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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.10.1897
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1897-10-02
- Erscheinungsdatum
- 02.10.1897
- Sprache
- Deutsch
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7028 Nichtamtlicher Teil, 229, 2. Oktober 1897. Nichtamtlicher Teil. Der Buch-, Kunst- und Mustkalienhandel in Nieder-Oesterreich 1896. (Aus dem Berichte der Handels- und Gewerbekammer nach der Oesterr.-Ungar. Buchhändler-Correspondenz.) Buchhandel, Die für den Sortiments-Buchhandel wenig günstige Ge schäftslage des Vorjahres hat sich auf die Berichtsperiode übertragen, denn die geringen Hoffnungen, die im Hinblick auf den momentan lebhafteren Zug in den meisten gewerblichen Betrieben in Bezug auf eine mäßige Aufwärtsbewegung des geschäftlichen Verkehrs zu An fang des Jahres gehegt wurden, sind nicht in Erfüllung gegangen. Die Sortimentsfirmen, die vermöge ihrer Organisation, ihres großen, gutgewählten Lagers und der Spezialisierung wichtiger Litteratur- zweige auf die räumliche Ausdehnung ihrer Verbindungen ange wiesen sind, werden durch die in unseren nationalen und politischen Verhältnissen, den nicht entsprechenden Verkehrseinrichtungen und noch anderen Momenten begründete Einengung derselben fühlbar getroffen, und wenn noch dazu die geschäftliche Bewegung, wie dies thatsächlich im Berichtsjahre in zahlreichen Wirtschaftszweigen der Fall war, stockt, so tritt ein Rückgang ein, der den allen wirtschaft lichen Schwankungen gegenüber geradezu nervösen Buchhandel, trotz allen Fleißes und aller Umsicht, die in seinem Kreise heimisch sind, empfindlich berührt. Der Ruf nach Beseitigung des Zeitungsstempels hat zwar ein Echo im Reichsrate gefunden, aber zur Beseitigung dieser auf dem Buchhandel so schwer lastenden Steuer kam es nicht. Durch die Steuerpflicht der Zeitschriften sind ferner dem hiesigen Buchhandel seine Abonnenten rn Ungarn, wo eine solche Abgabe nicht besteht, und damit eine große Zahl wertvoller Geschäftsverbindungen ver loren gegangen. Bezüglich der durch die postalischen Vorschriften und die Porto sätze bedingten Notwendigkeit, für Massenoersendung bestimmte Ka taloge und Preiskurante in Ungarn drucken und von dort mittelst Zeitungsmarken nach Oesterreich verschicken zu lassen, ist bereits Wandel geschaffen. Der Absatz an Fremdenlitteratur entsprach dem schwachen Fremdenverkehre, Das Schulbüchergeschäst neigt ausfallend dem antiquarischen Einkäufe zu, und selbst das Weihnachtsgeschäft folgt langsam dieser Richtung. Der Verkauf von Prachtwerken war schwach, wie seit Jahren nicht. Die Ueberproduktion hält bedauerlicherweise ungeschwächt an, trotzdem die Uebersättigung des Publikums durch die immer zahl- reicher werdenden Kollektionen billigster Unterhaltungslitteratur ein nicht mißzuverstehender Fingerzeig für eine rasche Umkehr aus diesem verderblichen Wege ist — verderblich für Verlag und Sor timent, denn jener erleidet schwere Verluste an Kapital, und dieses vergeudet nutzlos hurte Arbeit unter Aufwendung großer Spesen. Der Verlagsbuchhandel des Kammerbezirkes ist jener Ueberproduktion ziemlich ferne geblieben und hat vielmehr seine Thäligkeit in gesunden Schranken gehalten, was ihm bei dem immer steigenden Export deshalb sehr zu statten kommt, weil seine Artikel dadurch mehr Beachtung seitens des Sortiments finden. Freilich haben zu dieser Selbstbeschränkung die erhöhten Satzprcise ebenfalls beigetragen. Der Umstand, daß hervorragende ausländische Autoren gerne ihre Arbeiten in Wien erscheinen lassen, verdient mit großer Befriedigung hervorgehoben zu werden. Kunsthandel. Von einer Besserung der Absatzverhältnisse in diesem Handels zweige während der Berichtsperiode kann nicht gesprochen werden, ja es hat, da Nord-Amerika seine Bezüge im selben noch weiter verringert hat, vielmehr den Anschein gewonnen, als sollten unserem Außenhandel noch engere Grenzen gezogen werden. Die Verlagsthätigkeit, der Gradmesser auf diesem Gebiete, war eine geringfügige; die Hauptschuld hieran trägt die Ueberproduk tion des deutschen und namentlich des Münchener Verlages, der die Märkte mit Drucken aller Art dermaßen überflutet, daß sie nicht nur den mit aussichtslos in den Kasten lagernden Blättern belasteten Händler zum Einhalt zwingt, sondern auch in wirtschaftlich mageren Jahren den Kunden ob der zu großen Auswahl kopfscheu macht. Folge der Sintflut mit Reproduktionen ist auch die schnelle Veraltung des Erschienenen. Als vor einigen Dezennien noch der langsam her zustellende Stich am Ruder war, gingen Blätter jahrelang als neu und die Lager der Verkäufer blieben dabei gering und damit auch das Risiko; jetzt, da Photographie, Heliogravüre, Kohle- und Lichtdruck den Markt überschwemmen, veraltet alles so rasch, wie es geschaffen wurde. In Stichen und Radierungen sind nur einige, meist kleinere Blätter erschienen, welche ihrer gediegenen und schmucken Druckart wegen allerwärts einen, wenn auch bescheidenen Absatz fanden. Der Verlag von Heliogravüren hat seinen Weltruf und den damit verbundenen guten Absatz auch 1896 nicht eingebützt. Man bevor zugt hier und im Auslande dieses Wiener Genre, welches bemüht ist, stets Neues zu schaffen. Ganz besonders haben die Miniatur- Gravüren die Welt erobert, und es ist z. B. in England eine große Anzahl solcher von Wienern gemalter und hier reproduzierter und mit dem Vermerk: »Uriutsä in VisnvL« versehener Bilderkarten anzutreffen. Auf den Wiener Platz hatte auch die Weihnachisausstellung im Kunstgewerbe-Museum guten Einfluß, und man sollte den Wert solcher Expositionen immer mehr erkennen und sie dement sprechend fördern. Ganz besonders für den Kunsthandel sind sie unschätzbar, da die Schaufenster der Firmen infolge der hohen Miet zinse lange nicht geräumig genug sind, um alle interessanten Objekte zeigen zu können. Oelbilder gingen 1896 schwach ab; die schöne Frühjahrs ausstellung im Künstlerhause brachte außer den kaiserlichen An käufen wenig Absatz; für die nächsten Jahre ist mehr zu hoffen, da der Gemeinderat zur Anschaffung von Bildern der Wiener Künstler für das städtische Museum einen größeren Posten budgetiert und mit der Herstellung des schönen Schubert-Bildes von Schmidt einen tüchtigen Anlauf zur Kunstpslege genommen hat. Die Photographie, mehr und mehr von Amateuren aus geübt und dadurch den Berufsphotographen stetig mehr entzogen, hat sich auf ihrem Urfelde, dem Porträt und der Landschaft, ziem lich behauptet. Der Lichtdruck für Werke in kunstgewerblicher und architek tonischer Richtung blieb auf gleicher Höhe und wird bislang vom Zinkdruck, trotz tüchtigster Leistung in selbem, nicht zurückgedrängt. Der Oeldruck wird einzig für Unterrichtszwecke benutzt; große Wandansichten von London oder Paris, sehr exakt ausgeführt und mäßig im Preise, bezeugen, auf welcher hohen Stufe wir hier nn- gelangt sind. Vorläufig stagniert diese schöne Technik, wird aber, da die Mehrheit der Käufer das Farbige vorzieht, in irgend einer Form alsbald wieder erstehen, und es werden dann jene Fehler, die sie diskreditiert haben, hoffentlich vermieden werden. Für kleine Postkarten, Briefe mit Ansichten u. s. w. stand der Oeldruck 1896 in starker Verwendung. Landkarten und Pläne für Schule und Haus erhielten sich trotz der starken Konkurrenz auf der gleichen Höhe. Sehr erfreulich war die überaus rege Beteiligung des Staates und kaiserlicher Anstalten an der Veröffentlichung von Werken verschiedener Repro duktionsarten, und es wäre ersprießlich, weitere werkthätige An regung in dieser Richtung zu geben. Nicht nur wird dadurch den Anstalten reiche und künstlerische Beschäftigung zugeführt; sondern man vermag auch dem Auslande zu zeigen, was hier geleistet werden kann. Das vom österreichischen Handelsmuseum heraus gegebene Teppichwerk hat seiner Zeit in Paris Sensation erregt; mögen daher Staatsaufträge dem hiesigen Platze auch fernerhin Anerkennung und Bestellungen erbringen. Musikalienhandel. Die geschäftlichen Verhältnisse im Musikalienhandel verfolgten in der Berichtsperiode wie im vorangegangenen Jahre die rückläufige Richtung. Am deutlichsten trat diese Tendenz in der Erscheinung zutage, daß selbst Verlagswerke, die wirklichen Erfolg aufwicsen, nicht mehr annähernd ähnliche Absatzresultate erzielen konnten, wie dies unter gleichen Umständen in besseren Geschäftsjahren der Fall war. Am wenigsten hiervon berührt zeigten sich wieder die bekannten billigen Klassikerausgaben. Der Verlag moderner Richtung jedoch hatte nicht nur unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern auch unter der schon seit langem empfundenen Konkurrenz der Leih institute zu leiden. Obwohl die das Leihgeschäst pflegenden Firmen es durchaus nicht zugeben wollen, daß Sortiment und Verlag seit der starken Zunahme der Musik-Leihanstalten em pfindliche Ausfälle erleiden, so wird doch als erwiesen ange nommen, daß namentlich das Gebiet der leichten Musik hier von am meisten betroffen erscheint. Die Werke kürzerer Lebens dauer, die früher einen weiten Abnehmerkreis fanden, werden nun von Tausenden von Leihkunden unter billigen Bedingungen entlehnt, vielfach auswendig gelernt oder gar, wie das bei Werken geringeren Umfanges jetzt sehr häufig vorkommt, abgeschrieben. Eine Remedur dieser Mißstände könnte nach Anschauung des Musi kalienhandels nur durch das vollständige Ausscheiden der leichteren Musik, wie Operetten, Tänze, Couplets rc., aus den Leihanstalts- Katalogen geschaffen werden. Man erwartet, daß es zu einer solchen Maßregel in absehbarer Zeit auch kommen werde, da die
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