Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 01.07.1911
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1911-07-01
- Erscheinungsdatum
- 01.07.1911
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19110701
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191107010
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19110701
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1911
- Monat1911-07
- Tag1911-07-01
- Monat1911-07
- Jahr1911
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
7812 Börsenblatt f. b. Dtschn. Buchhandel. Nichtamtlicher Teil. .V 150, 1, Juli 1911, Meine Herren, in einer Zeit, in der nach dem Wortlaut dieses Artikels sämtliche Spezialgeschäfte zu der Einsicht gelaugt sind, daß jedes Ausnahmeangebot, jederSonderpreisfllrcinzelne Berufsklassen und Wirtschaftsvereinigungen für die günstige Entwicklung der Geschäfte ein Unding ist, und in der die beteilig ten Kreise auf Abhilfe sinnen, in solcher Zeit mußten wir dem deutschen Verlagsbuchhandel das Recht des doppelten Laden preises einräumen. Meine Herren Vertreter vom Verlag, ich halte diesen Artikel des Berliner Tageblatts für so außerordent lich wichtig, daß ich Ihnen dessen Lektüre angelegentlichst empfehlen möchte. Zugleich möchte ich mir erlauben, auf die unlängst im Börsenblatt Nr, 100 veröffentlichten ganz hervor ragenden Äußerungen der Handelskammern hinzuweisen, dis ja fast ausnahmslos darin übereinstimmen, daß diese Sonder rabatte und doppelten Ladenpreise als mit der guten Sitte im Handelsverkehr nicht vereinbar zu verdammen sind. Lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit gleich noch auf eine Äußerung eingehen, die im vorigen Jahre an dieser Stelle Herr Kollege Hartmann machte, als es sich darum handelte, die frei willige Verlegererklärung, wonach Schlsuderern nur mit ver kürztem Rabatt geliefert werden darf, in einen Verlegerzwang umzuwandeln, Herr Hartmann erklärte damals, das sei ein großherziger Entschluß, und wenn dis Verleger diesen Zwang auf sich genommen, so biete das die Gewähr dafür, daß auch weiterhin unsere Wünsche Berücksichtigung finden werden. Wir haben keine Ursache mehr, so führte Herr Kollege Hartmann aus, uns in Klagen zu ergehen und uns darüber aufzuregen, daß unser Stand der miserabelste von der Welt wäre. Meine Herren, der Ansicht sind wir allerdings auch, daß er noch nicht der aller miserabelste von der Welt ist; wir sind aber der Meinung, daß dem Sortiment wie kaum einem anderen Stand die Hände gebunden sind, daß ihm jeder freie Wettbewerb im kaufmänni- scheu Sinn unmöglich gemacht ist, denn er kann nicht zu den Preisen liefern, wie es der Verlag darf, und wir sind der Mei nung, daß die Brotportionen, die ihm zuzufallen bestimmt sind, von Jahr zu Jahr durch die direkte Lieferung des Verlages mehr verkümmert werden und daß das Sortiment, wenn es auch noch nicht am Verhungern ist, so doch von Jahr zu Jahr unfähiger wird, die Arbeit für den Verlag zu leisten, die bei verständnisvoller Unterstützung desselben vom Sortiment er wartet werden könnte, Herr Hartmann schloß damals mit den Worten: »wir sind im Grunde nicht nur Sortimenter, sondern deutsche Buch händler; Sortimenter und Verleger bilden den deut schen Buchhandel, und Sortiment und Verlag werden auch künftig im deutschen Buchhandel Zusammengehen, diese Hoffnung lasse ich mir von niemand in der Versammlung rauben,« Meine Herren, alle Achtung vor der Meinung des Herrn Kollegen Hartmann, nicht nur um seiner weißen Haare willen, sondern auch um der Überzeugung willen, mit der er seine Worte zum Ausdruck brachte; ich beneide ihn um den Optimismus, den er sich bis in sein Alter hinein bewahrt hat, obgleich wir doch Tag für Tag sichtbare Zeichen einer gegensätzlichen Entwicklung erkennen müssen. Zu teilen vermag ich diesen Optimismus keineswegs, und die Erklärung der t7 Verleger kann mich darin nur bestärken. Meine Herren, mir sind gewiß gut deutsche Empfindungen in hohem Maße zu eigen; aber gerade diese sind cs, die mich zu ganz anderen Anschauungen führen. Ich sehe als deutscher Buchhändler mit schwerem Herzen, daß das deutsche Sortiment an dem wachsenden Wohl stände des Vaterlandes nur in ganz geringem Maße beteiligt ist; ich kann auch nur mit Bedauern seststellen, daß kaum ein anderer Beruf, der von seinen Angestellten ein so hohes Maß von Intelligenz verlangt, diesen so gering entlohnt. Ich sehe die große Menge der Buchhändler in kleinen licht- und schmucklosen Berkaussläden der Nebenstraßen; ich vermisse nur zu oft auch nur die geringste Eleganz bei der Ausstattung der Schaufenster und Läden, Eine Ware, die unter den verschie densten Handelsprodukten mir immer als die erschienen ist, die als der Niederschlag alles geistigen Lebens in würdigem Milieu feilgeboten zu werden den ersten Anspruch hat, wird heute nur in Ausnahmefällen in eleganten Läden gefunden, während der übrige Handel sich nicht genug tun kann, allen möglichen Tand und Nichtigkeiten in luxuriösester Aufmachung den Käufern zu präsentieren. Ich kann mich nicht mit demselben Stolz wie Herr Hartmann als deutscher Buchhändler fühlen, solange die persönliche Tätigkeit des Sortimenters, wie das Schmollcrsche Jahrbuch richtig sagt, unzureichend entlohnt wird, Vorsitzender (unterbrechend): Ich möchte den Herrn Redner bitten, sich mehr an die Sache zu halten. Daß die Buchläden nicht elegant ausgestattet find, steht doch mit der Berlegerschleuderei nur in losem Zu sammenhang. Herr O, Pacisch (sortfahrend): Ich bin der Meinung, daß die Existenz des Sortiments von Tag zu Tag und nicht zuletzt durch den Verlag selbst erschwert wird, und meine, wir müssen aus irgend einem Wegs endlich vorwärtskommen. Wenn wir auf dem Wege weitergehen, auf dem wir jetzt sind und aus dem wir nun noch den Lieserungs zwang aufgeben sollen, so muß ich Ihnen mit den Worten des Schatzmeisters in dem zweiten Teile des Faust sagen: »Wir haben so viel Rechte hingegeben, Daß uns auf nichts ein Recht mehr übrig bleibt« und die allgemeine Lage kennzeichnend ein paar Zeilen tiefer fortfahren: »Die Goldsspforten sind verrammelt, Ein jeder kratzt und scharrt und sammelt, Und unsere Kassen bleiben leer.« Wir haben im vorigen Jahre viel aufgeben müssen; in diesem Jahre wird von uns ein weiteres verlangt; ich möchte heute schon an die Delegierten, soweit sie Sortimenter sind, den Appell richten, nicht morgen ihr letztes Recht — eine moralische Lieferungspflicht kann nicht bestritten werden — ohne Zwang auszugeben. Vorsitzender: Ich wollte den Herrn Redner nicht unterbrechen, bitte aber die künftigen Redner, sich etwas mehr an die Sache zu halten, sonst werden wir nicht fertig, Herr H, Bohjc», Hamburg: Meine Herren, im Börsenblatt hat vor einigen Wochen eine Hamburger Firma den Herrn Süsserott angegriffen wegen Ber legerschleuderei, Sie alle haben seine Antwort gelesen, in der er so hübsch sagt: ich habe dem Börsenvereinsvorstand eine Er klärung gegeben, für mich ist die Sache erledigt. Meine Herren, der Verbandsvorstand bittet uns in diesem Jahresbericht wiederum, ihm Material zur Verlegerschleuderei zuzusenden. Meine Herren, wenn das geschieht, so wird der betreffende Verleger wieder sagen: ich habe das Material dem Verbandsvorstand eingereicht, damit ist die Sache erledigt. Das wäre das Unwirksamste, was wir tun können, wenn wir das Material dem Börsenvereinsvorstand oder Verbandsvor stand nur einsenden und nicht gleichzeitig jeden Schleuderfall in irgendeiner Form veröffentlichen, sei es im Börsenblatt, oder wenn das die Sache nicht aufnimmt, in unseren Mitteilungen, Im Anfänge dieses Jahres ist bei einer großen Berliner Firma ein offizielles Jahrbuch erschienen; ich habe mich dafür verwendet, habe Bestellungen bekommen, und nachher wurden die Bestellungen znm Teil rückgängig gemacht, weil den Mit- gliedern eines Vereins, dem dis Besteller angehörten, das Werk um 1,80 Mark billiger angeboten wurde. Ich habe das Material dem Börsenvsreinsvorstand eingereicht und habe von der Ge schäftsstelle die Mitteilung bekommen, daß die Firma aus Ver sehen es versäumt hätte, im Börsenblatt den doppelten Preis
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder