X- 237, II. Oktober IS3S. Fertige und Künftig erscheinende Bücher. Börsenblatt f. d. Dtschn Buchhandel. 4699 Der Kristall: ein tapferes Helles Buch, welches das Mädchen von heute in seiner Sprache anredet: frisch, ver gnügt, gesund und ohne Sentimentalität; offen für alle Schönheit, für alle Freude und Schwere des Lebens, gewillt, dort wo wir stehen, klar und fest anzupacken. Am Anfang steht Aufschwung und Deutung des Herzens in Geschichte, Märchen und Dichtung. Ruth Schau mann erzählt „Die 17 Kapitel der Liebe zu Tiekletie", illustriert mit acht köstlichen Scherenschnitten. Liane von Gentzkow zeichnet in ergreifenden und starken Linien die große Mutter Hedwig von Schlesien. Jda Coude- houve erzählt die „Heldenlegende" der heiligen Johanna von Domremv, dieses Schicksal voll Kühnheit, Glanz und Schwermut; erzählt es, wie wir sie aus ihren Büchern kennen, lebendig, ehrlich, keinem Menschlichen und Fragwürdigen ausweichend. Im „Kampf um Ruth" gestaltet sie das ewige Tliema von Heldenverehrung und Kameradschaftstreue in einer packenden Schulerzählung. Der „Knabe Fionn" bringt uns die uralte herbe Weisheit des irischen Märchens und zuletzt tollt und tobt „Meine Nichte Trudi" von Helene Haluschka durch eine übermütige Backnscbgeschichte. Der zweite Teil des Buches berichtet von den Elementen der Welt, in der das junge Mädchen lebt und die es gestalten soll: vom Wandern und Reisen, Singen und Musizieren, von Tanz und Gvmnastik. von Neiter- abenteuer und Paddelfahrt; von rechter Zucht des Leibes, von edler Geselligkeit und echtem Festefeiern, von den geliebten oder ungeliebten eigenen vier Wänden. Hier kommen nicht nur „zünftige Schriftsteller", sondern Mädchen von heute selbst zu Wort. Frauen, die lange im Dienst der Volksbildung und Jugendarbeit gestan den sind, Josepha Fischer, Klara Neundörfer, Jda Coudenhove, haben den Abschnitt vollendet und geformt. Zuletzt öffnet sich nach der fröhlichen Ausfahrt in die Welt das Tor ins Innere. In ganz lebendiger und neuer Form spricht eine junge Theologengenerativn vom „Leben mit Gott" (Klemens Tilmann, Theo Gunkel). Die wirklichen religiösen Nöte und Schwierigkeiten des jungen Menschen werden ehrfurchtsvoll, brüderlich und be herzt angcpackt. Dazwischen zeichnet Helene Haluschka eine köstliche „Schönheitsgalerie" von unerwünschten Mädchcntlipen („Sah ein Knab ein Röslein stehn..."). Das herrliche deutsche Kunstwerk der oberschwäbischen Schutzmantelmadonna und seine Deutung beschließt die bunte Reihe. Gedichte von Ruth Schaumann, Max Mell, Clemens Brentano u. a., zum Teil in den schönen Schriftseiten von Alfred Riedel, durchweben das Ganze. Besinnung und Anregung hat der „Kristall" versprochen, er löst sein Wort durch das funkelnde Spiel seiner vielfältigen Spiegel, die wirklich etwas von der „goldenen Überlast der Welt" eingefangen haben. Drr Lnltall Ein Buch für Mädchen Illustriert von T. Ramsay, R. Schau mann, A. Riedel u. a. Gcoßoktav. Z2o Seiten, 16 Bildtafeln. In Leinwand 4.80 Mark OeinnLclist ersclieiiit