Verleger-Erklärung vom 1. April 1911: »Die »egen die deutsche Schreib- und Druckschrift immer wieder vorgebrachten Anklagen halten wir für unrichtig. Insbesondere ist eine gut geschnittene deutsche Druckschrift nicht schlechter, sondern bester lesbar und gesünder für die Augen als eine gleich breite und hohe Antiqua-Schrift. Vor allem aber ist die deutsche Schrift, seit eS gedruckte Bücher gibt, diejenige Schrift, von der das deutsche Volk sich niemals trennen kann und, wie die gegen wärtige machtvolle Gegenbewegung zeigt, sich niemals trennen wird, weil sie allein den besonderen Bedürfnissen unserer Sprache in vielhundertjähriger Entwicklung angepaßt ist. An einem solchen Volksgute soll man nichts adbröckeln, nicht von oben her reglementieren wollen. Und das gar Ausländern zuliebe, die angeblich — eö ist aber in Wirklichkeit anders — zu ungeschickt sein sollen, um bei Bewältigung der schwierigen deutschen Grammatik auch deutsche Schrift zu lesen. Dabei ist diese deutsche Schrift, die für unsere Sprache notwendige Spielart der Weltletter, dem Ansprüche des deutschen Volkes auf Weltgeltung seiner Kultur nicht nur nicht hinderlich, sondern bietet erwiesenermaßen dem Ausländer, selbst des Deutschen unkundigen Kindern keinerlei Schwierigkeiten, ist vielmehr dem Lernenden eine Hilfe zum Verständnis der schwierigen deutschen Sprache. Solche Preisgabe einer be rechtigten und notwendigen, niemand beeinträchtigenden deutschen Eigenart lehnen wir als deulsche Verlagsbuchhändler ab. Wir werden vielmehr, ohne der lateinischen Schrift, wo sie am Platze ist, feind zu sein, in unserer Berufsarbeit helfen, die deutsche Schrift zu hüten und zu verbreiten." Diese Erklärung ist 1911 aus Anlaß des Antrages der Lateinschriftler im Reichs tage auf Ausschaltung der deutschen Schrift zunächst im Schulunterricht sofort von fast zwei Dritteln der Mitglieder des Deutschen Verlegervereins, unter denen sich die bekanntesten und größten Firmen befinden, unterzeichnet worden. * Heute vollends hängt die Anerkennung der deutschen Kultur in der Welt nicht, wie Lateinschriftler behaupten, von einer Preisgabe dieses Erbgutes der deutschen Schrift, sondern von unserer Selbstachtung ab. Oie wissen schaftliche Forschung hat die Überlegenheit der deutschen Schrift nur immer klarer erweisen müssen, und der Kampf um unser Dasein hat uns gelehrt, ,edes sichtbare Band, das uns alle umschlingt, heilig zu halten.