)§ 216, Ib. September 1834. Künftig erscheinende Bücher. Börsenblatt f. b. Dtschn Buchhandel. 3691 Is beginnt mit Geschichten, mit Anekdoten, mit „Döneckcns", scheinbar zu- sammenhanglos, um ein Bauerngeschlecht auf der Insel Rügen geschrieben. Und schon sind wir mitten in einer herrlichen Iugendgcschichte: Bauernjunge und Grafentochter, aus der gleichen Syntax lernend, gleiche Abenteuer erlebend, gleiche Streiche vollführend. Es ist sehr hell, durch all diese Jugendjahre weht der frischeste Seewind, wir sind Freunde und Kameraden, wir bauen uns unser eigenes Leben, wir: Johannes Gäntschow vom Ausbauhof Marder und Christiane Freiin Fidde aus Schloß Fidde. — Eine dunkle Stunde — und wir sind getrennt. Wo ist Christiane, Tta genannt? Johannes geht in die Welt, er lernt etwas: Maschincnsch.'osscrei, Tech nikum und Landstreichcrei. Einsame Jahre eines Heranwachsenden, der ein Eigener unter Verwaschenen bleiben möchte... Und da hat er den Pflug wieder in der Hand, er wird Beamter auf einem Rittergut, köstlich junge, dalbrige Liebesgeschichte mit der Lehrerin aus dem Klein-Kirschbaumer Schulhaus. Aus der Liebe wird Ehe, aus der geliebten Landarbeit Kampf. Wir kehren heim auf ein verwüstetes väterliches Erbe, wir fangen wieder einmal ganz von vorne an — wie oft werden wir das noch müssen? „An unfern gestorbenen Jugendgespielinnen ist alles schön"— aber wie, wenn die Gestorbenen wieder auferstehen? Ehe und Liebe, Kampf um den Hof und Kampfauch um die Liebe, immer bindend und nie gebunden sein wollend — so geht Johannes Gäntschow seinen Weg, glücklich und traurig, zwischen Liebe und Haß, zwischen Lachen und Weinen. Es hilft ihm alles nichts: wer nie gebunden sein will, der kann auch nichts binden, auch die Liebe nicht — schwerste dunkle Stunde: wir hatten mal ein Kind. Und nun geht sie, Tia geht für immer. Fallada hält dies Buch für sein schönstes — und sicher hat er noch nie mit solcher Hingabe, mit solcher Begeisterung erzählt. Das strömt dahin wie ein Fluß, es ist kein Bauernroman, es ist keine Liebesgeschichte, es ist kein Eheroman, es ist etwas wie das Leben selbst, hell und dunkel, klar und voller Geheimnis. Übermütig und traurig, voll von Streichen, Gelächtcrn, derben Späßen, verliebt wie ein Zwanzig jähriger und exakt wie eine Ackerbaulehre — gibt dieser Roman jedem etwas: Jungen und Alten, Städtern und Bauern, Männern und Frauen. Vor einem Jahre fragte Eduard Korrodi bei einem andern Werk Falladas hoffnungsvoll: Stehen wir vor dem Volksroman großen Stils? Hier ist er!