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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.08.1933
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1933-08-17
- Erscheinungsdatum
- 17.08.1933
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- Deutsch
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X- 190, 17. August 1933. Redaktioneller Teil. die Rabattspanne, die naturnotwendig zu ungunsten des Sorti ments ausfaüen mußten. Die Einzelheiten hervorzuheben erübrigt sich, wie auch im folgenden nur weitere Tatsachen als verhängnis voll für uns hingestellt werden sollen. Der Mengenpreis, die vielen Sonder-, Vorzugs- und Subskriptionspreise, das Eingreifen der öffentlichen Hand, das Zentraleinkaufssystem der Behörden usw. usw. — alle diese Tatsachen mutzten auch die solideste Grundlage des Sortimentsbuchhandels untergraben. Und — bitte — wo liegt hier die Schuld der Sortimenter? Wenn nun noch die Zerfallserscheinungen der gesamten Wirt schaft hinzukommen, wie z. B. zu hohe Steuern, zu hohe Mieten, zu hohe soziale Abgaben usw., so glaube ich, ist die haltlose Lage unseres Berufsstandes zur Genüge geschildert. Dabei ist jede Über treibung sorgfältig vermieden. Zu der Steuersrage mutz auch an dieser Stelle wieder nach drücklich betont werden, daß die Umsatzsteuer in der heutigen Form für den Sortimenter untragbar ist. Da sür ihn keine Möglichkeit besteht, die Steuer in den Buchpreis hineinzurechnen, so bedeutet sie weiter nichts als eine Senkung des an sich schon bescheidenen Lebensstandards. Der Vollständigkeit wegen sollen nun noch die Rabattfordc- rungen erwähnt werden, die von allen Seiten an uns herantreten und denen infolge der buchhändlerischen Gesetzgebung oder infolge zugelassener Ausnahmen nachgegeben werden mutz. Auch an die ewige Büchcrbettelei sei erinnert. Dann sei auf den Kapitalschwund in der Inflation verwiesen. Weiter müssen die Lasten in Form von Darlehn usw. genannt werden, die eine Folge der Inflation und der darauffolgenden Scheinblüte sind. Eine gesunde Ab tragung dieser Lasten war durch die oben erwähnten viel zu hohen Abgaben nicht möglich. Im Gegenteil! Der Sortimentsbuchhandel müßte neue Gelder aufnehmcn, wenn er sofort wieder flott werden wollte. Gott sei Dank ist dies ja heute so gut wie unmöglich, und wo es ausnahmsweise doch möglich sein sollte, da möge dreimal davor gewarnt werden! Alle diese ganz nüchternen Tatsachen zeigen, daß das Sortiment in den Abgrund treibt. Es bleibt sich dabei völlig gleich, ober einer von uns füns Minuten später fällt als der andere. Tritt jetzt kein Einhalten im Absinken ein, dann landen wir alle in der Tiefe. Das Paradoxe dabei ist, daß nach dem Tode des letzten Sortimenters ein neues Sortiment aufgebaut werden muß, das aber dieselben Forderungen an die Gesamt heit des Volkes und an den Verlag stellen muß, wie das ins Jenseits abgerutschte. Essei denn, daß dasSpiclvon neuembeginncnsoll! So bleibt denn dem Sortiment nichts anderes übrig, als die Konzessionierung als letzte Selbsthilfe von seiner Spitzen- organisation zu fordern. Und unser Börsenverein? Er ist gar nicht übel als Organi sation und wird wohl beim berussständischen Aufbau noch von anderen Gewerben als Muster herangezogen werden. — Unsere Organisation muß die Rechte einer Zwangsinnung bekommen. Da mit wäre schon viel gewonnen! Darüber hinaus muß unsere Verkaufsordnung die Anerkennung der Regierung finden. Wenn das geschehen soll, dann darf man aber von keiner Seite mit dem Kartellgesetz kommen. Der Börsenverein ist kein Kartell und kein kartellartiges Gebilde, denn er hat weder auf die Preisgestaltung der Bücher noch auf die Berlegerproduktion irgendwelchen Ein fluß. Von einer marktregulierendcn Funktion kann also nicht die Rede sein. Die Grundlagen zu einem Kartell sind damit nicht ge geben. Der Börscnverein ist bis jetzt lediglich eine freiwillige Standes organisation, die als notwendig den Schutz des Ladenpreises erkannt hat, denn es würde zu einer völligen Anarchie führen, wenn das selbe Buch zu verschiedenen Preisen zu haben wäre. Dieser feste Ladenpreis bedeutet nicht zuletzt auch einen Schutz für das Publi kum. Der Börsenverein muß die feste Basis bilden für den Neu bau unseres Standes zum Wohle unserer deutschen Gemeinschaft. Dieses gesunde Wesen unserer Organisation wird bestimmt von den führenden Stellen unserer Regierung erkannt werden und wir werden dann von dort die Unterstützung bekommen, die erforderlich ist, um den völligen Zusammenbruch aufzuhaltcn und den Neu bau zu beginnen. Deutsche Buchausfuhr u. Kulturpropaganda. Der Aufsatz von Walther Säuberlich »Deutsche Buch ausfuhr und Ltulturpropaganda« in Nr. 184 des Börsen blattes hat Widerspruch gefunden. Wir bringen hier einen Brief von Herbert Hoffmann in Stuttgart zum Ab druck, der im Anschluß an die Erstveröffentlichung dieses Aufsatzes im »Deutschen Buchhandlungsgehilfen« geschrieben wurde. Säuberlichs Aufsatz ist interessant, insofern er eingangs aus fuhrt, wieviele Firmen an der deutschen Buchausfuhr beteiligt sind. Vollständig ist diese Zusammenstellung natürlich nicht. Vollkommen irre geht Herr Säuberlich aber, wenn er annimmt, daß das eine Zer splitterung und ein Gegeneinander bedeute. Noch mehr irrt er in der Annahme, eine zusammengefaßte halbofsizielle Stelle könnte mehr wirken. Es ist nach meiner festen Überzeugung ganz genau umge kehrt. Für meinen Verlag ist die Ausfuhr von entscheidender Be deutung. Ich bin unterrichtet, welche Länder auf meinem Verlags» gebiet deutsche Bücher aufnehmen können. Ich weiß auf Grund meiner Sachkenntnis, welche besonderen BUchergruppen für die einzelnen fremden Länder das meiste Interesse haben. Meine Exportpolitik muß dahin gehen, daß ich an allen wichtigen Plätzen, die aufnahme freundlich sind, Geschäftsverbindungen unterhalte. Nach der Wich tigkeit des Platzes richtet sich dann auch die Kreditpolitik. Ich muß es in Zeiten schwieriger Devisenlage oder bei anderen Stockungen in Kauf nehmen, längere Zeit kein Geld zu bekommen, oder zu ris kieren, daß gewisse Außenstände verloren gehen. Ich muß insbe sondere Privatabonnenten unter Umständen so lange auf Kredit weiterbeliefern, um sie in der Zwischenzeit nicht zu verlieren. Dieses feinfühlige Anpassen an Platz, Land, Büchergruppe, Kreditlage usf. kann mir keine Zentralstelle abnehmen. Sie kann mir auch das Risiko nicht abnehmen. Sie kann dem Kunden auch nicht dieselbe Beratung bieten wie ich. Es liegt in der Natur der Sache, daß all das sich auf Grund eines persönlichen Vertrauensverhält nisses viel besser abwickelt als auf dem Wege über eine große und damit sehr komplizierte Zentralorganisation. Den Fehler, diese persönliche Verbindung abzuschneiden, hat Rußland gemacht. Dort ist er eher zu entschuldigen, da der gesamte Außenhandel beim Staat liegt und der Staat die einzelnen Sparten wegen seiner schlechten Devisenlage möglichst drosselt. In jeder andern Hinsicht ist dieses Dazwischenschieben eines großen Beamtenapparates zwischen Geschäftsmann und Geschäftsmann aber vom Übel. Es ist auch nicht so, daß Frankreich als besonders erfolgreiches Beispiel dienen kann. Für Frankreich mag die Zusammenfassung im Saison cku lüvrs insofern natürlicher sein, als dort ein so gut durchorganisierter Buchhandel fehlt, der in kürzester Zeit auf dem Wege über die Kommissionäre jedes Buch auf gesunder Kreditlage für den ausländischen Sortimenter beschaffbar macht. Ich habe aber ab und zu etwas vom I^aison cku 1-ivre zu bestellen und bin jedesmal wieder enttäuscht von der Langsamkeit, Ungenauigkeit und letzten Endes Unpersönlichkeit der Nachrichten, die ich auf diesem Wege er halten kann. Unter der Übermacht des namentlich im Bahnhofs buchhandel und im Zeitschriftenwesen dominierenden Hauses Hachette stöhnt übrigens der ganze sonstige französische Buchhandel. Wie steht es nun taktisch? Auch da wäre es ein großer Fehler, wenn man die persönlichen Geschäftsfreundschaften auf eine unper sönliche Zentralstelle überführen würde. Wir wissen doch alle, daß das Deutschtum und die deutsche Staatsführung als solche zunächst weniger Gegenliebe findet als der einzelne Deutsche. Ich glaube also Herrn Säuberlich nicht, daß sich gerade die angesehensten Firmen des Auslandes bereitfinden, deutsche Generalvertreter zu werden. Ich würde mir davon auch gar nichts versprechen als eine weitere Ver langsamung in der Abwicklung. Daß Herr Säuberlich sogar in Betracht zieht, die Belieferung von Privaten im Ausland über die Zentralstelle und unter Umständen über solche Generalagenten im Ausland zu leiten, zeigt seine über mäßige Freude am Organisieren. So etwas sieht auf dem Papier schön aus, in Wirklichkeit bedeutet es Überorganisation. Gut sind andere Gedanken in dem Aufsatz. Vor allem hat mir gefallen, daß untersucht werden soll, wo deutsche Buchhandlungen eingerichtet werden könnten, und daß gefordert wird, für ihre schwie rigen Anfangsjahre Staatszuschiisse einzusetzen. Gefallen hat mir auch der Gedanke an eine planvolle Neugestaltung des Vortrags wesens. Hier ist aber das Wesentliche schon eingeleitet. Nicht zuletzt deshalb sitzt ja ein Vertreter des Propagandamini steriums im Aktionsausschuß des Börsenvereins, und gerade des halb wird ja zur Zeit das Arbeitsgebiet der in Gründung begriffenen Neichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums gegenüber der Werbestelle des Börsenvereins abgegrenzt. Und man hat nicht ohne Absicht festgelegt, daß die Werbestelle mehr als bisher Kulturpolitik im In- und Ausland zu treiben hat und hierfür unter Herrn vr. Langenbuchers Einfluß steht. 621
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