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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.06.1938
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1938-06-16
- Erscheinungsdatum
- 16.06.1938
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- Deutsch
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wird der Besucher angesprochen durch die Leistungen der Hitlerjugend auf buchkünstlerischem Gebiet. Schönstes Zeugnis ihrer Arbeit ist dabei eine handgesetzte und ans einzelne Blätter abgezogene Ausgabe des »Lied der Getreuen«, die nur in zwei Stücken hergestellt worden ist. Daneben aber finden sich Ausgaben vom Buch des Führers »Mein Kampf«. Die HI. will gerade durch diese Beispiele dazu anregen, dieses Buch aller Deutschen im würdigsten und schönsten Gewand zu verbreiten und zu besitzen. Auch Leistungen graphischer Art, Diplome, Bnchblätter, Notenblätter u. a. finden sich in reicher Auswahl. Auf einer großen Tafel findet sich dann ein vollständiges Verzeichnis des gesamten ausgestellten Schrifttums, sozusagen eine Leistungs - tafel des deutschen Verlages, der hier den Besuchern in seinen wichtigsten Veröffentlichungen aufgezeigt wird. Das ist ein guter Gedanke, denn so verbindet sich für den Beschauer der Begriff eines guten Buches auch mit dem Namen eines Verlages, der diese Leistung schuf. In einzelnen, übersichtlich geordneten, durch Bilder und Schriftworte ans neuem Schrifttum angenehm unterbrochenen Abteilungen erfährt dann das Gegenwartsschrifttum seine Darstel lung. Zunächst sieht der Besucher die wichtigsten Veröffent lichungen zur Kulturellen Erziehung der HI., Zeit schriften wechseln mit Büchern ab, die die verschiedensten Gebiete nim fassen, so z. B. Kunstschaffen, Dichtung, Germanentum, Handwerk, Kulturgeschichte u. a. m. Ein weiterer Raum ist der jungen Prosa, der Lyrik und derDramatik gewidmet. Namen wie Strauß, Johst, Hart mann, Hymmen, Möller, Steuben, Langenbeck, Cremers tauchen hier auf. Deutlich bricht die Ausstellung mit dem früher oft angewendcten Grundsatz einer altersmäßigen Gliederung. Neben guten Büchern ans dem Arbeitsdienst findet sich in der Abteilung unvergängliches Dichtgnt, neben Erzählungen der Jugend Kriegsbücher, neben den einfachen Bändchen der kleinen Buchreihen die großen Nomantrilogien unserer Zeit. Daß das Jugendbuch auf breiter Basis zur Darstellung kommt, ist selbstverständlich. Dem Buchfreund macht die Gegenüberstellung »Jugendbuch in Vergangenheit und Gegenwart« viel Freude. Eine andere Abteilung beschäftigt sich mit den Themen Musik und Lied und zeigt die vielfachen Anregungen, die gerade von der HI. hier auf das verlegerische Schaffen ansgegangen sind. Spiele, Handbücher u. a. m. bringt dann eine Koje mit dem Thema Feier und Freizeit, Spiel und Tanz. Daß hier auch Gedichte, Spruchgnt und Heimabenduiaterial in den verschiedensten Auswahlen zu finden sind, ist klar. Die Ausstellung ist damit noch nicht erschöpft. Welche Wege das Jugcndbuchschafsen der Gegenwart gehen soll, zeigt uns dann eine Abteilung »Erzählgut, das gute Jugcnd- b u ch«. Hier sind die neuen Gemeinschaften Arbeitsdienst, Heer usw. dargestellt. Der Besucher wird dabei wieder beobachten, daß manches Werk auftaucht, das kein Jugendbuch im alten Sinn ist und das doch so wichtig für junge Menschen sein kann. Volk und Land — Kampf ums Reich — Weltkrieg — Frühgeschichte und Geschichte — Mensch und Landschaft heißen andere Buchgruppen. Mit viel Sorgfalt ist eine Auswahl aus dem Schrifttum der Ost mark getroffen, Dichterbilder zeigen die wesentlichen Kräfte der deutsch-österreichischen Dichtung der Gegenwart, wie überhaupt, wo es nur anging, das Bild des Dichters in Zusammenhang mit dem Buch des Dichters gesetzt wurde. Die Anregungen, die von dieser Weimarer Ausstellung der HI. ausgehen, sind vielfältig. Zunächst gab sie den dort versammelten HI.-Führern und Kulturbeauftragten einen aufschlußreichen Über blick über die Möglichkeiten, die das Schrifttum bietet, sie zeigte den Reichtum aus, auf den wir stolz sein können. Immer wieder hört man dabei auch von dem Eindruck, den diese Werke in buchkünstlerischer Hinsicht machen. Die Schau wurde dadurch auch zu einem Leistungs bericht verlegerischen Schaffens. Dem Ausstellungsbesncher stand Prospektmaterial in reicher Aus wahl zur Verfügung, jederzeit wurde er in sorgfältigster Weise von Hitlerjungen und BDM.-Mädeln beraten. Eine Merktafel für d i e k u l t u r e l l e A r b e i t stand den HI.-Führern zur Verfügung. Diese Merktafel bringt wichtiges Buchmaterial für Feier und Frei zeit. In einem Vorwort zu dieser Tafel sagt ObergebietsfUhrer Cerff, daß für die kulturelle Arbeit das Beste gerade gut genug sei. Der Plan sei ein ständiger Berater für alle Fragen der Feier- und Frei zeitgestaltung, der auch Aufschluß gebe über Bezugsquellen und Kosten. Ein besonderer Vermerk verweist auf den Bezug durch den örtlichen Buchhandel. Das sind Dinge, die für Verlag und Buchhandel wichtig sind, denn von beiden Seiten wurde für Ausstellungen immer wieder angestrebt, die Möglichkeit zu haben, Bezugsmöglichkeiten, Preise u. a. zu nennen. Der Plan nennt so alle- Verlage, deren Bücher auf ihm verzeichnet sind. Wir erblicken darin eine sehr zu begrüßende Zusam menarbeit zwischen Buchhandel und Hitlerjugend, die in der Aus stellung des jungen Kulturschafsens selbst sichtbaren Ausdruck ge funden hat. E. W. L. Misanders „Bücherfreunde und Bücherfeinde" Im Jahre 1695 erschien in Dresden ein Buch: »Misanders Bü cherfreunde und Bücherfeinde«, Oktavformat, 252 Seiten stark, mit einem Titelkupfer, einen Gelehrten in seiner Bücherstube darstellend. Unter dem Decknamen »Misander« verbarg sich der sächsische Schul lehrer, Pastor und Poet Johann Samuel Adami (1630—1713), der eine größere Anzahl theologischer Schriften und Traktätchen, Sinn bilder, Übersetzungen lateinischer Klassiker und anderes mehr verfaßt hat. Das obengenannte Merkchen enthält denn auch bunt durchein ander eine Fülle von gelehrten Betrachtungen, Zitaten und Beispielen aus dem biblischen und klassischen Altertum, literarischen Anmerkun gen, lateinischen und deutschen Berschen und dergleichen und ist nur schwer noch verständlich und lesbar. Immerhin ist aber dazwischen so mancherlei auf den Buchhandel bezügliches eingestreut, das auch heute noch interessiert. Wir bringen nachstehend eine Auswahl solcher Stellen. »Ein Gelehrter / wenn er bey einer Gesellschaft ist / und was auffs Tapet gebracht und discurriret wird / so ist es seine größte Freude / er recket die Ohren in die Höhe / das Hcrtze im Leibe lachet ihm / wenn er von Büchern und gelehrten Dingen was hören soll.« »Ein Gelehrter soll seine Bücher nicht dort stehen haben / wie ein Schau-Essen / Sondern ein rechtschaffener Bücherfreund geneust auch seiner Bücher. Diejenigen scheinen die Bücher recht lieb zu haben / die sie Tag und Nacht in Händen haben / und daher beschmutzt sind / voll Falten und Esels-Ohren / und welche die Ränder der Blätter mit allerhand Anmerkungen beschmieren.« Wie in allen Ständen sich viele Bücherfreunde gefunden haben 1. Im geistlichen Stande. »Joh. Cordesius hatte treffliche Lust / Bücher zu samlen / er hat sich aber doch so gemäßiget / daß er nicht mehr kauffte / als er einnehmen kunte: Er hat aber doch biß- wcilen seinem Maule abgebrochen / damit er der Bücher-Lnst nicht entbehren dörffte.« 2. I n d e m w e l t l i ch e n S t a n d e. »Wenn Bischofs Silicaeus in Toledo Bücher bey den Buch-Händlern gekaufft hatte / trug er die selben allezeit selbst nach Hause. »Die Bücher muß mau ehren« / sagte er. Als Santes nach einem Schauspiel ging und unter Weges ein Büchlein gekaufft hatte / las er unter währendem Schauspiel so emsig dariun / daß er nachgehends gestünde / er wüste nicht / was gespielet worden wäre.« 3. In dem Haus-Stande. »Ich erinnere an Christian Künzel, Churf. Sächs. Kopisten in Dresden / der hat eine schöne deutsche Bibliothek über etlich tausend Stücke. Er wurde fast blind seinem Geständnis nach vom vielen Lesen bey Nacht / da hat er sich nun kostbare Brillen-Gläser angeschafft / dadurch liefet er wieder. Mau findet ihn stets in den Buchläden. Es giebt unter Handwerkern und Bauersleuten welche / die Bücher so lieben / daß sie ihre größte Freude daran haben. Und was hat man nicht unter Weibs-Persohncn vor Liebhaberinnen der Bücher? Wie denn auch offtmals Knechte und Mägde Liebhaber der Bücher sind und sich bald dis; bald jenes schöne Buch anschafsen.« Was denn nun ein rechter Bücherfreund sey und heisse? »Es hat nemlich ein solcher Bücherfreund diß oder jenes Buch so lieb / daß er es möchte vor Liebe fressen / und wo er gehet oder stehet / da muß ein Buch bey ihm seyn. Uber die Mahlzeit legt mancher ein Buch neben sich auff den Tisch / sodaß das Lesen sein Zubrod / sein Confect / Neckar und Ambrosia ist. Reiset mancher / so ist ein schön Buch sein Gefährte. Kömmt er in ein Gasthaus / so liefet er so lange / biß die Mahlzeit angehet. Ist ein Bücherfreund zu Hause / so setzet er sich bey großer Hitze in einen kühlen Schatten unter einen Baum mit einem schönen Buch.« Im sechsten Kapitel schildert der Verfasser ausführlich und weit schweifig in 34 Abschnitten die Eigenschaften des Buches, was es alles dem Leser sein kann und zwar: 1. ein Licht des Hertzens 2. ein Spiegel des Leibes, 3. ein Meister der Tugend, 4. ein Wrtreiber der Laster, 5. eine Krohne kluger Leute, 6. ein Kranz der Weisen, 7. ein Preis; der Ehren, 8. eine Zierde der Gelehrten, 9. ein Reisegefährte, 10. ein einheimischer Freund, 11. ein Schwatzgesell / wenn wir schwei- Nr. 137 Donnerstag, den 16. Juni 1938 ti»1
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