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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.12.1919
- Strukturtyp
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- Band
- 1919-12-29
- Erscheinungsdatum
- 29.12.1919
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- Deutsch
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^ 285, 29. Dezember 1919. Redaktioneller Teil. nicht scheuen und mir diese Bücher gebunden kaufen, um sie mir bei meinem Buchbinder nach meinen eigenen Angaben umbinden zu lassen. Aber einmal sind die heute zur Verwendung kommenden Leime, die den Nlicken der Bogen Zusammenhalten, derart, daß ein Auseinander nehmen das Papier beschädigt, das dann jedesmal erst mühevoll zu- sammcngeklebt werden muh. Das verteuert natürlich die schon ohne hin sehr hohen Einbandkostcn erheblich, sodaß man auf das Einbindcn verzichten muß. Aber ganz abgesehen hiervon, spricht gegen das Um binden die Tatsache, daß vor dem erneuten Binden das Buch be schnitten werden muß. Da der Buchbinder heute für seine Papier späne das Zehnfache des früheren Friedenspreises erhält, so sind fast alle Bücher, die auf den Markt kommen, bereits übermäßig beschnitten. Und diese Bücher soll ich nun noch einmal beschneiden lassen? Jeder, der nur einigermaßen etwas von einem schönen Buche versteht, wird zugebcn müssen, daß dies für einen Bücherliebhabcr unmöglich ist. Wenn ich sage, daß nicht nur ich, sondern auch zahlreiche meiner Bekannten auf den Besitz eines Buches überhaupt ver zichten, ehe sie es gebunden kaufen, so geht daraus hervor, daß die Herausgabe nur gebundener Auflagen flir den Verleger und für den Sortimenter keinen Vorteil bringt, oder daß wenigstens der Verdienst am Einbande den durch die ausfallenden Aufträge entstehenden Verlust wieder aufhcbt. Ich gönne den Großbuchbindern gewiß ihr Brot; aber ich meine, daß man erstens auch dem Handwerker das Brot nicht wcgnehmen soll und daß man beide befriedigen kann und zudem noch den Bücherfreund, wenn man wenigstens einen Teil der Auf lage ungebunden herausgibt. Vielleicht ist das bei den heutigen Produktionsschmierigkeiten mühevoll, aber es geht doch auf die Dauer nicht an, denjenigen den Erwerb eines Buches unmöglich zu machen, denen er ein Bedürfnis ist. Ich habe durchaus nichts gegen die Mas seneinbände, und wer sie haben will, soll sie auch kaufen können. Aber man soll sie nicht denen aufzwingen, für die sie nicht nur wertlos sind, sondern denen sie geradezu den Büchcrkauf »verekeln«. C. Leopold Hirschberg. Erinnerungen eines Bibliophilen. — In Nr. 271 des Bbl. erschien über dieses Buch eine Besprechung, in der u. a. die »bibliophile Findigkeit* hcrvorgehoben wird, durch die der Verfasser manchen Antiquar oder Sammlerkollegen »überlistet« habe. Dits wird »höchst ergötzlich« gefunden, und es wird versichert, »alte Bibliophilen würden sich hierbei der eigenen Erlebnisse auf der Bücherjagd schmunzelnd erinnern«. Anfängern wird das Buch zur Beachtung empfohlen usw. In diesem Buche nun schildert Herr Hirschberg n. a. weitschweifig, wie er völlig kenntnislose alte Damen durch seinen »verendenden Nch- blick« zur Hergabe wertvoller Werke, deren Wert sie nicht kannten, ge bracht hat, wie er sich einem Pfarrer näherte, indem er ihn als »Amtsbruder« irreführend begrüßte, wie er nichtsahnende Besitzer von Klassiker-Erstausgaben (vom »Grünen Heinrich« allein hat er eine ganze Menge Exemplare gehamstert) durch die falsche Vorspiege lung, sie wären besser daran, wenn sie die Dichtungen in einer neu zeitlichen Ausgabe besäßen, zum Umtausch der wertvollen Erstausgabe gegen irgend ein billiges Exemplar aus dem Buchhandel verführte. Durch die »schmunzelnde« Erzählung dieser »Kniffe« fühlen sich zahlreiche Sammler und Antiquare verletzt, sie können darin durch aus nicht wie Ihr Mitarbeiter »das ernste Bild eines echten deutschen Bibliophilen« (!) erblicken, sondern sie rücken entschieden von solchen Praktiken und Kniffen ab, die sic als ihrer unwürdig empfinden. München, den 12. Dezember 1919. Emil Hirsch, Antiquar. Hans von Weber, Verleger. Herr Paul Heinicke, der Verfasser der Besprechung in Nr. 271 des Börsenblattes, dem wir diese Einsendung vor Abdruck vorlegten, um ihm Gelegenheit zu geben, sich im unmittelbaren Anschlüsse dazu zu äußern, schreibt uns: Die Aufgabe einer in so engem Nahmen gehaltenen Besprechung kann doch nur die sein, das Buch als Ganzes zu charakterisieren und festzustellen, ab es für den Leserkreis, für den.es bestimmt ist, Wert hat oder nicht. Daher der Verzicht auf Einzelheiten. Die besondere Hervorkehrung der in der Entgegnung mit Fug und Recht verurteilten Verfahren zur Erlangung wertvoller Bücher würde ein falsches Bild des Buches ergeben haben. Denn diese Dinge berühren nicht den Kern des Buches. Hirschberg will »einen Leitfaden flir vernünftige Sammler und Leser« geben (S. 115), wendet sich also damit an Anfänger, denn vorgeschrittene Bibliophilen haben ihren »Goedcke«, ihr »Anonymcn- lexikon« u. a., Werke, die mit ihrem Umfang und ihrer kalten wissen schaftlichen Sachlichkeit den Neuling eher abschreckcn als anziehen. Der Aufgabe eines Leitfadens entsprechend, zeigt Hirschberg das richtige Ziel der bibliophilen Sammlertätigkeit (S. 1791 und V, 129) und ihren edelsten Zweck (S. 115). Er macht mit den Hilfsmitteln zur Erreichung dieses Zieles bekannt (S. 150, 154, 155, 158, 174), warnt vor Verirrungen (S. 115), gibt Ratschläge über Aufbewahrung und Behandlung der erworbenen BUcherschätze (S. 173—178), Beispiele zu ihrer Katalogisierung (S. 40—43, 63), nennt auf S. 22 die Namen älterer Meisterübersetzer von Werken der Weltliteratur, auf S. 15 dein Musikbibliophilen Nachdruckverleger und teilt noch eine Menge anderer nützlicher Fingerzeige mit, deren Aufzählung zu weit führen würde. Neben diesen allgemeinen Sammelanlcitungen muß ein Leitfaden der Bibliophilie eine Bibliographie der wichtigsten Erscheinungen des Gesamtgebietes enthalten. Wer will mit Hirschbcrg rechten, daß er die Glanzstücke einer bibliophilen Bibliothek in den Gesamtausgaben der deutschen Literatur erblickt? In 6 Abschnitten gibt er die Biblio philie der Gesamtausgaben und ihrer notwendigen Ergänzungen, in einem siebenten eine Nachlese hierzu. Und diese Bibliographie ist in einer Form geboten, die den Neuling nicht abschreckt, sondern nur an ziehen kann. Er sieht sich einem begeisterten und begeisternden, oft humorvollen Plauderer gegenüber, der ihn teilnehmen läßt an per sönlichem Erleben, an literarischem und ästhetischem Genießen. Dabei kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein, welche Fülle von bibliographi schem und literarischem Wissen ihm dabei übermittelt worden ist. Daß dem angehenden Notensammler, dem Spezialsammler der Literatur der Freiheitskriege, demjenigen, der Illustratoren des 19. Jahrhun derts sammeln will, einiges, wenn auch nur streifend, geboten wird, sei nebenbei bemerkt. Das Angeführte dürfte genügen, die Berechti gung meiner Empfehlung des Buches den Anfängern in der Biblio philie und angehenden Antiquariatsbuchhändlern, die sich ebenfalls erst in die umfangreiche Bibliographie cinarbeiten müssen, zu erbringen. Auch das halte ich aufrecht, daß die »Erinnerungen« alten Biblio philen Freude bereiten müssen, wenn auch diese Freude im Hinblick auf die nicht zu billigende Art des Erwerbs mancher Bücher keine reine ist. Für jeden Bibliophilen ist der Fund eines jeden Buches seiuer Sammlung ein Erlebnis beglückender Natur. Und gewiß wer den sie beim Lesen der Hirschbergschen Erinnerung von neuem in ihm lebendig. Er wird cs sich nicht versagen, infolge der empfangenen Anregung den einen oder anderen seiner Lieblinge zur Hand zu nehmen, eine oder die andere Stelle daraus zu genießen, sich mit Hirschbcrg über die Feinheiten eines Kupfers, einer Drucktype, des Papiers, des Einbandes zu erfreuen. Und wem je Bibliophilen stolz ihre Kostbarkeiten gezeigt haben, der hat auch in 99 von 100 Fällen hören müssen, wie billig die Glücklichen diese Schätze einst erwarben, und wie hoch und unerreichbar sie jetzt im Preise stehen. Indes kommt nicht nur der Bücherfreund und Sammler bei Hirschberg auf seine Rechnung, auch der Buchhändler kann sich über die Wertschätzung seiner Arbeit durch ihn nicht beschweren. Dankbar gedenkt Hirschberg der Zärtlichkeit, mit der alte Verleger ihre Verlags werke ansstatteten. Er rühmt G. I. Göschen, die Myliussche Buch handlung in Berlin, Weidmanns Erben und Reich in Leipzig u. a., ebenso verschiedene heutige Verleger von Gesamtausgaben und Einzel drucken. Wichtiger aber als das sind die Anregungen zur verlegeri schen Tätigkeit in dem Abschnitt »Wünsche, Hoffnungen, Vorschläge«, die, unter Beiseitelassung gewisser zu weit gehender bibliophiler For derungen, wohl Beachtung verdienen. Ich stehe jedoch nicht an, nochmals zu betonen, daß ich die von den Herren Hans von Weber und Hirsch gerügten Manipulationen Hirschbergs weder billige, noch im geringsten verteidigen will. Leipzig, den 23. Dezember 1919. Paul Heinicke Das Entsetzen der Berliner Buchdruckereibesitzer. — Das Ergebnis der jüngsten Tarifausschußsitznng, das für die Buchdruckcrgehilfen neue wöchentliche Teuerungszulagen von 20—28 (außer den sonstigen Vorteilen) bedeutet, veranlaßte eine Versammlung der tariftreucn Berliner Buchdruckereibesitzer zur Annahme nachstehender Ent schließung: »Die im Künstlerhause zahlreich versammelten Buchdrucke- reibesitzcr sind entsetzt über die Höhe der neuerlich den Gehilfen bewilligten Teuerungszulagen. Sie geben unverhohlen ihrem Unmut darüber Ausdruck, daß der in der Versammlung vom 5. Dezember zum Ausdruck gebrachten Willensäußerung, sowie der schlechten Lage des überwiegenden Teiles der Berliner Buchdruckereibesiher so wenig Rechnung getragen wurde«. Wie die Herren vr. Goetjes und Voll, so wird nun auch der Berliner Prinzipalsvertreter, Herr Friedrichs, mit Ablauf des Geschäftsjahres sein Amt niederlegen. Der zweite Kreisvertrcter, Herr Schnürdreher, legte gleichfalls sein Amt nieder. In der in Rede stehenden Versammlung hatte Herr Nud. Ullstein-öen Bericht über die Verhandlungen des Tarifausschusses erstattet, wobei es öfter zu Protest- und Entrüstungsrnfcn kam. Die von den Gehilfen versicherte Vertragstreue (bis 31. März 1920) fand wenig Glauben in dieser Versammlung. — Die scharfen und energischen Worte ändern nichts an den vollzogenen Tatsachen und an dem Umstande, daß durch die ungeheure Verteuerung aller Druckaufträge dem Buchdrnckgewerbe der Arbeitszufluß systematisch unterbunden wirb NSb
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