künftig erscheinende vücher. d. Dttchn. Buch,Md-l. 4179 89, 19. April 1913. Zm Anschluß an die gegenüberstehende Erklärung bezüglich des von mir verlegtet! „Aus Franzensbad. Sechs Episteln von Marie von Ebner-Eschenbach" teile ich dem Buchhandel mit, daß ich der Autorin die Möglichkeit geboten habe, alle ihre, von mir bei der Drucklegung nicht erwarteten Wünsche erfüllt zu sehen und zwar lediglich gegen Erstattung der HersrelluugS- und sonstigen mir entstandenen Kosten, im Ganzen sage und schreibe M. 1OOO. -. Daß auch keine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes der Dichterin (geschweige eines anderen Rechtes) vorliegt, beweisen die von mir eingeholten juristischen Gutachten. Den literarischen Wert des BucheS beurteilt der Biograph der Dichten», Antou Bettelheim, iu dem Buche „Marie vou Ebner-Eschenbach, Biographische Blätter", pag. 43 und Folge, wie folgt: Nur ein freundliches Ungefähr hat uns kürzlich das erste Büchlein in die Hand gespielt, das Marie Ebner 1858 anonym in die Welt gehen ließ. «Aus Franzensbad. Sechs Episteln von keinem Propheten" heißt das schlanke Sedezheft von 150 Seiten, vor dem mich dalte, nabe Freundinnen der Dichterin als vor einem verfehlten, gar nicht lesenswerten Erstling warnten. . . . Nach alledem hatte Zufälle, als Erbrechen oder dergl., ein, so offeriere man dies allsogleich dem Arzte". Auch gelehrte Monographien finden keine Gnade vor der Ungeduldigen: «Handbücher! Doktoren! Damit verschonen Sie mich! Ein Unterhaltungsbuch möchte ich haben, von keinem Doktor, von einem Dichter geschrieben." Je verdrossener der Arzt erklärt, derlei gäbe es nicht, desto begehrlicher wird die Dame, bis L>er Doktor zuletzt ärgerlich meint: «Ein Buch, wie Sie es wollen, müssen Sie selbst schreiben, auf die Gefahr hin, daß es niemand riest, wie Sie." Die Dame nimmt die Herausforderung an: ihre Neisebriefe und die lehrhaft zurechtweisenden Antworten des Doktors machen seinen Inhalt aus. Klagen über die damals in Wahrheit noch argen Neisestrapazen, Spottrcdcn über die Postarche, die lebensgefährliche Reisekost, Karikaturen der Neisegenossen werden von Satiren aller — vor fast fünfzig Jahren — noch scharf geschiedenen Klaffen der Bade gesellschaft abgelöst. Eine gelungene Parodie der „Geist-Reisenden", der Zwangs-Witzbolde von Beruf der Mode-Feuilletonisten, die Marie Ebner neuerdings in den neunziger Jahren im „Bertram Vogelweid" hänselt, ergötzt uns. Der schwarze Humor der Moor bäder wird anschaulich geschildert, die Komik des winzigen Theaters, in dem man nur die Füße, nicht die Köpfe der Darsteller sieht, dem Wiener Ballett als Muster vorgehalten: dessen Kornphäen sollten längst nur noch die Beine zeigen, weil die Zeit ihrer Gesichter längst um ist. Die Unart der Kurgäste, Wannen und Zäune zu bekritzeln, gibt unserer Humoristin Anlaß zu einer schelmischen «Ge schichte der deutschen Heckenliteratur" von den Runen bis «Uber allen Wipfeln ist Rub". Am unmittelbarsten spricht indessen die Achtundzwanzigjährige zu uns in ihren Zornreden über die Entartung der Gesellschaft. Die Herausgabe des BucheS ist also vom moralische», juristische!!, insbesondere auch vom Standpunkt literarischer Bewertung aus vollkommen gerechtfertigt. Leipzig Walther Fiedler