10630 281, 5. Dezember 1929. Börsenblatt s. b.Dtschn.Buchhandel. Fertige Bücher. «-vcilt^25vuc>-»-i^c>i.otlQ 4 xruirQE^rcttioü'üir^ük 24 /e/2t beginnt cü'e //aupternte /ur c/iese ^Vellersc/reinlln§en.' MlWlS SM / RWIli Erzählung Mit Bildern von Alfred Kubin -4 Ganzleinen M. 6.— „Oer Tag", Berlin, 19. Okt. 1929: „. Ein Leckerbissen für Jntellektuellenmäulchen", denkt man zu Beginn der Lektüre, und es wird niemandem, weder dem Autor, noch dem Leser, ein Vorwurf daraus gemacht werden dürfen. Das schnurrt in spöttischer Behaglichkeit, das karessiert mit Sammetpfötchen, das ritzt — verflixt noch mal! — mit immerhin schon recht scharfen Krällchen. Aber all dieser Jux, nun ölig milde, nun anmutsvoll, nun mit zynisch erscheinender Härte vorgetragen, all dieser Jux ist ja nur als Adhäsionsring um den Mittelpunkt eines welthaltigen Ernstes gelegt. Kühne Fabulierungskunst darf es sich erlauben, die Narrenpritsche je nach Belieben mit dem Ritterschwert zu vertauschen. Mit dem „lichtblau Schwert" leidenschaftlicher Menschlichkeit, gezogen für alles Gewachsene, Gestaltete, Echte gegen alles nur Gemachte und Unechte oder Halbechte; für Geist und Seele und Blut gegen den Bauch; für Herzenöweis- heit gegen den „gesunden Menschenverstand"; für die Persönlichkeit gegen die Masse . . ." „Westermanns Monatshefte", November 1929: . — nur daß von der Vernichtung allein die Men schen getroffen werden, während Erde und Wasser, Stein und Baum, ja selbst die Tiere verschont bleiben. Doch halt! auch von den Menschen entschlüpfen einige dem Untergang, in erster Linie die beiden Atten täter selbst. Was geschieht nun, und wie benehmen sich zwei übriggebliebene Menschlein in ihrer art verlassenen Einsamkeit? Sie stellen den tollsten, unerhörtesten Blödsinn an und schwatzen das dümmste, hanebüchenste Zeug zusammen. Aber in diesem Blödsinn sind allerlei listige Wahrheiten versteckt, und in dem dummen Zeug stecken allerhand geheime Weisheiten. Das wird noch bunter, Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung schießen noch üppiger ins Kraut, als sich zu den beiden Ahasver, der gleichfalls unversehrt gebliebene Ewige Jude, gesellt. Da fängt auch noch die Vergangenheit an zu spuken. Denn was hat der seit 1900 Jahren auf rastloser Wanderschaft Begriffene nicht alles gesehen, erlebt und gekannt: Tschingiskhan, die Nibelungen, Torquemada, Dante, Boccaccio, Lionardo, Rembrandt, die Pompadour — das sind nur ein paar aus seinem erlauchten Bekanntenkreise, und mit jedem und jeder hat er etwas Be deutsames angestellt oder tiefsinnige Reden geführt. . . . Warum er so was schreibe, fragt der Ewige Jude den Verfasser. Um zu unterhalten, vielleicht um mit Bedeutung gefällig zu sein, antwortet der Goethe-, Tieck-, Grabbe- und Jmmermannkenner, jedenfalls um sich selbst zu amüsieren, auch wohl um als Drache mit giftigem Atem über die Welt zu kommen, diese Welt und Menschheit, die den Film für Theater nimmt, Musik durchs Radio hört, nach Arbeit statt nach Glück schreit und den Gott in den Kot zieht, um dem Popanz zu huldigen . . . Wohlan, lest das Büchlein und betrachtet die von Alfred Kubin dazu gezeichneten Bilder, dann wird sich zeigen, ob ihr werdet wie die Kinder, die sich an Märchen ergötzen, weil's Märchen sind, oder wie die Weisen, die im Staub des Weges das Gold entdecken."