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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.01.1900
- Strukturtyp
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- 1900-01-16
- Erscheinungsdatum
- 16.01.1900
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- Deutsch
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418 Nichtamtlicher Teil. 12, 16. Januar 1900. Warschau in polnischer Sprache eine große illustrierte Geschichte der polnischen Litteratur erscheinen. — In fast allen polnischen illustrierten Zeitschriften erschienen Bildnisse und Biographieen von Vespasian Kochomskij, einem hervorragenden Dichter und Historiker des 17. Jahrhunderts, der vor 200 Jahren starb. — Das Andenken an den verstorbenen Professor E. Petri wird von der Anthropologischen Gesellschaft bei der St. Petersburger Uni versität dadurch geehrt, daß in der Zeitschrift dieser Gesellschaft eine neue Rubrik für urweltliche Archäologie und Anthropologie nach Petris System eingeführt werden soll. — Die erste vollständige Ausgabe von L. Tolstojs neuestem Roman »Auferstehung» in russischer Sprache ist soeben bei A. F- Marcks in St. Petersburg, dem bekannten Verleger der »Niwa», erschienen. Die drei Teile sind in einem Oktavband von 520 Seiten vereinigt, dessen Preis außerordentlich billig (75 Kopeken — 1 65 H) an gesetzt ist. Gleichzeitig erscheint in demselben Verlage auch eine illustrierte Ausgabe für 1 Rubel 50 Kopeken. Von Polewojs reich illurierter »Geschichte der russischen Litteratur» (Verlag von A. F. Marcks) ist soeben die erste, 20 Bogen starke Lieferung in Großquart erschienen. Es ist dies ein in wissenschaftlicher und künstlerischer Beziehung hervor ragendes Prachtwerk, das jeden Kenner der russischen Sprache interessieren wird. Der Umfang ist auf zwölf Monatslieferungen berechnet. Das komplette Werk wird 100—120 Druckbogen, cirka 1000 Holzschnitte im Text, 20 Chromolithographieen und gegen 50 Beilagen enthalten. Der Preis ist sehr billig, auf 1 Rubel pro Lieferung, angesetzt. — In demselben Verlage erschienen jetzt vollständig in sechs schönen Oktavbänden die sämtlichen Werke von S. N. Terpigorew (Atawa). Von diesem hervorragenden russischen Adels» in der Uebersetzuug von Samsoe - Himmelstjerna (bei Duncker L Humblot) in Deutschland bekannt geworden. — Nun ist auch der langersehnte Schluß von ffZawlowsky^s Russisch- däs wirthschaftliche Leben Rußlands- wird Professor Mendelejew die chemische Abteilung und Senator P. Ssemjonow die Grenz gebiete Rußlands bearbeiten. Der russische Finanzagent in Paris, — Aus dem Inhalt des kürzlich erschienenen 54. Halbbands von Brockhaus' und Jefrons Enzyklopädischem Lexikon sind folgende Artikel hervorzuheben: Flußthäler, Civilgerichtliche Urtheile, Reschet- nikow, Ruisdael, Rjäsanisches Gouvernement, ferner ein Teil des ausführlichen Artikels über Rußland, enthaltend: Physikalische Geo- raphie, Bevölkerung, Politik, Finanzen, Medizin und Volks- ygiene, Industrie und Handel, Volksaufklärung. — Vom kleinen Encyklopädischen Wörterbuch, das von derselben Firma heraus gegeben wird, liegt der erste Band vor. Er schließt mit dem Worte »Gebhardt» und enthält außerdem längere Monographien über Algebra, Anatomie, englische Sprache, Arithmetik, Astronomie, Biblische Geschichte, Botanik, Geodäsie, Geologie, Geometrie, Russische Civilgesetze, Staatsrecht. Der Umfang dieses sehr reich illustrierten Bandes besteht aus l944 Spalten in Lexikon-Oktav. — Das Jahr buch der kaiserlichen Theater soll künftig sechsmal jährlich unter dem Titel »Pantheon» erscheinen; Hr. Djägilew wird die Redaktion über nehmen. — G. Ssergejenko hat eine Tragödie -Sokrates« ge schrieben. Borissow schreibt ein neues historisches Trauerspiel aus der Regierungszeit der Kaiserin Elisabeth; der Held ist Rasumowskij, der Favorit der Kaiserin. — In der Litterarisch-artistischen Gesell schaft wurde ein historisches Drama: -Vor Moskau im Feuermeer inszeniert. Ein Band Belletristik, die Erzeugnisse russischer Deka denten, ist in Vorbereitung. — Der holländische Prediger Gillot will einen »Sbornik» zum Besten der verwundeten Buren unter dem Titel -Petersburg-Tansvaal- herausgeben; er soll literarische und künstlerische Beiträge enthalten. (Schluß folgt.) Kleine Mitteilungen. Die einheitliche Reichspost marke. — In einem Bericht an seine Wähler in Besigheim (Württemberg) erwähnte in diesen ob es angezeigt sei, eine einheitliche Reichspostbriefmarke ein zuführen. Cr sagte u. a.: -Ich bin dafür. Es liegt dem Reichstag eine Petition für Einführung einer Einheitsmarke vor. Ich bin der Referent in dieser Angelegenheit. Wir sollten in dieser Sache einen weiteren Blick haben. Unsere Nachkommen werden seiner Zeit nicht begreifen, wie wir so lange an diesem Zustande festhalten konnten.» Sonntagsruhe der Handlungsgehilfen. — In der Monatsversammlung des Kreisvereins Leipzig im Verbände Deutscher Handlungsgehilfen wurde am 12. d. M. das für Leipzig zu beschließende Ortsgesetz über die Beschäftigung von Handlungs gehilfen in den Kontoren an Sonn- und Festtagen besprochen. Dem Leipziger Tageblatt entnehmen wir darüber folgenden Bericht: Der Vorsitzende, Herr Erich Vogel, gab zunächst den Entwurf bekannt; die Bestimmungen hätten sich nötig gemacht, um die falschen Anschauungen über die Zulässigkeit der Sonn tagsarbeit zu beseitigen. Es wäre wohl in Leipzig Gebrauch, Sonntags in den Kontoren nicht zu arbeiten, es bestände aber kein Gesetz, das die Arbeit verbiete. Der Entwurf bringe somit gegen den jetzigen Zustand eine Verbesserung; immer hin müsse man nach wie vor für völlige Sonntagsruhe eintreten. Es folgte eine sehr lebhafte Debatte in der u. a. hervorgehoben wurde, daß es besser sei, für die wenigen Geschäftszweige, für die eine Sonntagsarbeit im Kontor für unbedingt nötig gehalten werde, Ausnahmen zu machen, nicht aber die Sonntagsarbeit für alle Geschäfte durch Gesetz für zulässig zu erklären, zumal da in der erdrückenden Mehrzahl der Kontore jetzt nicht gearbeitet werbe. In der Versammlung waren Angestellte der verschiedensten Geschäfts zweige anwesend; es wurde einstimmig erklärt, daß- ein gänzlicher Ausfall der Sonntagsarbeit wohl möglich sei und daß schon jetzt in den meisten Geschäften Sonntags nicht gearbeitet werde. So kam es, daß die Redner sich gegen den Entwurf, der bekanntlich die Sonntagsarbeit in den Kontoren an bestimmten Stunden bedingungsweise zuläßt, aussprachen. Der Verbandsdirektor, Herr Stadtverordneter Bernhard, der der Versammlung beiwohnte, wurde beauftragt, bei Beratung des Entwurfes im Plenum der Stadtverordneten sich gegen das besprochene Ortsgesetz aus zusprechen und zu betonen, daß die Handlungsgehilfen die völlige Sonntagsruhe als erreichbar bezeichneten und sie deshalb auch immer wieder fordern würden. Herr Bernhard versprach, diese Erklärung abzugeben und im Plenum gegen den Entwurf zu sprechen. Brand in einem Warenhause. — Das große Warenhaus von Max Aron in Rixdorf bei Berlin, an der Ecke der Berg- und Prinz Handjery-Straße, ist am 12. d. M. durch einen Brand zerstört worden. Das Feuer kam bald nach 7 Uhr abends in der parterre gelegenen Weißwaren-Abteilung aus und griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß es den vielen im Geschäft an wesenden Personen nur knapp gelang, sich zu retten. Drei Personen verunglückten. -Das Schlachtfeld des Bürgerlichen Gesetzbuches.« — Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht der Berliner Lokal-Anzeiger die Zuschrift eines Buchhändlers, die einleitend einen Rückblick auf das -Schlachtfeld» der Puttkamerschen deutschen Rechtschreibung, d. h. auf die infolge ihrer Einführung vom Buchhandel verlorenen bedeutenden Werte, wirft. Noch ungleich größere Verluste fordere nach des Verfassers Darstellung die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches vom Buchhandel, mit viel bedeutenderen Aufwendungen werde von diesem »die Schlacht ums Bürgerliche Gesetzbuch geschlagen. Der Verfasser sagt u. a.: »Mit dem 1. Januar 1900 sind zahlreiche große wissenschaftliche Werke — wir können sagen fast alle Läger der bezüglichen großen Ver leger, zur Makulatur geworden, alte berühmte Autoren sind aufge geben, und der Renten aus ihren Werken gehen sie fortan verlustig. Könnte man diese Werte zusammenzählen, so würden Millionen heraus kommen, die Verleger und Autoren als verloren betrachten können. — Damit ist aber die Sache noch nicht abgethan. In den letzten Jahren entstand vielmehr eine wahre Hatz um das Bürgerliche Gesetzbuch. Kommentare, Erläuterungen, Materialien, Hand- und Lehrbücher schossen wie Pilze aus der Erde. Die Konkurrenz hat unglaubliche Dimensionen angenommen; sie beschränkt sich nicht auf Verleger und Sortimenter, sondern Cigarrenhändler, Kuchenbäcker und wer sonst noch handeln mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch, dessen Text ausgaben von drei bis vier Mark bis auf wenige Pfennige heruntergegangen sind oder als Prämien beim Einkauf zugegeben werden. Der Jurist aber muß seine alte Bibliothek dem Antiquar überlassen und das nötige Studien- und Arbeitsmaterial neu erwerben. Die alten Richter gehen lieber ihrer Wege, statt noch umzulernen; die jungen aber müssen das neue Recht zu ihrem Eigentum machen, und das geschieht bei vielen am buchs bearbeiten und buchhändlerisch verwerten, wodurch eine Massenproduktion entstanden ist, daß der Jurist nicht mehr weiß, was er wählen soll. So fließt der Markt über von neuen juristischen Werken, Millionen werden wieder in den Verlag ge steckt, um das Verlorene wieder zu erwerben; aber der Kampf ist heiß und schwer, zahlreiche Täuschungen und neue Verluste erblühen Verlegern und Autoren. — Erwägt man nun noch, welche enormen Kosten die Bearbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuchs vom ersten Entwurf an bis zur Vollendung erfordert hat, erwägt man ferner, daß erst die zukünftige Rechtsprechung das nötigste Material für das Studium und die Auslegung des neuen Rechts geben wird,
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