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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.05.1886
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1886-05-19
- Erscheinungsdatum
- 19.05.1886
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
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2670 Nichtamtlicher Teil. ^ 114, 19. Mai 1886. schungen) über den Sucreß (Erfolg) ihres litterarischen Schoßkindes, bis eines Tages die deprimierende (nieder drückende) Flut von Remittenden den Verleger belehrt, daß er falsch kalkuliert (gerechnet) und teure Makulatur gedruckt hat. Vorstehende Beispiele sollen und können, wie schon anfangs bemerkt, keinen Anspruch auf vollständige Erschöpfung des berühr ten Gegenstandes machen; denn es giebt noch ungezählte andere Fremdwörter, die im Buchhandel und in den ihm verwandten Geschäftszweigen sich eingebürgert haben. Wir erwähnten hier beiläufig nur solche, die uns beim Schreiben gerade in den Sinn kamen. Wenn es auch manche Fremdwörter giebt, deren Verdeutschung schwierig und vorerst nicht ratsam ist, wie z. B.: Abonnenten, adressiren, alphabetisiren, antiquarisch, bibliogra phisch, Broschüre, catalogisiren, Clichü, colportiren, Commissionär, Committent, Concurrenz, Correctur, Defecte, Differenz, Disponenden, etabliren, Exemplar, Factur, Foliant, Format, Formular, Galvano, Gravi- ruug, Honorar, illustrirt, Kalender, Kredit, Liniatur, litterarisch, Local, Maculatur, manipuliren, national, netto, Novelle, ordinär, Original, periodisich, Personal, Porto, Prinzipal, Prozente, Prospekt, reclamiren, Re daktion, registriren, Remittenden, Romane, Sorti ment, Spezialität, Strazze, subscri bi ren, technisch, Typen, Vignetten u. s. w., so bilden sie gottlob doch die Minderzahl der in unserm Berufsleben gebräuchlichen Fremdwörter; weitaus die meisten derselben sind ohne Mühe durch gute und gangbare deutsche Ausdrücke zu ersetzen, wie wir ja nachzuweisen ver sucht haben. Es muß der Zukunft und dem Urteile von Sachverständigen überlassen bleiben, an Stelle der schwierig zu verdeutschenden Fremdwörter nach und nach Brauchbares aus dem Schatze der Muttersprache zu formen. Jedenfalls kann hier der Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler allein bahnbrechend Vor gehen, und daß er sich seiner Aufgabe nach dieser Richtung hin be wußt ist, dafür spricht ein von seiner Seite für die nächste Kantate- Hauptversammlung beabsichtigter Antrag bezüglich der Reinhaltung der buchhändlerischen Verkehrssprache wohl deutlich, und diese Kund gebung begrüßen wir schon heute mit aufrichtiger Freude und lebhafter Genugthuung. So möge denn der deutsche Buchhandel allerorts sich auf raffen und seiner nationalen Stellung würdig der zudringlichen Fremdwörterherrschaft mannhaft den Krieg erklären; dadurch ehren wir uns selbst und dienen der Sache des Vaterlandes! 8t. N. U. Misccllcn. Gründung eines Scheffel-Archivs. — Behufs der Er richtung eines »Scheffel-Archivs« läßt die Familie des ver storbenen Dichters auf diesem Wege an alle, welche im Besitz von Aufsätzen, Anekdoten, Gedichten rc. (älteren und neueren Datums) über Joseph Victor von Scheffel sind, die freundliche Bitte ergehen, solche gütigst der Frau vr. von Scheffel in Karlsruhe (Baden), Stefanienstraße 16, zur Verfügung zu stellen. Ausstellung. — Die von der Berliner Typographi schen Gesellschaft im Oberlichtsaale des Berliner Rathauses veranstaltete Ausstellung neuerer Erzeugnisse der Buchdruckerkunst wird am Mittwoch den 19. Mai, vormittags 10 Uhr, durch Herrn Buchdruckereibesitzer Koepsel eröffnet werden und von da ab bis hum Sonntag den 23, Mai täglich von 10—5 Uhr zu besichtigen sein. Neben der sehr umfangreichen Sammlung der Typographischen Gesellschaft finden Sonderausstelluugen selbständiger Mitglieder derselben statt; auch wird, wie bereits mitgeteilt, der Umfang des Berliner Zeitungswesens in eigenartiger Weise anschaulich gemacht werden. Der Eintrittspreis beträgt 50 doch erhalten Vereinigungen, die eine größere Anzahl Karten entnehmen, dieselben zum ermäßigten Preise von Herrn Faktor Alex Stadthagen in Berlins., Mauer straße 63/65 (Buchdruckerei von Jul. Sittenfeld). Vom Allgemeinen Verein der Kolportagebuch händler im Deutschen Reich. — Die diesjährige Haupt versammlung des »Allgemeinen Vereins der Kolportage buchhändler im Deutschen Reich« findet in den Tagen vom 27. bis 29. Juni o. in Dresden statt. Aus der aufgestellten Tagesordnung ergiebt sich, daß die Leitung des Vereins die Durch führung weiterer Reformen des Kolportagebuchhandcls anstrebt. Ein neuer Statutenentwurf bezweckt den Anschluß aller bestehenden Lokalvereine, die im »Allgemeinen Verein« ihre Centralstelle haben sollen, von welcher aus die Wahrung aller in Betracht kommenden geschäftlichen Interessen ausgeübt wird. — Des weiteren wird der Entwurf des Statuts einer Untcrstützungskasse zur Beratung gestellt, die allen Standesgenoffen in vorkommenden Fällen that- kräftigen Beistand leisten soll. Angesichts der schädlichen Einflüsse der Schleuderei und unberechtigten Konkurrenz fehlt es nicht an praktischen Vorschlägen und Anträgen, deren Durchführung im gemeinsamen Interesse liegt. — Das in Form einer umfassenden Denkschrift an die hohen gesetzgebenden Körperschaften gerichtete Bittgesuch des Vereins in Sachen der Gewerbenovelle vom 1. Juni 1883 (vergl. Börsenbl. 1886 Nr. 86), wird voraussichtlich bald im Reichstage zur hoffentlich befriedigenden Erledigung gelangen. Auskunft auf Anfragen erteilt der Buchhändler Ernst Schultze in Berlin 80., Reichenbergerstraße 168. Die Schülerbibliotheken in Niederösterreich. — Wie man der Münchener »Allg. Ztg.« aus Niederösterreich berichtet, wurde dort durch den s. Z. mitgeteiltcn Erlaß des Unterrichts ministers eine förmliche Verwüstung in den Schränken der Schüler bibliotheken hervorgerufen, und die Bücherzahl soll an manchen Schulanstalten auf ein Drittel zusammengeschmolzen sein. Nicht weil man bei den früheren Untersuchungen der Schulbibliothekcn allzu nachsichtig vorgegangen ist, traf dieselben jetzt eine so gründ liche Auskehr, sondern weil diesmal durch den Erlaß des Ministers die Lehrer persönlich dafür haftbar gemacht wurden, kein in irgend einer Weise in religiöser, sittlicher oder politischer Beziehung an stößiges Buch in der Schülerbibliothek vorfindcn zu lassen. Man ging daher mit der peinlichsten Strenge bei Sichtung der Bücher vor und räumte lieber alles beiseite was irgendwie eine Verant wortung hätte nach sich ziehen können. Shakespeare wurde, als zu derb im Ausdrucke, entfernt; die »Lusiaden« von Camoens wurden wegen der berühmten Schilderung der Venus ausgeschieden, die Hoffmannschcn Erzählungen wurden decimiert. Aber selbst unsere Klassiker Schiller, Goethe und Lessing wurden der Untersuchung der Revisionskommissionen unterzogen. Ängstliche Lehrergemüter schraken vor der Verantwortung zurück, für die sittlich religiös-politische Reinheit der drei Geistesheroen vor einem hohen Kultusmini sterium eintreten zu sollen. Um die Gefahr zu vermindern, beschloß man, in Bezug auf die deutschen Klassiker gemeinsam vorzugehen. Eine Gesamtkonferenz der Lehrkörper der Mittelschulen schwang sich zu der Entscheidung empor, die Werke Schillers, Goethes und Lessings im ganzen beizubehalten, und die Teilnehmer erklärten für diesen Beschluß gemeinsam einstehen zu wollen.
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