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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 16.10.1930
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1930-10-16
- Erscheinungsdatum
- 16.10.1930
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- Deutsch
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7890 241, 16. Oktober I960. Fertige Bücher. Börsenblatt f. d.Dtschn. Buchhandel. vss rsitgsmSK« ZungmS<1«lHSNdu«kl >Vss tun, LibvIIs? Ztdentsuer einer jungen ^scickenr von Lokis Lckieker-kds Textprobe: „Ja, hier ist Bylle Brant. Würden Sie wohl so liebenswürdig sein, Herrn Peter Kurrc an den Apparat zu rufen? Ja, hören Sie einmal —Aber bitte, lassen Sie mich doch einmal ausreden. Es ist ausgeschlossen, daß er ausgegange» ist. Wie, Sie haben ihn gesehen? Hören Sie, dann müssen Sie sich eben getäuscht haben. Ich weiß bestimmt, daß er zu Hause ist. Ja, ich weiß, es sind vier Treppen. Aber vielleicht lassen Sie mich nun einmal ausreden. Sie brauchen nämlich gar nicht die vier Stiegen hinauf. Wenn Sie unten viermal läuten, kommt er herunter. Wie? Ja, das ist unser Zeichen. Wollen Sie es bitte tun? Ich rufe wegen einer dringenden Sache an, freilich. Das versteht sich doch. Ja, ich warte hier am Apparat. Ich danke Ihnen herzlich." Sibylle hielt mit der einen Hand die Muschel zu und sprach leise zu der Nonne hinüber. „Da sind unten in dem Haus nämlich Kolonialwaren," sagte sie. Sie war einigermaßen empört. „Aber Frau Kurre kauft alles bei ihnen. Ich weiß das von ihr selbst. Vom Lauchstengcl bis zum gebrannten Kaffee, sagte sie einmal. Da könnten die jetzt doch mal gefällig sein. Ale ob ich so mir nichts dir nichts bei ihnen anrufen würde! Meinen Sie nicht auch, Schwester?" Die Nonne war der Antwort enthoben. Das vierfache Klingel zeichen hatte so etwas wie ein Wunder gewirkt. Denn Peter Kurre mußte auf geradezu rätselhafte Weise die vier Stiegen herunter gekommen sein. Nun stand er am andern Ende des Drahtes. Die Nonne ging zu ihren Geranienstöcken zurück, von denen sie liebevoll und behutsam die welken Blätter entfernte. Sie lächelte still in sich hinein, während Sibylle in die Muschel sprach. „Grüß Gott, Peter. Hier ist Bylle. Ja, du mußt mir helfen. Es geht um etwas. Ich? Ich bin hier in der Tor straße, in dem Heim, weißt du. Du weißt es nicht? Schön, du wirst es schon finden. Die Torstraße weißt du ja hoffentlich. — Gut, dann hole doch schnell meinen Violinkasten und meine Noten. Emilie weiß Bescheid. Sie soll sie dir geben Und bring mir bitte beides hierher. Nimm die Sechs! Die Ems fährt so einen Mords umweg. Was? Dein Rad? Hör, du bist wohl verrückt. Dann wirfst du meine Violine mal aufs Pflaster. So was verträgt die schlecht. Ja? Was sagst du? Ich verstehe dich nicht?" Aber es kam keine Antwort mehr. Peter Kurre saß vermut lich schon auf dem Rad. Sibylle hängte den Hörer wieder auf, ein paar Klappen mußten wieder gestellt werden. Die Nonne stand und wartete, wie dies alles nun weitergehcn sollte. Und Sibylle gab bereitwilligst Auskunft. „Peter Kurre wird nun weiter auf Lene Seist warten. Die Vivlinstunde ist ja nicht eben so wichtig. Ich meine, gerade heute. Aber sie kostet ziemlich viel, und meinem Vater fällt es nicht immer leicht, sie zu bezahlen. Da wäre es nicht ganz anständig, sie zu schwänzen. Und Peter Kurre ist zu gebrauchen. Er muß die Lene Seist heut einfach zu mir bringen. Gleich von hier weg." Die Nonne sagte darauf nichts. Vielleicht kam sie nicht ganz mit bei Sibylles Plänen und Anordnungen. Aber sie legte mit einem Lächeln ihre kleine dünne Hand in die des jungen Mäd chens und empfing einen herzlichen und herzhaften Händedruck. Dann sprang Sibylle die Stufen hinunter und zum Haus hinaus. Die Nonne hob ein klein wenig den Vorhang an ihrem Fenster beiseite und schaute auf die Straße hinaus. Peter Kurre fuhr eben vor. Er schwang sich vom Rad und über reichte Sibylle den Violinkasten. Dann zog er seine Mütze mit einer Heftigkeit vom Kopf, daß man fürchten mußte, er risse sich einen Büschel Haare mit herunter. So stand er vor Sibylle, ihrer Bitten und Befehle gewärtig. Es gab vermutlich nichts auf dieser Welt, was er für Sibylle Brant nicht getan hätte. Die Nonne ließ den Vorhang fallen und ging lächelnd in ihr Zimmer hinein. Aber Peter Kurrc brachte nicht nur den Violinkasten und die Noten. Er brachte auch Strolch. Das heißt: Strolch, der schläfrig unter der Haustüre gelegen, uneins mit dieser Welt — weil Sibylle spurlos verschwunden —, Strolch war hinter dem Violin kasten hergerannt wie ein Besessener. Nun sprang er an Sibylle empor, als sei ein Jahrhundert seit ihrer letzten Begegnung ver gangen. Peter Kurre, der gemessen daneben stand, bekam hin und wieder von dem heftig wedelnden Schwänze eins ans Bein. „Setz dich," sagte Sibylle mit einem Ernst, der Strolch ganz neu war. Aber er gehorchte. Er setzte sich, wandte jedoch keinen Blick von dem jungen Mädchen Er lag wie auf der Lauer. Und bei Sibylles kleinster Bewegung, die wie Fortgehen aussah, stand er hoch und wollte davon. „Du mußt mir helfen, Peter", sagte Sibylle noch einmal. „Ich sitze hier seit über zwei Stunden und warte." „Darf ich wissen, auf wen?" „Das mußt du sogar wissen. Also hör. Ich warte auf Lene Seist. Sie ist bei mir in der Klasse. Die mit den roten Haaren. Kennst du sie nicht?" Nein, Peter Kurre kannte sie nicht. „Das tut nichts. Also hör. Sie hat in der Klasse Geld ge stohlen und soll hinauskommen. Sie ist nicht von hier. Ihre Eltern wohnen auswärts. Ich weiß nicht viel von ihr. Ich meine, wen sic hier hat und so. Vielleicht niemand, verstehst du?" „Ich glaube, daß ich dich verstehe, Sibylle." „Schön. Also hör. Ich glaube, man sollte sie heute nicht allein lassen. Weißt du? In der Verzweiflung tut man Dumm heiten. Ich denk mir das so. Ich bin noch nie rausgeflogen. Aber eine Kleinigkeit ist das nicht. Drei Jahre vor dem Matur. Nicht wahr? Verstehst du?" Peter Kurre verstand. Als erstes und wichtigstes verstand er, daß Sibylle der famoseste Kerl war, den es gab. Das weitere würde sich dann schon finden. Er hatte keine Sorge. Eines aber gab es in dieser Sache, und das verstand Peter Kurre nicht. Er sah, daß Sibylle in einer Erregung war, die dem nicht ganz entsprach, was er bis jetzt von der Sache wußte. Es geht ihr scheinLs noch um etwas anderes, dachte er. Aber er sagte kein Wort. Doch da geschah es, daß der Hund ungebärdig wurde, als Sibylle sich zum Gehen wandte. Er wollte mit ihr, das war vorauszusehen. Er biß in den Violinkasten und fing ein mörderisches Gebell an. In ihrer Erregung gab Sibylle ihm einen Schlag, unter dem er sich heulend duckte. Und als sie zu Peter Kurre sagte: „Ich kann ihn jetzt doch nicht brauchen. Ich muß die Straßenbahn neh men," da sah er, daß ihr Tränen in den Augen standen. Er trat ganz nahe zu ihr hin und sagte: „Sibylle, was geht denn hier vor? Du heulst doch nicht wegen des Hundes. Ich soll dir helfen. Dann sage mir doch alles." vc«i.L«i 8>i.»eir»uir«i / riuiioairi
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