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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.04.1934
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- 1934-04-10
- Erscheinungsdatum
- 10.04.1934
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X- 82, 10. April 1934. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d.Dtschn. Buchhandel. Die literarische Kritik läßt noch vielfach den Beweis ver missen, daß sie sich ihrer Aufgabe bewußt ist. Mit aller Deutlich keit soll auch sie nunmehr die Wendung zum Ganzen vornehmen. Diese Wendung wirft ästhetische Maße nicht überhaupt beiseite, aber sie läßt sie nie unergänzt durch ethische. Und diese ethischen Maße kann kein Kritiker lediglich aus sich selbst gewinnen. Er holt sie aus der ihm bewußt gewordenen Ganzheit des Volkes, die ihm im Nationalsozialismus gegeben und aufgegeben, die ihm im Führer Persönlichkeit, Vorbild und Gewissen ist. Deutsche Dichter als Führer der Jugend zum guten Buche. Von Joseph Antz. sSchluß zu Nr. 78.) Über die Werke der neuen deutschen Literatur lassen sich die Dichter im allgemeinen weniger ausführlich aus. Der Umstand, baß sie vielfach zur Schullektüre gehören, beeinträchtigt eine ganz unmittelbare, erlebnishafte Wirkung, die noch lange in der Er innerung nachschwingt. Doch werden fast alle wichtigen Namen ge nannt, und manche einzelnen Werke erhalte» eine, wenn auch nur in knappen Strichen gegebene, so doch meist zutreffende und wertvolle literaturpädagogische Würdigung. Mehrere Dichter empfehlen Auslesen guter deutscher Versdichtung. Börries von Münchhausen nennt für die Dreizehn- bis Achtzehnsährigen den »Deutschen Balladenborn« (Fi scher u. Franke). Wilhelm Schüssen las Lenau und Eichendorsfs Ge dichte. Sophie Hocchstettcr hat im heranreifende» Alter Liliencron und Schiller, auch Goethes Gedichte gelesen. Von den deutschen Drama tikern sind es, wie nicht anders zu erwarten, Körner und Schiller, die junge Leser ansprcchen. Nach Hauff kam Schüssen zu Körner, und dann schwärmte er für die Räuber. Münchhausen wünscht Schillers Teil, Wallenstein und Don Carlos »in festlicheren Ausgaben, als die Schule verlangt, um die Werke aus Zwangsbllchern zu Kreudebüchern werden zu lassen«. Von den bekannten geschichtlichen Romanen wer den Hauffs Lichtenstein und Scheffels Ekkehard am meisten beachtet. Alfred Bock würde beide Bücher seinen Kindern schenken, »Lichtenstcin, weil die Erzählung in ihrer Fülle und Schlichtheit Historisches mit poetischen Perlen umkleidet und Empfinden fürs Vaterland weckt, Ekkehard, weil die frische Unmittelbarkeit romanhafter Handlung sich mit ausschlnßrcichcr Historie verknüpft und die geschilderten Charak tere niemals den Boden der Wirklichkeit verlassen, dergestalt, baß sie die junge Seele zu lebendiger Anschauung und sinnvollem Denken führen». Aus Molos Jugend hat Lichtenstein »den stärksten Eindruck gemacht«. Für Hans Reyhing, den Schwaben, war Lichtenstein »etwas Wunderbares, eine ganz andere Welt». Reyhing rechnet auch Wein lands Rulaman zu den wichtigen Büchern. Kinckh hat neben dem Ru- laman noch den Kuning Hartsest gern gelesen. Er will nach der Lesung des Lichtenftein noch Sonnleitners Höhlenkinder folgen lassen. Die Meister der Anekdote, der Kurzgeschichte und Novelle bleiben nicht unberücksichtigt. Wilhelm Schüssen, der in früher Jugend nur in Schulbüchern las, entdeckte im Lesebuch bald Johann Peter Hebel als etwas ihm ganz besonders Zusagendes. Schaukal nennt mit beson derer Wärme »den unsterblichen Hebel» und »den ewigen Schlcmihl«; für Will Vesper gehört »ein Band der köstlichen Erzählungen Stifters« zu den wesentlichen Büchern der Jugend. Peter Dörfler findet in Roseggers Waldbauernbubengeschichten geeignete Stücke zum Vorlcscn. Für Jsemann gehört auch Gottfried Keller zu dem, was er »heute für die reifere Jugend weitergibt mit vielfältigem Echo«. Hier wären auch die Hinweise der Dichter aus Werke ihres eigenen Schassens zu berücksichtigen, zu denen sie ja von der Schriftleitung der „Scholle» aufgefordert waren. Wilhelm Fischer in Graz bars ohne falsche Bescheidenheit seinen »Lebensmorgen« nennen, diese Samm lung zarter märchenhafter, von warmer Frommheit und Güte durch leuchteter Erzählungen, deren Lesung nach Hermann Hesses Urteil »Jungwerben» bedeutet. Sophie Hoechstetter sieht in ihrem Roman vom Kaspar Hauser, »Das Kind von Europa» ein Werk, das an Er wachsene wie Kinder in gleicher Weise sich wendet. Juliane Karwath berichtet, baß sie in Anlehnung an ihr Abenteuer-Jugendbuch »Die Abenteuer des Müllers Crispin« in einem Schlllerheim Geschichten er zählt, in denen klug verborgene Erziehungswinke gegeben werden. Her mann Anders Krüger darf feststellen, daß sein Bubenroman Gott fried Kämpser, zu dem er die erste Anregung vielleicht aus Dickens' Copperfield erhielt, später eines der Lieblingsbücher seiner Kinder und vieler ihrer Kameraden wurde. Ponten berichtet, daß er einmal in eine Erzählung »Das große Asien« ein paar Tiergeschichten gedichtet hat, mit deren mündlicher Wiedergabe er, da er sie aus außereuropäi schen Verhältnissen in unsere umbichtete, vor Kinder» Erfolg hatte. »Sie erzählten sie gleich weiter, und ich war stolz. Besonders stolz aber war ich, und ich betrachtete es als einen meiner größten Er folge, als die bekannte Sammlung ,Blaue Bändchen' des Verlages Schaffstein in Köln mich als ersten der Dichter von heute in sich aufnahm, damit ich auf diese Weise ein Schulautor werde. Mein Buch ,Der Meister' erschien also als Neben-, Schul- und Volks ausgabe in dieser Sammlung und wird nun in vielen Schulen als Klassen- oder Hauslesestoff gelesen«. Von anderen Ncbcnausgaben seiner Werke nennt er noch die Neclam-Ausgabe des Buches »Die Insel« und die der Novelle »Die Fahrt nach Aachen« saus dem Buche »Der Knabe Viclnam»), die in der Sammlung »Rheinische Köpfe« des Saalcck-Verlags in Köln erschien. Wilhelm Schüssen gibt den Hinweis aus sein Buch »Haus Mollenkopf«, »das für die reifere Jugend in Betracht kommt»; aber seine eigenen Kinder haben es noch nicht entdeckt, und er wird sich davor hüten, cs ihnen aufzudrängcn. Daß Will Vesper mit Recht aus seine verdienstvollen Neugestaltungen unserer großen Sagenstoffe Nibelungen, Gudru», sowie auf die trefflichen Reu- und Jugenbausgaben des Robinson, Don Quichote, auf seine Auswahl »Fröhliche Märchen« n»d einen eigenen Band Märchen »Gute Geister« aufmerksam macht, sei nur nebenher er wähnt. Lehrhafte Bücher haben zumal für bas Kindesaltcr und auch noch für die Jugend lichen bei weiten, nicht die Bedeutung wie dichterische und nehmen daher auch in den Erörterungen der Dichter einen ganz geringen Raum ein. Doch wird ihr Bilbungswert nicht übersehen, und es ist bemerkenswert, daß auch auf diesem Gebiete klare Erkenntnisse ausgesprochen und nützliche Ratschläge gegeben werden. Die grundsätzliche Frage, in welchem Maß dichterische und nicht dichterische Lektüre gegeneinander abgewogen werden sollen, wird verschieden beantwortet. Emil Ertl neigt dazu, »der Jugend nicht so viele Werke der schönen Literatur und dichtenden Phantasie in die Hand zu geben, wie es in der Regel geschieht«, weil seines Erachtens »der kindliche Geist mehr, als angemessen ist, mit Dich tung gefüttert wird». Er schenkt deshalb »der Jugend mit Vor liebe Bücher über Bäume oder Berge, Sterne oder Länder, auch Lebensbeschreibungen großer Menschen wie Arzte, Techniker, Forscher, nur keine Dichter- ober Kiinstlerbiographien . . . Nichts liest das Kind lieber als die Beschreibung von Tieren, deren Eigenarten und besonderen Lebensweise. Und daß dies in allen Fällen und für jedes Kind eine gesunde, geistige Kost ist, steht Wer jedem Zweifel. Denn das Beste und Beglllckendste, was einer jungen Seele ins Leben mitgegeben werden kann, ist die Erhaltung jener harmlosen Natur- nähe, die jedes Menschenkind von Haus aus ohnedies hat, die aber nicht verkümmern zu lassen eines der wichtigsten Ziele jeder Er ziehung sein müßte«. Demgegenüber nimmt Lulu von Strauß und Torney einen ganz anderen Standpunkt ein: »Ich würbe Kindern immer nur Phantasie-Anregendes zu lesen geben, weil die Sachlichkeit der Schule das Phantasieleben sowieso tötet und ein Gegengewicht braucht«. Die Krage, auf die so widersprechende Antworten gegeben wer den, kann überhaupt nicht in einer für alle Fälle gültigen Weise gelöst werden. Die besondere Veranlagung der einzelnen Kinder spielt dabei eine große Rolle. Der Erzieher aber sollte dabei nicht nur die Neigung berücksichtigen, sondern auch das erzieherische Be dürfnis. Man wird darauf sehen, daß besondere Veranlagung des einzelnen Kindes nicht verkümmert, aber auch nicht überwuchert. Auf alle Fälle aber ist damit zu rechnen, daß in einem bestimmten Alter der erwachende Wirklichkeitssinn des Kindes sich von rein phantasie- mäßiger Dichtung abwenbet und eine mehr wirklichkeitsnahe Dar stellung bevorzugt, sei sie nun geschichtlichen, erd- ober naturkund lichen Gehaltes. In den Zeugnissen der Dichter sind manche Finger zeige für die Wahl geeigneter Bücher gegeben. Agnes Miegel berichtet, daß sic nach Überwindung der Robinson-Periode alles »Wirkliche« bevorzugt und am liebsten Lebenserinnerungen gelesen habe. Lebensbilder großer Männer werden wiederholt empfohlen; ein bestimmtes Buch wird dabei nur einmal genannt. Ottokar Kern stock erhielt 18S9 im Anschluß an die berühmte Schillerfeier, die damals eine Angelegenheit des ganzen deutschen Volkes war, als Schüler des Benediktiner-Gym nasiums in Graz bas Buch »Schiller und seine Zeit- von Johannes Scherr, das sein Verfasser »zur Säkularfeier des Dichters hatte ausgehen lassen. Das ist mein Lieblingsbuch geworden«, schrieb 18LS der Siebenundsiebzigjährige, »und wird es bis zum Schluß meines Lebens bleiben. Seither habe ich ungezählte Schillerbücher ln Händen gehabt, romanhafte und streng wissenschaftliche, populäre und mit allen Leckerbissen bibliographischer Kunst ausgestattete; aber 317
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