Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 23.12.1919
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- 1919-12-23
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- 23.12.1919
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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283. 23. Dezember 1919. Redaktioneller Teil. ausschlaggebende Mehrzahl der Sortimentsbuchhändlcr zusammensetzt'? Es ist der Mittelstand, d-er ohnehin wirtschaftlich schwer bedroht ist und um seine Existenz ringt. Ter neue Aufschlag ist namentlich für den kleinen Buchhändler- geradezu eine Lebensfrage, und ständen noch so viele Papier ne Bedenken und Paragraphen formellen Rechts dagegen. Einer Provinzial-Preisprüfungsstellr müßte doch die wirtschaftliche Lage ausschlaggebend sein, und die sieht für den Sortimenter bitterböse aus. Schließlich, wer weiß, was uns die Abschnürung für Gefahren auch in kultureller Hinsicht bringt! Die engen wechselseitigen Beziehungen zwischen deutschem Kulturleben und dem denrschen Buchhandel stehen seit altersher fest. Cie zu stützen und zu erhalten, ist mehr als Pflicht des deutschen Volkes. Der Buchhandel aber kann seine Pflicht dem deutschen Volke gegenüber nur dann weiter erfüllen, wenn er wirtschaft lich leistungsfähig erhalten blei'bt. Ta der dem S-ortimcntsbuchhändler von führenden Verlagshandlnngen gewährte Rabatt in vielen Fällen zum Teil um 16 Prozent und darüber geschmälert worden ist, i'st eine neue Erhebung eines Zuschlages unabweisbare Notwendigkeit. Die beim Neichswirtschaftsamt gepflogenen Verhandlungen werden, daran zweifeln wir nicht, zugunsten des schiverbedrängtcn Buchhandels aus- fallen. Ter Einsicht des Publikums sollte man vertrauen, daß es sich der Nichtigkeit dieser Anschauungen nicht verschließen und der erneuten Auf forderung zur Denunziation gegen den Buchhandel nicht Folge leisten! wird. Harnack über die Notlage der deutschen Wissenschaft. — Die Eng länder haben zu Anfang des Krieges gesagt, die Deutschen sollten wie der das Volk Kants und Goethes, das Volk der Denker und Dichter werden. Exzellenz von Harnack zeigte in einer kürzlich von theo logischer Seite einberufcnen Versammlung in der Berliner Nmvcrsi- tätsanla, daß auch das unmöglich geworden ist. Der alle Buchhändler Perthes hat die Bedeutung des Buchhändlers für die deutsche Wissen schaft in deni Gleichnis ausgcdrückt: »Wenn der Bälgetreter fehlt, so spielt der größte Virtuos vergebens auf der Orgel«. Und dem Blase balg droht die Luft auszugehen. Harnack stellte die Lage in vier Sätzen dar: 1. Wir können keine ausländischen Bücher und Zeitschrif ten mehr kaufen. Die Staatsbibliothek z. B. kann mit den bisherigen Mitteln statt 2300 ausländischer Zeitschriften nur noch 170 halten. Dabei erklärt der geographische Fachmann, für seine Wissenschaft wären dreimal so viel ausländische Zeitschriften nötig wie inländische. Und um die während des Krieges im feindlichen Auslande erschienenen Werke anzuschaffen, hatte die Staatsbibliothek 112 000 zurückgelegt. Sie würden aber heute über eine Million Mark kosten. 2. Unsere wis senschaftlichen Zeitschriften in Deutschland stehen auf dem Aussterbe etat, weil die Verleger das Risiko nicht mehr tragen können. 3. Ebenso können wissenschaftliche Monographien nicht mehr erscheinen, da die Unterstützungen von seiten der Akademien wegfallen. 4. Die Bücher, die wir im Lande besitzen, besonders die großen Sammelwerke auf naturwissenschaftlichem Gebiete, fließen in größtem Umfange ins Aus land ab. Selbst die wissenschaftlichen Handbücher werden, wenn die Auflagen aus billigen Herstellungszeiten vergriffen sind, unbeschreib lich teuer werden. Unter dem Eindruck dieser Darlegungen wirkten die Ausführungen von Professor Greßmann wie ein Hoffnungsstrahl. Er entwickelte für das Gebiet der theologischen Wissenschaft vom Gedanken der Selbst hilfe aus den Plan einer »Gesellschaft für deutsche evangelische Wis senschaft« und fand damit vollen Beifall. Die Vorbereitungen dazu wurden einem Ausschuß von Professoren, Pfarrern und Neligions- lehrern übertragen. Andere Wissenschaften werden diesem vorbild lichen Vorgehen folgen müssen. Einen Wettbewerb für junge Dichter schreibt der Verlag der »Schriftsteller-Zeitung« in Weimar aus. — Die Preis träger werden keine runde Summe als Preis erhalten, sondern die preisgekrönten Werke sollen auf Kosten der »Schriftsteller-Zeitung« als Buch veröffentlicht werden. Der Verfasser wird eine Vergütung von 15°/, von allen verkauften Stücken seines Buches erhalten. Ein etwaiger Reingewinn aus dem Verlage wird für ähnliche Wettbewerbe und für die Unterstützung notleidender Schriftsteller verwendet. —, Das Preisgericht bilden Victor Blüthgen, I)r. Kurt Bock, I)r. N. Eich- acker, Hermann Kiehne, Wilhelm Müller-Rüdersdorf, Prof. Or. Her mann Schlag u. a. Ansgewählt werden in diesem Wettbewerb ein Roman, ein Bühnenwerk und je eine Sammlung Gedichte und Er zählungen verschiedener Verfasser. Die Werke sind in Abschrift ein geschrieben bis zum 31. März 1920 an die »Schriftsteller-Zeitung« in Weimar frei einzusenden: die Werke müssen anstelle des Verfasse'- namens ein Kennwort tragen. In einem verschlossenen Umschlag mit dem Kenntwort hat der Einsender seine Anschrist und die Erklärung, daß er mit den Verlagöbedingungen (in der »Schriftsteller-Zeitung* vom 2. Januar) einverstanden ist, niederzulegen. Zur Erhöhung des Sortimenter-TeuerungSzuschlags. — Vom Neichswirtschaftsministerium wird uns unterm 18. Dezember ge schrieben: Auf Beschluß des Vereins der Berliner Buchhändler wird vom 5. Dezember 1918 ab im Berliner Sortimentsbuchhandel statt des bisherigen, vom Neichswirtschaftsministerium genehmigten TeuerungS- Anschlages von 10°/, ein solcher von 20°/, erhoben. Tie Berechtigung zu diesem Aufschläge hat der Berliner Buchhändlerverein trotz Auffor derung dem Neichswirtschaftsministerium nicht Nachweisen können. Las Neichswirtschaftsministerium hat daher den Bnchhändler-Börsenverein in Leipzig aufgefordert, den Berliner Buchhändlerverein zu einer Aufhebung seines Beschlusses zu veranlassen. Die Buchhändler, welche gleichwohl einen Teuerungszuschlag von 20°/, erheben, haben demnach ein Verfahren wegen übermäßiger Preissteigerung und gegebenen falls gemäß 8 15 der Preistreiberewerorduung die Beschlagnahme ihrer gesamten Bestände wegen Wuchers zu gewärtigen. Die Stellungnahme des Vorstandes des Börsenvereins zn der Auffassung des Neichswirtschaftsministcriums geht klar aus dem in Nr. 281 an der Spitze des Börsenblattes veröffentlichten Tepeschcn- wechsel hervor, sodaß sich an dieser Stelle ein Eingehen aus die Zu schrift erübrigt. Drucksarheu-Ubcrteuerungcn bei der Werbearbeit für die Spar- Prämienanlcihe sollen in erheblichem Umfange vorget'ommen sein. Der Werbestelle für diese Anleihe wird u. a. vorgch-alten, daß mit den umfangreichen Truckaufträgen nur ein ganz kleiner Kreis von Drucke reien betraut morden sei, denen infolge der bedenkenlos angenommenen Prcisfordcrungen Nicscngcwinne zugeflossen sein sollen. Der »Vor wärts« (Nr. 643) behauptet, die tollsten Preisfordernngen seien glatt bewilligt worden. In einzelnen Fällen sei nahezu das Doppelte für Drucksachen bezahlt worden, als im ehrlichen Druckgewerbe üblich sei. Auf den Postanstalten hätten wochenlang Niesenmengen von Druck sachen gelagert, die nicht befördert werden konnten. Es wird dann im besonderen auf eine Broschüre Bezug genommen, die in einer Auf lage von IN Millionen hergcstellt wurde, deren Stückpreis sich auf 34 Pfg. stellte. Ter gewerbsübliche Preis betrage aber nur 17 bis 19 Pfg.; es seien bei diesem einen Auftrag 262 500 bis 297 500 iiber den gewerbsüblichen Preis gezahlt worden. Der betreffende Drucker hat nach seiner Angabe den Auftrag aus zweiter Hand erhallen und für das Stück 20N Pfg. berechnet. Auch in manch anderer Hin sicht sind der Werbcstelle schwere Vorwürfe wegen der Art der Wer bung und wegen der riesigen Kosten der Werbung, die 10 Millionen Mark verschlungen haben soll, gemacht worden. Man erwartet von einer Untersuchungskommission die Klarstellung dieser Vorkommnisse bzw. Anschuldigungen. Der Leiter des Unterausschusses für Anzeigen, Plakate usw. (Hermann Reckcndorf in Berlin-Wilmersdorf) teilte dem »Berliner Tageblatt« mit, daß bei seiner Berufung von den 5 Mil lionen Mark, die für Propagandamittel zur Verfügung standen, bereits 4 Millionen Mark unter ganz ungewöhnlichen Umständen verausgabt waren, und daß die im »Vorwärts« angegebenen Zahlen zutref fend seien. Die Hausbibliothek im Eafe. — In den Leipziger Tageszeitungen erschien vor kurzem nachstehende Anzeige: Leipzigs größtes und vornehmstes Spiel- und Lese- Caf 6 C e n t r a l t h e a t e r. Umfangreichste Zusammenstellung von Lesematcrial. Die H a u ö l e i h b i b l i o t h e k enthält stets die neue sten Bücher u. a. von -Herzog, Flaischlen, Voß, Luöendvrff, Skowron- nek, Greinz, Eourths-Mahlcr u. a. m. 8k. Der Anspruch auf Teuerungszulage. — Nach einer Entschei dung des Landgerichts München vom 30. Januar 1919 kann der Arbeiter und Angestellte, wenn der Prinzipal eine Teuerungszulage gewährt, ohne sie zeitlich ausdrücklich zu begrenzen, damit rechnen, daß sie für die ganze Dauer des Dienstverhältnisses bezahlt wird. Es kann nicht davon gesprochen werden, daß der Arbeitgeber die Zulage ohne Bindung als seinerseits jederzeit widerruflich zugesichert habe, dies um so weniger in Zeiten, in denen der Geldwert bedeutend ge sunken ist und je näher der Verdienst an die Grenzen der Existenz- Möglichkeit heruutcrgcht. Der Empfänger hat also klagbaren An spruch auf Zahlung der Zulage. Besteht eine Bestimmung, daß mäh rend der Kündigungsmonate die Teuerungszulage fortfalle, so ist an zunehmen, daß der Arbeitnehmer sich darauf nur unter dem Zwange der Not eingelassen hat. Entweder muß er auf einen Stellungs wechsel und eine Verbesserung seines Einkommens verzichten, oder er muß, bis er eine bessere Stelle gefunden hat, sein und seiner Fa milie Leben mit dem unzureichenden Eirundgehalte fristen. Eine solche Bestimmung ist ungültig, weil sie dem herrschenden Volksbewußtsein und dem Änstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden wider spricht 1187
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