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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.05.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-05-27
- Erscheinungsdatum
- 27.05.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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v° 113, 27. Mai 1920. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Lisch«. Buchbandel. Die fortlaufenden Jahresunterstützungen sind mit 65130.— an 303 Personen gegen das Vorjahr (an 313 Personen) sm 1 820.— gesunken. Die einmaligen Beihilfen sind mit rund 15 860.— an 128 Personen gegen das Vorjahr (an 87 Personen) um md S 300.— gestiegen. Diese Zahlen spiegeln augenfällig die eigenartigen Zustände der Wirtschaftslage im Berichtsjahre wider. Die Zahl der M uns mit dauernden Jahresbeihilfen Bedachten, die zum großen Teil aus durch Alter und Krankheit erwerbsunfähig ge wordenen Personen besteht, hat sich verringert; viele dieser Gebrechlichen haben den Körper und Nerven zerstörenden Ein wirkungen nicht standhalten können. Dagegen ist die Zahl der Hilfsbedürftigen, die infolge der unruhigen Verhältnisse in vorübergehende Notlage gerieten, von 87 Personen im Vorjahre auf 128 Personen, also rund um 50>)(> gestiegen. Diese Fälle der Inanspruchnahme unserer Hilfe waren natürlich in der Mehrzahl zurückzuführen auf die Nachwirkungen der Kriegszeit Verschuldung der Familien, Verlust oder Einschränkung der Existenz durch Kriegsverletzung ufw.), vor allem aber auf die Um wälzung der wirtschaftlichen Grundlagen durch die Revolution und die durch den Schmachfrieden geschaffenen ungeheuer schwie ligen, sich ständig ändernden Lebensverhältnisse. Wir mußten helfen den Angestellten, die durch die Maßnahmen der Demo- Werung zunächst keine Stellung finden konnten; durch den Streik im Leipziger Buchhandel schwer Geschädigte riefen unsere Hilfe an; die wachsende Teuerung gab uns Veranlassung, zu ihrer Milderung durch Gewährung von Mietsbeihilsen, durch Zu wendung von Mitteln für Schulgeld, zur Beschaffung von Kartoffeln, Bekleidung, Schuhwerk usw. einzugreifen; als vaterländische Wcht haben wir es betrachtet, bis zur Grenze unseres Könnens den Berufsgenossen beizustehen, die aus dem Elsaß und den mderen vom Feinde besetzten Gebieten unseres Vaterlandes flüchten mußten, um sich ein neues Heim aufzubauen. Eine Gegenüberstellung der Gesamtausgaben und -einnahmen im Berichtsjahre könnte an der Hand der nackten Zahlen jo dem Schlüsse verleiten, daß es dem Vorstande ohne besondere Einschränkung ermöglicht wurde, den an den Verein gestellten Anforderungen vollauf gerecht zu werden und damit seine satzungsgemäßen Aufgaben restlos zu erfüllen. Dies wäre jedoch m Trugschluß. Mit schwerer, von Jahr zu Jahr steigender Sorge steht der Vorstand seinen Aufgaben gegenüber, deren Lösung im Anne unserer Bestrebungen und im Interesse der Hilfsbedürftigen unseres Berufes durch die Unzulänglichkeit unserer verfüg baren Mittel fast unmöglich wird. Die Umwälzung unseres Wirtschaftslebens, die vollständige Änderung unserer Lebensverhält- msse, die Umwertung aller Werte setzt auch dem Unterstützungsverein neue Ziels, die mit den bisherigen Mitteln nicht erreich bar sind. Die allgemeinen Preissteigerungen und die Geldentwertung treffen alle unsere Schützlinge, ganz besonders diejenigen, die einer laufenden Jahresunterstützung bedürfen, ungeheuer hart und schwer. Immer häufiger treten an uns dringende Bitten beran, die bisherigen sicherlich recht bescheidenen Unterstützungen zu erhöhen. Wir konnten diesen Gesuchen nach eingehender drüsung jedes Einzelfalles nur in sehr beschränktem Umfange entsprechen. Zur Beurteilung dieser unserer Sorgen für Gegenwart und Zukunft wird es notwendig sein, sich zu vergegenwärtigen, daß wir an fortlaufenden Unterstützungen 65 130.— an 303 Personen zahlten; durchschnittlich also rund 215.— jährlich. An einmaligen Unterstützungen zahlten wir ^8 15 861.— an 128 Personen, durchschnittlich rund 125.— in jedem Einzelfalle. Diese Durchschnittszahlen: 215.— jährliche und 125.— einmalige Hilfeleistung müssen in Rücksicht auf die heutigen Kosten der Lebenshaltung und der nötigsten Gebrauchswerte als durchaus unzulänglich bezeichnet werden, denn sie sind bemessen nach dem Wert des Geldes der Vorkriegszeit und konnten schon damals zumeist nur als recht bescheidene Beihilfen M Schutze gegen bitterste Not angesprochen werden. Wollten wir unseren Schützlingen die dauernde Hilfe beispielsweise nur durch eine Teuerungszulage von 10.— monatlich erhöhen, so wären dazu rund .K 36 000 jährlich an Mehreinnahmen erforderlich. Wollten wir auch die einmaligen Unterstützungen den neuen Verhältnissen nur ein wenig anpassen, so ergäbe sich die Notwendigkeit einer Steigerung unserer bisherigen verfügbaren Mittel um rund 50 U mindestens. Solche Ziele zu erreichen, stehen dem Vorstande keine satzungsgemäßen Mittel zur Verfügung. Andere Vereiniguügen können aus ähnlichen Veranlassungen die Jahresbeiträge durch Beschluß ihrer Organe entsprechend erhöhen. Der Unterstützungs- irrein ist nach dem Buchstaben und nach dem Geiste seiner Satzung von jeher auf die Freiwilligkeit und die Selbsteinschätzung der Höhe der Beiträge gestellt. Deshalb bleibt uns nur übrig, die stets bewährte Hilfsbereitschaft und Opferwilligkeit des deutschen Buchhandels anzurufen und den dringenden Wunsch auszusprechen, daß alle unsere Freunde und Gönner eingedenk bei erwähnten und allgemein bekannten Verhältnisse ihre Beiträge für unseren Verein der Geldentwertung entsprechend erhöhen möchten, damit wir in der kommenden schweren Zeit in die Lage versetzt werden, unsere schöne Aufgabe durchzuführen. Die Zahl der Mitglieder ist von 3 069 am Ende des Vorjahres um 81 auf 3150, die Summe der Mitgliederbeiträge M 1 735.— auf 25 267.50 gestiegen. Wie alljährlich können wir auch diesmal besonders herzlichen Dank sagen allen den Freunden und Gönnern unserer Aufgaben, die bei ernsten und frohen Anlässen, an persönlichen und geschäftlichen Gedenktagen sich der Hilfsbedürftigen des Berufs erinnerten. Neben den bereits erwähnten Geschenken zur freien Verfügung des Vorstandes im Gesamtbetrags von K 25 484.40 erhielten wir Zuwendungen für den Reservefonds in der stattlichen Höhe von 120 971.15. Zahlreiche Berufs genossen erwarben für sich selbst oder verstorbene Angehörige die immerwährende Mitgliedschaft unseres Vereins. Der Verein Berliner Buchhändler verzichtete lt. Vereinsbeschluß auf die Feier seines 60 jährigen Bestehens und veranstaltete an deren Stelle eine Sammlung zugunsten unseres Vereins, die uns die schöne Gabe von .K 1 597.— einbrachte. Außergewöhnlich reich war dos Ergebnis der im Sinne von Otto Petters durchgeführten Sammlungen in den Leipziger Kantatetagen 1919; es konnten im ganzen 14 705.80 unserer Kasse zugeführt werden. Schon am Schlüsse unseres vorjährigen Berichtes ist der hochherzigen Stiftung gedacht worden, die uns im Anfang dieses Jahres von der Witwe des verstorbenen Herrn Kommerzienrat Otto Nauhardt-Leipzig überwiesen wurde. Diese Stiftung (K 100 000) stellt die größte unserem Verein bisher gewordene Zuwendung dar, sie wird uns in den Stand setzen, mit ihren Erträgnissen alljährlich manche bittere Not lindern zu helfen und das Andenken des gütigen Spenders und seiner verehrten Gattin zu bewahren. Von Herrn Hermann Hillger, dem eifrigen Förderer und Freund unserer guten Sache, wurden uns zur Erhöhung seiner Stiftung 10 000.— übergeben, der Erlös beim Verkauf des Landhauses, das er s. Zt. dem Unterstützungsverein als Geschenk zugedacht. Der Vorstand hatte nach reiflicher Überlegung die Annahme des Geschenkes in dieser Form ablehnen müssen, weil das Haus ihm für den in Aussicht genommenen Zweck nicht geeignet erschien. Dem Vorstand des Börsenvereins sind wir zu herzlichem Danke verpflichtet für die Bewilligung des üblichen Jahres beitrages und die vielfach und bei jeder sich bietenden Gelegenheit uns gewährte Hilfe und Förderung unserer Aufgaben. Ebenso danken wir der Firma F. Volckmar in Leipzig und Herrn Fritz Arnold in Wien für die Wahrnehmung unserer I Interessen.
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