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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.03.1915
- Strukturtyp
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- 1915-03-11
- Erscheinungsdatum
- 11.03.1915
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. ^ 57, 11. März 1915. Konstanz geschrieben wirb, seinetwegen von Paris nach Luzern kam, versicherte Spitteler, daß »seine Werte (die er nach gleichzeitigem Einge ständnis kurz zuvor beim Buchhändler zum erstenmal im Leben ge sehen hatte) in Frankreich Furore machen und einen begabten und intelligenten Übersetzer finden würden«. Bon der weiteren Unter redung zwischen Spitteler und dem betriebsamen Herrn des »Temps« geben wir im folgenden eine kurze Probe, die vielleicht manches Lehr reiche für seine getreuen und ungetreuen Freunde enthält. Spitteler hat u. a. gesagt: »Ten großen französischen Dichtern und Denkern des siebzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts verdanke ich das Gefühl und den Kultus der schönen Form, diesen Kultus, dem das heutige Deutschland Verachtung zollt und der den deutschen Schriftstellern ein eigenes und meistens recht wenig künstlerisches Ge präge gibt (ee culte de la korine que nieprise l'^llemaAne d a pre sent et czui kalt ä ses eerivalns nne pk^sionomie si ä pari, et 1e plus sonvent si peu artlste)«. Nach dieser Borrede, aus der allzu deutlich hcrvorgeht, daß von den deutschen Dichtern nur der nicht mehr deutsch sein wollende Dichter Spitteler künstlerisch zu schreiben imstande ist, hören wir, daß sein bester Jugendfreund ein schlecht beleumundeter Elsässer war, bei dem er jeden freien Augenblick zubrachte. »Die berühmten Pro fessoren der Heidelberger Universität, bei denen ich mich eingeschrieben hatte, bekamen mich selten in den Hörsälen zu Gesicht. Dafür steckte ich den ganzen Tag bei dem Korrespondenten des »Temps«, einem ge wissen Eugene Leinguerlet, der bei der ganzen Bevölkerung in üblem Ansehen stand, denn er behandelte die Preußen in seinen Berichten herzlich schlecht. Da kam der Krieg. Ich litt doppelt unter ihm, denn in der Schweiz liebten wir damals alle Frankreich, und über dies bedeutete der Kriegsausbruch für mich die Heimkehr nach Liestal (wo ein sehr strenger und unnachsichtiger Vater des Sohnes harrte, der seiner Ansicht nach verschiedentlich auf Abwege geriet).« Der Heidelberger Student gibt dann seiner Bildung den letzten Schliff in Rußland, wo er »acht unvergeßliche Jahre als Hauslehrer in einer aristokratischen Familie« verbringen durfte. »In diesem Milieu von einer absoluten Distinktion wurde nur französisch gesprochen, nur die französische Literatur geschätzt, nur französische Werke und französische Zeitungen gelesen.« Man begreift, wie da das Herz des deutschschrei benden Dichters aufging! »Dort drang ich auch in die Gedankenwelt Ihrer (der Franzosen) großen Geister des 19. Jahrhunderts und frü herer Epochen ein. Und da war es auch, wo sich in mir das Bedürfnis nach der schönen Form herausbildete, deren Pflege man allgemein bei mir anerkannt hat.« Als Mädchenschullehrer in Bern nnd Ncuchatel verbringt Spitteler dann eine trübselige Zeit. Aber schließlich hat er das Glück, von Wein gartner entdeckt zu werden. »In der Schweiz wie in Deutschland war mein .Prometheus und Epimetheus', den ich 1881 veröffentlichte, unbeachtet geblieben. Da kam lange danach der Kapellmeister Wein gartner in die Schweiz, las in einer Zeitung ein Feuilleton über mich, wurde neugierig gemacht, schlug mein Buch auf und war begeistert davon. Er sprach urbi et orbi von seiner Entdeckung. Deutsche Kritiker beschäftigten sich mit mir und erkannten mir Talent zu. Da mit war mein Glück gemacht, allerdings nicht in Universitätskreisen und in der Welt der Wissenschaft, wo ich nie Gefallen erregte, wohl aber in den frcigeistigen Schichten des Volkes. Unter anderen stimmte Nietzsche ein Loblied auf mich an, seit welchem meine eigentliche Be liebtheit datiert.« Hier verschweigt Herr Spitteler wohlweislich, daß Weingartner in einem offenen Brief kategorisch erklärt hat, daß Spit teler für ihn abgetan sei und nur noch verdiene, in den Hades versenkt zu werden. Spittelers Glücksstern erreichte seinen Höhepunkt, als sich der bekannte Psychoanalytiker Freund in Wien seiner an nahm, der Spittelers Werke überall zum Geschenk machte und als Huldigung für den Dichter sogar der von ihm herausgegebenen Wochen schrift den Namen des Spittelerschen Romans »Imago« gab, was sich als ausgezeichnete Reklame erwies. Seither ist das Glück des Schwei zer Dichters ungetrübt geblieben. »Ich finde, daß mein Schicksal ge radezu beneidenswert ist, und alles, was die da auf der anderen Seite des Rheins von mir sagen, wo man Racine, Corneille und Victor Hugo verlästert (!) und von der ganzen französischen Literatur nur die am meisten nach Fäulnis riechenden Strophen von Verlaine und die Gassenlieder der Dvette Gnilbert gelten läßt, berührt mich nicht im mindesten.« Es ist wohl überflüssig, diesen Offenbarungen eines großen Geistes auch nur ein Wort hinzuznsetzen. Berliner Sortimentcrvcrein. Am Montag, den 22. März findet die erste ordentliche Vereinsversammlung, die als Hauptversammlung gilt, im Vereinslokal in Berlin, Atlas-Hotel, Friedrichstraße 195 (an der Weidendammerbrücke) 1 Treppe, pünktlich 8 Uhr abends statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Geschäftliche Mitteilungen aus der Tä tigkeit des Vorstandes im letzten Vierteljahre. — 2. Jahresbericht, erstattet vom Vorsitzenden. — 3. Kassenbericht, erstattet vom Schatz meister. — 4. Festsetzung des Jahresbeitrags für 1915/16. — 5. Neu wahl des Vorstandes. — 6. Besprechung über die Lage des Berliner- Buchhandels und weitere Kriegsmaßnahmen. Was ist »Berufstragik«? — In der schon mehrfach erwähnten »Liller Kricgszeitung« schreibt ^V. R. (der als Hauptmann im Felde stehende vr. Wilhelm Nuprecht-Göttingen) über das Thema: »Autor und Verleger im Felde«: Was ist »Berufstragik«? Wenn ein Universitätsprofessor, der ein riesiges Wörterbuch im Druck hat, dieses im Stich läßt, freiwillig in den Schützengraben geht und von da seinem ebenfalls ins Feld gezogenen Verleger statt der Wörterzettel wie ehedem flotte Soldatengeschichten schickt, damit dieser sie in einem fremden Verlage, nämlich dem der »Lill. Kriegszeitg.«, unterbringe. Beide singen zur Versöhnung: »Ach, wie wär's möglich dann, daß ich Dich lassen kann!« Zwangskurs im besetzten russischen Gebiet. — Der Oberbefehls haber im Osten hat für das gesamte von deutschen Truppen besetzte Ge biet Rußlands deutsches Geld als Zahlungsmittel mit dem Zwangs kurse von 100 Mark bei 60 Rubel festgesetzt. Das Konsortium für asiatische Geschichte zu Berlin hat den Be trag von 20 000 Mark zur geographischen Erforschung der chinesischen Provinz Schansi zur Verfügung gestellt. Verbotene Zeitung. — Wie aus Straßburg gemeldet wird, hat der Gouverneur von Straßburg das Erscheinen des »Klerikalen Volksfreundes« für sechs Wochen verboten. Persollalnachrichtell. Zum Falle Georg Jonck in Riga (vgl. zuletzt Nr. 50). — Nach einem Berichte des Amerikanischen Konsulates in Riga ist Herr Georg Jonck nunmehr auf freien Fuß gesetzt worden. Da er das wehr pflichtige Alter (45 Jahre) überschritten hat, wird es nach der mit der russischen Regierung getroffenen Vereinbarung bei den russichen Behörden keinen Schwierigkeiten begegnen, wenn er Rußland verlassen will. Gestorben: am 7. März schnell und unerwartet an einem Schlaganfall Heri7 Kaiserlicher Rat Albert Gut mann, Inhaber der Firma Albert I. Gutmann in Wien. Der Verstorbene betrieb neben seiner Musikalienhandlung ein Konzertbureau, das dem Wiener Musikleben wertvolle Dienste ge leistet hat, da Gutmann in nie rastender Geschäftigkeit dem Wiener Publikum die Bekanntschaft mit den bedeutendsten Vertretern des Kla viers, der Geige, des Gesanges, sowie mit hervorragenden Dirigenten vermittelte. Rcinhold Schlingmann s — Kurz vor der Vollendung seines 88. Lebensjahres ist Neinhold Schlingmann gestorben, der der Re daktion des »Berl. Tagebl.« beinahe vier Jahrzehnte hindurch ange hört hat. Schlingmann war in Lauenburg i. P. geboren und ursprünglich Buchhändler; in seiner Jugend stand er den Gründern der deutschen Arbeiterbewegung, Lassalle und Liebknecht, nahe. Er entfaltete eine reiche schriftstellerische Tätigkeit und wußte namentlich wissenschaft liche Fragen volkstümlich zu gestalten. Ludwig Keller -ft — Am 9. März ist in Charlottenburg der Ge heime Archivrat Professor vr. Ludwig Keller im Alter von 65 Jah ren gestorben. Große Verbreitung fand seine »Geschichte der Wieder täufer und ihr Reich in Münster« (1880) und »Ein Apostel der Wieder täufer« (1882), sowie seine gleichzeitigen Schriften über die Gegenrefor mation und die Waldenser. Ein besonderes Gebiet seines Forschend war die Vorgeschichte der Freimaurerei, in der er das Amt eines zu geordneten Großmeisters der Großen Loge von Preußen bis zuletzt bekleidete. Auf diese Tätigkeit bezieht sich eine große Reihe von Schriften, unter denen seine von dem Verein deutscher Freimaurer- preisgekrönte Schrift »Die geistigen Grundlagen der Freimaurerei und das öffentliche Leben« zu nennen ist. Keller gehörte zu den Grün dern der Comenius-Gesellschaft und wrrr Herausgeber der »Comenius- blätter«. 332
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