereit sich dafür cinzusctzen und zur Verfügung zu stellen. Aber das genügt nicht; alle anderen müssen ebenso guten Willens sein. So lange nicht in seine ehrlich dargebotene Hand eingeschlagcn wird, bleibt dem deutschen Volk nichts anderes übrig, als die Zähne zusammenzubeißen und sich im Schweiße seines Angesichts seiner Haut zu wehre», so gut es geht. Und das heißt auch bei autoritärer Führung, daß jeder einzelne auf seinem Platz, sei er noch so klein und bescheiden, seine Pflicht bis zum letzten zu erfüllen hat, als hinge von ihm allein der Sieg ab. Für individualistische Sonderwünsche liberalistischer Art ist kein Platz mehr; sie entstammen letzten Endes ja doch immer nur dem Streben, dem eigentlich Notwendigen auszuweichen. Was aber Deutschland braucht, ist jener Individualismus des Trichterfeldes, wo im Grunde jeder in seinem Granatloch für sich allein Krieg zu führen hatte, keine Front sichtbar war und doch jeder die selbst verständliche Front hielt, aus der auszubrechen sein und ihr Unter gang gewesen wäre. Auch für den Buchhandel, dessen Nöte wahr lich groß genug sind, dürfte zunächst alles auf die Bewährung dieses Trichterfeld-Individualismus ankommen. Ein Verlag beherrscht ein Land Besuch bei Gyldendal in Kopenhagen Mit neidvollem Erstaunen und Hochachtung hat, wer Bücher und Lesen für einen wesentlichen Bestandteil des geistigen Lebens hält, auf den nicht ohne schwersten Schaden für die Gesamtheit ver zichtet werden kann, von den relativ großen Auflagen einzelner Bücher in Dänemark Kenntnis genommen. Dieses uns räumlich nächste der skandinavischen Länder hat nur dreieinhalb Millionen Einwohner, weniger als die Stadt Berlin; wenn also kürzlich ein Buch eine Auslage von vierundvierzigtansend Stück erreichte, so be deutet das, daß — schlecht gerechnet — jeder hundertste Mensch dies Buch kaufte. Und das ist nicht nur ein binzelfall. Wer sich mit Dänen unterhält, wird immer wieder über die tiefe Kenntnis deut scher und fremder Literatur bei ihnen erstaunt sein. Es ist leicht, die Gründe hierfür in äußerlichen Dingen zu suchen. Es geht Dänemark (mit Ausnahme gewisser Teile Jütlands) wirtschaftlich gut, die Menschen haben viel freie Zeit und nicht über mäßig viele soziale und politische Probleme, durch die sie sie aus füllen müßten. Diese Betrachtungsweise wäre gefährlich, sähe sie nicht das Entscheidende: die Freude des dänischen Menschen am Lesen, seine innere Verbundenheit mit dem Buch. Davon spürt man etwas, sowie man das Haus des Verlages Gyldendal, des größten und ältesten aller dänischen Verlage, betritt. Es ist kein Haus mehr, sondern ein Häuserblock, das alte Gebäude in der Brode- gade, inmitten der Kopenhagener Altstadt, reicht schon längst nicht mehr aus. Wohl sind dort, wo vor 105 Jahren begonnen wurde, noch immer die Stammräume, aber darum herum entstand ein An bau nach dem anderen, sodaß heute ein ganzes Straßenviereck dem Dienst an der Dichtung geweiht ist. Fünfhundert Personen arbeiten hier an der Herausgabe und Herstellung von Büchern. Allerdings: innerhalb des dänischen Verlagswesens nimmt Gyl dendal eine so einzigartige Stellung ein, wie sie in keinem Lande der Welt vorstellbar ist. Es gibt in Dänemark fünfzig Verlage fiir Literatur, aber Gyldendal ist größer als alle anderen zusammen. Das gibt ihm eine Stellung, die es ihm leicht macht, eine Buch werbung ganz großen Stils zu veranlassen. Und es nimmt daher kaum noch Wunder zu hören, daß im Jahre 1933 dreihundert Bücher hier erschienen sind, die natürlich nicht alle, aber doch zum Teil große, auch für Deutschland beachtliche Auflagen erreichten. Man muß, um diese Tatsache zu würdigen, immer daran denken, daß Dänemark nur etrvas über ein Zwanzigstel der deutschen Einwohnerzahl hat, und man wird verstehen, daß eine Erklärung aus der wirtschaftlichen Lage allein gar nicht möglich ist. Eine zielbewußte Erziehung zum Buch hat hier vielmehr das Wesentlichste geleistet, unzählige Menschen in Dänemark können ohne Bücher heute nicht mehr fein. Verlagswesen und Buchhandel sind darauf eingestellt, Leselust und Buchbedarf immer zu vergrößern, diesem Zweck dient das vom deutschen völlig verschiedene dänische Verkaufssystem. Ter Verleger gibt dem Buchhändler die Bücher »in Konsignation«: dieser bekommt also die gesamte Jahresproduk tion ohne Bezahlung, muß alle Bücher nehmen und rechnet am Ende des Jahres über die verkauften Exemplare ab, die anderen darf er weiter behalten oder zurückgeben. Zur Erleichterung der Übersicht über die Produktion des Gyldendal-VerlagS dient eine nur für Buch händler bestimmte Wochenzeitschrift; ihre Notwendigkeit erweist sich daraus, daß ja fast täglich ein neues Buch auf den Markt kommt. Vom Buchhändler zum Leser aber geht das Buch vorwiegend auf dem Wege der Subskription und der ratenweisen Bezahlung. Bar zahlung, auch bei kleineren und einzelnen Werken, ist durchaus die Ausnahme. Der Buchhandel kann das durchführen, weil er ja auch alle Bücher erst am Jahresende zu bezahlen hat. Zu dieser äußeren Erleichterung kommt dann die geistige Buchpropaganda, in deren Dienst Presse und Rundfunk stehen. Tie großen dänischen Tages zeitungen bringen große literarische Beilagen mit Kostproben neuer Dichtung: da eine der größten dänischen Zeitungen, der »Dagens Nyheder«, — der, wenngleich völlig selbständig geführt und ver waltet, auch dem Verlag Gyldendal angehört — damit begann und diese Bereicherung lebhaften Anklang beim Publikum fand, trifft man nun in allen bedeutenden dänischen Blättern auf literarische Beiblätter. An alledem aber ist das Wichtigste die Einheitlichkeit der Wil lensleitung: es handelt sich ja um einen einzigen Verlag, nicht um unzählige auseinanderstrebende. Denn so kulturstrebend die Arbeit der fünfzig anderen Verlage auch ist, sind sie schließlich doch immer im Schatten des einen, der dem geistigen Leben des ganzen Laubes den Stempel ausdrückt. Das gibt dem Hause Gyldendal eine ttber- 8k 1
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