Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.08.1938
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1938-08-18
- Erscheinungsdatum
- 18.08.1938
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19380818
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-193808181
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19380818
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1938
- Monat1938-08
- Tag1938-08-18
- Monat1938-08
- Jahr1938
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Es mag deshalb von Wert sein, nur eine Aufgabe hcraus- zunehmen und an guten Beispielen zu zeigen, welche Wege in der letzten Zeit zur Lösung dieser Frage beschritten wurden. Wir richten unser Augenmerk auf die Einheit von Text und Illustration und es möge gestattet sein, Betrachtungen über diese Einheit an den Bänden der Fibclrcihc des L. Staack- mann Verlages vorzunchmcn. Aus verschiedenen Gründen kann gerade diese Gelegenheit willkommen sein. Einmal mag gerade eine Reihe dazn verführen, in der Behandlung der Bilder nnd Schriften eine Uniformität walten zu lassen. Ist dieses aber mit Glück vermieden und trotzdem die notwendige Einheitlichkeit gewahrt, die eine Reihe andererseits wieder auszeichnen mutz, so wird sich besonders Anregendes aus den verschiedenen Lösungen lernen lassen. Weiterhin ist es ver dienstvoll, datz ein gutes Jncinandcrgehen von Text und Bild auch in Büchern geleistet wird, die nicht als kostbare Biblio philendrucke am Rande der Hauptmenge gedruckter Bücher ent stehen. Zum dritten aber empfinden wir cs als glücklich, wieder um auch als bedeutsam, datz die Erneuerung der Illustration in Büchern angestrcbt wird, die belehrenden Charakter tragen, also einen Stoff darbicten, der schon für die anregende schriftstelle rische Behandlung sich als spröde erweisen kann und auch den Bildner vor gut zu überlegende Aufgaben stellt. Woran liegt cs letztlich, daß so vieles Unerfreuliches entsteht, wenn cs gilt, einen Text mit Illustrationen zu versehen? Nehmen wir die Betrachtung »der Schrift- und »der Illustration- als bildnerische Arbeiten vor, in denen sich Gesetze der Form, der Gestaltung ausdrücken, dann kommen wir zu einer wichtigen Erkenntnis, die in rechter Weise verstanden auch für die Erneuerung der Illustration bedeutsam sein muß. Die Druckschrift, auf ihre Form hin betrachtet, trägt stets das Merkmal der Entstehung aus einem Metallschnitt in sich. Es ist da sinnlos, viele Schnörkel machen zu wollen und den Bedin gungen des schwer schneidbaren Stahls entgegen zu arbeiten. Was entstehen mutz, ist ein Formgebilde, das sich mit großer Deutlichkeit im kräftigen Schwarz vom Hellen Weiß abheben soll. Vcrständlicherwcise wird die Illustration sich zu guter Bildwirkung mit dem Buchstaben verbinden, die in gleicher Weise im Hochdruckverfahrcn abgedruckt werden muß, die ebenso im Schnitt aus einem festen Block hcrausgehobcn wird. Dies ist aber beim Holzschnitt der Fall. Welch prächtige künstlerische Leistungen sind die alten mit Holzschnitten bereicherten Druck werke aus der Frühzeit der Buchdruckcrkunst, etwa die Kräutcr- bücher, die Bibeln, die Städtcchroniken. Hier haben wir in einer Zeit künstlerischer Kultur unübertroffene Einheit von Schrift und Illustration. WaS heute an Schwarzweißbildern verwendet wird, entsteht fast immer auf dem Wege der Strichätzung. Wir merken, welch Unterschied in der künstlerischen Gestaltung sich da ergeben mutz. Eine Strichätzung kann nach jeder beliebigen Schwarzweißzeich nung hergestcllt werden. Einer Federzeichnung aber, die fast stets die Vorlage bildet, ist der Gestalt nach kaum eine bestimm bare Grenze zu setzen: die feinsten wie die gröbsten Linien kön nen entstehen, große schwarze Flecke, Tüpfelchen, verwirrende Strichlagcn, handschriftliche, nervöse Züge. Im graphischen We sen fast aller Federzeichnungen entspricht kaum etwas dem Wesen der scharfrandigcn, gleichmäßigen und bedachtsam geschnittenen Buchstabenform. Wir können wohl sagen, mit der Verwendung von Strichätzungen zu Druckstöckcn, also mit der Hinwendung zur Federzeichnung, beginnt der Verfall der künstlerischen Buch illustration. Der einmal geschnittene Buchstabe bleibt als schön geprägte Form bestehen und da das Handwerkliche des Stcmpel- schnitts für die Gestalt desselben bestimmend bleibt, wird eine Verwilderung der Schrift kaum in dem Maße einsetzen können, wie es mit der Federzeichnung möglich wird. Hemmungslos kann die Feder über das Papier geführt werden und die Gefahr einer zuchtlosen Zeichnung liegt nahe. Gerade das ist nun das Verdienstvolle in der Illustration der Staackmann-Fibeln, dieser Gefahr aus dem Wege gegangen zu sein und der Federzeichnung eine künstlerische Gestalt gegeben zu haben, die sic, so scheint cs, mühelos und selbstverständlich in die Schristspalten cinfügt. Es ist gewiß von Wert, im einzelnen auf bestimmte Züge zu verweisen, die verdeutlichen, welch ge wissenhafte, aber auch schöne Kleinarbeit dazu gehört, diese Ein heit von Schrift und Federzeichnung zu schaffen. Schon dies ist ja heute eigensinnig, in belehrenden Büchern grundsätzlich auf jede andere Bilddruckart zu verzichten und sich der Federzeichnung anzunehmen. Hätte man etwa keine Kenntnis von der Stilfibel nnd sollte sich vorstellen, daß eine Kunstge schichte mit Federzeichnungen nngeboten wird, man würde eher die Möglichkeit des Gelingens verneinen als bejahen. Mit Recht aber sagen die Verfasser: »Für die Abbildungen ist die Zeich nung gewählt worden, weil sic klarer und aufschlußreicher ist als das photographische Bild. Die raffgierige Linse reißt ihr Objekt mechanisch aus dem Ganzen heraus, der Künstler arbeitet sinn voller, er sicht dem Betrachter vor und führt den Blick auf das Wesentliche.« Daß dies gelang, liegt am Stil der Zeichnung, es ist die Tat der verantwortungsvoll künstlerischen Gesinnung, die die Illu stratoren unter Beweis stellten. Will man kurz kennzeichnend den Ausdruck der Zeichnungen treffen, so mutz man an den klaren, sicheren Stil des Linienholzschnittes denken. Bewußt haben die Zeichner (mit Ausnahme von Skarbina in der Straßenfibel) das Gewand ihrer Darstellungen dieser Form angenähcrt. Damit wurde auch ein selten schöner Einklang von Bild und Buchstabe geschaffen. In bedachtsamer Auswahl patzt sich auch die Schrift selbst dem Bildstil an, ja man könnte bei einigen Fibeln versucht sein, von einer Verwandtschaft der besonders erwählten Type zum Wesen der hinzugehörenden Zeichnung zu sprechen. Die Schriften aller sechs Fibeln sind Frakturen und die ausgcwähltcn gehören zu den schönsten und kennzeichnendsten ihrer Gattung. Ist so einerseits mit der Auswahl der Fraktur überhaupt eine Einheit lichkeit der Schrift für alle Bücher gegeben, so ist diese doch wie der sinnvoll dadurch gelockert, daß in jedem Werk eine andere Type angewandt wird. Die zarteste der verwendeten Frakturen, die Unger-Fraktur, steht da, wo auch die zartesten Zeichnungen sind, in der Straßenfibel, die von Skarbina mit dünnstrichigcn Federzeichnungen versehen wurde. Daß eine solch vollendete und klare, sozusagen moderne Abwandlung der alten Fraktur wie die magere Koch-Schrift dort steht, wo sachliche und klare Zeich nungen, Hausansichtcn, Grundrisse und Schnitte gezeigt werden, ist gewiß überlegte Auswahl. Gerade in belehrenden Büchern kann es oft schwierig sein, Schrift und Bild, die aufeinander Hinweisen sollen, so zusammen zubringen, daß einerseits dis Bilder und die Unterschriften gut in der Textseite sitzen, andererseits den Lesern kein unnötiges Verzetteln der Aufmerksamkeit beim Aussuchen der Bilder auf gezwungen wird. Eine künstlerische Lösung soll also mit der lesepsychologischen zusammcnsnllen. Nicht genugsam zu loben ist da die Stilfibel Pruggmaycr- Grotes. Das Bild ist stets da, wo es hingehört, auf der Seite, in der es erwähnt wird. Die vermittelnden Unterschriften unter den Bildern sind wcggefallcn, denn, wo eine Arbeit, die sich auch im Bilde vorstellt, erwähnt wird, ist sic in der Lutherschen Frak tur des Allgemeintcxtcs (in Borgis) durch die charaktervolle fette Fraktur Bauers (in Petit) angezeigt. Zugleich aber, und dies ist ein schöner Gewinn des Verfahrens, bekommt die Text- scite dadurch eine lebendige Note: die schweren kräftigen Zeich nungen des Künstlers und die leichte, aber doch energische Frak tur werden so zusammengcbracht, datz diese fetten Auszeichnun gen als künstlerisch notwendig erscheinen. In den andern Büchern stellen sich andere Lösungen vor, die sich gebräuchlicheren Weisen nähern. In der Hausfibel etwa vermittelt die für die Unterschriften verwandte gesperrte Koch- Schrift, die ja meist unter Grundrissen mit größeren Weibflächen im Bild steht, die Verbindung von Text und bildlicher Er läuterung. Auch das Setzen gut passender Haupttitel und Untertitel, die Auszeichnung der Kapitclanfänge und -enden überhaupt soll die künstlerisch ordnende Hand des Setzers und Graphikers zeigen. Hier gibt nun fast jede der Fibeln andere Lösungen. Mahlau, ein Meister anmutiger Vignetten, läßt die Abschnitte mit einem «;4o
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder