Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.07.1939
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1939-07-11
- Erscheinungsdatum
- 11.07.1939
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19390711
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-193907117
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19390711
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1939
- Monat1939-07
- Tag1939-07-11
- Monat1939-07
- Jahr1939
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
ersten Ranges geworden. Es ist nicht nur Ausdruck des reichen deutschen Geisteslebens, sondern ganz bewußt zugleich Träger des deutschen Kulturwillens. Ob es ein schöngeistiges, ein poli tisches, ein wissenschaftliches Buch, ein Schulbuch oder ein Fach buch ist, es ist kraft der geistigen Haltung unserer Revolution und krast unseres Glaubens an Verpflichtung und Leistung eines unserer wesentlichen Mittel zur kulturellen und sachlichen Bildung und Leistung, zum Aufbau eines sauberen, frucht baren Geisteslebens und eines in sich gesunden Staates. Nirgends in der Welt hat daher auch der Staat sich der Pflege dieser Buchkultur so angenommen wie bei uns. Ich er innere nur an die Buchwochcn, an die Dichtervorträge, an die staatliche Förderung der Berlagsinitiative und an die verschie densten Maßnahmen, für das saubere, gesunde deutsche Geistes leben den Tisch frei zu machen. Das Buch steht damit tatsächlich mitten im Leben des Volkes. Es ist dabei unser Stolz als Ver leger, daß wir diese bedeutungsvolle Aufgabe — wenn ich dies so sagen darf — bei gleitenden Preisen haben durchführen können. Nun sehe ich aber für die Förderung und Erfüllung dieser Aufgaben eine drohende Gefahr in der mehr und mehr über steigerten Rabattfordcrung einzelner Teile des Sortimentes und in dem verantwortungslosen Rabattangebot mancher Verleger. Hier spricht mit einem Male nicht mehr in erster Linie das Buch als Kulturfaktor, sondern das Buch als reine wirtschaftliche Er scheinung. Diese Tatsache ist beschämend, beschämend nicht nur für alle die Herren, die mit ihrem ganzen Idealismus ehren amtlich für die kulturpolitische Förderung ihres Berufes Tag für Tag in die Bresche springen, sondern auch für den weiten Kreis des kulturpolitisch verantwortungsvoll denkenden Ver legers und Sortimenters, der zum Dank dafür ins Hintertreffen gerät. Sie ist außerdem gefährlich. Wir haben zweifellos in Deutschland bereits ein überstei gertes Rabattsystem. Rabatte von 40, 50 und 60"/- sind in man chen Verlagssparten bereits gang und gäbe geworden. Aber da mit ist es nicht genug. Immer mehr Literatur wird nach und nach in diesem sinnwidrigen Konkurrenzkampf in der Rabattie rung nach oben gedrückt. Wenn ein Sortimenter beispielsweise ohne Ansehung des Inhaltes vor Weihnachten seine bestellten Geschenkbücher, die mit 40"/» rabattiert waren, mit dem Bemer ken zurücksendet, daß er sich nur noch für Literatur verwenden könne, die mit mehr als 40 °/° rabattiert wird, wenn ein anderer sagt: mein Kollege P ist der einzige Vernünftige an unserem Ort, denn er verwendet sich grundsätzlich nur noch für Bücher mit 50"/°, so ist das nicht nur eine völlige Verkennung seiner buchhändlerischen Aufgaben, sondern auch bereits der Ausdruck einer sehr kritischen Entwicklung im Buchhandel überhaupt. Das Buch hat als Wirtschaftserscheinung einen Preis. Auch dieser Preis hat seine kulturpolitische Bedeutung, nämlich die, das Buch möglichst zu jedem innerhalb des Kreises zu bringen, für den es bestimmt ist. Unser Bestreben als Verleger ist es da her, bei jeder Kalkulation die Preise so niedrig wie nur möglich festzusetzen. Dabei hat selbstverständlich diese Preisfestsetzung als unterste Grenze die, wo unter Berücksichtigung der Absatzmög lichkeiten die Kosten gedeckt werden können, und dem Betrieb, dem Schriftsteller usw. die Leistungs- und Existenzmöglichkeit gegeben wird. Es liegt auf der Hand, daß die Höhe des Rabatt satzes bei der Preisfestsetzung ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen muß. Kein Verleger wird die Gewährung eines aus kömmlichen Rabattes verweigern. Das ist einfach eine Selbst verständlichkeit. Denn Verlag und Sortiment bilden nicht nur kulturpolitisch, sondern auch wirtschaftlich eine Einheit, und ich glaube, die Fachschastsleitung hat in unzähligen Verhandlungen mit ihren Kameraden vom Sortiment immer wieder unter Be weis gestellt, daß sie Verlag und Sortiment als eine solche selbst verständliche Gemeinschaft empfindet. Der Wettlaus um den Rabatt seitens mancher Verleger, nur um die Konkurrenz aus zustechen, und die Proklamation mancher Sortimenter, nur noch nach Rabattgrundsätzen einzukaufen und zu verkaufen, muß aber zwangsläufig alle kulturpolitische Arbeit zunichte machen, muß die Preise erhöhen und gleichzeitig ehre Gesinnung hoch züchten, die nicht zum Buch und seiner Aufgabe gehört, und die wir im Buchhandel mit seiner großen kulturellen Verantwortung nicht gebrauchen können. Ich will hier absichtlich nicht von Preisstoppverordnungen, von Preiskommissar und Reglementie rungen sprechen. Denn das sind alles nur äußere Hilfsmittel. Mir kommt es in allererster Linie auf den Geist an, der hinter allen unseren Handlungen zu stehen hat, mit dem sich derartige Maßnahmen und eine derartige Gesinnung niemals vertragen können. Ebenso wie wir wirtschaftlich nicht zu verantwortende Schleuderpreise verurteilen, verurteilen wir auf das schärfste auch das Ansinnen, die Preise zu erhöhen, die unsere kultur politische Arbeit beeinträchtigen müssen, nur um Sonder- und Leistungsrabatte für Einzelfälle ganz allgemein zu Normal rabatten machen zu können, oder um überhaupt Rabatte einzu- räumen, die in keiner Beziehung mehr zum inneren Wert der Ware Buch stehen und zum Umfang des Einsatzes, und die Buch verlag und Buchveitrieb unter ausschließlich wirtschaftliche Ge sichtspunkte rücken. Die Fachschastsleitung hat, ebenso wie der Leiter des Deut schen Buchhandels, es immer wieder abgelehnt, zu Rabattregle- mcntierungcn zu. kommen. Erstens gehören sie unserer Auf fassung nach nicht zum Wesen eines buchhändlerischen Verkehrs rechtes, zweitens sind sie einheitlich für alle Verlagsgruppen schwer zu treffen, und drittens werden Maximalvorschriften er fahrungsgemäß mit der Zeit immer zu Minimalforderungen und bilden damit den ersten Ring an einer Schraube ohne Ende. Sie vertragen sich aber auch nicht mit der Würde unseres Be rufsstandes. Aus diesem Standpunkt stehen wir auch heute noch. Wichtiger und richtiger scheint mir in jedem Fall die Selbst disziplin aus der Erkenntnis vom Sinn und Aufgabe des Buches und unseres Berufes zu sein. Es ist an der Zeit, zu dieser Be sinnung und Selbstdisziplin aufzurufen. Deshalb stelle ich den Antrag, der Börsenverein möge der hier und da bedrohlich auf- trctenden Entwicklung der Rabattsrage seine erhöhte Aufmerk samkeit zuwenden und durch Wort und Schrift in den »Vertrau lichen Mitteilungen- der betreffenden Fachschaften auf die dro henden Gefahren überhöhter Rabattbestrebungen Hinweisen. Und die Fachschaften möchten sich in ihren Arbeitsgemeinschaften zu- sammensetzcn und zunächst in ihren eigenen Reihen Ordnung schaffen, indem man die belastenden Außenseiter zur Besinnung bringt. Ich möchte den Verleger und den Sortimenter sehen, der sich einer solchen Einflußnahme, die vom gesamten Berufsstand getragen wird, zu entziehen wagt. Nehmen Sie diese Anregung, auch wenn sie keine reglementierenden Vorschläge enthält, bitte nicht als bloße Worte, sondern als einen ernsten Appell an unsere Verantwortung und fachliche Arbeit. Ich glaube an diese Selbstdisziplin unseres Berufes, weil ich sie so oft bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit erfahren habe, und weil ich der Auf fassung bin, daß die Erkenntnis der inneren Zusammenhänge die Selbstdisziplin zur logischen Folge haben muß. Di. Arthur Georg i. Reichsschrifttumskammer, Gruppe Buchhandel Ausschluß Der Herr Präsident der Reichsschrifttumskammer hat mit Erlaß vom 27. Oktober 1938 den Verlagsbuchhändler und Anti quariatsbuchhändler Rudolf Liebing in Firma L. Franz s- Co. sowie in Firma I)r. jur. Stein sc Co., Leipzig, aus der Reichsschrifttumskammer, Gruppe Buchhandel, ausge schlossen. Der Genannte ist daher nicht mehr berechtigt, sich im Zuständigkeitsbereich der Reichsschrifttumslammer zu betätigen. Schweizerischer Buchhändler-Verein Für das Geschäftsjahr 1939/40 hat sich der Vorstand des Schweizerischen Buchhändlervereins wie folgt konstituiert: Präsident: vr. Gustav Keckeis, Zürich, Vizepräsident: Herbert Lang, Bern, Kassierer: Hans Beer, Zürich, Aktuar: Fritz Heß, Olten, Beisitzer: vr. Hans Vetter, Frauenfeld, Sekretär: vr. Hans Girsberger, Zürich. 550 Nr. 158 Dienstag, den 11. Juli 1999
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder