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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.03.1930
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- 1930-03-27
- Erscheinungsdatum
- 27.03.1930
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die Zuhörer kaum fassen, die Herr vr. H e l l m u t h v o n Hase als Hausherr begrüßte. Er sprach von den Sorgen des Buchhandels, über die sonst in diesem Saale verhandelt wird, und deren es drei gibt: das Publikum, die Autoren und das Buch selber. Aus der Not des Buches ist der Tag des Buches geboren. Herr vr. Friedrich Mi chael begrüßte die Erschienenen im Namen der Ortsgruppe Leipzig des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller und dankte dem Buch handel für das Zustandekommen des Abends, der weiten Kreisen des Leipziger Publikums die Bekanntschaft mit heimischer Literatur ver mitteln sollte. Wie gut die Absicht gelungen ist, geht auch aus fol gendem Bericht der Leipziger Neuesten Nachrichten hervor: »Der Er folg des Vorlesungsabends im Buchhäudlerhaus, den die Leipziger Schriftsteller am Tage des Buches veranstalteten, wird den Autoren ebenso unverhofft widerfahren sein wie die damit verbundene große Genugtuung, daß ihr Nus auf so fruchtbaren Boden gefallen war. Gewiß, die Dichter und Schriftsteller nicht nur zu lesen, sondern ihnen Auge in Auge gegenüber zu sitzen, ihre Stimmen nicht nur aus dem gedruckten Wort zu spüren, sie vielmehr aus unmittelbarer Nähe ins Ohr dringen zu lassen, das lockt. Schon ein leidlich gefüllter Saal wie der im Buchhändlerhaus hätte das Unternehmen gelohnt. Daß aber die Menschen in den überfüllten Gängen Kopf an Kopf standen und bis zum Ende des langen Programms nicht wichen, bedeutet schon äußerlich einen großen Erfolg. Bedenkt man weiter, daß dieses Pu blikum nicht allein kritisch, sondern auch sehr sachverständig urteilte, wie die verschiedene Wirkung der lesenden Autoren zeigte, so möchte man dieses Auditorium fast ideal neunen. Läßt der freie Eintritt darauf schließen, daß das Interesse für diese geistige Angelegenheit mit wirtschaftlichem Unvermögen parallel geht?« Das Programm bestritten: Erich Ebermaycr, Wolfram Brockmeier, Franz Adam Beyerlcin, Andreas Zeitler, Friedrich Michael, Hans Natonek, Johannes Schönherr, Hans Otto Henel und Paul Georg Münch. Im Vorraum des Saales hatte die I. C. Hinrichs ' sche Buchhandlung die Werke der vorlescndcn Autoren zum Verkauf ausgestellt und den Autoren damit Gelegenheit geboten, ihre Bücher für die Käufer zu signieren. Der Verkauf war sehr gut, sodaß der Uuterstützungskasse des Vereins der Buchhändler zu Leipzig ein Ge winn von Mk. 70.— zugesührt werden konnte. Auch macht sich noch jetzt die Nachwirkung des Abends im weiteren Verkauf der Werke Leipziger Autoren in den Buchhandlungen bemerkbar — wie ja über haupt immer gesagt werden kann, daß die Wirkung des Tages des Buches nicht so sehr an diesem Tage selbst wie in der Folgezeit ge sucht werden muß. » Die im Leipziger Ortsausschuß vertretenen Verbände und Vereine hatten vielfach auch noch von sich aus besondere Veranstal tungen eingeleitet, die durchweg gut gelangen. Die Vereinigung Evangelischer Buchhändler hatte bereits am 20. März in Verbindung mit dem kirch lichen Jugendamt in Leipzig einen Jugend-Abend an läßlich des Buchtags veranstaltet. Dieser Auftakt zum »Tag des Buches« darf als bestens gelungen bezeichnet werden; der große Saal des »Vcrcinshauses« war bis auf den letzten Platz besetzt. Und die Jugend war ganz bei der Sache, zumal das Programm Musik, Rede, Lichtbild, Spiel und Buch-Ausstellung in gute Wechselwirkung mit einander brachte. Uber Jugend und B u ch sprach der Leipziger Jugendpfarrer Fritz M i c t h, der das Buch als den eigentlichen Lebensführer der Jugend feierte. Sport und Wandern, die selbst verständlicher Lebensausdruck moderner guter Jugend sind, bedürfen der geistigen Ergänzung durch das Buch. Darum gelte cs, das wert beständige Buch als einen Helfer und Freund unserer Jugend zu empfehlen und ihr somit den Sinn des Daseins zu deuten. Dem Miethschen Einleituugsvortrag folgten Robert Schumanns Kinder szenen, zu denen vr. N c c d o n die Begleitverse von Findeisen sprach, während G o t t f r i e d S t a a r k e sie musikalisch illustrierte. In der Mitte des Abends stand ein Vortrag: Neue Bilder i m D i e n st c d c r B i b e l, gehalten von Syndikus H. G a e d e. Der Redner führte die versammelte jugendliche Buchtagsgemeinde den be sinnlichen Weg vom Volkstrauertag zum »Fest der Bücher« und schrieb der Jugend die Bedeutung der Dichtung als geistige Macht ins Herz. Das gute Buch hebt und stärkt den Willen, es belebt die Phantasie und stillt die Sehnsucht, es überbrückt die Gegensätze und heilt die Menschenkrankhcit, an der wir alle leiden: nämlich unsere innerste Einsamkeit. Das evangelisch-weltanschauliche Buch aber hat Luthers Bibelübersetzung zum Ausgangspunkt; darum soll ein Buch tag nicht gefeiert werden, ohne der Bibel die Ehre zu geben und ihrer als des großen Lebens- und Lesebuches zu gedenken. Die feinen Bilder der neuen Rudolf Schäfer-Bibel der Priv. Württ. Bibelanstalt bieten willkommenen Anlaß, unsere Jugend an das Buch der Bücher zu erinnern. Manches gute Wort sagte der Redner den 292 jungen Menschen über den Künstler Rudolf Schäfer, jenen bildhaften Gestalter des evangelischen Gedankens, und sein Werk, das durch seine früheren Bilder zu Paul Gerhardts Liedern, zum »Wandsbeker Boten« und zu den Volksliedern »Rosen und Rosmarin« längst Volksgut geworden sei. Stimmung, Seele, Gemüt — das sind die Hauptmomente in Schäfers Kunst, die uns zugleich ein kraftvolles Luthertum vermittelt. Und die gezeigten Lichtbilder aus dem Alten Testament, vom Vortragenden feinsinnig gedeutet, haben ihren Ein druck auf die Zuschauer nicht verfehlt. Das Schönste am »Fest der Bücher« aber war die große, von der Buchhandlung Paul Eger veranstaltete Jugendbllcher- Ausstellung, die an der einen Längswand des Saales aufgcbaut und nach einzelnen Lebens- und Sachgebieten übersichtlich geordnet war. Lebhaftes Gedränge in der Pause bewies, daß auch das Auge durch den farbenfrohen und schönen Einband bedient sein will. Jugend liebt ja trotz aller Einwendungen doch das Buch, und manch einer weiß garnicht, wie große Freude er jungen Menschen durch das Buch bereiten kann. Besonderes Lob aber verdienen die Aussteller, die an diesem Jugendabend durch sorgsame Auswahl, kluge Anordnung und liebevolle Ausschmückung durch Bild, Blume und fröhlich gezeichnete Überschriften dem Ganzen eine persönliche Note zu geben verstanden hatten. Den Abend beschloß ein Laienspiel; und die Ausführung des »Kain- und Abel-Spieles« von Walter Blachetta durch den Spielkreis des Ringes unter Pfarrer Wallmann zeigte in erschütternder Weise den großen, heiligen Ernst, von dem gute, ehrlich ringende, neue deutsche Jugend geleitet wird. — Alles in allem ein bedeutsamer Abend; ein Versuch, der gezeigt hat, daß es lohnt, der Jugend die Tür zu den Büchern zu öffnen, letzten Endes aber auch ein Wagnis, das geglückt ist und darum nicht unwiederholt bleiben soll. * Zum gleichen Zeitpunkt fand eine Veranstaltung des Allge meinen Deutschen Buchhandlungsgehilfen-Ver- bandes im Heim des D.H.V. statt, wobei Herr Studiendirektor Korse lt einen Vortrag: »Eine Würdigung des Tages des Buches vom weltliterarischen Standpunkt aus« hielt. Der Vortrag bot, nach einem Bericht in den Leipziger Neuesten Nachrichten, einen Quer schnitt durch das literarische Schaffen und die literarischen Strömun gen der außcrdeutschen Länder. Von Goethe ausgehend, zeigte der Redner zunächst, wie sich das Buch als Gesamtphänomen in der Seele neuerer Autoren gespiegelt hat. Da der diesjährige Tag des Buches ja besonders im Zeichen des Jugendbuches steht, beschäftigte sich der Vortragende sodann mit dem literarischen Geschmack der Jugend von heute, wies auf ihr Gefühl für das Tempo der Zeit und die Aktua lität und darauf hin. daß die sogenannte Jugendliteratur mehr und mehr verschwindet. Er leitete dann zu seiner Literaturübersicht über, schilderte das französische Schassen mit Analysen von Werken eines Romain Rolland, eines Marcel Proust und eines Andre Gide, das englische mit Analysen eines Galsworthy. eines Eonrad und eines Hugh Walpole. Er führte im Fluge durch die heutige russische und skandinavische Literatur, um dann die amerikanische Literatur be sonders mit einer llpton-Sinclair-Analyse zu charakterisieren. Ein Schlußwort galt noch dem französischen und englischen Kriegsroman und der Tatsache, daß die Weltliteratur heute mehr denn je diesen Namen verdient, da fast jedes bedeutendere Buch fast gleichzeitig mit seinem Erscheinen im Original auch schon in Übertragungen vorliegt. * Die OrtsgruppeLeipzig »Eule« der Allgemeinen Vereinigung der Angestellten des Buch-, Kunst- und Musikalien handels veranstaltete am 22. März im Heimatmuseum einen Lichtbildervortrag und eine Ausstellung, deren Gegenstand d i e Graphik des Jugend- und Kinderbuches von den Anfängen bis heute war. Aus Beständen des Deutschen Buch- muscumS, aus Leipziger Verlagsarchiven und aus privatem Besitz hatte der Referent, Herr Studienrat Karl Friese eine über raschende Reihe von Material zusammengetragen. An ihm wurde die Geschichte dieser im Philanthropinismus erstandenen besonderen Buch produktion mit der Abfolge der vervielfältigenden Verfahren vom derben Langholzschnitt, dem Vorläufer bei Fabelbüchern und bei Co- menius bis zur modernsten Massenherstellung sinnenfällig. Eine Fülle von Namen und Anschauungsmaterial zur Illustration des Kinderbuchs des 18. und 19. Jahrhunderts war beigebracht. Es würde zu weit führen, hier näher darauf einzugehen. Reich belebt war das Bild der Moderne durch ein großes Material, das die Firmen Dürr'sche Buchhandlung, Alfred Hahns Verlag, Lange L Meuche, Schreiber-Eßlingen und zur Ergänzung das Barsortiment der Koehler L Volckmar A.-G. für die Ausstellung zur Verfügung ge stellt hatten. Dazu trat eine Reihe von Lichtbildern. Sie zeigten die
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