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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.08.1938
- Strukturtyp
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- 1938-08-13
- Erscheinungsdatum
- 13.08.1938
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Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel Nr. 187 (R. 80) Leipzig, Sonnabend den 13. August 1938 105.Jahrgang Zur Wirtschaftslage Von Prof. Dr. G. Menz Umbau im deutschen Arbeitskörper — Kaufkraftstrukturwandlungen — Kulturetats — Papierwirtschaft Während die Weltwirtschaft von Krisen- und Kriegssorgen beherrscht ist, zeigt die deutsche Weiterentwicklung wie bisher Ruhe, Stetigkeit, Sicherheit. Über die Auswirkungen der Um stellung in der Finanzierungspolitik werden sich erst in einiger Zeit Feststellungen machen lassen. Hier sind die Dinge noch völlig im Fluß. Deutlicher übersehbar ist aber zur Zeit schon der Umbau im deutschen Arbe'.tskörpcr, der sich unter dem Ein fluß der Vollbeschäftigung und der allgemeinen biologischen Entwicklung vollzieht. Die Berliner Börfcnzeitung befaßte sich neulich unter Berücksichtigung des Geburtenausfalls in den Kriegsjahrcn mit den in den kommenden Jahren gegebenen Mög lichkeiten im Umfang des Arbeitseinsatzes der Männer. Zn den Grundzahlen steige, so wurde ausgeführt, die Gruppe der arbeits einsatzfähigen Männer von 22,7 Millionen im Jahre 1938 auf 23,9 Millionen bis 1950. Für die Nachwuchsfrage sei aber der Altersaufbau dieser Gruppe wichtig, und da ergebe sich leider ein ständiger Rückgang der Jugendgruppe der 13- bis 18jäh- rigen. Sie habe im Jahre 1907 beinahe 12 V» umfaßt, 1925 etwa 11V», 1938 nur 9"/« aller männlichen Erwerbspersonen. Ihr Anteil sinke bis auf 6,7"/» im Jahre 1948, um erst dann wieder langsam anzusteigen, weil sich sodann der ab 1934 zu verzeich nende Geburtenzuwachs auswirkt. Neben dieser zunehmenden Veralterung des Arbeitskörpers Deutschlands, die auch ander wärts feststellbar ist, tritt wieder eine vermehrte Heranziehung weiblicher Arbeitskräfte hervor, die zugleich mit einer Verlage rung des weiblichen Arbeitseinsatzes verbunden ist. Um den großen Bedarf an Arbeitskräften befriedigen zu können, mußten, wie kürzlich in der Presse hervorgehoben wurde, in letzter Zeit in zunehmendem Maße auch Frauen und junge Mädchen einsprin- gen. »Die Frauen gehen dabei nicht nur in Betriebe und Werk stätten, in denen Frauenarbeit die Regel ist, sondern sie werden durch Vermittlung der Arbeitsämter vielfach in Berufen einge setzt, die bislang den Männern Vorbehalten waren. Das gilt z. B. für das ganze Gebiet der Metallerzeugung und -Verarbei tung. So stellten Unternehmen des Fahrzeugbaus Mädchen und verheiratete Frauen zum Anlernen für leichtere Hilfsarbeiten ein. Auch in der Elektro-, Kabel- und Radioindustrte wurden weibliche Arbeitskräfte für Männerarbeit eingestellt. Nicht anders ist es in der Zellstoff- und Papierherstellung. Sehr stark ist ferner der Einsatz der Frauen im Holz- und Schnitzstoffgewerbe. In den Holzwarensabriken und in den Korbflechtereien wurden gleichfalls die Arbeitsplätze mit Frauen besetzt. Auch in den Korkpsropscnbetrieben Westdeutschlands sind weibliche Kräfte zu sätzlich eingestellt worden. Die für die Saison der Konserven industrie notwendigen Arbeitskräfte konnten nur dadurch be schafft werden, daß die Arbeitsämter auf die Mädchen und Frauen zurückgriffen, die nur gelegentlich eine Beschäftigung ausüben. In Mitteldeutschland mußte sogar der weibliche Ar beitsdienst in einigen Betrieben der Konservenindustrie mithelfen, damit die zu konservierenden Früchte nicht verdarben. Diese starke Anspannung auch der Frauen und Mädchen, selbst für Arbeiten, die sonst den Männern Vorbehalten sind, hat zur Folge, daß viele weibliche Arbeitskräfte aus ihren bisherigen Berufen nbwandern. So wanderten Hilfsarbciterinnen aus dem Buch druckergewerbe in die Metallindustrie ab. Hausgehilfinnen zogen die kaufmännischen und gewerblichen Berufe vor. Auch im Kürschnergewerbe zeigten sich infolge der etwas schwankenden Beschäftigung Abwanderungsbestrebungen weiblicher Arbeits kräfte.« Mit der Freimachung männlicher Arbeitskräfte durch weiblichen Ersatz ist aber nur geholfen, wenn jene Aufstiegs möglichkeiten erhielten. Denn dahinter steht der steigende und vorläufig nicht befriedigte Bedarf an qualifizierten Kräften. Es gibt, wie vor einigen Tagen im Völkischen Beobachter zu lesen war, in Deutschland viele tausende technisch begabter junger Männer, denen die Mittel zum Studium fehlen. Von daher müßte man den Nachwuchs holen. Daraus würde nicht nur die fehlende Zahl, sondern auch die gute Auslese erhalten werden. Seit vier Jahren habe die Deutsche Arbeitsfront hier Erfahrun gen gesammelt. Die Organisation zur Auswahl sei da, der Weg sei bekannt, die Mittel seien aufzubringen. Aber cs seien erst ein mal die Wissensgrundlngen zu schassen, die unbedingt vorhanden zu sein haben. Da fehle es stark. Erst das breite Grundwissen erlaube in Verbindung mit der praktischen Arbeit den gesunden Aufbau und die umfassende, nichtspezialisiertc Ausbildung. Die Deutsche Arbeitsfront eröffne im Herbst dieses Jahres Studien möglichkeiten für Zehntausende, ohne daß sie den Arbeitsplatz vorher verlassen müßten. Alle jene, die bisher schon etwas getan hätten, müßten weiter mithelfen. So mancher Betrag gehe heute an die falsche Adresse, so manches Stipendium fördere nicht den Richtigen. Auch noch andere Maßnahmen seien einzuleiten, um den Ingenieurschulen ihre Aufgaben zu erleichtern. So seien z. B. Fericnstellen und Praxisarbeitsplätze bereitzustellen. Der deutsche Buchhandel wird diesen Wandlungen im Auf bau des deutschen Arbeitskörpers entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen haben. Insbesondere bei seinen Werbemaßnahmen wird er sich vor Augen zu halten haben, daß er sich zunehmend an ältere Menschen zu wenden hat, daß sich die Masse der weib lichen Leser mit eigenem Arbeitseinkommen verbreitet und daß insgesamt mit einer aufsteigenden Schicht gerechnet werden kann, die stärkere Bildungsbedürfnisse voraussehen läßt. Allerdings werden auch die Veränderungen in der Kaufkraftstruktur sorg sam geprüft werden müssen, da davon der Werbeerfolg zu einem nicht geringen Teil von vornherein bestimmt ist. In dieser Hin sicht brachte neulich ein Beitrag der Kölnischen Volkszcitung über die »Stotter«-Verhältnisse sehr aufschlußreiche Angaben. Der Wert der auf Abzahlung gekauften Waren beläuft sich nach zuverlässigen Schätzungen der Kundenkreditinstitute, die eigens zu dem Zweck gegründet wurden, die Ratenzahlung zu finanzieren, auf rund zwei Milliarden RM im Jahresdurchschnitt. Dazu kommt noch eine sonstige Kreditgewährung des Einzelhandels von immerhin einer Milliarde RM. Dieser Gesamtbetrag von drei Milliarden RM Kundenschulden erscheint schon ziemlich ge wichtig, da es sich bei den auf Kredit gekauften Waren durchweg Ausfuhrregelung Im Merkblatt vom 15. Juli 1937 ist folgende Ziffer nach zutragen: 5659 Kanarische Inseln, Konten des Bankhauses Jacob Ahlers, Santa Cruz de Tenerife. Berlin, den 11. August 1938 Wirtschaftsstcllc des deutschen Buchhandels I. V.: gez. Schröder Nr. 187 Sonnabend, den 13. August 1938 639
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