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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.02.1912
- Strukturtyp
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- 1912-02-14
- Erscheinungsdatum
- 14.02.1912
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- Deutsch
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^ 37, 14. Februar 1912. Nichtamtlicher Teil. Börsenblatt s. d. Dtschn. Buchhandel. 1961 Mäßigkeit, die der allgemeinen Bewegung im Geistesleben entspricht. Die aufmerksamen Beobachter der sozialen Er scheinungen werden sich auf induktivem Wege mit Nutzen dieser Angaben bedienen, um ihr Urteil zu stärken oder ein- zuschränken Die Früchte, die der Baum der Wissenschaft trägt — und die gewissenhaft geordnete Statistik ist eine Wissenschafl —, reifen langsam, sie brauchen Festigkeit und Ausdauer der Anstrengung. «Fortsetzung folgt.» Veröffentlichungen der Gutenberggesellschast. 11. Ziemlich am Anfang der Ausbreitung der Buchdruckerkunst treten uns die bedeutenden zwei Bibeldrucke entgegen, die, ohne Datunl und Druckerangabe, nach der Zahl der Zeilen benannt und unterschieden werden; die zwciundvierzigzeilige, erstaunlich exakt nach ganz bestimmten Setzerregeln hergestellt und Prächtig gedruckt, und die sechsunddreißigzeilige, mit minder gutem Letternmaterial und sonstigen weniger guten Druckmaterialien geschaffen. Man nahm deshalb früher ohne weiteres an, daß zuerst das unvoll kommenere und danach das drucktechnisch hervorragende Werk ent standen sei. Diese Annahme hat der Göttinger Bibliotheksdirektor Professor vr. Dziatzko endgültig als irrig erwiesen, indem er zeigte, daß die 36zeilige Bibel zum großen Teile ein Nachdruck der 42zeiligen sei. Da aber die Typen, mit denen 876 ge druckt ist, nachweislich im Besitze eines sehr frühen Druckers, Albert Pfisters in Bamberg waren, der damit zwei andere Drucke hcrgestellt hat — die «Vier Historien- und den »Belial« —, auf denen er sich genannt hat, so schloß man mit einiger Be rechtigung, daß Pfister auch der Drucker der 36zeiligen Bibel gewesen sei. Dem widersprach allerdings Schwenke in der im Jahre 1900 erschienenen, von der Kgl. Bibliothek in Berlin herausgegebenen Festschrift zur Gutenbergseier, in der er Pfister als Drucker des Bibelwerkcs ablehnte, weil »die typographische Praxis der mit seinem Namen bezeichnet«» deutschen Drucke sich an den Ge brauch anschließe, wie er gegen Ende des Bibeldruckes herrsche«. Dieser ist aber nach Schwenke in die 2. Hälfte des 6. Jahr zehnts, etwa 1455 anzusetzen, während die beiden Drucke 1461 und 1462 datiert sind. Und nun kommt noch der Wiesbadener Oberbibliothekar der Landesbibliothek, Pros. vr. Gottfr. Zedler mit der verblüffenden Entdeckung: Nicht Pfister, sondern kein anderer als Gutenberg selbst war der Drucker des Werkes! Diese These sucht er in der X. und XI. Veröffentlichung der Gutenberggesellschast*) zu begründen. Eingeleitet wird die äußerst minutiöse Studie, die wieder im wesentlichen auf Typen vergleichungen sich stützt, mit einer Betrachtung der sicher und wahrscheinlich von Pfister herrührenden Drucke. Deren sind es neun, wovon die Erhaltung der Mehrzahl der Sorgfalt des Karmeliterklosters in Würzburg verdankt wird. Diese Drucke sind: 1. und 2. Zwei Ausgaben des Ackermann von Böhmen oder des Rechtsstreites eines Witwers mit dem Tode. 3. und 4. Zwei Ausgaben von Boners Edelstein. 5. Die vier Historien. 6., 7. und 8. Zwei Ausgaben der Liblia kauxsrum in deutscher und eine Ausgabe in lateinischer Sprache. 9. Der Belial des Jakobus de Theramo in deutscher Ausgabe. Alle diese Drucke, sagt Zedlcr, sind — das schließt er aus dem Typenzustand — jünger als die 36zeilige Bibel, deren Druckjahr wir nicht kennen. Als das Ergebnis eingehender Unter suchungen gelangt er zu dem Schluffe, daß die erste Ausgabe des Ackermann nicht nur der früheste erhaltene Psisterdruck ist, sondern überhaupt sein erster Druck mit beweglichen Lettern. Dieser Druck muß aber in das Jahr 1460 fallen; im Februar 1461 *) Die Bamberger Pfisterdrucke und die 36zeitige Bibel. Mainz 1911. Verlag der Wutenberggeseüjchast. IV und 113 S., 23 Tafeln. 4". Bö'seütitatt für den Deutschen Bnckchandkl. 79. Ialnnana. ist der datierte Boner erschienen, Anfang Mai 1462 folgten die datierten Vier Historien, Ende 1462 oder Anfang 1463 müsse die erste deutsche Ausgabe der Liblls. Uauxoruin angesetzt werden, gleich darauf 1463 die lateinische Ausgabe dieses Werkes, dann die zweite Ausgabe des Ackermann und 1464 die zweite deutsche Ausgabe der Liblia ?»uporrrm, dann der undatierte Boner und endlich der undatierte Belial. Über den Drucker Pfister ist bisher so gut wie nichts bekannt gewesen. Seine Existenz wurde nur durch die Schlußschriften der erwähnten beiden Drucke erwiesen. Man nahm an, ohne daß hierfür Anhaltspunkte Vorlagen, daß er »einer jener Briefmaler gewesen sei, die, dem Namen nach meist unbekannt, zahlreich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts austauchen, um in der handwerksmäßigen Ausübung der jungen Holzschnitzkunst zu einer Zeit, wo der großen Masse des Volkes geistige Anregung und ünterhaltung in der Hauptsache durch die Bildersprache zufloß, eine lohnende Beschäftigung zu finden«. Da aber Zedler durch Untersuchungen seiner Drucke in orthographisch-sprachlicher und stilistisch-sachlicher Beziehung festgestellt hat, daß wir es bei Pfister mit einem gebildeten und schristgewandten Manne zu tun haben, so vermutete er, daß er ein Kleriker war. In der Tat ist Zedler durch einen von Pfarrer Fr. Wächter bearbeiteten »General- Personal-Schematismus der Erzdiöcese Bamberg 1007—1907« auf die Spur eines Albert Pistor geführt worden, der als vlorlous uxoratus 1448 aufgeführt wird. Er war damals Sekretär und Prokurator des Domprobstes Georg von Schaum burg, wie aus einer Urkunde vom 17. September des genannten Jahres hervorgeht, die sich im kgl. Kreisarchiv von Bamberg be findet und von Zedler reproduziert wird. In einer zweiten Ur kunde vom September 1460 erscheint Pfister als Sekretär des inzwischen (1459) zum Bischof gewählten Georg von Schaumburg. Alles was noch aus zwei weiteren Urkunden über die Persön lichkeit Pfisters zu entnehmen ist, beschränkt sich aus die Tatsache, daß er verheiratet war, was darauf schließen läßt, daß er nur die niederen Weihen erhalten hatte, die »och nicht zum Zölibat verpflichten. Mehr Ergebnisse lieferte aber eine Durchsicht des bischöflichen Lehensbuches, das Psister, wie aus einer Eintragung im Jahre 1466 hervorgeht, teilweise eigenhändig geführt hat. Und zwar umfassen diese Eintragungen die Zeit vom 8. Januar 1460 bis 11. September dieses Jahres. In dem Eintrag von 1466, wo aus eine frühere Lehensaufführung Pfisters hinge wiesen wird, ist von einem Sextern (Lage) die Rede, «den ettwan Albertus Pfister registriert hat«. Ettwan bedeutet aber hier soviel wie weiland, wie Zedler durch andere Stellen be legen kann. Pfister war also am 13. April I486, dem Tag des Eintrags, schon gestorben. ,,Da Pfister noch bis in den November 1460 am bischöflichen Lehenhofe tätig war, so schließt Zedler, muß er seinen ersten, mit der 36 zeiligen Bibelschrist hergestellten Druck, nämlich die erste Auslage des Ackermann von Böhmen, noch als bischöflicher Sekre tär gedruckt haben. Es habe auch nichts Unwahrscheinliches, daß er zunächst in der bisherigen Stellung verblieben sei, solange-der Erfolg des neuen Unternehmens noch in Frage gestellt war. Zedler nimmt weiter an, daß Pfister auch schon zur Zeit, wo er noch in Diensten des Bischofs stand, als Holztafeldrucker, wenn auch in bescheidenem Umfang, tätig gewesen ist. »Die erfolgreiche Art der Bereinigung von Holztafel- und Typendruck, wie sie seinen in rascher Folge erschienenen Druckwerken eigen ist, ebenso die glückliche Wahl der in seinen Drucken wiedergegcbenen volks tümlichen Stoffe, zwingt zu dem Schluß, daß er auch bereits in seiner Stellung als bischöflicher Sekretär seinem späteren Wir kungskreise nicht völlig fremd gegenübergestauden hat.« Wenngleich aus den Auszeichnungen über diesen Pfister nichts über seine Druckertätigkeit hervorgeht, dürfte es doch zwei fellos sein, daß er mit dem Drucker identisch ist; den» es er scheint doch zu unwahrscheinlich, daß in Bamberg zu gleicher Zeit zwei Persönlichkeiten dieses selben Namens gelebt haben. Daß rss
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