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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 24.11.1938
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- 1938-11-24
- Erscheinungsdatum
- 24.11.1938
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lichen Gegenspiel: dem Abseitigen vorhanden war. So geläufig uns heute dieser Unterschied ist, in der Vergangenheit ist er dem Einsamen gegenüber zu Lebzeiten nicht beobachtet worden. Beide, der Einsame und der Abseitige, leben im Eigenen. Sie leben und sterben daran. Aber den Einsamen hindern nicht, wie den Absei tigen, seine persönlichen Eigenschaften daran, den Weg zur Ge meinschaft zu finden. Der Einsame leidet daran, daß er die Ge meinschaft, die sein Werk aufzunehmen bereit ist, nicht findet. Die Abseitigen bilden immer ein Heer, denn so viele Arten von Ichsucht und heilloser Verwirrung menschlicher Eigen schaften es gibt, so viel Abseitige gibt es. Wahrhaft Einsame sind durch mehrere Geschlechter hindurch immer nur spärlich nachzu weisen und wenn der Einsame stirbt, so stirbt er an der Gemein schaft, die nicht vorhanden war oder die ihn nicht aufnimmt. Der Abseitige geht an seinem eigenen Ich ein. Es ist uns Deutschen nicht schwer, an Hand denkwürdiger Beispiele Art und Schicksal der Einsamen nachzuzeichnen. Unsere Geschichte hat uns immer wieder den Gegensatz von Genera tionen gebracht und gerade in den gefährdeten Zonen, auf der Schwelle zwischen der Umkehr auf dem einen und dem Hinkehren zum anderen Wege befindet sich der geistige Standort der Ein samen. Als die großen Einsamen verehren wir Kleist, Grabbe, Hölderlin, Nietzsche, Friedrich II. Sie alle, deren Namen aus den verschiedenen Geistesgebieten vermehrt werden können, haben ihre Einsamkeit durch ein schweres persönliches Schicksal tragen müssen. Aber weil der wirklich Einsame immer aus die Gemeinschaft bezogen ist, wird er einckml heraustreten aus der Einsamkeit. Immer wird einmal eine Generation auftreten, die ihn weithin den Ihren nennt. Nun könnte man sagen, daß es in einer möglichst voll kommenen Gemeinschaft den Einsamen nicht geben wird. Denn wenn die Gemeinschaft weiß, wie oft das schöpferische Werk durch die Abwehr der Gemeinschaft gehindert oder gar unmöglich ge macht wird, so müßte damit diese Frage grundlegend für immer gelöst sein. Wir wissen aber nicht nur von der Vereinsamung, die ein Unglück ist, weil die Schaffensmöglichkeiten durch sie schwinden, wir wissen auch von der anderen, die höchstes Glück bedeutet, weil sie das Werk gestaltet. Bei Kleist, Grabbe und Dante haben wir die Einsamkeit, die der schöpferische Mensch ab zuwerfen versuchen wird, wenn ihm dies möglich ist; wir wollen die hellere — weil hebende und fruchtbare — ebenso deutlich nennen, die Seite, die der schöpferische Mensch halten oder suchen wird, wenn ihm dies ebenfalls möglich ist. Denn niemand kommt zum gültigen Werk für andere, er habe es vorher insich gestaltet; und niemand siehtdie Gestalt, ohne sie vorher erkannt zu haben. Das Erkennen aber ist, wie wir aus ebenso denkwürdigen Beispielen und ganz allgemein von den Vorgängen her wissen, immer nur ein Gespräch mit Einem. Hieraus ergibt sich für die Gemeinschaft, die einen An spruch auf jedes in ihrer Mitte geleistete Werk hat, daß ihr An spruch eben nur auf das Werk geht, und dies schließt in sich nicht nur die Pflicht dieser Gemeinschaft, dem Einsamen die Einsamkeit zu lassen, sondern auch das — beide gleichermaßen beglückende — Recht, diese Einsamkeit zu hüten. »Dichtung als Brücke zwischen den Völkern« hieß das Thema, über das vr. Bernhard Payr, der Leiter des Zentrallektorats der Reichsstelle zur Förderung des deut schen Schrifttums, sprach. — In seinem Bortrag führte vr. B. Payr aus, daß gerade in den letzten spannungsreichen Jahren innerhalb der gesamteuropäischen Geschichte sich die Einsicht in das gemeinsame Wirken der abendländischen Völker immer tiefer herausgebildet habe. Heute ist es darum an der Zeit, den Ge meinsamkeiten der europäischen Kultur nachzuspüren und die einmaligen Leistungen genialer schöpferischer Persönlichkeiten zu erkunden, die durch ihre Kunstwerke Brücken von Volk zu Volk, von Nation zu Nation geschlagen haben. Gerade die national sozialistische Weltanschauung hat den Glauben an den Wieder aufstieg einer abendländischen Gesamtkultur wieder aufgerichtet, die, beruhend auf der unbedingten Achtung und Anerkennung gegenüber der rasscn-seclisch und völkisch bestimmten Verschieden heit der großen Kulturnationen, durch die großen schöpferischen kulturellen Leistungen mit herbeigeführt werden wird. Daß gerade die Dichtung berufen ist, die Beziehungen anzu bahnen, die eine kulturelle Gemeinsamkeit zu begründen vermag, zeigte der Vortrag von vr. Payr an Hand einer Fülle histo rischer Beispiele. Seitdem die unsterblichen Epen Homers zum ersten Male den nordischen Menschen in seiner leibseelischen Ganzheit zu einer künstlerisch gültigen Gestalt gebracht haben und damit zugleich auch ein europäisches Schönheitsideal aus gerichtet wurde, ist die Kette der großen schöpferischen Leistungen nicht mehr abgebrochen, die gerade, weil sie das ureigentlichste Wesen des Volkes verkörperten, ihre erhellenden Strahlen auch noch über die Saatfelder andersartiger, ja entfernter Kulturen warfen. Am Ende eines langen Weges fruchtbarster Wechsel wirkungen der großen europäischen Völker, eines Weges, der durch die Namen Homers, Vergils, Dantes, des Dichters des Nibelungenliedes, Shakespeares, Goethes und vieler anderer gekennzeichnet ist, steht der Glaube an jenes Zeitalter der »Welt literatur-, auf das Goethe hoffte. Goethe verstand darunter keine paneuropäische, unwirkliche und blutleere Jnternationalität der Kunst, sondern eine geistige Grenzerweiterung unter vollster Bewahrung und Behauptung der eigenen Art, als eine Steige rung des Begriffes »Nationalliteratur-. Geistige Brücken, von den großen Gestaltern geschlagen, begründen die Kultur des Abendlandes. vr. Payr schilderte dann, wie sich im Lause des 19. Jahr hunderts die Entwicklung immer mehr zu einer geistigen Ab kapselung vollzog, oder aber einem künstlerischen Realismus von internationaler Prägung anheimfällt, der mit dem anwachsenden Liberalismus Hand in Hand geht. Der Vortragende schilderte vor allem die verhängnisvolle Rolle, die dem Judentum durch seine verbrecherischen Anschläge auf die zwischen den Völkern bestehenden geistigen Brücken zukommt. Nach dem Weltkrieg schien dieses Werk der Zersetzung, das ein Heinrich Heine be gonnen hatte, vollendet zu sein. Aber mit der nationalsozialisti schen Revolution fand die schwere Bedrohung, der die deutsche Dichtung durch das llberhandnehmen von Verfallserscheinungen ausgesetzt gewesen ist, ein endgültiges Ende. Folgerichtig mußten auch vom Nationalsozialismus, aus dem Bewußtsein der Sicher heit seiner Kraft, die ersten Versuche eines geistigen Brücken- fchlagens wieder unternommen werden. Am Beispiel des heute von uns durchgeführten Übersetzungswerkes des großen Tragi kers des Westens Joseph Conrad oder an dem Bekenntnis zu den schöpferischen Persönlichkeiten des nordischen Kulturkreises oder der flämischen Dichter zeigte vr. Payr, welche Versuche des geistigen Bpückenschlagens heule wieder unternommen werden. Ein wichtiges Thema schnitt vr. Hermann Haßbargen- Danzig in seinem Referat »Sind Bibliotheken Totenhäuscr des Schrifttums?« an. In lebendiger Form führte vr. Haßbargen seine Zuhörer am Schicksal des Vockex argeuteus, der Handschrift des Hilde brand-Liedes, der Nibelungen-Handschrift und der großen Bilder-Handschrift des Willchalm von Wolfram von Eschenbach in sein Thema ein. Die Bruchstücke und Reste, die uns aus ver schiedenen Fundstätten überliefert sind, lassen uns die Bedeutung der Bibliotheken im richtigen Licht sehen. Jede größere Biblio thek birgt wertvolles Geistesgut. So sind die in den Kirchen- und Klosterbibliotheken erhaltenen Handschriften Zeugnisse, die es uns ermöglichen, der Frage der Überfremdung des deutschen Geistes aus außervölkischen Quellen nachzugehen. Und darum haben gerade alte Kirchen- und Klosterbibliotheken Wert als Gegenbild und Gegensatz, an dem sich der Widerspruch aus der neuen Sicht nationalsozialistischer Anschauung entzünden kann. Welche Bedeutung Luther den Bibliotheken beimaß, geht aus der von dem Vortragenden erwähnten Forderung des großen Refor mators hervor, daß zu den vornehmsten Büchern der Biblio theken die Chroniken und Historien gehören sollten. »14
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