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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.11.1932
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- 1932-11-12
- Erscheinungsdatum
- 12.11.1932
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- Deutsch
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Rolle wird bei der Lösung offensichtlich die mit dem Verschwin den der Tribute zunächst arbeitslos gewordene Bank für Inter nationale Zahlungen spielen sollen. Man spricht von ihrer Ver legung von Basel nach London. Auch das aber wird nicht ohne Kampf abgehen. Die Aussichten sind also in dieser Beziehung vorläufig noch nicht sehr günstig. Das mag für die Verschiebung der Konferenz bis ins nächste Frühjahr mitsprechen. Um so wichtiger ist es — das muß auch diesmal wie schon so oft sestgestellt werden —, daß innerhalb Deutschlands alles ge tan wird, uni zunächst die eigene Wirtschaft zu sanieren und so weit mit allen Mitteln zu stärken, daß sie bis zur allgemeinen Wendung in der Welt durchhalten und sich dann sosort an- schließen kann. Daß die letzten Reichstagswahlen nicht zu den Dingen gehörten, die man als förderlich für die Wirtschaft bezeichnen könnte, braucht nicht wiederholt zu werden. Ihr Ergebnis bedeutet im übrigen eine Besserung der Lage ebenfalls nicht. Zunächst bleibt offenbar noch alles auf den Aus- trag des politischen Machtkampfes abgestellt. Darauf deutet vor allem hin, daß dem neuen Reichstag an erster Stelle der Ent wurf für eine Änderung einiger Verfassungsbestimmungen vor gelegt werden soll. Aus Einzelheiten dieser Dinge einzugehen, ist hier nicht der Ort. Das aber muß gesagt werden, daß, je mehr sich der Kampf darum zuspitzt, um so mehr die allgemeine Un sicherheit und Unübersichtlichkeit der weiteren Entwicklung wächst, was alles gerade die Wirtschaft jetzt am allerwenigsten brauchen und vertragen kann. Schon spricht man überdies von der Mög lichkeit eines Personenwechsels an maßgeblicher Stelle. Win das auch einen Wechsel der Methode und gar des Systems be deuten? Der Wirtschaft kann das nicht gleichgültig sein, da nicht nur die Frage ungeklärt ist, welche Rolle die Gewerkschaften künftig spielen sollen, sondern auch der Einfluß jenes kleinen, aber gewichtigen Kreises zu beachten ist, der immer wieder mit planwirtschaftlichen Gedanken hervortritt. Es sei hier vor allem auf die unter dem Namen Wagemanns gehenden Pläne einer koujuiikturtheoretisch zu steuernden Währungsreform hingewie sen, hinter denen nicht nur der Präsident des Statistischen Rcichs- amts und des Konjunkturforschungsinstituts steht. Die bisherige Entwicklung des Kontingentierungsprogramms ist nicht geeignet, das Vertrauen zur Wirtschaftspolitik zu heben und den Glauben an die Festigkeit und Stärke der Regierung zu stützen. Hier offen barte sich eine sehr schwache Stelle. Es wäre gut, wenn der Zu stand des Schwankens und der Unklarheit rasch und endgültig überwunden würde. An sich mehren sich die Anzeichen, daß ein gewisser Aufschwung der Wirtschaft unverkennbar eingesetzt hat. Die Warenhäuser melden schon für den September bessere Um sätze. Auch die Reichsbahn weist, was ganz besonders beachtlich ist, einige Verkehrsbelebung und Benutzungssteigerung aus. Der Norddeutsche Lloyd kann eben melden, daß infolge eingetretener Besserung der Lage das erwartete Defizit beträchtlich geringer bleiben dürfte, als Anfang des Jahres berechnet wurde. Daß die Konkurs- und Vergleichsziffern zurückgegangen sind, läßt eben falls darauf schließen, daß die Wirtschaft widerstandsfähiger wird. Die Einführung der ersten Steuerscheine an der Börse hat den Erwartungen entsprochen. Die Kursgestaltung ist nicht ungün stig. Me Ausnutzung der Prämienmöglichkeiten durch Mehrein stellungen bei entsprechendem Lohnabbau zeigt jedoch keinen Fortgang, nachdem die ersten Versuche aus den heftigsten Wider stand der Gewerkschaften gestoßen sind. Hier haben sich die Hoff nungen nicht erfüllt. Von der Auflockerung des Tarifwesens ist es ganz still geworden. Alles das ist noch kein Grund, daran zu verzweifeln, daß die Besserung der Wirtschaftslage sich in wei terem Umfang durchsetzen wird. Es wird aber noch verstärkter Anstrengungen bedürfen, um den toten Punkt zu überwinden. Große Sorge bereiten nach wie vor in erster Linie die Gemeinde finanzen. Die letzten Vorgänge in Köln und Frankfurt beleuch ten die Lage mit erschreckender Deutlichkeit. Der Städtctag hat infolgedessen erneut Verhandlungen mit der Reichsregierung ausgenommen, um Hilfe zu beschaffen. Es wäre unter diesen Umständen doppelt zu begrüßen, wenn die gerade auch aus Er sparnisgründen erforderlichen Änderungen der Verfassung und Verwaltung ohne überspitzte Widerstände rasch durchgesührt und damit alle Kräfte freigemacht und zusammengefaßt werden könn- 818 ten, um sie in den Dienst der unbedingt nötigen Belebung und Stärkung der Wirtschaft stellen zu können. Auf buchgewerblichem Gebiet dürften den Buchhandel augen blicklich nicht zuletzt die Vorgänge in der Papier Wirt schaft besonders interessieren und berühren. Seit langem gilt die Lage der Papierindustrie als unbefriedigend. Nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt ist eine beträchtliche Uberkapazität vorhanden, deren mangelhafte und im Fortschrei ten der Krise sich immer mehr verschlechternde Ausnutzung bei der Kapitalintensität der Industrie besonders stark ins Gewicht fällt. Die deutschen Zellstossfabrikcn wurden nun unter diesen Umständen durch die Pfundabwertung doppelt hart betroffen. Die Stellung der skandinavischen Konkurrenten wurde dadurch übermächtig. Die zunächst erhobene Forderung nach Zollschutz wurde bald fallen gelassen. Aber die Devisenbewirtschaftung wurde in den Dienst des Schutzes der eigenen Interessen gestellt. Darauf gestützt konnte dann eine Erhöhung zunächst der Zell stofspreise gewagt werden. Es war vorauszusehen, daß eine Er höhung auch der Papierpreise folgen würde. Trotz des Wider standes der papierverarbeitenden Industrie, die noch in der Sitzung des Außenhandelsverbandes der Papierindustrie am 21. Oktober in Berlin eine entsprechende Entschlie ßung faßte, ist diese Preisheraufsetzung von 5 bis 15 Prozent auch verkündet worden. Wie weit sie sich tatsächlich wird durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Die Münchener Tagung des Vereins der Papierfabrikanten im Juli hat, wie wir seinerzeit hervor hoben, zunächst Rationalisierungsmaßnahmen angeregt, die ohne Preissteigerung die erforderliche Rentabilitätsverbesserung er möglichen sollten. Die Überkapitalisierung der meisten Betriebe macht das an sich notwendig. Wenn aber jetzt die Kartellierung nur zu erhöhten Preissorderungen ausgenutzt wird, so ist das deswegen besonders zu verurteilen, weil diese nur den Jnlandver- braucher treffen. Die Auslandpreise unterliegen dem Druck des Weltmarktes, der bis auf weiteres keine Preissteigerung ver trägt. Damit ist aber der inländische Papierverarbciter doppelt geschädigt, sobald er selber ausführen muß. Das trifft zu einem guten Teil auch den Buchhandel. Wie sehr von gewissen Seiten immer wieder die deutschen Buch- und Zeitschriftenpreise ange griffen werden, ist bekannt. Die Stellung des Verlags dem gegenüber wird weiter erschwert, wenn sich das Papier verteuert. Me Neuproduktion des deutschen Verlags ist in den letzten Wochen merklich lebhafter geworden. Zum erstenmal war im Oktober die Zahl der erstmalig im Börsenblatt angckündigten Neuigkeiten wieder größer als die des gleichen Zeitraums im Vorjahr (Oktober 1932 1492 gegen 1355 Oktober 1931). Gegen 1930 <1907) und 1929 (1778) bleibt sie aber immer noch bedeutend zurück; auch liegt das bisherige Gesamtergebnis des Jahres (8537) um immer noch fast I3A! niedriger als 1931 und sogar mehr als 25A niedriger als 1930. Nachdem mit der Weihnachtssondcrnummer der größte Teil der Ncuproduktion schon angezeigt ist (wodurch sich das Ergebnis für Oktober er klärt), dürfte sich auch dieses Verhältnis kaum noch wesentlich verschieben. Der schon das letzte Mal festgestcllte Preisunter schied hat sich nicht verändert. Die »P r e i s r e v o l u t i o n im Buchhandel«, die sich darin zu einem Teil mit ausdrückt, be schäftigt, wie bereits früher bemerkt, in zunehmendem Maße auch die nichtbuchhändlerische Öffentlichkeit. Die Frankfurter Zei tung brachte unter dem obigen Stichwort z. B. vor einigen Tagen einen Aufsatz aus offenkundig sachverständiger Feder, der sehr viel Beachtliches zu sagen hatte. Er widersprach u. a. entschie den der noch oft vertretenen Ansicht, daß das ausländische Buch, insbesondere das französische billiger sei als das deutsche. Sehr richtig hatte er vorher schon auf die Auseinanderentwicklung des Buchmarktes hingewiesen, die erst den tieferen Grund zur Ent stehung der 2.85-Ausgaben neben der nur zu höheren Preisen herauszubringenden Literatur geschaffen hat. Es gibt eben ein Publikum, das für die letztere in Frage kommt, und ein anderes, das das billige Buch braucht. Auf diese Dinge hat wohl mit zuerst übrigens schon I9ll S. Fischer in sehr gründlichen Aus führungen hingewiesen. Das Unglück ist, daß sich diese beiden verschiedenen Märkte nicht reinlich von einander trennen und vor allem nicht gesondert bearbeiten lassen. Daraus erklärt sich
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