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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 05.05.1879
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- 1879-05-05
- Erscheinungsdatum
- 05.05.1879
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- Deutsch
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1756 Nichtamtlicher Theil. 1t- 102, 5. Mai. aus der nächsten Stadt den nöthigen Bedars bezog, fand es für gut, seine Bücher durch einen Leipziger Commifsionär zu beziehen oder sich an ein Leipziger Großsortiment zu wenden, welches den Bedarf in der Art der Pariser Commissionäre, d. h. mit einem kleinen Gewinnausschlag liefert. Daß viele dieser Leute nicht orthographisch schreiben konnten, daß die Meisten durch ihre Correspondcnz bewiesen, daß sic keinerlei buchhändlerische Schule durchgemacht hatten, war kein Hinderniß, einen Kommissionär oder Großsortimenter in Leipzig zu finden. Es wurde mit der Zeit klar, daß an vielen Orten diese Leute zu Preisen ver kauften, welche dem Buchhändler von Berus, welcher nur vom Buchhandel leben soll, die Concurrenz unmöglich machten. Der Buchhandel war den Leuten der erwähnten Sorte Nebengeschäst, der daher fließende Gewinn ein Zuschuß, der sich ohne große Mühe und Verluste einheimsen ließ. Schulbücher, Bilderbücher, Volksbücher, Kalender und dergl. bilden die Artikel, die dem Sortimenter mit der Zeit wesentlich entzogen wurden. Ein zweiter Factor: Wie viele der Colporteure, welche bis dahin im Dienst eines Buchhändlers ihre Subscribentcnmappen im Lande umhertrugcn, wurden durch die Gewerbefreiheit ans den Gedanken gebracht, sich selbständig zu machen, um den ganzen Gewinn ihrer Arbeit für sich zu behalten! Sie waren im Dienst ihres früheren Brotherrn mit der Kundschaft desselben bekannt geworden, und blieben im Verkehr mit derselben auch für die Zeit ihrer Selbständigkeit. Ein Procentvortheil, den sie boten, führte ihnen einen guten Theil der Abnehmer zu. Wo der in der Gesellschaft lebende Buchhändler sich scheut, ein Buch oder Journal dem Publicum lebhafter zum Kauf anzubieten, nimmt der Colportagebuchhändl» der erwähnten Art de» Vortheil seiner Stellung wahr und wird zudringlich. Wie Wenige solchem con- fequenten Zureden widerstehen, ist nur zu bekannt, und wird der Colporteur da und dort einmal vor die Thür gesetzt, — was hat es zu sagen? — nach vier Wochen kommt er wieder. Es ist nicht zu bestreiten, daß diese Concurrenz einen viel bedeutenderen Theil des früheren Absatzes berufsmäßiger Buchhändler absorbirt, als die erstere Classe. Sämmtliche Journale schönwissenschast- lichen, gewerblich-technischen Inhalts, Modejournale, ebenso Bücher der gleichen Richtung, außerdem Conversationslexika und Werke populärwissenschaftlicher Natur werden zu einem gewichtigen Theil durch Colportagehandlungen abgesetzt. Die Statistik hier über kann ein großer Verleger mit Leichtigkeit machen und wird die Richtigkeit der Behauptung zugeben. Es sind dies die beiden Hauptsactoren, die dem früheren Sortimenter ins Fleisch schneiden. Erwähnen wir noch der Vereine, welche für Verbreitung von Schriften, im Sinne ihrer Verbindung geschrieben, thätig sind, so wollen wir das Uebrige als unerheblich betrachten. Welcher liberal denkende Mann will auf diese Leute, die den Kamps ums Dasein führen, wie alle andern, einen Stein wersen? Sie thun nach unseren modernen Begriffen keinerlei Unrecht und verdienen für ihre Energie und rastlose Thätigkeit noch den Dank der Verleger. Nichtsdestoweniger sind sie eine der Grundursachen der heutigen Krisis. Die Concurrenz im Buchhandel ist durch sic eine unerträgliche geworden und wieder um der Kamps ums Dasein zwingt den berufsmäßigen Buch händler, gegen sie Front zu machen. Der Anfang unseres Jahr hunderts kannte höchstens 300 Buchhändlcrfirmen. Das Jahr 1840 weist an Buchhandlungen auf 1487, das Jahr 1867: 323S, 1873:4230, 1877: 4920, 1878: 5196, eine Progression, die in keinem Verhältniß mit dem Wachsthum der Bedürfnisse unter der Bevölkerung steht. Ein Zeitraum von 6 Jahren liefert einen Zuwachs von 1000 Firmen! Unter diesen 5196 Buch händlern, welche Schulz's Adreßbuch für 1878 angibt, sind 3212 Sortimenter. Mit der Errungenschaft der Gcwerbefreiheit war das Maß des Unheils für den Buchhandel noch nicht voll: „Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Pflege!" Warum muß der heilige Stephan sein Evangelium des billigen Postportos gerade in der schlimmsten Periode des kreisenden Buchhandels verkünden? Bon dazumal an ward das ganze Deutsche Reich ein Tummelplatz für Leute, welche im Centrum des Buchhandels sitzend jeden Moment dem Bücherkäuser dienen konnten. Mit nur wenigen Ausnahmen ist am Platz Leipzig jedes Buch aus dem Lager des betreffenden Commissiouärs zu finden, eine schnelle Beförderung also fast immer möglich. Schon dieser Umstand begünstigt den Bezug von Leipzig, der zweite ist indessen der schwerer wiegende und ist in Verbindung mit dem ersten so gefährlich, daß er den ganzen Bau unserer jetzigen Betriebsweise untergraben kann und wird, wenn nicht rechtzeitig Riegel vorgeschoben werden. Der Leipziger Sortimenter kann zu Preisen liescrn, für welche ihm Niemand Concurrenz machen kann. Seine Spesen reduciren sich auf Localmiethe: ein ganz entlegenes Local dient ihm für seine Betriebsweise so gut wie ein theures, günstig gelegenes, welches er nur unter Umständen zur Erreichung anderer Geschästszwecke nöthig hat. Sein Personal kan» er in den Schranken des Nothwendigsten halten, er hat nicht nöthig, Gehilfen zur Ver sendung der Novitäten zu verwenden, er braucht nicht zwei, drei Ausläufer zum Vertragen derselben. Er stellt statt dessen einen Katalog zusammen, wo er den Ladenpreis und daneben seinen Schleuderpreis aufführt, und bemerkt in der Einleitung, daß er jedes Buch zu liefern im Stande ist mit den Rabattbedingungen, welche sein Katalog im Allgemeinen zeigt, in speciellen Fällen und bei größerem Bezug sei er im Fall, auch noch günstigere Bedingungen zu stellen. Diesen Katalog verbreitet er mit Hilfe Stephan's und der ihm überallher zugänglichen Adreßbücher im ganzen Deutschen Reich an alle Bibliotheken, Institute, Pro fessoren und sonstige ihm bekannte Bücherkäuser. Was ist die Folge dieser Operation? Eine für ihn sehr ersprießliche. Der Sortimenter außerhalb Leipzigs hat den Boden für die Neuig keiten bearbeitet und manchen Wunsch nach dem oder jenem Buch rege gemacht. Jetzt erhält der Käufer Gelegenheit, es mit 15H oder 20A> Rabatt von Leipzig erhalten zu können, das Porto übernimmt der Buchhändler, bei 5 Kilo 50 Pf. Hat schon der buchhändlernde Buchbinder, hat der buch- händlernde Colporteur ganze Zweige der Literatur an sich gerissen, so greift nun der Leipziger Schleuder» in das Reich der Wissen schaft und reißt mit sich, was nicht niet- und nagelfest ist. Der große Umsatz erlaubt ihm, Bücher, die der Sortimenter außer halb in einem oder zwei Exemplaren kommen läßt, dutzendweise mit Freiexemplaren zu beziehen, er erlaubt ihm, wo der Sorti menter außerhalb ein Dutzend bezieht, ein Hundert aus Lager zu nehmen, der Preisunterschied gibt ihm immer wieder einen Vorsprung, den der auswärtige mit Ausnahme vielleicht der Berliner nicht einholen kann. Diese Möglichkeit des Bezugs braucht nur in der Progression, wie sie jetzt Platz greift, bekannt zu werden, so ist die Thätigkeit des auswärtigen Sortimenters lahm gelegt. Warum mit aller möglichen Spürkrast das bücherkaufende Publicum ausfindig machen, ihm die Bücher zur Einsicht ins Haus schicken, wenn man die Gewißheit hat, daß das Buch doch nicht bei ihm gekauft wird? Lieber keine Geschäfte, als schlechte! Wo steht nun geschrieben, daß das Verfahren der Leipziger Schleuder» ein Unrecht sei? Sie sind nach unseren modernen Begriffen, die eine moralische Elle nicht zulassen, in ihrem vollsten Recht. Nicht der Schleuderer ist schuld an dem Unheil, sondern
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