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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.04.1930
- Strukturtyp
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- Band
- 1930-04-16
- Erscheinungsdatum
- 16.04.1930
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- Deutsch
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90, 1k. April 1930. Fertige Bücher. Börsenblatt f. d.Dtschn. Buchhandel. 3193 I..». «vnok konk-Lio. Xknncn L>k INN? Abenteuer mit Ludwig Brinkmann von Paul Stmemalili D«rlag»buchhändler zu Berlin Ich habe ja schon manchen Riesen gesehen, aber einen solch vollkommenen, wie es Ludwig Brinkmann ist, noch nie. Eines Tags, es ist noch gar nicht so lange her, schob sich ein kleines Matterhorn in mein Verlagscomptoir, in herrlich leuchtende Rohseide gehüllt, mit einem kostbaren, nach Maß gearbeiteten Panamahut gekrönt. Im Sommer, mitten in Berlin. Das war Ludwig Brinkmann. Zweidreiviertel Zentner. Er selbst sieht sich schlank... Weshalb wir dann gleich zum Abendessen gingen, zu Lutter L Wegener am Gendarmenmarkt. Haben Sie Gänsebraten? fragte Brinkmann den Kellner. Natürlich hatte der Kellner Gänsebraten, die Portion zu M. 3.50, knusprig und srisch im Ösen bruzzelnd. Wir aßen dann zwei, aber nicht Portionen, sondern zwei ganze, richtige, runde zehn« psündige Tiere. Wir waren zu drei Personen, denn mittler welle hatte sich noch ein Freund des Dichters, ein gewisser Herr Brill, an den Thch geschlängelt. Eigentlich aber aßen wir nicht zu drei Personen, sondern es aß nur der Schriftsteller Brinkmann, wir beiden anderen sahen zu. Das hatte die Welt noch nie, das hatte noch keiner von uns gesehen. Gewiß, man kriegt Hunger auf einer Reise, man kriegt großen Hunger auf einer längeren Reise, Brinkmann kam ge rade frisch gekirnt von der Bahn aus Madrid. Das muß wegen seines Appetits, eine schrecklich große Reise gewesen sein . . . Ein bißchen tranken wir auch dazu, ein Sturmtrupp ge leerter Flaschen installierte sich zu unseren Füßen, und immer, wenn der Dichter einschenkte, sprühte an seinem kleinen Finger ein haselnußgroßer Diamant. Zwischendurch erzählte er dann auch ein paar Abenteuer aus seinem reichlich bewegten Leben, Plauderte von seinen Reisen, von seinen Kämpfen während des Weltkriegs in Spanien gegen französische und englische Jndustriespione. Denn eigentlich ist Ludwig Brinkmann von Haus aus nicht Gänsebratenesser, nicht Schriftsteller, sondern Ingenieur, Bergwerksrngenicur. Als solcher bezwang er in Mexiko ver schüttete Blei- und Silberminen, regierte in den Rocky Moun tains über Dutzende von Kohlengruben, vertrat in England, in Cardiff, die Interessen großer deutscher Industrien. Bis er, kurz vor dem Kriege, sich in Spanien festsetzte, wo er heute, ein blonder westfälischer Hüne, als Industrieller eine landbekannte Persönlichkeit ist. Aber die reale Welt ist zu klein für diesen tätigen Men schen, seine Phantasie schweist ins Endlose, er mußte Bücher schreiben lieber das, was er jeden Tag erlebte; über das, was er jede Stunde erleben möchte... So liegen sie nun vor, seine Werke, eine ganze Reihe schon, seine Bücher „Blei" und „Silber" und — leider noch ungedruckt — sein Roman „Kohle", das heldenhafte Epos vom Ausharren eines deutschen Menschen während des Krieges in Spanien, sein amerikanisches Wanderbuch „Eroberer", sein humorvoller Marokkoroman „Die Wallfahrt zum heiligen Herrasem". Diese Bücher sind alle nicht bei mir erschienen, leider. Bei mir ist. . . Hören Sie weiter zu! Nachdem nun von den beiden Gänsen nur noch die Knochen bleich und fettig aus den Tellern schimmerten, griff der gewisse Herr Brill zu einem Glase Kirsch und sagte „Prost!" Denn Obst, in jeder Form, ist gesund! Herr Brink mann indessen zog aus seiner etwas vergrößerten Westentasche ein unzierliches Manuskript und sagte, daß dies sein letztes und lustigstes Werk sei. Ich blinzelte ihm skeptisch gegen das Doppelkinn. Zuhaute, in der Nacht noch, blätterte ich in dem mir so hinterrücks verpaßten Manuskript und fand, daß es, wie Martin Brussot später so schön sagte, ein kreuzsideles Buch sei, geist voll, prickelnd von grotesker Laune, sarbensprühend, phan tastisch. Wie spanische Sckiatzschwindler, kontrekarriert durch einen amerikanischen Glücksritter, einen gutmütigen deutschen Professor und dessen Begleiter, einen braven, springlebendigen merscheider Hosenschnallenfabrikanten, hereinzulegen suchen. Schon ist Professor Faulhaber daran, ein herrlich gelegenes Landgut, das sonst aber wertlos ist, für eine Unsumme zu er stehen, um dort nach angeblich verborgenen Schätzen zu graben, schon ist der wackere Fabrikant dabei, einer glutäugigen Schönen Herz und Hand zu schenken, als ein Umschwung der Umstände im kritischen Moment soviel Unheil vereitelt, aber eben da durch die lustige Konfusion noch durch weitere heitere Epi soden aus die Spitze treibt. Das Leben und Treiben in einem spannchen Provinzstädtchen, mit seinen korrupten Honoratioren, seinen vielfältigen kleinen Begebnissen, findet sich trefflich ge schildert. Bürgermeister, Richter, Domherr, Herbergswirt, Stadt kavalier, Kupplerin, Dirnchen, Polizist, Geizhals, Schmuggler und Briganten, man lernt sie hier so wesensecht und lebens treu kennen, als hätte man sie selber mit Leibesaugen ge schaut .. . Tags draus gürtete ich meinen Füllfederhalter nnd bot dem Dichter Ludwig Brinkmann einen Verlagsvertrag an. Ein wenig später erschien dann der Roman „Die Schatzgräber". Möge er viele Leser finden. . . Wir gingen dann gleich nochmals Abendessen, wir gehen immer Abendessen, so oft der Dichter fern von Madrid in Berlin wellt, immer ist auch der gewisse Herr Brill dabei, und am 15. April hätte ich gern wieder mit meinem Autor Lud wig Brinkmann zu Abend gegessen! Denn an dem Tag wurde er fünfzig Jahr alt. Und solche Feste soll man feiern. Ein reichlich gefülltes Glas sei ihm geweiht. Skal! 0>k5kir LUkzziL 5iano I»« VIkl.cn 2kI7UN6kN m Paul Steegemann Verlag, Berlin-Wilmersdorf 437 Börsenblatt f. L. Deutschen Buchhandel. 97. Jahrgang.
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