FerUg« Bücher. 287, 4. Dezember >91.9. Erich Matthes, Verlag, Leipzig Zn zweiter Auflage erschien: Ludwig Schenrann: Paul de Lagarde, ein Lebens und Erinnerungsbild preis gebunden M. zs.-, geheftet M. ?5.- nur einmal dem Göttinger Gelehrte» persönlich begegnet ist, der hat davon einen unvergeßlichen Lindruck. Man war sich als junger Mensch nicht klar, wohin man den Mann stellen sollte, von dem Freund und Feind redeten — jedenfalls war er ein Großer. Um so seltsamer war es, daß nach 27 Jahren, nach seinem Tode, außer de» Erinnerungen seiner vor Jahresfrist verstorbenen Witwe neben Gedächtnisreden und Artikeln in einer besonderen Arbeit nur Karl Albrecht das Wort genommen hatte, um seinen Lebensgang darzustellen. Jetzt ist dem Mangel abgeholfen Lurch Las vor liegende würdige und vom Verlag gut ausgestattete Lebensbild, das seine äußere Ent wicklung schildert und seiner Bedeutung gerecht wird. Ls wird das lautere Gold auf gewiesen, Las im harten Gestein dieses eigenwilligen Lharakters in reichsten Lrzadern lag. Lin Mann, der Schriften in zehn Sprachen aüsgehen lassen konnte, Lessen Biblio graphie 2I7 Nummern umfaßt, der aber doch mit glühendem Herzen an seinem Vater lands hing und dem Alldeutschen verband etwas von dem Stempel seines Geistes auf- gedrückt hat, ein Lrzketzer, der doch den von Hcngstenberg ihm ins Stammbuch geschrie benen Spruch Via crucis est vir srlutis sich selbst zum Grabspruch erkor, ein rücksichtslos scharfer Kämpfer, und doch von Natur überaus gefällig gegen jedermann, ein Gelehrter von universaler Bedeutung und ein Künstler, der die Sprache in Prosa und Poesie meistert und der in andern Künsten, Musik wie Malerei völlig zu Hause ist, ein Mann der (Öffentlichkeit, der ohne jede Menschenfurcht den Götzen der Tagesmeinung den Krieg bis aufs Messer erklärt und ein Forscher in stiller Sludienstubs, der auch aus Lrholungs- tagen und Ferienzeit her mit den Früchten seine^Mesenflsißes wie mit einem Füllhorn seine Zeitgenossen überschüttet, ein religiöser Forscher, der in Len alten religiösen Urkunden gegraben hat wie selten einer, und der doch einen Luther nie verstanden hat und in seinem Streben der Germanisierung der Frömmigkeit gescheitert ist, ein Prophet von düsterer Schwermut und ein Arbeiter, solange es Tag für ihn war, ein Erzieher seines Volkes, kurz, ein ganzer Mann aus Lrz, so steht er hier vor uns. Bis zu seinem Iahr- hunderttage, 2. November HZ27, wo der Nachlaß auf der Göttinger Bibliothek unter Siegel liegen bleibt, haben wir nicht noch anderes (guellenmaterial zu erwarten; aber sein Bild ist hier schon festgelegt, es ist einer von Deutschlands Helden. (Besprechung.s G