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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.10.1930
- Strukturtyp
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- 1930-10-14
- Erscheinungsdatum
- 14.10.1930
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Auslanddeutsches Schrifttum aus Ungarn. Südslawien und Rumänien. Ausstellung in der Deutschen Bücherei. Die Deutsche Bücherei zeigt gegenwärtig eine Ausstellung aus- lauddeutschen Schrifttums aus dem europäischen Südosten, die einen Querschnitt durch das geistige Schaffen unserer Volksgenossen in Ungarn, Südslawien und Rumänien darstellt. Der Grundgedanke der Ausstellung ist, vorzustthren, was die Auslanddeutschen aus eigner Kraft an literarischer Produktion hervorznbringen vermögen. Demgemäß sind nur solche Bücher und Zeitschriften ausgestellt, die in den genannten Siedlungsgebieten selbst erschienen sind. Ein kurzer Nnndgang durch die Ausstellung läßt erkennen, daß sich die einzelnen Siedlungsgebiete in der Qualität und Quantität der lite rarischen Produktion ganz erheblich voneinander unterscheiden, wo bei nicht so sehr die Zahl der deutschen Bevölkerung den Ausschlag gibt als ihre Zusammensetzung und ihre national-kulturelle Be dingtheit. In Ungarn steht Budapest als Erscheinungsort qualitativ und quantitativ an der Spitze; hier ist es insbesondere der Ungar- läudisch-Deutsche Volksbildnngsverein, dessen literarisches Wirken auch im Reiche ans Anteilnahme rechnen kann. Auch die »Deutsch- ungarischen Heimatsblätter« können jeder reichsdeutschen Bibliothek zur Bereicherung dienen, ebenso einige Ausgaben der Volksbücherei des Sonntagsblattes. Man gewinnt den Eindruck, daß aus den Krei sen des Volksbildnngsvereins für das literarische Schaffen des nngarländischen Deutschtums ein starker Antrieb ansgehen kann, ins besondere, wenn man einen Vergleich zu den bescheidenen Schrift- zeugnisseu ans den übrigen deutschen Siedlungsgebieten Rumpf- nngarns zieht. Sind hier also beachtliche Ansätze zu einer organi schen Weiterentwicklung der deutschen Literatur gegeben, so hinter läßt eine Schau des deutschen Schrifttums in Südslawien den Eindruck, daß es hier zu einer zentralen Befruchtung der sich überall regenden Prodnktionskräfte noch nicht gekommen ist. Es erklärt sich dieses wohl ans der Zusammensetzung des neuen Südslawenstaates, dessen Grenzen eine Anzahl deutscher Siedlungsgebiete von ihren geistigen Anregungszentralen abgeschnitten haben. Ein gemeinsames neues Zentrum haben sie sich noch nicht schaffen können. Was in den Einzelgebieten für die Pflege der Hcimatgeschichte, der Kirche, Schule und Volksdeutschen Erziehung dennoch geleistet wird, verdient offene Anerkennung. N n m ä n i e n bietet wiederum ein anderes Bild. Die Deutschen des Altreichcs haben es zu keinem nennenswerten Schrifttum gebracht. Erweckend wird der »Deutsche Kalender für Rumänien« (Bukarest) wirken. Die Bemühungen des bessara- bischen Dentschtnms um Schaffung einer bodenständigen deutschen Literatur verdienen besondere Beachtung. Die Bukowina ist mit einer landeskundlichen Vierteljahrsschrift und Festschriften vertreten, wogegen im Banat der Reichtum an historischer Literatur besonders anffällt und Zukunft zu verheißen scheint. War der Blick bisher auf Einzelleistnngcn und Ansätze eingestellt, so bietet sich ihm bei der Betrachtung der siebenbürgischen Produktion das Bild einer ganz erstaunlich reichen und wohlgeglicderten Gesamtleistung. Allgemeine Einführnngsschriften, landeskundliche und historische Abhandlungen, das Schrifttum der Evangelischen Landeskirche A.-B. und der Schul anstalten, Volkskalender und Almanache, Schriften zur Minderheiten frage, Vereinsschriften von wissenschaftlicher Bedeutung, Wirtschafts literatur und eine Fülle schöngeistigen Schrifttums lassen in bezug auf Ausstattung und Inhalt vergessen, daß dieses Produktions gebiet immerhin im entfernteren Ausland liegt. Der reichsdentsche Beschauer, der von den Auslanddeutschcn nur die Vorstellung einer politisch, wirtschaftlich und kulturell notleidenden Bevölkerungs gruppe hat, bleibt vor diesem siebenbürgischen Schrifttum unwillkür lich staunend stehen und erkennt die ungebrochene geistige Antriebs kraft, die dieser ältesten deutschen Auslandssiedlnng zutiefst eigen ist und Früchte hervorbringt, die sich neben den entsprechenden Erzeug nissen reichsdeutscher Schriftenproduktion getrost sehen lassen können. So ist ja dem Buchhandel schlechthin der Verlag Krafft L Drotleff in Hermannstadt ebensowenig fremd wie beispielsweise, um von der jüngsten Literatur zu reden, das Wirken des Kronstädters Heinrich Zillich und des Kreises um seine Zeitschrift »Klingsor«. Abgesehen von diesen Einblicken in den Charakter des ausland deutschen Schrifttums veranschaulicht die Ausstellung aber auch gauz besonders, welche Bedeutung und welche Werte hinter der satzungs mäßigen Verpflichtung der Deutschen Bücherei zur lückenlosen Er fassung auch des auslanddeutschcn Schrifttums stehen. Aus einigen in der Deutschen Bücherei gefertigten Karten, die die Ausstellung zieren, ist zu ersehen, daß aus Ungarn 31, aus Südslawien 54, aus Rumänien 194 heute noch bestehende Verlagsanstalten, Ver eine und Selbstverleger ihre gesamte Produktion an die Deutsche Bücherei schicken und dadurch für das ganze deutsche Sprachgebiet Nachweisbarkeit erlangen. Wenn man überdies neben den Buch- hanbelsobjekten die vielen großen und kleinen Blättchen von Kirch gemeinden und Vereinen sieht, die Rechenschaftsberichte Volksdeutscher Banken, Wirtschastsuntcrnehmungen, Probestücke gänzlich entlegener Literatur, nicht zu vergessen die Proben des Schrifttums zur Frauen- srage, schließlich eines repräsentablen bodenständigen Kochbuchs, so wird man die Deutsche Bücherei nicht nur zu der bereits in so erheblichem Maße erreichten Vollständigkeit in den Beständen aus landdeutscher Literatur beglückwünschen dürfen, sondern ihr Dank wissen für die sorgsame Pflege auch dieses in Deutschland so vernachlässigten Gebietes. Diesem dürste die bisher von über 1000 Personen besuchte Ausstellung eine ganze Anzahl neuer Freunde und Wertschätzer zugesührt haben. — Die bis zum 18. Oktober 1030 täglich von 8 bis 22 Uhr geöffnete Ausstellung ist für jedermann frei zugänglich. vr. Wilhelm L u i g, Leipzig. Buchhändlerische Arbeitsgemeinschaften in Frankfurt a. M. Bericht über den ersten Arbeitstag. Die von dem Rhein-Mainischen Jungbuchhändlerkreis mit Unter stützung des Mitteldeutschen Buchhändler-Verbandes veranstalteten Arbeitsgemeinschaften in Frankfurt a. M. haben unter der Leitung Hans Kösters am Sonntag, dem 5. Oktober, recht verheißungsvoll llnd erfolgversprechend begonnen. Uber 130 Teilnehmer aus Frank furt a. M. und dem Gebiet nördlich bis Kassel und südlich bis Heidel berg hatten sich für diese Arbeitsgemeinschaften angemeldet und haben zum größten Teil auch schon an dem ersten Arbeitstag mit leb haftem Interesse teilgenommen. Uber die Schichtung der Teilnehmer nach Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Lehrlingen, Sortimentern, Verlegern, Antiquaren, nach Alter, Geschlecht usw. wird der Schlußbericht nähere Angaben enthalten. Die Arbeitsgemeinschaften in Frankfurt a. M. unterscheiden sich im wesentlichen von den seitherigen buchhändlc- rischen Bildungsveranstaltungen, wie Sommerakademien, Freizeiten usw. dadurch, daß sich hier Chefs und Mitarbeiter — gleichgültig, wie sich diese vorläufig zu den allgemeinen Bestrebungen des Jungbuch handels stellen — zu gemeinsamer Arbeit zusammengefnnden haben und diese Fortbildungsarbeit neben der geschäftlichen Tätigkeit in den Freistunden geschieht. Wie der Vorsitzende des Mitteldeutschen Buchhändlerverbandes, Herr Alt, in seiner kurzen Eröffnungs ansprache am ersten Arbeitstag znm Ausdruck brachte, verdanken die Arbeitsgemeinschaften in Frankfurt a. M. ihr Zustandekommen in erster Linie dem wachsenden gegenseitigen Vertrauen, das sich in der vorbereitenden Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand des Mittel deutschen Buchhändler-Verbandes und den Führern des Rhein- Mainischen Jungbuchhandels gebildet hat. Auch der Bildungsaus schuß des Börsenvcreins hat von vornherein stärkstes Interesse be kundet und die Veranstaltung mit Rat und Tat gefördert. Da be stimmt alle Teilnehmer aus den Arbeitsgemeinschaften ihren Nutzen ziehen werden und dieser gewissermaßen auch immer wieder dem Gesamtbuchhanöel zugute kommen wird, schließt man sich gern Han? Kösters Ansicht au, daß eine besondere Veranlassung, sich gegenseitig für Mitarbeit, Förderung, Teilnahme usw. zu bedanken, kaum vor liegen kann. Trotzdem vergaß Hans Köster es aber nicht, dem Mittel deutschen Buchhändler-Verband für seine finanzielle Unterstützung zu danken. — Eine buchhändlerische Arbeitsgemeinschaft wenige Wochen nach dem Tode Eugen Diederichs' konnte nicht begonnen werden, ohne zunächst dieses »Vaters der Jungbuchhänölerbewegung« zu gedenken. Herr O. Reichl-Darmstadt widmete dem verstorbenen Führer der Jungbuchhändler einige herzliche Worte der Erinnerung und for derte die Anwesenden auf, sich zu Ehren des Toten von ihren Plätzen zu erheben. Die Reihe der Referate wurde eröffnet durch Herrn Dr. Berg mann-Jena, der aus seiner reichen Erfahrung als Lektor des Eugen Diederichs-Verlags über die Ungedruckte Literatur von heute (Vom Schreib tisch eines Lektors) sprach. Nur das Wenigste von dem, was heute geschrieben wird und den Arbeitstisch des Lektors überfüllt, ist reif dazu, in die Literatur einzugehen. In einem großen Teil dieses Schrifttums, das ungc- druckt bleiben muß, weil cs noch zu ungeformt und zu wenig ge staltet ist, steckt aber viel Gegenständliches und Werdendes, das be achtet zu werden verdient. Da in vielen dieser ungedruckt bleiben den Werke auch ein starker und bestimmter Wille zur Gegenwart zum Ausdruck kommt, lohnt es wohl, sich auch einmal mit dieser Literatur, die eigentlich noch gar keine ist, zu beschäftigen. 991
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