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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.06.1915
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- 1915-06-12
- Erscheinungsdatum
- 12.06.1915
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Redaktioneller Teil. 133, 12. Juni 1915. 1865 in seiner Vaterstadt Zerbst eine Bnch-, Kunst- und Musikalien handlung erösfnete, nachdem er bei Hinstorff in Ludwigslust die Lehre bestanden und sich in verschiedenen Gehilfenstellnngen eine gediegene buchhändlcrische Bildung angeeignet hatte. Anfang der 70er Jahre übernahm er neben seinem Sortiment die mit dem Berlage der »Zcrb- ster Zeitung« verbundene Druckerei, die sehr bald seine volle Arbeits kraft erforderte. Deshalb verkaufte er seine Buchhandlung am 1. Sep tember 1881 an Herrn Friedrich Gast, auch einen gebürtigen Zerbster, der das Geschäft schon seit dem 1. April 1878 selbständig geleitet hatte. Herr Gast, der noch heute, nach 34 Jahren, seinem Geschäft vorsteht und es seit 1887 unter eigener Firma mit bestem Erfolge führt, hat neben seiner geschäftlichen Tätigkeit auch im öffentlichen Leben seiner Vaterstadt fleißig und ersprießlich gewirkt. Unter den vielen Ehrenämtern, die ihm übertragen wurden, wollen wir nur seine mehr jährige Tätigkeit als Stadtverordneter, Stadtverordnetenvorsteher und als Vertreter der Stadt Zerbst im Anhaltischcn Landtage erwähnen. — Ans Anordnung seines Arztes zog sich Herr Gast in den letzten Jahren immer mehr von seinen öffentlichen Ämtern zurück und widmete sich nur seinem Geschäfte. Seit 1912 steht ihm sein jüngster Sohn Friedrich Gast treu zur Seite, der nach beendetem Kriege, in dem er sich bereits das Eiserne Kreuz und das Anhaltischc Friedrichkreuz erworben hat, das immer mehr anfbliihende Geschäft weiterführen wird. Entziehung des englischen Hofliefcrantcntitels. — Die »Daily Mail« vom 2. Juni bringt die Nachricht, daß laut London Gazette u. a. den Herren Emil Werckmeister (Photogr. Gesellschaft, Berlin), A u g u st Siegle (Siegle L Co., London) und Schott 6c Co. (B. Schott's Söhne, Mainz) die Hoflieferantentitel entzogen worden sind. Großen Schmerz dürften die Herren hierüber kaum empfinden. Preisaufgabcn. — Für das Studienjahr 1915—16 werden von der Kgl. Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin folgende Preisaufgaben gestellt: 1. Aus dem Gebiete der landwirtschaftlichen Betriebslehre: »Die wirtschaftlichen Bedingungen der Feldgraswirtschaft in Deutsch land«. 2. Aus dem. Gebiete der Physik: »Die neueren Theorien der Gewitterbildung sind unter Zugrundelegung der Zonentheorie aus führlich und kritisch darzulegcn«. 3. Aus dem Gebiete der Zoologie: »Untersuchungen über Gctreiöewanzen. Es sind Beobachtungen über die schädlichen Getreidewanzen, ^.olia aonininata 1^. oder IXirz^astor 7uauru8 I,., anzustellen und eine möglichst genaue Beschreibung der Lebensgeschichte der erwachsenen Tiere und ihrer Entwicklung zu geben«. 4. Aus dem Gebiet der Kulturtechnik: »Von welchen Einflüssen ist die aus einem Sammelgcbiet entstehende Abflnßmenge abhängig? Be schreibung aller Vorarbeiten, die nötig sind, um den an einer bestimm ten Stelle eines Flußgebietes vorhandenen Wasservorrat als kultur- technische Grundlage zu ermitteln«. 5. Aus dem Gebiete der landwirt schaftlich-technischen Gewerbe: »Die praktisch wichtigen Methoden zur Herstellung von Torf- und Strohhäckselmclasse sollen an der Hand der Literatur beschrieben und kritisch beleuchtet werden, insbesondere hinsichtlich der Haltbarkeit der Produkte bei längerer Aufbewahrung«. Zur Bewerbung sind die als ordentliche Hörer eingeschriebenen Stu dierenden der Landwirtschaftlichen Hochschule berechtigt. Die Bewerber haben ihre Arbeiten spätestens am 1. April 1916 im Sekretariat ab- zngeben. Französisches Eingeständnis deutscher Überlegenheit. — Maurice Barros, der bekannte französische Schriftsteller, der, seit Kriegsaus bruch täglich für das »Echo de Paris« einen Leitartikel schreibt, redet seinen Landslauten scharf ins Gewissen, Einkehr zu halten und bei den deutschen »Barbaren« in die Schule zu gehen. Den Anlaß zu dieser Mahnung gibt ihm der Brief eines in hoher Stellung befind lichen Dänen, der eine deutsche Erziehung genossen und an deutschen Universitäten studiert hat, und der bis kurz vor dem Kriege zwischen dem deutschen und dem französischen Geistesleben zu vermitteln suchte. »Allem Haß und aller Mißgunst zum Trotz«, heißt es in dem Schrei ben des Dänen, »wird es in unserem Wirtschaftsleben verzweifelt schwer sein, die Deutschen, die sich allen Bedürfnissen so restlos anzu passen wissen, durch die Engländer, die sich hochmütig und abstoßend betragen, oder durch die Franzosen zu ersetzen, die ihrerseits wieder zu mißtrauisch und zu ängstlich sind. Sie dürfen mich nicht falsch ver stehen! Ich sage das nicht etwa, weil ich den Franzosen etwas am Zeuge flicken möchte, vielmehr darum, weil ich nichts sehnlicher wünschte, als die Franzosen als Erben der wahrhaft vortrefflichen Eigenschaften der Deutschen sehen und bewundern zu können. Vor allen Dingen müssen Sic sich angelegen sein lassen, den Strom der ausländischen Studenten, der Skandinavier, Amerikaner, Holländer, Serben, Nüssen u. a., die vor dem Kriege Deutschland überschwemmten, nach Ihrem Vaterlandc abzulcnken. Ihre Universitäten, vor allem die in der Provinz, müssen zu dem Zwecke in dem Sinne umgestaltct werden. 874 > daß eine tätige Mitarbeit der Ausländer an der Lösung der geistigeu Aufgaben der Zeit möglich wird, wie es in Deutschland der Fall ist. Der Kehrreim von ehedem: »Man geht nach Deutschland, um zu arbeite», uud uach Frankreich, um sich zu amüsiere»«, muß unbedingt der Vergangenheit und der Vergessenheit anheimfallen. Ihre Ge lehrten und mit ihnen zugleich das frauzösische Geistesleben werden durch diesen Zustrom von außen, durch diesen Austausch von Ge danken uud Beobachtungen mit Schülern, die aus aller Herren Länder gekommen sind, außerordentlichen Vorteil ziehen, ganz abgesehen von der wichtigen wirtschaftlichen Seite der Frage.« »Mit besonderer Auf merksamkeit wird mau diese Gedanken eines uns wohlgesinnten Frem den beachten müssen«, bemerkt Barros hierzu. »Jeder kennt das Or ganisationstalent der Deutschen, und jeder von uns hat wohl schon seine Unzulänglichkeit darin zugegeben; denn an den Verfehlungen und Sünden eines Volkes trügt ja jeder einzelne sein Teil der Schuld. Wir würden«, schließt Barros seinen Mahnruf, »selbst wenn wir den Sieg erringen, Besiegte sein, wenn wir nicht die Fähigkeit wiedererlangcn, die wir dereinst besessen haben, nämlich fremde Einflüsse aufzunehmcn lind zu verarbeiten, und deshalb müssen wir uns durch alle Mittel vorbcreitcn, von neuem diesen fremden Einflüssen zugänglich zu werden und unsere Arbeitskraft durch eine feste Organisation zu stärken uud zu stützen.« Wagners »Siegfriedgift«. — In der »Motion I'ranyaiso« erläßt Loon Daudet eine Warnung an seine Landsleute vor dem todbringen den Gift, so sich unter den üppigen Blüten des Bayreuther Giftbaums heimtückisch verbirgt. »Der aufreizende Ton«, verkündet Herr Daudet, »der in den vaterländischen Liedern der Deutschen so herausfordernd erklingt, bildet auch das wirknngskräftige Element der Wagnerschen Leitmotive. Bedarf es dafür noch eines Beweises? Nun wohl, dieser Beweis wird durch einen denkwürdigen Vorgang der jüngsten Zeit vollkommen erbracht. Einer unserer ersten Journalisten, Pierre Lalo, der Sohn des berühmten Komponisten, der heute im »Temps« seine klassischen Musikkritiken schreibt, befand sich jnst zur Zeit des Kriegs ausbruchs in Bayreuth. Der Mobilmachungsbefehl wurde dort wäh rend eines Zwischenaktes des »Parsival« vor dem Festspielhaus feier lich verkündet, und zwar beim Klang der Trompeten, die nichts anderes bliesen, als die Hauptmotive der Nibelungentetralogie. Diese Kriegs fanfaren eigneten sich vorzüglich zu dem beabsichtigten Zweck, uud sie enthüllten dabei auch dem Dümmsten mit willkommener Deutlichkeit ihre eigentliche Bestimmung. Soll man deshalb Wagner aus unseren Konzertsälen und von unseren Bühnen verbannen? Ein derartiges Vorgehen wäre geradezu Wahnsinn. Wenn auch nicht heute, so steht doch später der Aufführung von »Tristan und Isolde«, »Parsival« und der »Meistersinger« nichts im Wege. Aber der Wagnerschwärmcrci, die auf dem besten Wege war, unser französisches Musikverständnis und unseren französischen Geschmack zu erdrosseln, muß entschieden ein Ende gemacht werden. Von den Kriegsfanfaren der Tetralogie, den Schmiedeliedern Siegfrieds, dem »Walkürenritt« und dem Weckruf der Nheintöchtcr wollen wir nichts mehr hören. Alle diese schönen Dinge haben wir unter dem Jubel der hiesigen Deutschenkolonie über uns ergehen lassen, ohne zu ahnen, daß die Kriegsmusik nur zu dem Zweck gemacht wurde, unsere jungen Leute dem Vaterlande zu entfremden und sie zu germanisieren. Aber keine Sorge! Die Lehre, die uns der Sieg (?) im Weltkriege bringt, dürfte denn doch vollständiger und durchgreifender sein, als die, die uns das Unglück von 1870 erteilt hat. Wir werden mit aller Entschiedenheit den Becher, den uns der tückische Zauberer aus »Wahnfried« reicht, zurückweisen, den Becher, in dem das Gift des Todes mit dem Gift des Lebens gemischt ist, das Gift des Todes, das für Frankreich berechnet ist, und das Gift des Lebens, das den deutschen Imperialismus zu fiebernder Glut aufzupeitschen be stimmt ist.« — Armer Narr! Privatangestellte und Kricgsbeschädigtenfiirsorge. Um eine mög lichst einheitliche Regelung der Kriegsbeschädigtcnfiirsorge herbeizu führen, haben sich die der »Arbeitsgemeinschaft für das einheitliche An gestelltenrecht« angeschlosscncn Verbände der kaufmännischen, techni schen und Bureau-Angestellten entschlossen, gemeinsam vorzugehen. Die aufgestellten Leitsätze, die grundsätzlich mit dem von den übrigen Be- rnfsverbändcn eingenommenen Standpunkt übereinstimmen, besagen: Die Fürsorge für die Kriegsverletzten und die Kriegskrankeu ist eine Aufgabe der Sozialpolitik, zn deren Regelung das Reich unter Mitwirkung der Bundesstaaten und der Gemeinden berufen ist. I. Gliederung d e r F ü -r s o r g e t ä t i g k c i t. H eilfürsorge. Zur Heilung sind alle ärztlichen und ortho pädischen Behandlungsmöglichkeiten zu erschöpfen, um den Kriegs beschädigten die höchsterreichbarc Arbeitsfähigkeit wicderzugeben. N e n t e n f tt r s o r g c. Für die Bemessung der Rentensätze ist nicht nur der militärische Grad des Invaliden ausschlaggebend, son-
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