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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.11.1938
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- 1938-11-10
- Erscheinungsdatum
- 10.11.1938
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bürgermeister Karl Fiehler eine Rede über Sinn und Bedeutung des Buches, die wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung besondere Beachtung verdient. Biele hohe Gäste waren anwesend; unter anderem die Staatssekretäre Generalmajor Hofmann und Di. Boepple, Reichshauptamtsleiter vr. Dresler, der Direktor des Kulturamts der Hauptstadt der Bewegung, Ratsherr Rein hard mit weiteren Ratsherren und Amtsdirektoren; selbstver ständlich hatten sich auch führende Vertreter der Musik, der bil denden Kunst, der Literatur eingefunden; Mitglieder des konsu larischen Korps, Vertreter von Partei, Staat, Wehrmacht, Ar beitsdienst usw. — Die Münchner Philharmoniker unter Lei tung von Prof. Oswald Kabasta eröffneten die Feier mit Beet hovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3. Und dann ergriff Ober bürgermeister Fiehler das Wort, indem er zunächst einmal die Frage nach dem Wesen des Buches stellte. Dieses Wesen, so führte er aus, liege nicht nur in seiner allgemeinen zeitgeschicht lichen Bedeutung, sondern vor allem in jener Funktion, die wir ihm zubilligen. Man könne ein Buch nur nach folgenden Ge sichtspunkten beurteilen: wenn es unserem Volke nützt, dann ist es gut, wenn es ihm schadet, dann ist es schlecht. Früher habe man versucht, durch die Mittel der Zensur auf das Buch einzu wirken, heute aber nehme der Staat das Buch unmittelbar in seine Obhut. Und hier sei die erste Tat gewesen, dem zersetzen den jüdischen Schrifttum rücksichtslosen Kampf anzusagen; denn der Staat wolle, daß das Buch Förderer sei von Bildung und Charakter, Förderer der Sprache und damit der Volksgemein schaft. Dies bestimme die Haltung unserer Zeit zum Buche. Reichsleiter Fiehler kam auch auf die Einrichtung der ge meindlichen Volksbüchereien zu sprechen. Diese Volksbüchereien seien allerdings keine Einrichtungen für literarische Fein schmecker, sondern ihr Auftrag sei die politische Willensbildung. An die Bürgermeister der deutschen Gemeinden richtete er die Bitte, dort, wo dies noch nicht geschehen sei, Volksbüchereien zu schaffen oder auszubauen. Den Gemeinden seien aber auch noch genug andere Möglichkeiten gegeben, das Buchwesen zu fördern. Dichter- und Leseabende, Unterstützung von jungen Autoren so wie die Verleihung von Dichterpreisen seien hier zu erwähnen. Die Hauptstadt der Bewegung habe aus diesem Gebiet eine ganze Reihe von entsprechenden Maßnahmen durchgeführt; die Stadt bibliothek mit ihren 200 000, die Volksbüchereien mit ihren 130 000 Bänden seien Zeugnisse des aufblühenden Bücherei wesens der Stadt. Die Stadt habe ferner Zuschüsse für schrift stellerische Arbeiten gegeben, an eine Reihe von Autoren wurden Stipendien verliehen und in jedem Jahr gelange ein besonderer Literatur- und Buchpreis zur Verteilung. Reichsleiter Fiehler gab dann bekannt, daß in diesem Jahr an Stelle des das Ge samtschaffen eines Dichters würdigenden Preises drei hervor ragende Buchleistungen ausgezeichnet wurden. Die Preise erhielten: Franz Büchner für fein Werk »Kamerad! Halt aus!» Alfons von Czibulka für seinen Novellenband »Würfelspiel- und Hannes Krem er für seinen Roman »Gottes Rune». Nachdem die »Oberon-Ouvertüre- der Philharmoniker ver klungen war, nahm Reichsamtsleiter Hagemeyer das Wort zu einer Ansprache, in der er sich mit dem Thema »Buch und Volk befaßte. Man habe früher behauptet, Papier sei geduldig! Es gäbe darauf nur eine Antwort: wenn auch das Papier und die dazu notwendige Druckerschwärze geduldig sind, so werden wir als Volk nicht mehr geduldig sein, denn das deutsche Volk allein bestimmt noch, was es in seiner Sprache wieder in sich auf nehmen und als Besitz anerkennen will. Man könne heute wieder mit Stolz auf unsere Gegenwartsdichtung schauen und es sei nicht zu bestreiten, daß durch den Nationalsozialismus Buch und Volk eins geworden sind. Reichsamtsleiter Hage meyer erwähnte dann die Einrichtungen unseres neuen deutschen Volksstaates, die dazu dienen, ein wertvolles, volksnahes Schrift tum allen Volksgenossen zuzuführen. Partei und Staat marschieren hier zusammen und ergänzen sich in ihren Aufgaben. Was das Ausland zum Teil noch unver standen argwöhnisch beobachtet, wo es von Zensur anstatt Wer tung, von Diktatur anstatt Förderung spricht, das ist eine einzige großartige Arbeit an der Nation, sich selbst zu finden und ver antwortungsbewußt Mittler des deutschen Schrifttums zu sein. Volksbüchereien, Werkbüchereien erleichtern den Zugang zum Buch, Dichterlesungen machen den Volksgenossen mit der Eigen art und der Persönlichkeit des Dichters bekannt, Dichterpreise geben jungen Talenten die Möglichkeit, für eine Zeit lang sorg los zu schaffen, Lehrgänge schulen die Mittler, die das Schrift tum dem Volke zuführen, eine Fülle von Ausstellungen mit kul turellen und historischen Themen zeigen die ungeheure Weite, in der ein Buch zu Hause ist. Wichtig ist, daß der heutige Verleger sich der großen Tradi tion seiner Vorfahren würdig zeigt. Wie er in der Dichtung ver meiden muß, ein Opfer von Literaten zu werden, so darf er in der Wissenschaft nicht der Geburtshelfer und Unterstützer von Sektierern werden. Es ist nicht zuviel verlangt, wenn wir vom deutschen Verleger fordern, nicht nur die große Tradition seiner verlegerischen Vorfahren fortzusetzen, sondern noch über sie hin aus dazu beizutragen, unsere größten, unsere echtesten Gestalter, unsere ernstesten und wahrheitsliebendsten Forscher unserer großen Zeit mit ihren Schriften zu übernehmen. Von dieser ge waltigen Verantwortung unserer Tags können wir keinen Ver leger entbinden. — Hier erwarten wir ein geistiges Soldaten tum, das sich würdig dem Politischen und militanten Soldaten tum unseres Volkes anschließt. Erst so gewinnt die gewaltigste Parole, die man einem Buche jemals zugewiesen hat, an Be deutung und Leben, die Parole, daß das Buch ein Schwert des Geistes und Volkes ist. Die Schlußansprache hielt der stellvertretende Leiter der Ab teilung Schrifttum im Reichsministerium für Volksausklärung und Propaganda, Regierungsrat Schlecht. Er führte u. a. aus: Die großdeutsche Woche des Buches 1838 ist verklungen. Die Parole »Das Buch — ein Kraftquell der Nation» eroberte in Deutschland und weit über seine Grenzen hinaus das Feld. Jung und alt scharten sich um die Dichter und Denker der Nation, und das Buch stand eine Woche lang im Blickfeld unseres Volkes. Besonders stolz können wir in diesem Jahre über das reiche dichterische Schaffen der Ostmark und des Sudetenlandes sein. Die heimgekehrten deutschen Länder haben uns eine Reihe begnadeter Dichter geschenkt, deren Werk nicht im gesicherten Boden eines unbeschwerten Lebens, sondern im Ringen um die völkische und persönliche Freiheit wurzelt. Die diesjährige Woche des Buches kann nur deshalb mit einem so guten Gelingen abgeschlossen werden, weil sie eine vor bildliche Gemeinschaftsleistung aller Schrifttumsstcllen von Par tei und Staat darstellt. Durch eine Verfügung des Stellver treters des Führers Rudolf Heß wurde die Partei mit ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden in den Dienst der Buchwoche gestellt. Das Amt Schrifttumspflege beim Beauf tragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschau liche Schulung der NSDAP, war als Schristtumsstclle der Par tei an den Vorbereitungsarbeiten und bei der Durchführung der Buchwoche im Zusammenwirken mit der Reichsschrifttumsstelle des Reichspropagandaministeriums maßgeblich beteiligt. Beson derer Dank ist dem Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, Staatsrat Hanns I o h st, und seinem Vizepräsidenten und Leiter des Deutschen Buchhandels, Wilhelm B a u r, zu sagen. Sie haben den gesamten Bcrufsstand und den großdeutschen Buchhandel geschlossen in den Dienst der Buchwoche gestellt. »Besonderen Dankes und besonderer Erwähnung aber bedarf die deutsche Gemeinde. Sie ist seit 1833 die Trägerin eines viel seitigen kulturellen Lebens der Nation. Sie hat sich um das deutsche Buch unerhörte Verdienste erworben, sei es durch groß zügige Förderung des Volksbüchereiwesens oder der allgemei nen Schrifttumspflege in den Städten und Gemeinden. Es ist mir eine Ehrenpflicht, Ihnen, Reichsleiter Pg. Fiehler, als dem Vorsitzenden des Gemeindetages herzlich Dank zu sagen.» Sodann schloß Regierungsral Schlecht im Namen des Reichsmtnisters 1)r. Goebbels die »Erste Großdeutsche Buch woche-. Nach diesen Ansprachen fand die Kundgebung mit einem Sieg-Heil auf den Führer und mit den Liedern der Nation ihr Ende. Hans Schulz. «7» Nr. 362 Donnerstag, den 10. November 1988
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