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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.07.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-07-29
- Erscheinungsdatum
- 29.07.1920
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- Deutsch
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- Saxonica
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167. 29. Juli 1929. Redaktioneller Teil. daher der Vorschlag, alle Leipziger Kommissionsgeschäfte zu einer Genossenschaft zu vereinigen. Das ist gewiß radikal und läßt sich nur im freundlichen Einvernehmen mit den Kommissionären durchführen. Aber ein anderer Ausweg aus Zuständen, die der Gesamtbuchhandel nicht länger ertragen kann, »nd an denen die Vororistellung Leipzigs als Kommissionsplatz zugrunde zu gehen droht, ist bis jetzt noch nicht gezeigt worden. In der Buchhändlerbank würde zunächst jeder Sorti ment e r, der über Leipzig verkehrt, ein G u l h a b « n - K o n t o haben müssen, unverzinslich wie im Postscheckamt, im Betrage den zu erwartenden Belastungen für bestellte Sendungen und Fortsetzungen entsprechend. Im kleinen ist es so bereits für die Leipziger Sortimenter bei der mit der Paket-Austausch stelle verbundenen »Abteilung für Buchhandel« der »Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt« eingerichtet. Das Verfahren hat sich seit 1918 ganz leicht eingefllhrt; die Auffüllung der Konten ge schieht glatt und reibungslos. Da aber unvorhergesehene Aus gaben eintrelen können, so wird wohl ein zweiter Konto, das Kredit-Konto (Kontokorrent) nicht zu umgehen sein; der Bank mutz das Recht zuslehen, bei Bedarf Überträge aus Kre dit- auf Guthaben-Konto zu machen. Die Höhe des Kredits würde von einer besonderen Abteilung der Geschäftsleitung nach sehr sorgsamer Prüfung aller Verhältnisse zu bestimmen sein, genau wie bei jedem anderen Bankgeschäft. Nicht vereinbarter Kredit kann nicht gewährt werden, das heitzt: ist das Kredit- Konto erschöpft, so werden Zahlungen für die betressende Firma nicht mehr geleistet, Barpakete zurückgewiesen, wie schon jetzt im Verkehr der Leipziger Austauschstelle. So hart wie das mitunter für die betreffende Firma sein mag, wird hieran unver brüchlich festgehalten werden müssen; denn auf streng gereg «l - t c n Verhältnissen beruht die Gesundheit des Ganzen. Der Bank gehen in festzusetzenden Zeiträumen <1-, 2-, 3- tngig) von dem Speditionsbetrieb der Genossenschaft Mitteilun gen der die einzelnen Sortimenter treffenden Lastschriften zu. Die Summe wird vom Guihabcn-Konto des Sortimenters abge schrieben; dieser erhält, ebenfalls in kurzen Fristen, Übersichten über den Stand seiner Konten, ähnlich wie beim Postscheckamt. Die Wirkung der ganzen Einrichtung wäre für den Sorti menter die Verlegung eines große» Teils seiner Kassengeschäfte nach Leipzig; anstatt datz er an viele Verleger einzeln zahlt, er scheinen deren Rechnungen automatisch auf seinem Leipziger Konto; er spart viel Arbeit und hat nur dasür zu sorgen, datz dort sein Guthaben oder sein Kredit ausreicht. Für Verleger sind nur Guthaben-Konten nötig, über die sie in jeder bankmäßigen Weise verfügen können. Doch können auch ihnen auf Wunsch und je nach dem Geldstande der BuchhSndlerbank Kredit-Konten eingerichtet werden. In der Buchhändlerbank kann der Buch handel sich ein sehr bedeutendes Bankge schäft aus dem Nichts schaffen. Datz sämtliche 12 475 Firmen, die das Adreßbuch (1929, IV, S. 138) zählt, «in Bank-Konto beanspruchen werden, ist zwar nicht anzunehmen, aber mit etwa 3999 Verlegern und 7999 Sortimentern wäre doch wohl zu rechnen. Für eine Umsatzschätzung fehlen noch die nö tigen Grundlagen, aber man geht wohl mit folgender Annahme nicht zu weit: 3999 Verleger zu 59 999 .4k durchschn. Bankumsay 159 999 999 7999 Sortim. zu 39 999 -4k durchschn. Bankumsatz 219 999 999 Bankumsatz: 369 999 999 Dieser Riesenumsatz kann wahrscheinlich ohne oder beinahe ohne eigenes Bankkapital (außerhalb desGenossenschaftskapitals) erzielt werden, denn die Summe der 19 999 Guthaben-Konten der Verleger und Sortimenter dürfte die Summe des jeweils auf den Kredit-Konten der Sortimenter beanspruchten Kredits wahrscheinlich erreichen oder gar übersteigen. Der Eigengewinn der Buchhändlerbank würde in der Haupt sache, vielleicht ganz aus den Zins- und Provistonsbelastungen auf den Kreditkonten erzielt werden, während die Bank die aus- znlcihenden Gelder aus den Gulhaben-Konien zinsfrei entnimmt. 3999 Guthaben-Konten von Verlegern zu durchschnittlich 3099 ^4k ergeben 9 Millionen, 7999 Guthaben-Konten von Sorti mentern zu durchschnittlich 1599 .4k 19,5 Millionen zinsfreies Kapital, zusammen 19,5 Millionen. Diese, aus 7999 Sortimenter- Kredii-Kvnteu ausgeliehen, ergeben durchschnittlich für jedes Konto 2786 .4k Leihkapital, wohl schwerlich zu hoch gerechnet. Als Bankzinsfuß einschließlich Provision kann man jetzt und wahrscheinlich noch lange mindestens 8°/« annehmen. Die 19,5 Millionen ergäben also einen Rohgewinn bis zu 1 569 999 .4k; da aber vielleicht doch nicht immer das ganze Kapital zu 8°/« angelegt werden kann, so will ich nur 7H!> — 1365 999 .4k Ge winn rechnen. Damit lassen sich aller Voraussicht nach mindestens die Geschäftskosten bestreiten. Auf ähnlicher Grundlage beruht auch der Postscheckverkehr. Über die Geschäftskosten können genaue Vorausberech nungen erst vorgenommen werden, wenn die nötigen Unterlagen beschafft worden sind, und dann in sehr sorgfältiger Weise im Zusammenwirken von Sachverständigen. Vorläufig mag Fol gendes als Anhalt dienen. Die Leipziger Paket-Austauschstelle hat im Jahre 1919 über 27 Millionen Mark über die mit ihr verbundene Abteilung für Buchhandel der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt umgcsetzi. Um der Bank die täglichen Summen der Gut- und Lastschriften zu übermitteln und deren Richtigkeit durch Vergleich mit der Summe der eingehenden und ausgehenden Barpakete einschließ lich des täglichen Anfangs- und Endbestands abzustimmen, waren 19—12 der 36—38 Angestellten nötig. Die betreffenden Arbeiten der Bankstellc selbst werden von nur etwa acht Beamten erledigt. In der Austauschstelle besorgt also 1 Beamter 21L—2st>» Mil lion Umsatz, in der Bankstelle 3V» Million. Auch für die geplante Neugestaltung wäre daran festzuhalten, datz die Buchhändlerbank nur die ihr zu meldenden Summen der Gut- »nd Lastschriften zu bearbeiten hat, die Einzel heiten aber die Speditions- und Auslieferungs-Abteilung der Genossenschaft. Diese Einzelarbeit besorgen jetzt, nur in anderer Forni, die einzelnen Kommissionsgeschäfte mit ihrem Rech nungswesen gegenüber den Kommittenten und unter sich. Ich vermute, daß diese Arbeit jetzt erheblich umfangreicher ist, als sie künftig zu denken wäre. Mir scheint in allen diesen Umständen nichts zu liegen, was besorgen ließe, daß die vorgeschlagene große Leipziger Abrech nungsstelle des Gesamtbuchhandels auf der angedeuteten Grund lage nicht lebensfähig sein könne. Mit Itzt, bis 1tz!> Millionen Zinsüberschuß jährlich läßt sich selbst zu Teuerungsgehältcrn ein gewaltiger Bankbetrieb erhalten. Aber man muß vorsichtig auch mit Verlustbetrieb rechnen. Fehlbeträge hätten die Genossen schafter in der von der Hauptversammlung zu beschließenden Weise zu decken; es könnte z. B. die Erhebung einer kleinen Provision auch auf den Umsatz der Guthaben-Konten zu be- schließen sein. Nur 1"/»» auf 369 Millionen Umsatz ergeben schon 369 999 .4k Mehrertrag. Es kann schon ein hoher Fehlbetrag entstehen, und er erreicht doch noch lange nicht die jetzigen Auf wendungen des Buchhandels für seinen Geldumsatz in und außer Leipzig. Es kann aber auch Gewinn entstehen, muß es, wenn die Grundlagen richtig sind. Er kann entweder den Kreditnehmern durch Ermäßigung des Zinsfußes zufließen oder in anderer Form allen Genossenschaftern. Jedenfalls — die Buchhändlerbank könnte d i e große Ab rechnungsstelle des gesamten deutschen Buchhandels werden, in der Barpakete, Varfakturen und Zahlungen jeder Ari bargeld - los und wahrscheinlich kostenfrei beglichen werden. Das wären zwei der vielen in der Denkschrift der acht Ver leger aufgeworfenen Fragen herausgenommen. Was bei jeder Gelegenheit betont worden ist, sei nochmals gesagt: Den Ver fassern der Denkschrift ist der Gedanke fern, daß sie das unbe dingt Richtige Vorschlägen. Aber bisher hat noch niemand andere Wege gewiesen; nur darin war man zur Ostermcsse einig, daß vieles anders werden müsse. W e r also Besseres weiß, oder das Bestehende für unübertrefflich hält, der möge ja mit seiner Meinung her vortreten. Dazu von neuem aufzufordern, ist der eigentliche Zweck dieser Niederschrift.
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