^ 254, 2. November 1910. Künftig erscheinende Bücher. Börsenblatt s. d, Dtschn. Buchhandel. 13145 <I Wir versandten soeben folgenden Prospekt: Das Meer Roman von Bernhard Kellermann Einband von Emil Preetorius. Geheftet 4 Mark, gebunden 5 Mark. Bernhard Kellermanns neuer Roman ist ein Beispiel für die Frei luft-Bewegung, die seit einiger Zeit in der europäischen Literatur zu spüren ist. Hier sind Jugend und Abenteuerlust, die immer wieder den Trieb haben, für ein paar Monate sich abseits von der Kultur der Städte zu fühlen. Kellermanns Held läßt sich auf einer der bretonischen Inseln in der Nähe von Brest nieder, mitten unter den Fischern, ihr Leben als Gast, Zuschauer und Kamerad teilend. Es ist ein Leben, das mit seinen Kindern recht derb umgeht. Der Gast nimmt nicht nur an den Fischzügen teil, sondern auch an den Gelagen, an den Festen und an den Liebschaften. Dabei kommt er schließlich an die Geliebte seines besten Freundes Kann, mit Namen Nosseherre; aber er kommt dabei schlecht an, denn als er sie verlassen will, wird sie rabiat, und zwar in einer ganz prächtigen, ungezähmten Weise; es macht ihr auch nichts Sonderliches aus, ein wenig Feuer anzulegen, um den Ungetreuen auszuräuchern. Es bleibt ihm nichts übrig, als dem Idyll ein Ende zu machen und die Insel mit den weniger kontrollierbaren Iagdgefilden der Kultur zu vertauschen. — Um diese durchaus volkstümliche Novelle rauscht das Meer. Und das ist das zweite Thema Kellermanns, mit dem ersten in steter Verbindung: das Meer mit allen seinen Chören. Das Meer als Freund und Feind, Nahrung gebend, segnend und verheerend, und das Leben aus der Insel, in seinen Formen, in seinen derben Vergnügungen, seiner Einfachheit, seinem Tempo, ganz und gar bestimmend. Wundervoll sind diese Schilderungen, frisch wie vom Salz der Seeluft dieses Buch. S. Fischer, Verlag, Berlin