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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.03.1871
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- Band
- 1871-03-08
- Erscheinungsdatum
- 08.03.1871
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- Deutsch
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Jndie naturwissenschaftliche Literatur kam Leben und Bewegung durch den Kampf der Biogenistcn mit den Abiogenisten — jene geführt von Professor Hurley, diese von unserem Landsmann Dr. Bastian, der durch mühsame und eracte Versuche gefunden und beobachtet haben will, daß sich Lebenszellen und überhaupt ani malisches Leben aus todtem Stoffe bilden und entwickeln könne, während Prof. Hurleh und seine Anhänger steif und fest bei dem alten Grundsätze des omno vivuiu vx vivo verharren. Offenbar ist das letzte Wort in diesem Streite, der die ganze herkömmliche Schöpfungstheorie über den Haufen zu werfen droht, noch nicht ge sprochen. Wenn er zu Gunsten der Abiogenesis entschieden werden sollte, dann würde sich das Darwinsche System sehr vereinfachen und vervollkommnen; denn zur Vollständigkeit gehört vor allem Einfachheit, wie Goethe sagt. Das seit lange angekündigte und mit begreiflicher Spannung erwartete neue Werk Darwin's: „Dlls Ilssoont ok Illnu" ist noch immer nicht erschienen, wird jedoch in wenigen^Tagen die Presse verlassen. Da der Verfasser in diesem Buch die in seinen zwei früheren Werken entwickelten Gesetze oder Theorien von der natürlichen Sonderung unter dem Einflüsse des Kampfes um die Existenz auf den Ursprung und die Entwicklung der menschlichen Species anzuwenden verspricht, so dürfen wir uns auf eine lebhafte wissenschaftliche Polemik gefaßt machen, und Herr Vogt wird nun bald in den Stand gesetzt werden, seinen aufmerk samen Zuhörern den genauen Verwandtschaftsgrad anzugeben, in welchem sie zu dem Gorilla stehen. Die schöngeistige Literatur — immer mit Ausnahme der handwerksmäßigen Romanschreiberei, die an dieser Stelle keine Be rücksichtigung in einer literarischen Rundschau beanspruchen darf — hat seit einem Jahre fast gefeiert. Außer Disraeliist keiner der berühm teren Romandichter mit einem größeren Werke vor das Publicum getreten. Disraeli's „Lothar" sind schon io ausführliche Besprechungen gewidmet worden, daß wir nicht ausführlicher darauf zurückzukom- mcu brauchen. Das Buch ist viel getadelt, wenig gelobt und all gemeiner gelesen worden, als irgend ein anderer Roman des letzten Jahrzehends. Den durch zahreiche Auflagen und Ausgaben bekun deten ungeheuren Erfolg des Buches der politischen Stellung des Verfassers, der Parteipeitsche allein zuschreiben zu wollen, würde kein Compliment für das Publicum und ein Unrecht gegen den Autor sein. Wenn auch mehr politischen als ästhetischen Zwecken dienend, so reproducirte „Lothar" doch ein Stück des wirklichsten englischen Lebens. Die mit dem Alter gewachsenen Grillen und Schrullen des Verfassers, die noch dazu mit einer gewissen aristokratischen Heuchelei verquickt werden, um das kopfscheue Torygefolge bei der Stange zu halten, treten allerdings bald lächerlich, bald verächtlich hervor; aber auch die epigrammatische Schärfe seines Geistes hat sich noch nicht abgenutzt. Der Erfolg war, wie gesagt, ein so ungeheurer, daß sich Disraeli zu einer „letzten" Gesammtausgabe seiner politi schen Romane crmulhigt fühlte, und diese durch eine Vorrede ein leitete, welche Selbstkritik sein soll, in Wirklichkeit aber triumphirende Selbstvcrherrlichung ist. Lord Lyttvn (Bulwer) hat seine literarische Thätigkeit eben falls auf die Wiederherausgabe alter Werke und auf poetische Kleinigkeiten beschränkt, die keiner besonder» Erwähnung bedürfen. — Die größte aller lebenden englischen Romandichter und Dich terinnen, George Elli ot, hat neuerdings die Literatur nur durch ein nicht umfangreiches, aber reizendes, poetisch anheimelndes Ge dicht: ,/I'lie 8p»ni8t> Kips/' bereichert. — Charles Dickens, der populärste von allen, liegt in der Westminster-Abtci begraben. Die ersten Capitel seines unvollendet gebliebenen Romans, über die er todt niedersank, machen einen wehmüthigen Eindruck. Die Schatten des Todes hatten sich schon über seinen Geist gesenkt, er lebte, dachte und schrieb nur noch von Erinnerungen; er verdankte, wie Sheridan von einer Pitt'schen Rede sagte, seinen Witz dem Gedächtniß und seine Thatsachen der Phantasie; aber diese war todmüde. Dickens'- kann Wohl nur in England richtig erkannt und gewürdigt werden. In seinen Fehlern und Tugenden war er so specifisch englisch, daß der Ausländer kaum begreifen kann, wie er mit seinen Schriften so viel Bewunderung und so viel Haß zu erregen vermochte. Die all gemeine Trauer um seinen Tod mag zum Theil unaufrichtig sein, und bei gewissen Gesellschaftsclassen auf der Freude beruhen, von einem so scharfen und mulhigen Sittenrichter befreit zu sein. Sein Humor war eigentlich nie harmlos, sondern ging den Lastern und den Usurpationen des Privilegirten Lebens mit der blanken Waffe der Satire mitleidlos zu Leibe. Daher wurde er während seines Lebens viel geschmäht und ingrimmig gehaßt, und daher wird er nach seinem Tode allgemein verehrt und betrauert. Das ist so der Lauf dieser liebenswürdigen Welt, in deren „öffentlicher Meinung" es auch für den unparteiischen Beobachter oft schwer ist: Durxi soosrnors iions8tum. Die Opfer des Krieges. XV.*) M. Minderlein. Am 5. November v. I. starb im Lazareth zu Orleans unser treues Mitglied, M. Minderlein aus Kaufbcuern, zuletzt Soldat" im k. bayerischen 3. Infanterie-Regiment. Wir widmen diese Trauerkunde seinen zahlreichen Bekannten im Buchhandel und empfehlen den so früh Dahingeschiedenen, der uns Allen ein lieber Freund und College war, freundlichem Angedenken. Stuttgart, den 24. Februar 1871. Buchhandlungsgehilfen-Verein „Ulk". Personalnachrichten. Die Frau Großherzogin-Regentin von Sachsen-Weimar hat dem Inhaber der unter der Firma Friedr. Mauke zu Jena bestehen den Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei, Herrn Oskar Herm. Mauke aus Anlaß des jüngst begangenen 100jährigen Jubiläums der Begründung der gedachten Buchdruckerei in Anerkennung deren verdienstlicher Leistungen das Prädicat als „Commissionsrath" verliehen. Herr Manfred Renner, Besitzer der Hofbuchhandlung von Brückner L Renner in Meiningen, hat von dem Herzog von Sachsen- Meiningen in Anerkennung seiner ersprießlichen mithelfenden Thätig keit an den patriotischen Werken der Liebe im gegenwärtigen Kriege das Vcrdienstkreuz erhalten. Mit dem Eisernen Kreuze sind wiederum folgende College» geschmückt worden: Egmont Fehleisen, Porteöpöefähnrich im 1. württembergischcn Infanterie-Regiment, zuletzt Gehilfe bei K- Wittwer in Stuttgart. — Ernst Hartung, Sohn unsers hiesigen Collegen Herm. Hartung; derselbe trat bei Beginn des Krieges als Vicefeldwebel in das 108. Regiment, avancirte aber noch vor dem Einmärsche der Truppen in Frankreich zum Lieutenant und machte als solcher die Schlachten von Verdun, Sedan, die Belagerung von Paris und dabei die mörderischen Ausfälle bei Villiers und Brie mit, ohne verwundet zu werden. — vr. Oscar Hase, Verfasser der vor kurzem erschienenen verdienstlichen Schrift: „Die Koburger^ Buchhändler-Familie zu Nürnberg etc.", und ein Neffe der Besitzer des Hauses Breitkopf <L Härtel. — W- Hasen pflüg, zuletzt Ge hilfe in der Metzler'scheu Buchhandlung in Stuttgart. — Wilhelm Weber von Darmstabt, Lieutenant der Reserve im 4. hessischen In fanterie-Regiment, zuletzt bei Ad. Oetinger in Stuttgart conditio- nirend. -) XIV. S. Nr. 32.
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