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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.05.1910
- Strukturtyp
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- 1910-05-12
- Erscheinungsdatum
- 12.05.1910
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8670 «»rsmblLtt s. d. Dtschn. «uchhanbel. Nichtamtlicher Teil. 107, 12 Mai 1910. Verbotene Druckschriften Durch rechtskräftiges Urteil der 10. Strafkammer des Land gerichts I Hierselbst vom 20. Januar 1910 ist für Recht erkannt: Der Teil des »Freien Arbeiters« Nr. 31, 6. Jahrgang vom 31. 7. 09, welcher den Artikel »Der Sozialdemokrat als Land wehrmann« enthält, ist in allen Exemplaren unbrauchbar zu machen, ebenso der Teil der Platten und Formen, auf welchen sich dieser Artikel befindet. Berlin, 4. Mai 1910. (gez.) K. Staatsanwaltschaft beim Landgericht I. Durch Urteil der Strafkammer bei dem Amtsgericht zu Hohensalza vom 18. März 1910 ist aus die Unbrauchbar machung aller Exemplare der Druckschrift: »Lrusalr Lalsnäarr: na roir 1910. 2sbra1 i uloszä Lrogsulso. Orulr ^7. O^vvinslrisAo klorvzr 36. 1909« unter der Einschränkung des ß 41 Absatz 2 St.-G.-Bs. rechtskräftig erkannt. Bromberg, 3. Mai 1910. sgez.) Der Erste Staatsanwalt. (Deutsches Fahndungsblatt Stück 3386 vom 10. Mai 1910. Nichtamtlicher Teil. Alte Stammbücher. In den letzten Jahren sind vom Antiquariat zahlreiche alte Stammbücher auf den Markt gebracht worden. Diese reizvollen Erinnerungsbücher haben bei den Sammlern gute Aufnahme zu guten Preisen gefunden und werden auch fernerhin ziemlich be gehrt sein. Die folgenden Ausführungen, die für die biblio graphische Beschreibung derartiger Werke nützlich fein können, dürften also nicht ganz unerwünscht sein. Die Sitte, ein Stamm buch zu führen, kam gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus. Die Stammbücher entstanden wahrscheinlich aus der Sitte des Adels, Stammbäume, Adelsbriefe und andere Diplome, das Wappen der Familie, Zeugnisse von Verwandten über ihre Familienverbindung usw. zu einem Geschlechtsbuche der Familie zu vereinen, das zum Nachweis der ritterlichen Abstammung, der Turnierfähigkeit usw. dienen und vorgelegt werden konnte. Diese »Stammbücher«, »Standbücher« oder »bibri 6snriiitii« waren ur sprünglich ohne Zweifel nur in den Kreisen der Ritter und Fürsten Sitte und bildeten bei diesen und ihren Frauen, die sich ebenfalls solche Bücher anlegten, eine Liebhaberei, die sich Jahr hunderte hindurch erhalten hat und in engem Zusammenhang mit der Heraldik und der Wappenmalerei steht. Die ältesten Stammbücher enthalten fast nur die eingemalten Wappen und Namensunterschriften der Inhaber. Die in früheren Jahrhunderten an den Höfen der Fürsten lebenden Gelehrten nahmen die Sitte der Stammbücher ebenfalls an und erweiterten die Eintragungen dadurch, daß sie an die Stelle der in den seitherigen Stammbüchern üblich gewesenen einfachen, oft nur angedeuteten Wahlsprüche eigentliche Denk- und Sinn sprüche treten ließen. Die Kenntnis der klassischen Literatur des Altertums, besonders der römischen Dichter und Philosophen, bei den Gelehrten führte dazu, daß das Latein nunmehr die übliche Sprache der Stammbucheintragungen wurde. Was die Fürsten, Ritter und Gelehrten unter sich pflegten, wurde bald auch von der gelehrten, der akademischen Jugend nachgeahmt; keine andere Gesellschaftsschicht hat diese Sitte Jahr hunderte lang treuer bewahrt und zäher an ihr festgehalten als gerade die Studentenwelt. Damals besuchten die meisten Studenten mehrere Hochschulen und gingen häufig auch aus italienische, französische und niederländische Universitäten, um weit berühmte Lehrer zu hören. Beim Antritt eines solchen damals großen Unternehmens nahm der Student gewöhnlich ein Stamm buch mit, das ihm als liebes Erinnerungsbuch und zugleich als eine Art Legitimation in der Ferne diente. Diese Büchlein, die man »Gesellenbücher« nannte, pflegten dann die Studenten ihren Gönnern und Lehrern, namentlich aber ihren akademischen Freunden zur Einzeichnung ihres Namens und eines Denkspruchs vorzulegen. Der fortwährende regelmäßige Zugang von Studenten zu den Hochschulen, das gemeinsame und kamerad schaftliche Leben der Studenten, ihr Abgang von der einen aus die andere Universität oder ins bürgerliche Leben zurück veran- laßte ganz von selbst dazu, von den liebgewordenen Abgehenden ein Erinnerungszeichen zu erbitten und aufzubewahren. So wurden in der Hand der Studenten schon damals die Stamm bücher zu Sammlungen von heiteren und ernsten Denksprüchen der Spiel«, Trink- und Studiengenossen und von Erinnerungs- blättern akademischer Lehrer Zur Zeit der Reformation war die Sitte der Stammbücher schon sehr verbreitet. Die berühmtesten Gelehrten lehnten es nicht ab, sich in das ihnen von einem Studenten vorgelegte Stammbuch mit Namen und Denkspruch einzuschreiben. Wenn Goethe im ersten Teil des Faust den Schüler am Ende des langen Gesprächs mit Mephistopheles als dem angeblichen be rühmten Professor Faust diesem das Stammbuch mit den Worten: »Ich kann unmöglich wieder gehn, Ich muß auch noch mein Stammbuch überreichen. Gönn' eure Gunst mir dieses Zeichen!« vorlegen und Mephistopheles mit: »Sehr wohl!« antworten und das Buch mit der Einzeichnung: »blritis sisut Osus, scheute, bonum st. inntuiu« zurückgeben lätzt, so hat er die Sitte der Zeit treu geschildert. Von Luther finden sich Einzeichnungen in damaligen Stammbüchern. Auch Melanchthon schätzte die Stammbücher als Freundschafts- und Erinnerungsbücher, »vaas ob causas« schrieb er, welcher Ausspruch so berühmt wurde, daß er in Stamm büchern des sechzehnten Jahrhunderts als das »äuäioiura kbilipxi Uolauobtboui äs albis aMreorum« auf dem Titelblatte wiederkehrt — »äuas ob eausas aliorrnn insoribimus libris rvAnti; priiuo, ut iibroruiu posssssorss rssoräsutnr suisgus xiostsris iuäicsut, guibus in loois st guo tsruxors vsrsa.tr siut. Lsonuäo, ut csrta babsavt tsstiruouia, guibussurn kainiliaritsr vixsriut, st gm vsra arnioitia illis kusriut oousauoti«. Luther, Melanchthon, Bugenhagen und andere Größen der Reformationszeit sollen auch selbst Stammbücher geführt haben, wie solche sich auch die Gelehrten in der späteren Zeit des sech zehnten und siebzehnten Jahrhunderts und die Staatsmänner und Militärs im Dreißigjährigen Kriege hielten. Die Stamm buchsitte wurde auch von den Schülern der Gymnasien, von Bürgern, Musikern, Malern, Chirurgen, Pharmazeuten, Hand werksgesellen usw. angenommen. So ist z. B. das wertvolle Stammbuch von Lukas Cranach erhalten, das er mit Aquarellen und Porträts der sächsischen Herzoge und der Reformatoren ge schmückt hat, von welch letzteren Luther, Melanchthon, Justus Jonas, Bugenhagen ihre Bildnisse eigenhändig mit sinnreichen Sprüchen unterschrieben haben. Die reichen Patrizier der Reichs städte pflegten ihre Stammbücher mit prächtigen Wappen und anderen kostbaren Malereien schmücken zu lassen. Die Stammbücher bestanden von ihrem Aufkommen an bis etwa gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts aus Blättern, die zu einem Buche zusammengebunden waren. In der ältesten Zeit verwendete man Pergament, später wurde namentlich in den akademischen Kreisen Papier üblich, während man Pergament- blütter und (seltener) seidene Blätter für Bilder und Wappen ein schaltete. Aus dem sechzehnten Jahrhundert und dem ersten Jahr zehnt des siebzehnten Jahrhunderts finden sich auch Stammbücher mit gedruckten Randverzierungen. Das Format der Stammbücher Mußte dem Zwecke entsprechen, sie bequem bei sich führen zu können, daher sind sie in älterer Zeit zierliche Büchlein in Sedez, später in mäßigem Oktavformat, meist Queroktav. Auch runde Bücher kommen vor. Besondere Sorgfalt wurde aus den Einband verwendet, da schon das äußere Gewand des Stammbuches den
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