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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.10.1914
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1914-10-20
- Erscheinungsdatum
- 20.10.1914
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- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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Nr. 244. rsiu>?-d»b-l^ag 8 n - w^pt.^w/^°si°u ^ Mitglieder für die Aeile 10 M.. für '7, S. 32 M. statt 3 Ae'l ' 6.1?^M. statt 18 M. Stellengejuche werden mit 10"Pf. ^rc a^Um!;A°"°S.tz!söM.^^'.2eM^.^s'8M.°türMch>" > s <ül v s" fchl fü i d KZ l ^ ^ vl-. 32 M.. S0M.. 100 ^M.^— Deila^ea werden « SS Ä«» fShrlsch " <ü ch d ' « »la d " rf f 1 L »«f«u " «r-u^a»». an A,chtm»gl>«I>«r in LEMMWMör'leMrUM'eMMWnMWUM^^ Leipzig, Dienstag den 20. Oktober 1914. 81. Jahrgang. Redaktioneller Teil Der letzte Tag der Bugra. Ein nebelatmender Herbstnachmittag. Noch einmal flutet die Volksmenge durch die Lindenallee und die anderen Straßen der Ausstellung, noch einmal spielen die Musikkapellen und geben ihr Bestes, zu dem heute eine feste vaterländische Grundmelodte gehört, noch einmal ladet die Frucht tausend fältiger Arbeit der Geister und Hände zur Betrachtung. Es ist der letzte Tag der Bugra. Langsam, aber unaufhaltsam, mit einer unerbittlichen Selbstverständlichkeit rückt der Zeiger an der Uhr auf dem Türmchen der Ausstellung »Das Kind und die Schule« nach vorwärts. Es ist der letzte Tag, daß sie mit melodischem Glockenspiel die Stunde kündet. Hell klingen die Töne über das Gelände mit seiner bunten Herr lichkeit, seinen wehenden Fahnen. Unberührt van den ge waltigen, inzwischen eingetretenen und uns fortwährend in Atem haltenden äußeren Geschehnissen hat der Mechanismus dieser Uhr seine Pflicht getan. Er ist das Symbol der Ausstellung geworden, die bis zum letzten Augenblick ans gehalten hat, auch wenn ihr in der zweiten Hälfte ihrer Dauer nur ein Schattendasein beschieden war. Friedliche Kulturarbeit mußte der harten, blutigen Krtegsarbeit Weichen. Aber die Keimkraft dieser Kulturarbeit bleibt bewahrt, es bleibt ihr die schöne Hoffnung, nach heiß erstrittenem Frieden in neuem Glanz und in neuer Herrlichkeit aufzublllhen. Wir nehmen Abschied. Wehmütig schweift der Blick noch einmal über die bunte, vergängliche Herrlichkeit. Es ist der 18. Oktober. Wieder wird uns bewußt, daß wir aus ge schichtlich bedeutungsvollem Boden stehen. Das ernst herllber- grützende Massiv des Völkerschlachtdenkmals gemahnt uns daran, daß unter diesem Boden Tausende von Kriegern schlafen, die ihr Leben für die Befreiung, für die Schaffung der Vorbedingungen zu des neue» Reiches Herrlichkeit dahingegeben haben. Heute stehen die Besten unseres Volkes wieder draußen im Felde, um das Erbe der Väter bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen und es sich end- lich für dauernden Besitz zu sichern. Wieder ist's ein Be freiungskampf, ja der härtesten einer geworden, aber diesmal gilt er nicht einem ehrgeizigen Eroberer, dessen Geist der Flugkraft zu hohen Zielen nicht entbehrte, sondern dem Krämergeist, dem Geschästswahnsinn eines hochmütigen und beutegierigen Volkes, das, gesättigt von Erfolg und Besitz, nicht mehr imstande ist, im friedlichen Wettbewerbe des Handels seine Vormachtstellung gegen deutschen Fleiß und deutsche Gründlichkeit zu behaupten. Und wie damals vor 100 Jahren die Volkskrast in der Stunde der Gefahr wuchs und schwoll zu begeisterter Opferfreude, zu herrlicher Einigung der Geister, so sind wir auch heute — ein einig Volk von Brüdern — bereit zur Hingabe von Gut und Blut. Das Reich muß uns doch bleiben! Gott war bisher mit uns und wird auch künftig mit uns sein. Fest hält die symbolische Kolossalfigur des Michael am Völkerschlachtdenkmal das Schwert in den Händen. Es jährt sich der Tag, daß die Enkel der Verbündeten von 1813 sich zur glänzenden Einweihungsfeter zusammenfanden. Und heute? Ein feiger Meuchelmord an einem der fürstlichen Teil nehmer war das Signal zum Weltenbrande. Andere Teilnehmer an der Völkerschlachtfeter haben inzwischen die Hand gegen uns erhoben und sind Handlanger des Erzfeindes geworden. Die Hoffnung, alle Anschläge unserer Feinde zuschanden zu machen, ist heute unsere Stärke. Wir wollen nicht der Wehmut zu weiten Spielraum lassen, wenn wir von der Friedensarbeit des deutschen Buchgewerbes auf dieser Aus stellung Abschied nehmen. Das letzte Ziel des Krieges ist ja auch wieder der Friede. Er schafft Raum für neue Kulturarbeit, für neues Leben im Reiche der Geister und in den Werkstätten des Buchgewerbes. Auf den Bausteinen, die unsere Bugra errichtet hat, wird sich dann gleichsam die neue große Halle der Kultur erheben und einen befruchtenden Strom deutschen Wesens in die Welt entsenden. So grüßen wir zum letzten Male die Schöpfung deutschen Geistes und deutschen Fleißes, die große Schau des Buchgewerbes, ehe ihre farbenfrohen Häuser, ihre blumengeschmückten Anlagen verschwinden und mit ihnen der schter überreiche Inhalt der Hallen .... Eine schlichte Abschiedsseier vereinigte die Vertreter der Behörden, das Direktorium der Ausstellung und eine größere Anzahl geladener Gäste in dem säulcngetragenen Ehrensaale der Halle »Deutsches Buchgewerbe«. Wie anders bei der Eröffnung: damals königlicher und fürstlicher Besuch, glänzende Uniformen, Ordenssterne, Damentoiletten, jetzt unter dem Schwarz der Zivilpersonen und den schlichten Herbstkleidern der Damenwelt nur wenige Offiziere, und diese in Feldgrau, das Ganze beleuchtet von trübem Herbstlicht, das durch das Oval der Glasdecke in den hohen Raum fällt. Plötzlich Männergesang. Brausend schallt der Choral »Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre« durch den Raum. Nachdem die Töne verklungen, besteigt Herr Geh. Hofrat I)r. Volkmann das Rednerpult. Auch er hat inzwischen das Bürgerkleid mit dem Soldatenrock vertauscht. Hell und klar schallt seine Stimme durch den Raum, als er die Abschicdswocte an die Versamm lung richtet: Hochverehrte Versammlung! Als wir am S. Mai in diesem Ehrensaale uns zusammenfandcn, um in Anwesenheit Seiner Majestät des Königs, unseres aller höchsten Protektors, die Weltausstellung fllr Buchgewerbe und Graphik feierlich zu eröffnen, da ahnte niemand unter uns, welche furchtbar ernste Wendung der Welt und damit auch unserer Aus stellung in so kurzer Zeit bevorstehe und mit welch andersartigen Empfindungen wir heute unserem Werke eine stille, innerliche Schluß- seier weihen würden. Vor den Vertretern aller der Staaten, die man noch bis vor kurzem unter dem gemeinsamen Namen der Kulturnationen zusamuiensaßte, haben wir es damals ausgesprochen, daß wir ein großes Friedenswerk schaffen wollten, das in edlem Wettstreit der geistigen Waffen der Menschheit die Völker einander näherbringen sollte: und nun ....! — Meine Damen und Herren, eS wäre Ihnen allen gewiß ver ständlich, wenn angesichts dieses grausamen Gegensatzes zwischen Hoffnung und Erfüllung, angesichts dieser Zerstörung nicht nur eines großen Teiles unserer ehrlichen, mühevolle» Arbeit, sondern auch unserer reinen und idealen Lebensauffassung, die uns dabei leitete, heute ein Wort der Klage aus unseren Herzen und von unseren Lippen käme. Aber Sie haben keines bisher von uns ver nommen und werden keines vernehmen! Zu groß und gewaltig sind die weltgeschichtlichen Ereignisse, deren Gang auch über uns hinwcggeschritten ist, als daß nicht jedes persönliche und einzelne Wünschen und Fühlen dagegen vollkommen verstummen müßte. Und was ist auch wohl der Schmerz, der uns betroffen hat, verglichen 1S49
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