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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.05.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-05-19
- Erscheinungsdatum
- 19.05.1920
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- Deutsch
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- Saxonica
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Korporation der Berliner Buchhändler. Jahresbericht über die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1919, erstattet für die Hauptversammlung am 15. März 1920 von dem Vorsteher der Korporation Arthur Georgi. (Mit Weglassung einiger Stellen, die des allgemeinen Interesses entbehren.) Sehr geehrte Herren! Das hinter uns liegende Geschäftsjahr ist das erste Jahr nach dem grotzen Zusammenbruch politischer wie wirtschaftlicher Natur unseres Vaterlandes. Es sollte ein Jahr des Wiederauf baues werden, und es hat großen Teilen des deutschen Volkes wohl nicht an dem redlichen Willen gefehlt, an diesem Wieder aufbau voll heiligen Ernstes mitzuarbeiten. Aber mag es nun sein, daß der allzu lange Krieg eine zu tiefe Demoralisation weiter Volksschichten hervorgerusen hat, mag es daran liegen, daß die allzu harten Friedensbedingungen unserer rachgierigen Feinde keine rechte Arbeitsfreudigkeit mehr aufkommen ließen, das Ergebnis ist, daß statt einer Vermehrung der nationalen Arbeit eine geradezu erschreckende Verminderung derselben im Berichtsjahr festzustellen ist. Wohl klangen die Worte auch von seilen der Regierung laut durch das Land, daß nur Arbeit uns zu retten vermöge. Von gewissenlosen Agitatoren aufge- peitscht, verweigerten immer von neuem die Arbeiter großer le benswichtigster Betriebe die Arbeit. Das Jahr war ein Jahr wildester Streike, die unser Wirtschaftsleben vielleicht mehr ge schädigt haben, als alle die Kriegsjahre zusammen. Der Fluch des deutschen Volkes möge auf den gewissenlosen, vielfach land fremden Hetzaposteln lasten, die Deutschland so an den Rand des Abgrunds gebracht haben. Insonderheit war vernichtend für unser ganzes Wirtschafts leben der erschreckende Rückgang der Kohlenförderung, der den vielfachen Stillstand, zum mindesten aber weitestgehende Ein schränkungen anderer, gerade für den Buchhandel wichtiger In dustrien, wie Papierfabrikation und Buchdruckereibetrieb, zum Gefolge hatte. Der Buchhandel litt und leidet darunter gewaltig, für ihn wurde dadurch das Jahr 1919 zu einem Jahr schwerster wirtschaftlicher Kämpfe und Sorgen. So sind namentlich die Verhältnisse im Verlagsbuchhandel allmählich fast trostlose geworden. Die ungeheuerliche Verteue rung des Papiers, die jetzt bereits mit einem Aufschlag von 1000°/» auf die Friedenspreise anzunehmen ist, bald aber wohl noch ganz wesentlich steigen wird, verbunden mit der großen Papierknappheit, die eine Aufhebung der Kontingentierung der Papierbestände bis heute noch nicht gestattete, erschwerten die Verlagstätigkeit ungemein. Hierzu kommt, daß auch die Druck- und Buchbinderpreise durch die andauernden Lohnforderungen ständig stiegen, sodaß jetzt bereits Aufschläge von etwa 380— 400'/° auf die Friedenspreise von den Buchbindereien und Druckereien gefordert werden. Diese Aufschläge und dabei die verminderte Arbeitszeit in den Verlagsbeirieben, die nach dem neuen Tarif einzuführen war, baden die Existenz vieler kleiner und mittlerer Verlagsbuchhandlungen auf das schwerste ge fährdet, zum Teil sogar vernichtet. Aber auch die größeren Be triebe sind in arge Mitleidenschaft gezogen, sodaß sich mancher Besitzer schon die Frage vorgelegt hat, ob unter diesen Umständen eine Fortführung seines Verlags noch angebracht oder überhaupt möglich ist. Ganz besonders schwere Sorgen bereitet dem Ver lag die Fortführung seiner wissenschaftlichen und Fachzeitschrif ten, die in vielen Fällen das Rückgrat des Verlags bilden und gerade jetzt durch die Steigerung der Herstellungskosten und die ungemein schwer belastende Anzeigensteuer vielfach kaum mehr oder meist nur mit schweren Opfern aufrechterhalten werden können. Bei aller Anerkennung der guten Absicht der gegenwärtigen Regierung, Ruhe und Ordnung zu schaffen, hat sie es doch nicht verhindern können, daß die deutsche Valuta im Auslande, die im Sommer 1918 noch einen Kurs der Mark von 60 Ä aufwies, seit der Revolution unaufhaltsam gefallen ist, sodaß die Mark im Ausland einen Wert von noch nicht einmal mehr 5 H darstellt. 4S8 Diese niedrige Valuta war natürlich für das Ausland ein Sliu reiz, alle fertigen Waren wie Rohstoffe, die irgendein Jnlech für den Ausländer besaßen, anzukaufen, denn man hatte bri dem so niedrigen Stand der Markwährung die denkdar D- stigsten Einkaufsmöglichkeiten und konnte dabei immhi noch n< heblich höhere Preise bezahlen, als die deutschen Fabrikanten ium- halb Deutschlands Grenzen erzielen konnten. Die Folge dich Tiefstands der Valuta war eine enorme Abwanderung deuW Fabrikate und Rohstoffe nach dem Ausland und eine ungehm- liche Steigerung der Preise dieser zum Teil selbst dringend» nötigten Gegenstände und Waren in Deutschland selbst. iu Annäherung an die Weltmarktpreise, die dadurch in Deutsche angebahnt wurde, muß für Deutschland vernichtend wirken, ml dadurch die einzige Möglichkeit genommen wird, durch AM entbehrlicher Fertigfabrikate zu billigerem Preise, als im Sch land zurzeit fabriziert werden kann, sich entsprechende Guthetm und Forderungen im Auslande zu verschaffen. Umgekehrt verteuerte der Tiefstand der deutschen Valuta die Einführung dringend notwendiger Rohstoffe und Fertigfabrika» in ganz ungemessenem Grade. Holzstoff z. B., der sonst dielsarb aus Skandinavien eingeführt wird, muß jetzt zum zehnsacheu Preis bezahlt werden, und auch alle anderen, für unsere Leben«, Haltung notwendigen Rohstoffe und fertigen Waren müssen zehn, mal so teuer bezahlt werden, wie früher, verteuern damit die Lebensführung und bewirken wieder eine weitere erhebliche Steigerung der Löhne. Es würde zu weit führen, alle diese Vorgänge zu untersuchen und den Gründen nachzugehen, die für das deutsche Wirtschaftsleben jene katastrophale Bedeutung hatten wie wir sie im vergangenen Jahre gespürt haben, und wie loii sie leider auch noch jetzt und zwar in immer stärkerem Mch wahrnehmen. Auch heute mutz leider ausgesprochen werden, de; das Ausland noch wenig Vertrauen dem deutschen Wirtschch- leben entgegenbringt und demgemäß die deutsche Valuta bewnn. Das schon oben erwähnte Bestreben des Auslandes, deutsche Waren bei dem billigen Stande der deutschen Valuta anzu kaufen, machte sich auch in besonderem Grade im Buchhandelbe merkbar, zuinal da in den Jahren des Krieges der regulär! Verkehr mit dem Auslande unterbunden war. Bei dem hoh« Ansehen, in dem die deutsche Wissenschaft und mit ihr dc- deutsche Buch im Auslande stehen, konnte das letztere siir di! Dauer vom Auslande nicht entbehrt werden; der Bedarf an deutschen Büchern wurde deshalb in den Kriegsjahren vomstick lichen Ausland nicht direkt, sondern durch das neutrale Slu-- land gedeckt. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, daß u»ü Friedensschluß und schon während des Waffenstillstands m große Menge Auslandbestellungen an den deutschen Buchhandel erging, sodaß bald die Gefahr unverkennbar wurde, daß dir ohnehin nicht mehr starken Bestände der deutschen Verleger, in sonderheit der wissenschaftlichen, von dem Ausland tveggekanst würden. Der deutsche Verlagsbuchhandel erkannte leider erli recht spät die Gefahr, die ihm drohte, und suchte ihr dann dunb Auslandzuschläge zu begegnen. Die Interessen der verschiedenen Verlagsgruppen waren in dieser Beziehung nicht immer dik gleichen. Die wissenschaftlichen Verleger, denen ost die Möglck keit fehlte, ihre kleinen Bestände wieder durch Neudruck zu er schwinglichen Preisen zu ergänzen oder zu ersetzen, hatten be greiflicherweise ein größeres Interesse, höhere Zuschläge de« Ausland gegenüber festzusetzen, als die Verleger von schäm Literatur. Schließlich wurde aber doch auf der Novembertaguu, des Deutschen Verlegervereins in Berlin eine Verständigung herbeigeführt, und in der weiteren Verfolgung der Angelegeubm durch den Börsenverein sind dann schließlich diejenigen Zu schläge festgesetzt worden, die als bindend für Lieferungen nah dem Ausland angenommen wurden und die einen angemessem Ausgleich zwischen dem inneren Werte der Mare« und dm gegenwärtigen Valutastande zu finden suchen. Die dadurch dem deutschen Buchhandel etwa zufließenden Beträge werden aber von demselben auch vielfach bitter nötig gebraucht und müssen dazu dienen, ihn für die gegenwärtig immer schwierig» werdenden Kalkulationen neuer Bücher einigermaßen schadlos zu halten, und helfen, die erdrückenden Unkostenbelastungen der Betriebe etwas zu erleichtern.
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