Nr. 81 (N. 31). Leipzig, Donnerstag den 1, März 1934, 101. Jahrgang, Redaktioneller TA Helft alle mit! Die für Sortiment, Verlag, Reiscbuchhandcl und alle übrigen bnchhändlerischen Betriebe hcrgestellten Plakate und Klebemarlen zum Winterhilfs werk werden in den nächsten Tagen verfügbar sei» und den Mitgliedern des Börsenvereins Ende dieser und Anfang nächster Woche unaufgefordert übersandt werden. Alle Firmen, die zufällig in der Berscndungs- liste fehlen sollten und nicht beliefert werden, werden gebeten, die benötigte Menge an Plakaten und Marken vom Verlag des Börsenvereins anzufordern. * Verschiedene Ortsvereine melden bereits die Ver anstaltung von Schaufensterwettbewerben und Dichtervorträgen sowie anderer Veranstaltungen, deren Reinerlös dem Winterhilfswerk zuflietzen soll. Ueber Dichtervorträge, soweit sie vom Reichsverband Deutscher Schriftsteller vermittelt werden können, wird noch berichtet. Wir verweisen auf den Autorenkalender der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums. Älmh Vücherr gehSven rum täglichen Nvot! Ein gutes Büchel ist der Seel' ein Küchel, womit sie sich ernährt, Abraham a Santa Clara, Zum Beginn des Binterhilsswerkes des Buchhandels drucken wir einige Äußerungen deutscher Dichter über den Wert des Buches und über das Buch als -Brot des Herzens- ab, die uns der Verlag vr, Herbert Stubenrauch-Berlin aus seiner Korrespondenz »Wissen — Können — Wollen- freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, Ter Verlag hat die Weiterverwcnbung dieser Äußerungen fu Werbezwecken im Sortiment ausdrücklich gestattet. Was ich vom Buche und was ich vom Bücherlesen zu sagen habe, steht in meinem »Waldschratt-. Dort heißt es: Was litt unser Freund vom Walde da sehnende Not! Ach, wenn er sich mit seiner hungernden Seele in die Bücher hält' verkrieche» können, wo er alles, alles wie- berfand, was er von den Menschen geträumt. Aber was muß man erleben bis man lernt, dortundnurdortdas Menschlichste, das Menschlich-Schöne zu suchen! Warum sind nur die Menschen nicht so wie der Menschen gute Bücher? Wenn er dem Magister erst sein Vcr- bannungsweh geklagt hatte, so legte er znm Schluß mit ausleuchten den Augen die Hand auf solch ein gutes Buch und sprach: »Vater, ich bin doch undankbar und töricht! Die Menschen weit, die ichsuchte, dielst dochbarhierdrini st sie! Der Mensch ist wohl ein Gottesgedanke, doch da draußen muß er sich dem Erdstoss vermählen, und da wirds halt — wies eben leider wirdt hier leuchtet der Gedanke Gottes fest in ungetrübter Klarheit, nur gebro chen und in spielende Farben zerlegt. Und darum will ich doch die Menschen liebhaben, weil auch diese Bücher Menschenwerke sind. Es ist doch da, es ist doch in der Welt, was ich suchte und ahnte! ...« Eberhard König, Man muß schon sagen: das »Volk der Dichter und Denker- ist auch ein bücherlesendes und bücherkaufendes Volk gewesen . . . Wenn auch immer wieder Fälle vorgekommen sind, wo Dichter und Denker über Gebühr lange warten mußten, bis sie ins Volk drangen (Nietzsche z, B,>, so war doch ein starkes Bedürfnis nach geistiger Kost vorhanden. Nicht immer freilich nach edler geistiger Kost, Seit nun die wirtschaftliche Krise kam, ist auch der Bücherkauf zurllck- gegangen. Aber man kann den Menschen nicht eindringlich genug zu- rusen: vergeht eure Dichter und Denker nicht , . , Wer aber kaufen will, besinne sich darauf, was er kaufen soll. In heutiger Zeit soll ten es nur deutsche Dichter sein und unter ihnen besonders die auf bauenden Kräfte, diejenigen, die im Charakter deutsch und im edlen Sinne religiös sind, Geistesgut, besonders Dichtung, spiegelt die Seele des Volkes. Es ist immer eine Feierstunde, in einem Buch zu lesen, in dem die Seele des Volkes spricht, erzählt, klingt, Karl Nötiger. -p Die in den Durchführungsbestimmungen des Win terhilfswerkes erwähnten sichtbar zu tragenden Plaketten können nicht von der Geschäftsstelle des Börsenvcrcins, sondern nur von den örtlichen Stellen des Winterhilfswcrks bezogen werden. Bücher lausen sollte eine Sache der Dankbarkeit sein. Wir sind unseren Eltern und Lehrern dankbar für das, was wir von ihnen lernen dursten; warum sind wir es nicht den Büchern gegenüber, durch die wir ebenso sehr geformt wurden wie durch Eltern und Lehrer! Und wer keinen Wert daraus (egt, dankbar zu sein, der überdenke wenigstens, wie sehr das leibliche Dasein vieler Volks genossen an die Herstellung von Büchern und an den Buchhandel ge knüpft ist. Otto Brües, 193