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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.04.1929
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- 1929-04-25
- Erscheinungsdatum
- 25.04.1929
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^ 95, LS, April 1929, Redaktioneller Teil, Börsenblatt s. d. Dtschn. Buchhanoel. eine »schon« besitzt, hat der andere »nicht« oder »noch nicht« und wird cs wohl auch nie bekommen, das schnelle Austauchen und ebenso schnelle Verschwinden von Verlagen macht einerseits das Erreichen der Vollständigkeit des Materials nahezu unmöglich und ist andererseits wohl der Hauptgrund, warum bisher noch die große Gesamtdarstellung des modernen Signets fehlt. Kaum wäre diese zu einem Abschluß gekommen, hätte man schon im nächsten Augenblick mit neuen Zeichen zu rechnen. Andererseits! welchen Zeitpunkt erachtet man, rückwärts blickend, als den Beginn der gegenwärtigen, der modernen Periode? Paul Hclchen, der einzige, der für die neue Zeit eine Zusammenfassung, allerdings schon im Jahre 1892, in seinem Werk »Die Drucker- und Verlegerzeichen der Gegenwart« gegeben hat, geht in seiner Auswahl von 393 Marken ziemlich unsystema tisch vor, denn er berücksichtigt eben nicht, wie der Titel angibt, nur die Gegenwart, sondern führt fast alle berühmten historischen Signete, bis auf Fust und Schocffer zurückgchend, an. Diese Methode könnte man allenfalls verteidigen, wenn Heichen die alten Marken zum Vergleich abgebildct hätte, einfach um den Nachweis zu erbringen, daß mit mehr oder weniger Bewußtheit seitens des Künstlers oder Verlegers gutes Altes übernommen wurde, und daß manches Signet trotz des Alters auch in einer ganz anderen Zeit seinen Sinn erfüllt, ja manchmal sogar künst lerischer und zweckmäßiger wirkt als manches sog, moderne. Wer kann sich dem verschließen, daß manches Signet der Jnkunabel- zcit, manches auch des 16, Jahrhunderts noch, wie geschaffen scheint für eine Zeit, die bis zum Signet herunter alles auf die knappste, klarste Formel zu bringen sucht? Soll man nun etwa diese Signete, die nachweisbar als Vorbild, Anlehnung und Ent lehnung dienten, nicht doch einer solchen Schau beigeben? Das Gesamtbild würde auf jeden Fall wesentlich bereichert, und man cher würde staunen, wenn er ein seiner Ansicht nach ganz moder nes Signet plötzlich in so ehrwürdiger Verwandtschaft, ja Gleich heit sähe. Um noch einmal ans Heichen zurückzukommcn: so un systematisch seine Zusammenstellung ist — er mischt beispielsweise das Wappen Dürers und das Briefzcichen Kobergcrs unter seine Marken —, so ungemein wertvoll ist sic doch als kultur- und buchgeschichtliches Dokument, Dieser »erste Schritt zu einer Sammlung der Verlagszeichcn der Gegenwart-, wie er selber sagt, zeigt deutlich, wie ungeheuer schnell sich das Signet seit der Mitte des 19, Jahrhunderts wandelte, und wie wenige der zu ihrer Zeit besten Marken heute noch bestehen können. Nur eine einzige aus der Hcichcnschen Sammlung steht heute ebenbürtig neben den besten Entwürfen unserer Tage, ja vermag fast ihre eigenen neueren Varianten in den Schatten zu stellen: es ist das kleine Monograimnsignct, das B, G, Tcubner für seine neuge- gründetc Firma entwarf. Gerade dieses Zeichen zeigt die Schwierigkeit der Grcnzsctzung nach rückwärts. Ja, wenn man Heichens Werk durchgcsehcn hat, steht man in Versuchung, die neue Zeit des Signets mit Rud, Seitz und E. Doepler d. I, zu beginnen, so stark ragen ihre Entwürfe, vor allem das Signet von Seitz für Georg Hirth, aus der unklaren, nichtssagenden und trivialen Masse hervor. Die Anhänger der neuesten Richtung in der Typographie dagegen werden ein so weites Zurückgreifen ab- lchncn, beginnt doch für I. Tschichold die zeitgemäße Buchkunst erst 1914. Man sicht also zur Genüge, daß die Dinge, wie bei jeder Grcnzsctzung und Pcriodisicrung, nicht einfach liegen. Ge rade die Übergänge sind interessant und machen den Fortschritt erst verständlich, ja nachprüfbar. Wie will man das Neue charak terisieren, wenn man das Alte nicht kennt oder in Gegensatz oder Vergleich dazu stellt? So wird nach meiner Ansicht eine Dar stellung des modernen Signets, ganz gleich wo man das »modern« beginnen läßt, stets vom alten Signet des 15, und 16, Jahr hunderts auszugehen haben, weil dort seine Wurzeln liegen. Ob man dann mit der deutschen Renaissance der 70/80cr Jahre und dem Jugendstil beginnt oder als Ausgangspunkt die Marken von S. Fischer 1895, E. Dicderichs 1897 und Insel 1899 nimmt oder noch später cinsctzt, ist ziemlich gleichgültig: der Begriff des modernen Signets oder Signets der Gegenwart ist, wie wir be reits sahen, etwas Relatives, Schwankendes, llnfixierbarcs. Trotzdem muß es möglich sein, sein Wesen aus lauter einzelnen Komponenten zu erkennen. 466 2. Vom alten und neuen Signet: Gleichheiten und Unterschiede. Noch heute zerbricht man sich den Kopf darüber, wie Fust und Schocffer dazu kamen, ihren Werken eine Marke am Ende des Buches bcizufügen. Alle Theorien der Entstehung — Ver wandtschaft mit Hausmarken, Wasser-, Goldschmiedezeichcn usw, - haben eine Lücke, und ehe diese sich nicht schließt, müssen wir versuchen, aus der Art der Verwendung auf die Ursache der Er findung rückzuschlicßen. Das alte Signet ist Druckerzcichen, da ja der Drucker gleichzeitig Verleger war. Als solches war es ein rein persönliches Besitzer- und Ursprungszcichcn. Zudem hatte cs wohl auch einen dekorativen Sinn: cs schloß in der Jnkunabcl- zeit das gedruckte Werk gewissermaßen ab, hielt es vor dem Aus- einandcrfallen zusammen, war der große Schlußpunkt, Im 10. Jahrhundert steigt die Bedeutung des Signets: es wird Verlcger- marke, vertauscht seinen Platz am Ende mit dem auf dem Titel blatt, wird Zeichen und Schutz der Werkstatt, aber bei den zahl reichen Nachdrucken auch nachgeahmt. Außerdem wird es sehr oft persönliches Bekenntnis des Druckers oder Verlegers: eine Zeit religiöser Spannungen, gelehrter Auseinandersetzungen und künstlerischer Produktivität spiegelt sich in der Wahl seines Themas, der formalen Gestaltung, der Sprüche oder Sinnbilder. Als kunst- und geistesgeschichtliches Dokument ist das Signet des 16, Jahrhunderts so aufschlußreich wie kein anderes einer ande ren Zeit, Nur bis zu einem gewissen Grade kann man dem alten Signet den Wert einer Schutzmarke zusprcchcn: es gab ja trotz aller Privilegien keinen Schutz vor Nachdruck, wie viel weniger einen Markenschutz! Trotzdem aber sollte, wie aus verschiedenen Verordnungen und Schreiben ersichtlich ist, das Zeichen die Her kunft dokumentieren und vor schlechten Nachahmungen bewahren. Diese Eigenschaft des alten Signets ist für das moderne die wich tigste geworden. Das heutige Signet gehört in die große Klasse der Schutzmarken, cs ist das Zeichen, das den Verlag vertritt, das anstelle oder neben seinen Namen gesetzt wird, das, so klein und unscheinbar es aussieht, für ihn wirbt. Heute wird es nicht nur innerhalb des Buches gebraucht, sondern Einband, Umschlag, Prospekte, Briefbogen, Drucksachen, ja Plakate bringen das Zeichen: seine Verwendbarkeit ist fast unbegrenzt. In alle Wcrbc- maßnahmen sollte es hineingezogcn werden, damit das Publikum, das man gewinnen möchte, sich an sein Aussehen gewöhnt und schließlich im Vertrauen auf die Qualität, die das Signet bisher vertrat, auch unbekannte Werke, die sein Zeichen tragen, kauft. Den Charakter einer Marke teilt das moderne Signet vor allem mit den Büchcrmarkcn des 15, Jahrhunderts, während es mit denen des 10. Jahrhunderts ein persönliches Moment ge meinsam hat. Zwar kommt dieses Persönliche nicht mehr wie einst in großen Bildern, Sprüchen und gedankenvollen Anspie lungen zum Ausdruck, es liegt versteckter, in irgendeinen: Symbol, »redenden« Zeichen, Familienwappcn, Spruch, ja selbst seine for male Gestaltung kann persönliches Bekenntnis sein. Das Signet des 16, Jahrhunderts war in viel stärkerem Maße zeit- und orts gebunden als das heutige, trotzdem aber kann man nicht sagen, daß das moderne durchweg zeitlosen Charakter habe und unab hängig von dem Land zum mindesten, in dem es erscheint, sei. Es ist eine Tatsache, daß selbst diese kleinen Zeichen nationale und sogar landschaftliche Besonderheiten haben. So verschieden schon die Jnkunabclsignete der einzelnen europäischen Völker sind, so verschieden sind selbst heute, wo sich die kulturellen Grenzen immer mehr vermischen und internationale Beziehungen und Formen als erstrebenswert gelten, noch die Signete der einzelnen Länder. Das moderne deutsche Signet ist etwas durchaus anderes als das französische, englische oder amerikanische! Wie wir nicht genau wissen, warum die ersten Drucker eine Marke verwendeten, so kennen wir auch im 15. Jahrhundert keinen Meister, Künstler oder Gelehrten, der die Anregung dazu gab oder das Zeichen ausführte. Im 16, Jahrhundert tritt darin eine Änderung ein: Holbcins Entwürfe von einigen der schönsten Büchcrmarkcn dieser Zeit sind, um nur ein Beispiel zu nennen, bekannt genug. Die einflußreiche Rolle, die beispiels weise die cmblcmatischc Literatur und Gelehrte wie Erasmus bei der Wahl vieler Signetmotive gespielt haben, ist durch L, Volk-
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