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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.01.1889
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1889-01-07
- Erscheinungsdatum
- 07.01.1889
- Sprache
- Deutsch
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der Wiener Firma, ist van bester Wirkung. In Farben und aus Kreidepapier gedruckt enthalt das Heft auch ein Brustbild des Fürsten Bismarck von Rich. Lotter. — Gedruckt ist das ganze Heft bei Fischer L Wittig in Leipzig, dieser im Farben- wie im Jllustrationsdruck gleich renommierten Firma; daß auch der Text höchst sorgfältigen Druck erfuhr, ist uur selbstverständlich, doch würde das ganze Seitenbild eleganter erschienen sein, wen» man die halbfettfeine Linie, mit der mau den Text umgab, weiter abgerückt oder ganz weggelassen hätte. In der vorliegenden Form hat der Text, namentlich der kompressen Seiten, ein etwas altmodisches Aussehen. Mückenbergers »Deutsche Weihnachtsblätter» sind eine durchweg elegante Publikation, die kaum den Charakter einer Ge- legenheitsschrift erkennen läßt. Ihr Format ist etwas größer als das des Groteschcn Blattes, und der splendider gehaltene, durch ver zierte Spaltenlinien getrennte, nicht eingefaßte Text präsentiert sich entschieden vorteilhaft, wozu auch die eleganten Initialen und Trennungslinien das ihrige beitragen. Gedruckt wurde die selbe in Giesecke L Devrients berühmtem Typographischen In stitut zu Leipzig, und die Eile, mit welcher das Heft jedenfalls hat hergestellt werden müssen, läßt sich höchstens au dem nicht ganz verwischten Einsatz der Typen erkennen, — ein Beweis, daß man die Bogen nicht lange genug in der Glättpresse lassen konnte nach, dem Druck, der im übrigen untadelhaft ist. Zur künstlerischen Ausstattung der »Weihnachtsblätter« sind verschiedene Jllustrationsverfahren heraugezogen worden und haben ziemlich gleichmäßig dazu beigetragen; dem Farbendruck muß man aber den Löwenanteil zusprechen. Zu seiner Herstellung diente vor zugsweise die Photochromie von Angerer L Göschl in Wien; auf einem Blatte, »Kleeblatt«, ist sie in Verbindung gebracht mit dem Farbenholzschnitte. Das Titelblatt zeigt eine Wald winterlandschaft, welcher scheinbar ein Blatt aufgelegt ist, das uns eine Gruppe von reizenden Schlittschuhläuferinnen vorführt, die von 9 Platten gedruckt worden ist. Das Gesamtbild, resp. seine graphische Reproduktion, ist außerordentlich schön, wenn man auch die Möglichkeit eines Eislaufes, wie ihn die dargestellten drei graziösen Dämchen auszuführen scheinen, nicht ohne Grund bezweifeln wird. Das zweite farbige Blatt betitelt sich »Ein wichtiges Geheimnis«, nach einem Aquarell von Robert Bey- schlag, und zeigt ein liebliches Kind, das seiner schönen, ein wenig zu mädchenhaft aussehenden jungen Mutter etwas ins Ohr flüstert; — das dritte, »Im Schutze des Löwen«, reproduziert ein Aquarell von Woldemar Friedrich und hat durchaus nichts Wüstenhaftes; der Löwe ist nämlich nur ein steinerner Brücken löwe in einem Parke, dessen breiter Rücken einen augenscheinlich in sehr interessanter Unterhaltung mit einem lieblichen Mädchen begriffenen jungen Mann deckt, während letzteres emsig beschäftigt ist, ein Waldblümchen auf dem Hut ihres Ritters zu befestigen. Diese drei Blätter lassen das Mückenbergersche Heft vom graphi schen Standpunkte aus besonders anziehend erscheinen; denn während die photochromographischen Reproduktionen in der Regel von Zink ätzungen gedruckt werden und man nur die Probedrucke hierzu oder sehr geringe Auflagen auf der lithographischen Presse an- sertigt, wurden hier alle Farben — und es wurden zu diesen Bildern deren acht bis zehn verwendet — auf der lithographi schen Schnellpresse von Steinen gedruckt, wahrscheinlich wohl, weil nicht mehr hinreichend Zeit war, um feine Zinkplatten für den typographischen Chromodruck anzufertigen. Dies deutet schon an, mit welcher Eile gearbeitet werden mußte; trotzdem ist das Resultat^ein^ganz^ausgezeichnetes, und wenn man auch gern zu geben wird, daß Drucke von Zinkclichäs klarer und bestimmter wirken als solche lithographische. Photochromieen, — eine Eigen schaft, welche der typographische Farbendruck und die Chromo- xylographie überhauptjchoraushaben gegen den lithographischen, — so ist ,, die ^Wirkung dieser drei-, Blätter nichtsdestoweniger eine höchst günstige; die Darstellungen"'erscheinen weich und zart, und die Reproduktion des Charakteristischen im Aquarell ist jeden falls eine nicht minder gelungene, als die beim Druck von Zink platte». Die präzise Wiedergabe der Farben steht auch nicht zu rück gegen die des Drucks von Aetzungen; wird doch für die Herstellung der Platten zu beiden jetzt das orthochromatische Ver fahren, welches die Farben auf ihren wahren Wert zerlegt und reproduziert, in Anwendung gebracht. Die Firma Giesecke L Devrient hat mit dem Druck der von Angerer L Göschl angefertigten Farbensteine Vorzügliches geleistet, und die gleiche Censur kann man ihr geben im Hin blick auf den übrigen Inhalt des Heftes, illustrativen wie text lichen. Da ist zuerst noch zu neunen das schon erwähnte »Klee blatt«, ein Strauß von Kleeblüten und Kleeblättern in Farben holzschnitt, in welchen drei Kinderporträts als photographische Visitenkarte», in braun gedruckt von außerordentlich duftigen Autotypieen der Wiener Firma, eingeschoben sind; sodann eine »Madonna della Sedia«, in Holz geschnitten von Brend'amour, schwarz auf Tonvordruck; — sie würde noch schöner sein, wenn man dem Schwarz einen Stich ins Bläuliche gegeben hätte. Außerdem schmücken noch mehrere vorzügliche Schnitte von Kaese- berg L Oertel, darunter eine Winterlandschaft von R. Püttner, sowie eine Reihe von Illustrationen nach Zeichnungen von C. W. Alters, vortrefflich photochemigraphisch reproduziert von Angerer L Göschl, und einige Zinkätzungen nach Federzeichnungen die Mückenbergersche» Weihnachtsblätter, und ein Lichtdruck von Alb. Frisch in Berlin, ein über einer Stadt dahinschwebendcr Friedensengel, nach einem Gemälde von E. Teschendorfs, voll endet den künstlerischen Schmuck dieser hervorragenden Publi kation, die überall Freude erregen wird, wo sie erscheint auf dem Weihnachtstische. Mehrere Musikbeilagen sind ihr, gleich der Groteschen, beigegebeu, auf die hier, wo wir uns nur mit der graphischen Ausstattung zu befassen haben, näher einzugehen keine Veranlassung vorliegt Die Deutsche Verlags-Anstalt (vorm. Ed. Hallberger) in Stuttgart hat, wie schon beiläufig bemerkt, in diesem Jahr keine Weihnachtsnummer zu »lieber Land und Meer« erscheinen lassen, was bedauert werden muß, da dieselbe graphisch immer gut ausgestattet war und sich hinsichtlich des Preises innerhalb der jedermann zugänglichen Grenzen hielt. Dafür hat sie wieder der »Lieben Kleinen« gedacht und ein über 50 Seiten starkes Heft in Hochquart herausgegeben, das auf jeder Seite mit Illustrationen geschmückt ist, die wohl zum Teil den Verlagswerken der Anstalt entnommen wurden, und die man, um sie für das Publi kum dieses Weihnachtsheftes anziehender zu machen, in verschiedenen Farben druckte. Ob man dabei soweit gehen durfte, Pendants, wie auf S. 14 und 15, oder S 24 und 25, durch Anwendung von zweierlei Farben gewissermaßen zu trennen, oder auch ein unartiges Hündchen, das viermal braun sich produziert, in der fünften und sechste» Fortsetzung seiner Missethaten blau auftreten zu lassen, das kann fraglich erscheinen; die kleine Welt, die sich daran erbauen soll, ist indes noch nicht sonderlich kritisch ange haucht und für sie gilt ein blauer Hund, der am Ende seiner Schandthaten angelangl ist, genau so viel wie ein brauner. Vielleicht, daß sich einem nachdenklichen jugendlichen Gemüt auch dabei die heilsame Lehre aufdrängt, Pitty sei zur Strafe blau angelaufen. — Das Heft enthält auch acht Bilder nach Hendschel, wie sie fürHdas VerständniHderzKinder von 6 — 10-Jahren sich eignen, und ^entspricht in seiner sonstigen graphischen Ausstattung dem Grundsätze, daß das Beste gerade gut genug ist für Kinder. Resümiert man^nun zu (einem vergleichenden Urteil, was sich aus der Einzelbesprechung der englischen, französischen und deutschen Weihnachtsnummern ergiebt, so darf man sagen, daß die der »Illustr-ctoä Ucmäou dlorrs« sich auf gleicher Höhe hält wie schon seit einigen Jahren, während die des »Uraxbio« sich nur an einen rohen, noch unentwickelten Geschmack, an ein unkul tiviertes Verlangen nach bunten Bildern, wie es schon Kindern innewohnt, wendet und selbst durch ihre Extrabeilagen k kaum etwas beiträgt zur Fortbildung ihres Publikums, somit keinerlei
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