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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.06.1935
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1935-06-22
- Erscheinungsdatum
- 22.06.1935
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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^ 142, 22. Juni 1935. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. b. Dtschn Buchhandel. Wünsche des wissenschaftlichen Sortiments Referat, erstattet in der Sitzung der Fachgruppe Sortiment am 18. Mai 1935 in Leipzig von Äans Ferdinand Schulz (Freiburg i. Br.) Ich will mich nicht nochmal zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage des wissenschaftlichen Sortiments äußern. Jeder, der mit wissenschaftlicher Literatur auch nur etwas zu tun hat, und dazu gehört wohl der gesamte Buchhandel, weiß, daß die Absatzverhält- nisse gerade aus diesem Gebiet unserer Arbeit außerordentlich ungünstig sind. Ich will auch keinen Gegensatz zwischen wissen schaftlichem Sortiment und allgemeinem Sortiment herausbe schwören. Denn ich weiß, die Dinge, von denen ich spreche und die uns wissenschaftlichen Sortimentern das Leben so besonders schwer machen, berühren das gesamte Sortiment, nur daß die meisten der Kollegen das gar nicht empfinden, weil sie gar nicht mehr merken, was mitunter hinter den Kulissen gespielt wird. Um das Ziel meiner Ausführungen vorwegzunchmen: Die Wünsche, die ich als Vertreter des wissenschaftlichen Sortiments hier vorbringc, beziehen sich auf nichts anderes, als das endlich auch im wissenschaftlichen Buchhandel, das heißt im Verkehr zwi schen Verlegern, Sortimentern, Autoren und Bücherkäufern die unbedingte Rücksichtnahme zwischen Gliedern einer Volksge meinschaft einzieht, welche im Dritten Reich eine Selbstverständ lichkeit geworden ist. Es geht nicht an, daß irgendein Großer, Mächtiger zu seinem Vorteil einseitig seinen Willen diktiert und daß andere Große ihm folgen und seine Maßnahmen nachahmen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Auch der w i s s e n s ch a s t - liche Buchhandel genießt die Rechte und Pflichten des Reichs kulturkammergesetzes, und die Zeiten sind vorbei, wo der Börsen verein den eindeutigsten Tatbeständen gegenüber seine Ohnmacht hinter Kompromissen oder gar hinter Schweigen verbergen mußte. Am allerwenigsten liegt mir daran, Beunruhigung in die Kreise des wissenschaftlichen Verlages oder gar des Verlages schlechthin zu tragen. Denn ich bin überzeugt, die Mehrzahl unserer Ver leger, auch der wissenschaftlichen Verleger, hat gegen das, was ich vorbringe, nichts einzuwenden, ja, sie werden es begrüßen, wenn auf dem Gebiet der Vorzugs- und Sonderpreise endlich ein deutige Tatbestände geschaffen werden. Die Arbeit im wissenschaftlichen Sortiment ist Dienst an der Wissenschaft, wie die Arbeit des wissenschaftlichen Verlages Dienst an der Wissenschaft ist. Wir verlangen nichts anderes als die Anerkennung dieser Tatsache. Die Rabatte, die uns der wissen schaftliche Verlag gewährt, sind kein hingeworfencs Almosen, son dern die gerechte Entlohnung unserer Arbeit. Wenn der wissen schaftliche Verlag nicht immer mit unserer Arbeit zufrieden ist, so mag er direkte Propaganda machen, er mag sogar direkt liefern, wenn das Publikum uns Sortimentern durch direkte Bestellung beim Verlag sein Mißtrauen ausdrückt und wenn der wissenschaft liche Verlag die direkte Lieferung dem befreundeten Sortiment gegenüber glaubt verantworten zu können. Aber ein wissenschaft licher Verlag, wie er auch heißen möge, darf unter keinen Um ständen und unter keinerlei Motivierung uns Sortimenter, seine natürlichen Verbündeten, unterbieten und seinen Abnehmern Ver günstigungen einräumen, für welche wir die Kosten zu tragen haben. Leider ist es noch immer so, daß das Sortiment die Kosten trägt für manche Vergünstigung, welche den Verlag mitunter den Abnehmern gegenüber sogar in das Licht besonderer Generosität rückt. Wer meinen Aussatz »Ein Kapitel über Lieferungsbedingun gen im Buchhandel« gelesen hat (Börsenblatt 1934 Nr. 244, 246, 250 und Deutscher Buchhandlungsgehilfe September 1934) weiß, daß ich nicht einer zügellosen Rabattforderung das Wort rede. Ich erkenne als Gesetz nationalsozialistischer Wirtschaftsführung, daß jeder Leistung der gerechte Lohn entspricht. Deshalb halte ich es beispielsweise für berechtigt, daß der wissenschaftliche Verlag Unterschiede in seinen Lieferungsbedingungen macht. Aus der Differenz zwischen dem Rabatt des sogenannten bevorzugten Sor timents und dem Rabatt des nicht bevorzugten Sortiments wird die direkte Publikumswerbung des Verlages finanziert, deren Be rechtigung ich eben ausdrücklich anerkannte. Von der Höhe des Rabatts hängt unsere Arbeitsfähigkeit als Sortimenter nicht ab, sondern vom Umsatz und vom Verhältnis des Umsatzes zu den fixen Kosten (Miete, Gehälter, Heizung, Licht, usw.). Steigt der Umsatz, dann sinken automatisch die durchschnittlichen Unkosten, weil die fixen Kosten gleichbleiben. Niemand wird bestreiten, daß wir Sortimenter und unsere Gehilfen quantitativ mehr arbeiten können, wenn uns die Gelegenheit dazu geboten wird. Nicht von einer Erhöhung des Rabattes hängtdieRettungdesSortimentsund vorallem des wissenschaftlichen Sortiments ab, son dern davon, daß das Sortiment auf allen Ge bieten einschließlich der wissenschaftlichen Zeit schriften endlich voll wettbewerbsfähig gemacht wird und dadurch zu höherem Umsatz kommt. Unsere Leistung als Sortimenter muß schlechter werden, je mehr uns Sorgen rein wirtschaftlicher Art von unserer eigent lichen Aufgabe scrnhalten, dem Buch, in unserem Falle dem wissen schaftlichen Buch denkbar viele Abnehmer zu suchen. Die Leistung des allgemeinen Sortiments für das wissenschaftliche Buch mag heute so gering sein, wie sie will. Die Möglichkeit und Bereit willigkeit zu einer Leistung in Form von bibliographischen Aus künften ist vorhanden, und die tatsächliche Leistung wird in dem Augenblick steigen, wo das allgemeine Sortiment nicht mehr hoff nungslos so vielen unbekannten Widerständen des Buchabsatzes gegenüber steht, wie sie heute durch ein ganzes Netz von Vorzugs preisen tatsächlich noch immer gegeben sind. So sehr ich als wissen schaftlicher Sortimenter mit einer gewissen Leidenschaft von den besonderen Ausgaben des spezifisch wissenschaftlichen Sortiments überzeugt bin, so sehr bin ich davon überzeugt, daß im Interesse des wissenschaftlichen Buches und im Interesse unseres ganzen Standes auch das Interesse und die Leistung des allgemeinen Sortiments für das wissenschaftliche Buch gehoben werden muß. Das fundamentale handwerkliche Können jedes Sortimenters ist die Beherrschung der Katalogtechnik. Darauf sollte bei den Ge- hilfenprüsungen mehr als bisher gesehen werden. Die kurzen Bör senblattbemerkungen von Harnach (Börsenblatt vom 16. März 1935) und Schönfelder (Börsenblatt vom 18. April 1935) sind ernster Beachtung wert. Um nicht abzuschweisen, will ich nur ganz kurz erwähnen, daß Philipp Harden-Rauch und ich im Ein verständnis mit Karl Thulke für den August eine Jungbuchhänd- lerfreizcit am Titisee planen mit dem Thema: »Das wissenschaft liche Buch und das Sortiment«. An den Verlag des Börsenvereins als gemeinnützige Einrichtung des Gesamtbuchhandels aber richte ich die dringende Bitte, die Preise der Bibliographien erheblich hcrabzusetzcn, damit auch kleinere Sortimente mit den Halbjahrs und Fünfjahreskatalogen wirklich arbeiten können. Das allgemeine Sortiment und das wissenschaftliche Sorti ment wollen gemeinsam ihre Leistung steigern zum Besten des wissenschaftlichen Buches und zum Besten der Wissenschaft. Ich sage es nochmal: Es gibt keinen Gegensatz zwischen allgemeinem Sortiment und wissenschaftlichem Sortiment. Denn mag auch das wissenschaftliche Sortiment in vielen Fällen Vorteil haben von der mangelhaften Leistung des allgemeinen Sortiments für das wissenschaftliche Buch — der Schaden, den das gesamte Sortiment von der mangelhaften Leistung erlitten hat, ist viel größer als der zufällige Nutzen, den hier Und da einzelne Firmen davontra gen. Er liegt in der Erschütterung des Vertrauens in die Lei stung des Sortiments, die schon vor dem Kriege in bestimmten gelehrten Kreisen vorhanden war und welche durch das allzu bereitwillige Eingehen einzelner wissenschaftlicher Berlage auf die Argumente des Mißtrauens geflissentlich genährt wurde. Wir sind aus dem Wege, das Vertrauen wiederzugewinnen, ja, wir haben uns das Vertrauen unserer gelehrten und studenti schen Kundschaft schon wiedergewonnen. Es ist nicht so, daß die 507
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