9318 N- 260, 8. November 1929. Künftig erscheinende Bücher Börsenblatt f. b.Dtschn. Buchhandel. 2m November r s ch e i n 1 August Sander Antlitz -er Zeit 60 Aufnahmen deutscher Menschen des 20. Jahrhunderts Mit einer Einleitung von Alfred Oöblin Ganzleinen R m. ck 2. - Dieses Werl ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Arbeit des Kölner Photographen August Sander. Er hat mit scharfem Blick für das Typische menschlicher Physiognomie den charakteristischen Aus druck des Gesichtes der Zeit in Gesichtern der Zeitgenossen in Typus, Gattung und Art festgehalten. Keine Sammlung der Gesichter „berühmter" Zeitgenossen, sondern aus allen Schichten der Bevölkerung ausgewa'hlte, für jede Schicht bezeichnendeTypen-derÄauer, der Proletarier, derÄürger,derHandwerker, der geistige Arbeiter, der künstlerisch-schöpferische Mensch, der Industrielle usw. Sander sieht jeden Typus mit einem ungewöhnlichen Gefühl für das Wesentliche und begreift ihn aus seinen soziologischen und physio logischen Bedingungen. Die Photographie Sanders verzichtet auf alle billigen Effekte, sie ist reine Photo graphie, die an die gute Tradition der alten Daguerrotypie anknüpst. Nicht der Photograph und seine Technik ist das Wesentliche, sondern das Oargestellte, wie es sich in der einfachsten und natür lichsten Form dem Objektiv darbietet. Diese Publikation ist ein Werk von hohem soziologischen, raffen- und zeitgeschichtlichen Wert, ein bedeutendes Dokument der Zeit. Aus den Urteilen über Sanders Photographien: Sander hat es sich zur Aufgabe gemacht, in ungeschminkten Photos von Menschen aller Kreise eine Art Tatsachensammlung unserer Zeit zusammenzubringen. Man muß sagen, daß ihm das restlos gelungen ist. Seine Ausnahmen sind verblüffend lebenswahr. Es sind keine kunstgewerb lichen Porträts, sondern wirkliche Abbildungen von Menschen. Rheinische Zeitung, Köln August Sander ist ein scharfer Beobachter, der, erfüllt von einem bewundernswerten Wahrheits fanatismus, die Physiognomie seiner Zeit in dem mannigfachen Aussehen seiner Zeitgenossen einzufangen trachtet. Er hält seinerZeit einen Spiegel vor und sagt mit den Mitteln seiner Kunst ganz schlicht: So bist du, Mensch! Rheinische Blätter für Kulturpolitik, IR. Bourfeind G