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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.05.1932
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1932-05-14
- Erscheinungsdatum
- 14.05.1932
- Sprache
- Deutsch
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shs« IN, 14. Mai 1932. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d.Dtschn Buchhandel. Lehrmeister gebärden, wollen wir den Fehler machen, alles Un glück von dort abzuleiten. Auch die Wirtschaft hat Fehler ge macht und wird sie als Teil menschlicher Unvollkommenheit weiter machen. Woraus es ankommt, ist eben jenes Berantwor- tungsbewußtsein, das wenigstens die Fehlerquellen sittlicher Art einschränkt. Das Wort rogare heißt: fragen. So frage sich ein jeder, ob er sein Urteil vom Eigennutz oder vom Gemein wohl beeinflussen läßt! Ich Hab« nicht von der Buchhandelspolitik des vergangenen Jahres gesprochen. Sie ist im Jahresbericht verzeichnet, und die Aussprache über diesen wird ja noch Gelegenheit geben, das zu sagen, was zu sagen notwendig ist, um zwischen Vorstand und Mitgliedern die nötige Klarheit zu schaffen. Man übe ruhig Kritik! Wir werden davon lernen. Aber eines sei vorweg gesagt! Wer, wie sich das anderwärts schon gezeigt hat, einfach voraus setzt, daß in den Vorständen des Börsenvereins und der Fach vereine, mit denen zusammen jene Politik gemacht wurde, nur Schwachköpfe und Feiglinge sitzen, die sich an amtliche Stellen herandrängeln, dem glauben wir jene Selbsterkenntnis absprechen zu müssen, die allein ein gerechtes Urteil ermöglicht. (Bravo!) Davon abgesehen, habe ich für die Aussprache eine weitere persönliche Bitte an Sie, verehrte Damen und Herren: Legen Sie Gewicht mehr auf Wunsch und Rat für die Zukunft und nicht so sehr auf den Rückblick! Die Hauptversammlung eines Wirt schaftszweiges sollte gerade heute Ausdruck des Zuknnstwollens sein. Denn wenn es einen Silberstreifen am Horizont gibt, so kann er von uns nur gesehen werden, wenn wir uns ausrecken, nicht aber, wenn wir uns auf den Boden hocken und das Haupt verhüllen. (Sehr richtig!) Damit aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, sind wir an dem Punkt angelangt, wo wir unsere Bitten nicht mehr an Menschen richten können, und heiß erfüllt von der Liebe zu unserem Stande, von der Liebe zum deutschen Land und Volk rufen wir uns zu: »Herr, mach' uns frei!« (Lange andauerndes stürmisches Bravo und Händeklatschen.) Ich darf nun zuerst Herrn Geheimrat Klien das Wort erteilen. Ministerialdirektor Geheimer Rat vr. Klien (Dresden): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Im Namen der Sächsischen Regierung und im besonderen Aufträge des Herrn Ministerpräsidenten und des Herrn Wirt schaftsministers danke ich Ihnen herzlich für Ihre liebenswürdige Einladung zur heutigen Tagung und für die freundliche Be grüßung durch Ihren hochverehrten Herrn Vorsitzenden. Ihr Herr Vorsitzender wies darauf hin, daß das Rogate, an dem dieses Jahr Ihre Tagung stattfindet, vielleicht passender sei als Cantate, da Ihnen weniger zum Singen zu Mute sei, als wie dem Wunsch und der Bitte Ausdruck zu geben, daß es endlich anders werden möchte. Wenn auch ähnlich wie bei jeder Krank heit des Körpers bei einer Krankheit der Wirtschaft Gesundungs keime vorhanden und auch bei Ihnen im Buchhandel erkennbar sind, so wäre es doch leichtsinnig, zu hoffen, daß nach so vielen und schweren Krankheiten der Genesungsprozeß sich schnell voll zieht. (Zustimmung.) Überblickt man Ihren Geschäftsbericht von 1931, so erkennt man allenthalben die schwierige Lage des deut schen Buchhandels. Man kann aber auch mit Genugtuung fest stellen, mit welcher Energie und welchem Erfolge sich Ihr Bör senverein die Bekämpfung aller Schwierigkeiten hat angelegen sein lassen, wie Sie im Börsenverein auch auf die Gesetzgebung, auf die Regelung des Verkehrs ufw. Einfluß genommen, und wie Sie für das deutsche Buch gekämpft und geworben haben. Naturgemäß haben Sie auch die Maßnahmen der Regierung Ihrer Kritik unterzogen. Ich darf aber feststellen, und zwar um so objektiver, als die Sächsische Regierung von Ihrer Kritik kaum betroffen wird, wie sachlich ruhig und darum um so überzeugen der die Ausführungen Ihres Geschäftsberichts in der jetzigen Zeit der starken Ausdrücke wirken. (Heiterkeit.) Was die temperamentvollen kritischen Ausführungen Ihres verehrten Herrn Vorsitzenden anlangt, die etwas schärfer waren, so nehme ich an, daß der Reichspreiskommissar, Herr Oberbür germeister vr. Goerdeler, der nach mir das Wort ergreifen wird, dazu Stellung nehmen dürfte. Der Wunsch oder die Kritik, die auch uns angeht, sind Ihre Klagen über den Abbau der Kulturetats. Diesem Ihrem Wunsche steht Ihr anderer berechtigter Wunsch entgegen, endlich die oft versprochene Kürzung der Steucrbelastuug eintreten zu lassen. Daß man dabei die Kulturausgaben ungekürzt läßt, wird wohl kaum möglich sein. Gleichwohl bin ich mit Ihnen der Meinung, daß man das Kind nicht mit den, Bade ausschütkcn darf und an Kulturgütern erhalten soll, was irgendwie zu erhalten ist. In der mehr als hundertjährigen Geschichte Ihres Börjen- vereins hat dieser schon manche Krisen des Buchhandels mit überwinden helfen. Niemals hat Ihre Organisation in solchen Zeiten die Flinte -ins Korn geworfen, sondern sie hat früher schon so wie jetzt stets die Geschicke des Buchhandels selbst fest in die Hand genommen. Daß die Regierung des Landes Sachsen an einem kräftigen und starken deutschen Buchhandel besonderes Interesse hat, und daß sie helfen wird, soweit sie irgend kann, brauche ich in Ihren Kreisen, mit denen ich seit mehr als 25 Jahren zusammenarbeite, nicht hervorzuheben. In der jetzigen Zeit müssen wir fester denn je zusammen stehen und Hand in Hand arbeiten, um die Not zu meistern und den Gefahren der Zukunft zu trotzen. Geschieht das, so bin ich überzeugt, daß der deutsche Buchhandel sein und bleiben wird, was er war: der Bahnbrecher deutschen Geistes, deutscher Wissen schaft und deutscher Wirtschaft. (Lebhaftes Bravo und Hände klatschen.) Vorsitzender, Erster Vorsteher des Börsenvereins vr. Friedrich Oldenbourg (München): Ich danke Herrn Ge heimrat vr. Klien für seine freundlichen — buchhandelsfreund lichen — Ausführungen und darf nun Herrn Oberbürgermeister vr. Goerdeler -bitten, das Wort zu ergreifen. Oberbürgermeister vr. Goerdeler (Leipzig), (mit lebhaftem Händeklatschen begrüßt): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Für die freundliche und, soviel ich weiß, erstmalige Ein ladung an den Vertreter der Stadt Leipzig, an der Hauptver sammlung des Börsenvereins teilzunehmen, danke ich herzlich. Ich danke auch herzlich für die Worte der Begrüßung und danke Ihrem hochverehrten Herrn Vorsitzenden insbesondere für die klare Offenheit seiner Sprache. (Heiterkeit.) — Ich meine es ernst damit, meine Damen und Herren. — Wenn diese Offenheit der Gesinnung und der Ansichten in so vornehmer Form, wie das hier geschehen ist, zum Ausdruck kommt, so wird damit allerdings etwas von dem verwirklicht, was allein imstande sein kann, uns aus der Tiefe wieder in die Höhe zu führen, — ich meine die offene und klare Erkenntnis der Dinge, wie sie sind. Denn nur aus dieser klaren und offenen Erkenntnis und aus der Abwägung der ihr zugrunde liegenden Ursachen und der Möglichkeiten der Entwicklung werden wir diejenigen Mittel ableiten können, die uns zur Verfügung stehen, um wieder in die Höhe zu kommen. Ihr Herr Vorsitzender weiß, daß ich als Reichskommissar für Preisüberwachung mit den gebundenen Preisen nichts zu tun hatte. Wo von seiten des deutschen Buchhandels an mich — viel leicht auch gerade in meiner Eigenschaft als Oberbürgermeister der Buchstadt Leipzig — Wünsche herangetragen wurden, dem Reichswirtschaftsministerium gegenüber auf eine versöhnlichere Haltung einzuwirken, habe ich es, nachdem ich mich von der Be rechtigung der Wünsche überzeugt hatte, gern getan. (Bravo!) Ich werde mich selbstverständlich stets zur Verantwortung für alle diejenigen Maßnahmen bekennen, die auf mein Konto zu fetzen sind und an denen die Reichsregierung als solche nicht be teiligt ist. Aus Ihren Worten, hochverehrter Herr vr. Olden bourg, sprach die Sorge, daß etwaige weiters zukünftige wirt schaftliche Maßnahmen eine bewährte Organisation, insbesondere die des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, irgendwie be rühren könnten. Ich nehme an, daß das auf ein Gespräch zu- 39S
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