Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.12.1914
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- 1914-12-28
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- 28.12.1914
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Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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Redaktioneller Teil. 299, 28. Dezember 1914. des Preises von 5 H versehen, 4 Seiten 2spaltiger Text, der eine Chronik der Kriegsereignisse bietet. Der Drucker ist nur auf dem Titelblatt, nicht auch in den einzelnen Nummern angegeben, was zwar als ein Verstoß gegen Z 6 des Paß gesetzes angesehen werden könnte, aber sonst Weiler nicht stört, da das Opus als Ganzes gedacht ist, das später zusammengebunden werden soll. So steht das Verlagsunternehmen aus, das das preußische Kultusministerium, wie wir oben gesehen haben, als »Zeitschrift« bezeichnet. In dieser Form würde es weder ein Objekt für einen Verleger, noch auch für einen Sorti menter oder Kolportagebuchhändler sein, da es seine Existenz berechtigung nur dem auf jeder Nummer unten rechts verzeich- neten Satze verdankt: Der vollständige Reingewinn gehört ungeschmälert bedürftigen Kindern im Felde stehender Männer. Nach unserer Ansicht liegt hier die Verquickung einer Wohltätigkeitsveranstaltung mit einem buchhändlerischen Unter nehmen vor, an der wir Buchhändler — selbst zu dieser ernsten Kriegszeit, die manches in milderem Lichte erscheinen läßt — keine rechte Freude haben können. Das Mißliche bei der Sache besteht in der Heranziehung der Schulen, Leiter und Lehrer auf der einen und Schüler und Schülerinnen auf der anderen Seite. Uns will bedünken, daß Lehrer und Schüler eigentlich andere Aufgaben zu erfüllen haben, als dem Buch handel ins Handwerk zu pfuschen. Oder heiligt wirklich der patriotische Zweck die Mittel? Ob hier ein Fall vorliegt, wo die »Konsuln« darüber zu wachen haben, daß dem Buchhandel kein Schaden geschieht, möchten wir den Berufsgenossen zu entscheiden überlassen.*) *) Die »Konsuln« haben dieser Frage bereits ihre Aufmerksamkeit zugewendet. Nur hat man bisher vermieden, öffentlich dagegen auf zutreten, sondern ist von Fall zu Fall und unter Berücksichtigung der besonderen Umstände bemüht gewesen, die meist ungewollten Rück sichtslosigkeiten freiwilliger Kriegshelfer in gewollte Rücksichtnahme zu verkehren. Von welchem Erfolg diese Bemühungen, die betr. Kreise durch eine objektive Darlegung der Verhältnisse von einer Schädigung buchhändlerischer Interessen abzuhalten, gewesen sind, geht aus der in Nr. 291 abgedruckten Negistrande des Börsenvereins hervor. Auch das Note Kreuz, das vielfach über den Buchhandel hinweggeschritten ist und Anlaß zu berechtigten Klagen durch seine Praxis des Verkaufs von Postkarten usw. auf der Straße und von Haus zu Haus gegeben hat, nimmt — wenigstens ist dies bet dem Bayerischen Roten Kreuz der Fall — insoweit Rücksicht auf den Buchhandel, als der Verkauf jetzt auf Postkartenhändler und Papierwarengeschäfte beschränkt ist. Freilich bleibt noch genug zu tun, und es wäre dankens wert, wenn jeder Einzelne, der mit den leitenden Persönlich keiten dieser Vereine in Berührung kommt, seinen Einfluß im Sinne einer Rücksichtnahme auf den Buchhandel geltend machen würde. An Opferwilligkeit hat es der Buchhandel gewiß nicht fehlen lassen und darf daher auch aus diesem Grunde beanspruchen, daß man seine Interessen nicht dadurch verletzt, daß man alle möglichen Geschäfts leute für den Verkauf von Druckschriften zu interessieren sucht, die nie daran denken würden, sich damit abzugeben, aber sich dieser Auf gabe nicht entziehen zu können glauben oder gar fürchten, durch Rück gabe der ihnen unverlangt gemachten Sendungen anzustoßen. Viel schlimmer als diese zum weitaus größten Teil aus Un kenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge entstehenden unbeab sichtigten Schädigungen sind freilich die Manipulationen findiger Geschäftsleute, die auf nur allzu genauer Kenntnis der Psyche und Stimmungen des Publikums beruhen. So will sich z. B. der Patrio tische Verlag »Fürs Vaterland« in Weißcnfels a/S. der »gefallenen Helden« annehmen und unter dem Titel »Wir fielen fürs Vater land. Weltkrieg 1914« ein »Gedächtniswerk« herausgeben, in dem eine Seite zur Aufnahme der Biographie und der Abbildung des »lieben Gefallenen« mit nur ^6 40.— (Selbstkostenpreis des Bildstockes extra) berechnet wird, wofür auch noch der »Prachtband mit der Bio graphie usw.« völlig gratis und portofrei als Paket ins Haus ge liefert werden soll. Wenn diesen Wohltätern der Menschheit, die sich hier als Patriotischer Verlag »Fürs Vaterland« aufgetan haben, im Interesse derer, die ohnehin schon viel verloren haben, der Unterschied zwischen ihrem Tun und einer Arbeit »Fürs Vaterland - klargemacht würde, so wäre das eine unzweifelhafte Wohltat. Recht sonderbare Blüten treibt auch der Wohltätigkeitsdrang unserer Schriftsteller, wie aus einem Vorschläge hervorgeht, der kürz lich im »Berliner Tageblatt« gemacht wurde. »Die zahlreichen deutschen Schriftsteller«, heißt es da, »die aus 1810 Für den Buchhändler ist es schon öfter verhängnisvoll gewesen, daß keine andere Industrie einen Massenartikel so wohlfeil — und oft so wertvoll zugleich — herzustellen vermag, wie die Kunst Gutenbergs ein Stück bedruckten Papiers. Was Wunder, wenn bei beabsichtigter Herauswirtschaftung eines möglichst großen Überschusses als Unterlage die in regelmäßigen Zwischen räumen sich wiederholende Überreichung einer »Zeitschrift« genommen wird. Aber schön ist dies deshalb für den deut schen Buchhandel, der seinen Absatz durch solche Druckschriften bedrängt sieht, noch lange nicht! Ein Zeitschriftenverleger, dem kein behördliches »Wohlwollen« blüht. Nochmals der Vertrag mit ausgeschobener Honorarzahlung. Wie aus einer Zuschrift aus Verlegerkreisen an die Re daktion des Bbl. hervorgeht, hat der Schluß meines Aufsatzes über den »Verlagsvertrag mit Gewinnbeteiligung« (Bbl. Nr. 283) Zweifel erweckt. Es sei ein Unrecht gegenüber dem Verleger, wenn er die zweite Honorarrate nicht mit zu den Herstellungskosten rechnen dürfe, wenn er sie also bezahlen irgendwelchen Gründen zuhause bleiben mußten, leiden schwer unter der Unmöglichkeit, sich für das Vaterland betätigen zu können. Sie sind in ihrem Schaffen und in ihrem Erwerb lahmgelegt. Nichts destoweniger möchten sie ebenfalls gern ihre Dpferwilligkeit bekunden- Und geht es nicht mit Geld, so vielleicht auf folgende Weise: Jeder Autor gibt einige Exemplare seiner eigenen Werke an eine bestimmte Sammelstelle und versteht jedes Exemplar mit seiner Unterschrift, um dadurch dem Buche einen persönlichen Retz zu geben. Diese Bücher werden an der Sammelstelle dem Publikum unterschiedslos für 1 Mark pro Exemplar weiterverkauft. Um den Kaufreiz zu erhöhen, sollen nur solche Bücher eingeschickt und weiterverkauft werden, die im Buchhandel mindestens 2 Mark kosten; und um zu verhüten, daß nur die »zugkräftigen« und »be liebten« Autoren gekauft werden, sollen die Bücher nur verpackt abgegeben werden, so daß der Käufer beim Einkauf nicht weiß, welches Buch er erworben hat. Daß das Publikum dabet zu kurz kommen könnte, wird dadurch verhütet, daß die Sammelstelle ab soluten Schund erst gar nicht zum Verkauf bringt. Was vielmehr zum Verkauf gelangt, soll in jedem Falle mindestens doppelt so viel wert sein als 1 Mark. Auf diese Weise würde drei Parteien geholfen werden: 1. den Schriftstellern, die nicht mit Barmitteln helfen können und die auf diese Weise auch etwas getan haben; 2. dem Publikum, das auf diese Art billige und wertvolle Weihnachtsgeschenke ersteht; 3. den Soldaten, zu deren Bestem die Eingänge verwendet werden.« »Wir versprechen uns«, bemerkt dazu die Redaktion des B. T., »bei aller Anerkennung der guten Absicht, von dieser Ltteraturtombola keine großen Erfolge, nicht ln materieller und noch weniger in idealer Hinsicht. Es gibt viele Bücher, die für fünf Mark verkauft werden und die nicht fünf Groschen wert sind, und der Reiz jeden Bllcher- kaufs, der in der Auswahl nach Geschmack und Stimmung besteht, wird durch die geheimnisvolle Verpackung aufgehoben. Ob für die Enttäuschungen, die nicht ausbleiben können, immer das Autogramm des Dichters entschädigen wird? Wir zweifeln —!« Eigenartig berührt besonders bei diesem Vorschläge, daß nicht ein mal der Autor seinen Büchern den Verkaufspreis zugesteht. Wo soll, fragt ein Verleger, dem wir diese Einsendung verdanken, diese Auffassung noch hinfllhren! »Tagtäglich wird man von den verschiedensten Seiten um Biicherlieferungen für die verwundeten ober die im Felde stehen den Soldaten angegangen. Niemandem aber fällt es ein, zu diesem Zwecke etwas zu kaufen und dann zu stiften. Die Wollwarenhändler, die Schnapsfabrikanten, die Schokoladefabriken verkaufen aus, aber der Sortimenter und der Verleger merken nichts davon, daß reichlich geistige Nahrung ins Feld gesandt wird. Diese Sachen müssen ge schenkt werden. Ich verkenne den Vorteil, der sich daraus ergibt, daß so mancher Private jetzt seine Bücherschränke zu Spenden ins Feld heranzieht, durchaus nicht, ich verkenne auch die Notwendigkeit der Spenden nicht (ich selbst habe ja schon für über 8000 Bücher gespendet), aber es muß alles in den Grenzen bleiben. Der Buch handel muß nun auch einmal zeigen, daß das Buch einen Wert hat, daß er im Kampfe ums Dasein jetzt schwerer zn leiden hat, als in Friedenszeiten und als jeder andere Beruf.« Red.
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