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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.04.1934
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1934-04-28
- Erscheinungsdatum
- 28.04.1934
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- Deutsch
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X- 98, 28. April 1934. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Ttschn Buchhandel. 7 liche Leistung und Verantwortung Eckpfeiler des staatlichen und kulturellen Lebens fein und bleiben müßten. Und trotzdem vollzieht sich zweifellos in der Wertung der per sönlichen Leistung eine Wandlung. Sahen Goethe und das ver gangene Jahrhundert das höchste Glück der Erdenkinder in der Persönlichkeit, so sieht die werdende Gegenwart ein noch größeres Glück im Erlebnis der Gemeinschaft. Dieses Erlebnis fordert aus der Verpflichtung zum Ganzen bedingungslose Hingabe, ver langt den ganzen Menschen und sein ganzes Können, aber: es er zwingt sich gleichzeitig mehr Anonymität der persönlichen Leistung. Freilich werden wir nie mehr der inneren Größe einer Zeit nahe kommen, die die Baumeister unserer größten Dome namenlos in die Zukunft eingehen ließ, die die Spuren eines Shakespeare ver wischte, aber sein Werk sorglich erhielt. Aber wir werden wieder ler nen, daß nichts um unserer selbst willen zu geschehen hat, und daß nichts unserem Namen besseren Klang zu geben vermag als Hin gabe an die Gemeinschaft. So will verlegcrische Gemeinschaftsarbeit nicht eingreiscn in Bezirke freien verlegerischen Schaffens. Nicht die Verleger-Genos senschaft, sondern nur der kein Opser scheuende und an den Durch bruch zum Erfolg unverwüstlich glaubende Verleger ist Wegbereiter und Wegbereiter des ringenden Genies. Das wird nie anders sein. Was wirtschaftliche Kraft und verlegertsche Aktivität heute und morgen zu leisten vermögen, das soll ihnen allein auch Vorbehalten bleiben. Doch wissen wir um Grenzen. Es gibt neue Aufgaben, und es werden solche auch weiterhin neu erstehen, die aus dem Totalitäts anspruch des Staats und seiner Gliederungen heraus die restlose Erfassung bestimmter Schichten verlangen. Es gibt Bereiche ver- legcrischcr Tätigkeit, die sich in ihrer Vielfältigkeit, begründet in persönlichen, landschaftlichen oder sonstigen Ursachen, nicht mehr decken mit der einheitlichen Planung und Willcnsbestimmung des Staates. Es mag sein, daß beim Vereinfachen und Zusammenlegen da oder dort des Guten zuviel geschah. Wer vermöchte in Zeiten, da man nicht daran denkt umzubauen, sondern bewußt Fundamente für ein neues und größeres Haus legt, immer und überall ohne Fehl das rechte Maß zu bestimmen! Aber wenn schon da und dort statt dreier Handbücher, statt eines halben Dutzends Lesebücher nur mehr eines gelten soll, so ist nur zu fragen, ob es richtiger ist, wenn unter sechs Schulbuchverlegern — um ein Beispiel zu nennen — fünf ihre Betriebe einschrumpfen lassen sollen, während ein einzel ner seinen Umsatz vervielfältigen müßte, oder ob es nicht wirtschaft lich gesünder ist, wenn die sechs sich zusammenfinden und gemein sam einen neuen Weg suchen. Nein, hier ist keine Frage. Was für den Schulbuchverlag schon seit langem an verschiedenen Stellen aktuell geworden war, wird es heute oder morgen sür irgendwelche Sparten des Verlags sein. Es ist die Absicht dieser Zeilen, das Grundsätzliche der Ge meinschaftsarbeit zu umrcißen. Auf eine ausführliche Darlegung von Einzelfällen kann deshalb verzichtet werden. Der Kalender der Deutschen Arbeitsfront, das Märchenbuch der Reichsjugend führung, große Zeitschriftcnunternchmcn auf den verschiedensten Gebieten des ständischen Ausbaus, das alles sind nur Beispiele sür Möglichkeiten, die gemeinschaftlichen Einsatz auch in Zukunft for dern können. Man verrät keine Geheimnisse, wenn man daran er innert, daß an viel zuvielen Stellen des Staates erschreckend viel Initiative zu eigener verlegcrischer Tätigkeit spürbar ist. Es nützt wenig, zu wissen, daß man sich da und dort schon die Finger ver brannt hat. Das Gefühl der Bitterkeit wird dadurch nicht geringer. Wenn wir auf dem Boden des Rechts und aus der Gesinnung un serer neuen Zeit heraus verlangen, daß der Staat sich für ver legerische Ausgaben des Verlegers und des Buchhändlers bedienen soll, so hat freilich der Staat ein Recht von uns zu fordern, daß wir uns den neuen Aufgaben in allem voll und ganz anpasscn. Auch wir sind der Auffassung, daß eine neue verlegcrische Aufgabe, die etwa durch die Arbeitsfront oder durch den Reichsnährstand gestellt würde, zu gigantisch sein könnte, als daß es gerecht wäre, sic einem einzelnen anzuvertraucn. Hier hat verlegcrische Gemein schaftsarbeit cinzusetzcn. Aber nicht die Gemeinschaft aller, nicht der Verlegervcrein und nicht eine Genossenschaft aller Verleger kann der organische Träger solcher Arbeit sein. Was hätte der Verleger einer Fleischerzeitung etwa mit dem Werden eines Lehrbuches für Geschichtsunterricht im Rheinland zu tun? Es ist notwendig, zur Gemeinschaftsarbeit immer jeweils nur jene Verleger zusammcnzufassen, deren bis heriges Arbeitsgebiet sich mit dem der neuen Einzelausgabe deckt. Verhandlungsführend ist im Einzelfall nicht das Amt für Gemein schaftsarbeit beim Börscnverein, sondern der für die jeweilige Auf gabe oder für das Fachgebiet bestellte Verleger. So wurden für den wissenschaftlichen Verlag Herr vr. Siebeck, sür den juristischen Herr Sellier, sür das ganze Gebiet der Landwirtschaft, des Forstwesens, des Gartenbaus Herr vr. Georgi berufen. Die Ausführung dieser wenigen Fachgebiete und der dafür bestellten Vertrauensmänner soll lediglich beispielsweise zeigen, wie die Aufgliederung vollzogen wurde. Alle Anregungen und Wünsche sind an das Amt für Gemeinschaftsarbeit beim Börsenverein oder an mich persönlich zu richten. Es ist Aufgabe der Fachgruppenführcr, im Zusammenwirken mit dem Börscnverein die organische Arbeitsgemeinschaft für den bestimmten Fall zu bilden und die Durchführung eines entsprechen den Abkommens zwischen den Beteiligten zu überwachen. Als juristische Form für eine solche Arbeitsgemeinschaft kann die Genossenschaft vorteilhaft sein. Meist wird der Kreis der Ge nossen jedoch ein so kleiner sein, daß einfache vertragliche Ab machungen zweckentsprechender scheinen. Aus den Darlegungen über Sinn und Wirksamkeit verlege- rischer Gemeinschaftsarbeit ergibt sich, daß diese ebenso notwendig der fachlichen Aufgliederung bedarf, wie Gemeinschaftsarbeit des Sortiments nur örtlich organisiert denkbar ist. Versiche rungen örtlicher Berlegergruppen, zu Gemeinschaftsarbeit bereit zu sein, gehen also von einem Mißverständnis aus. Ein Mißverständnis unverzeihlichster Art aber wäre es, wollte irgend jemand glauben, die neue Formel der Gemeinschaftsarbeit etwa als Mantel für eigennützige Piraterie benützen zu können. Es wird von uns allen gefordert, die Pflichten vor die Rechte zu stellen, und wir fordern vor allem von jedem Kollegen in der Front der gemeinschaftlichen Arbeit Selbstlosigkeit, Vertrauen und Disziplin. Wer sich gegen die Gemeinschaft versündigt, schließt sich von ihr aus. Wir wollen dabei gerne vergessen, was gestern gegen den Gedanken der Gemeinschaft gesündigt wurde. Wer heute guten Willens zu uns kommt, der sei der Unsere. Wer aber heute den Ge danken der Gemeinschaft verrät, verfällt der Ächtung. Gemein schaftsarbeit ist Nationalsozialismus der Tat. Der deutsche'Verlag wird die neuen Aufgaben meistern. L»
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