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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 06.02.1907
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1907-02-06
- Erscheinungsdatum
- 06.02.1907
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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bilden, in die unsere heutige so stolze, starke und selbstbewußte Kolonie, den Feinden zum Trutz, den Deutschen zum Schutz, hier im fernen Lande dasteht. -Nur wenige Recken ragen noch aus dieser Zeit herüber, und ebenso rar sind die Geschäfte, die aus ein so ehrwürdiges Alter zurückblicken. Wenn das schon für uns ein Grund des Stolzes und ein Bedürfnis zum Feiern ist, so bilden wir noch eine ganz besondre Ausnahme, die uns ein Vorrecht gibt, auf das wir nicht zum wenigsten stolz sind. Unser Geschäfts haus ist das attische Salz gewesen, um den Pionieren das Da sein angenehm zu machen, die Bande mit der Heimat zu knüpfen und dafür zu sorgen, daß die Sprache Goethes und Schillers nicht unterginge, wie es sonst fast bei allen Deutschen im Auslande in der vorbismarckischen Zeit der Fall war. Das ist ein schönes Verdienst, das die ältere Generation rückhaltlos anerkennen muß, wenn auch wir Jungen heute das kaum empfinden und zu würdigen wissen inmitten deutscher Schulen, deutscher Kirchen, deutscher Geschäfte und deutscher Vereine. »Es zeugt die Gründung der Buchhandlung von einem Wagemut und einem unerschütterlichen Vertrauen, daß wir alle aufblicken müssen zu dem Manne, dem echt deutschen Manne, und ihm heute unsere Anerkennung und unfern Dank zu Füßen legen müssen, als dem Begründer und Erhalter des Deutschtums am Rio La Plata: Herrn Richard Napp! Ich schätze es für mich als eine außerordentliche Ehre, Ihnen heute diese Anerkennung aussprechen zu können; wir freuen uns alle, daß wir den heutigen Tag mit Ihnen gemeinsam verleben dürfen. -Die Buchhandlung konnte sich behaupten, so schwierig auch die Gründung war. Sie sehen heute, was Nolte und mein Schwiegervater van Woerden, der dreißig Jahre mit ihm ar beitete, hier geschaffen haben. Dieses Verdienst nehme ich in erster Linie für van Woerden in Anspruch. Wie Nolte das Rechengenie — denn das war er — so war van Woerden der Geist, und oft hatte ich Gelegenheit, seine immensen Bücher kenntnisse zu bewundern, bereits bevor ich zu ihm in familiäre Beziehungen trat. Ich glaube, man kann getrost behaupten, daß heute hier im Lande niemand ist, der das Bücherwissen von van Woerden in sich vereinigte. Auch diese Männer haben was getan, und wie der Holländer auf deutscher Seite gegen die Franzosen kämpfte, so focht er auch hier für deutsche Art und deutsche Sitte. -Seine intimen Beziehungen zu den Pastoren und Lehrern kamen beiden Teilen zugute, und jahrzehntelang war die Buch handlung von Ernst Nolte die einzige Quelle, wo man deutsche Geistesnahrung haben konnte. -Diese Vertrauensstellung bewog auch die preußische Re< gierung, der Buchhandlung die Vertretung der Post zu über geben, als die Landespost so unsicher war, daß man ihr nichts anvertrauen konnte; und wenn sich auch heute die Verhältnisse geändert haben, so müssen unsre jungen Leute doch fast täglich zum Zoll, um den Kampleuten ihre Liebesgaben von drüben herauszuholen. -Heute steht das Deutschtum gefestigt da. Unsere Schulen in Buenos Aires sind unser Stolz, und wir werden unsre Sprache und unsre Art schon zu erhalten wissen, trotz -dusno- und »eowo NO« und -vobrisrsu-. »Aber draußen im Kamp, da sah's doch noch gar arg aus. Ich habe auf meinen zahlreichen Reisen im Inland leider gar zu oft gesehen, daß es da geht wie in Nordamerika: der Deutsche verlernt selbst seine Muttersprache, und die Kinder können nicht deutsch lesen noch schreiben. -Aber Gott sei Dank, jetzt wird es auch da besser. Die Jubellieder, die Ihnen, Herr Minister v. Waldthausen, aus Nord und Süd, aus Ost und West unsers schönen Landes entgegen schallen, sagen unendlich viel besser als ich es kann, wie sehr man einen wahren echten deutschen Mann herbeigesehnt, der sich der Diaspora annehme. Die Schulvereine und deutschen Schulen schießen wie die Pilze aus der Erde, die Schullehrer sind gesuchter als die Heuschrecken. -Es ist das ein gar erfreuliches Bild, das ich da entrollen kann. Aber sollen wir dabei stehen bleiben? -Drüben studiert der Einjährige bis 17, der Abiturient bis 20 Jahre und der Student, Techniker, Handels- und Ackerbau schüler noch länger. »Unsre Schulen schließen mit 14 Jahren ab. Sollten unsre Jungen da schon genug Weisheit haben? Ich möchte es bezweifeln. Hier aber liegt eine große Gefahr für die nicht reifen Leute. Es ist zwar der Versuch einer Handelsschule ge macht; aber der Unterricht erstreckt sich nur auf spezielle Fächer und ist nur für Kaufleute. Wer sonst nicht geistig zugrunde gehen will, muß sich kümmerlich allein weiter helfen. Aber gerade die Jugend verfügt nicht über große pekuniäre Schätze und hat kein Kriterium über den Wert und Unwert der Neu erscheinungen des Büchermarkts. -Ich möchte Sie, meine Herren, bitten, alle an Ihrem Teil dazu mitzuwirken, die schlechte Lektüre unterdrücken zu helfen, aber auf der andern Seite besonders die jungen Leute zu veranlassen, ja zu zwingen, sich etwas mehr, als das heute noch bei vielen geschieht, mit den schönen Errungenschaften deutscher Forschung zu beschäftigen und nicht, wie die Nordamerikaner, im Materialismus zu erstarren. Welch ein Genuß ist es, sich an den Biographien unsrer Geistesheroen aufzurichten, welch eine Fülle von Schätzen bieten uns die schönen Forschungen und Entdeckungen aus dem naturwissenschaftlichen Gebiet, wie herrliche Resultate gibt uns unsere moderne Kunst! Die wenigen, die das erkannt haben, sind überall in der Welt glücklich und zufrieden. -Das sind unsre und speziell meine Wünsche für unsre Landsleute. -An dem heutigen Tage muß ich aber noch aus einen Punkt zurückkommen, das ist das Verdienst, das die Buchhand lung hat in bezug auf die Geographie des Landes. Sie können sehen, welch reiche Fülle von Karten sowohl der Republik wie der Provinzen, wie auch von Seekarten hier das Licht der Welt erblickt haben, und durch diesen Land- und Seekarten - Verlag ist die Firma geradezu international geworden. Diplome und Medaillen waren ja auch schöne An erkennungen dafür. -Meine Herren, ich komme nach diesem historischen Rück blick auf den Anfang meiner Rede zurück. Für uns Deutsche ist das wichtigste die Erhaltung und die Festigung unserer Sprache und unsers W ffens, und da sind es heute zwei Männer die die Marksteine bilden: Richard Napp, der Begründer, und der Minister, der Mehrer des Deutschtums!- — vr. Voges schloß mit einem Hoch auf die Genannten. Der k. Gesandte Herr v. Waldthausen erwiderte in kurzer, trefflicher Rede. Herr Napp war leider infolge seines alten Gehörleidens nicht in der Lage, die ihm gewordene Würdigung zu verstehen; doch wußte er selbstverständlich, um was es sich handelte, und stieß bereitwillig mit den ihm dargebotenen Gläsern an. Ein kräftiges Echo fand auch das von Herrn F. Lindheimer auf Frau vaN Woerden ausgebrachte Hoch. Weitere Reden folgten nicht; doch blieb die Gesellschaft noch geraume Weile in zwangloser Unterhaltung beisammen. Englische Weihnachlsnummern. — Die Weihnachts nummern der englischen illustrierten Wochenschriften bilden ein so hervorragendes Moment im Leben des englischen Volkes und sind meist so umfangreiche graphische Schöpfungen, daß es sich wohl verlohnt, gelegentlich einen prüfenden Blick in einige der besten dieser Art vom vorjährigen Weihnachtsfeste zu werfen. Ich lasse dem Alter den Vortritt und beginne mit den -Illustratsä Uonäon klsrvs«, deren Umschlagstitelbild uns ein blondlockiges Mädchen vorführt, das wohlmeinend seinem Lieblingshündchen mit einem Löffel voll brennend heißem Plumpudding eine Freude machen will, der aber von diesem mit sehr kritischer Miene »dankend abgelehnt- wird. Der illustrative Inhalt — lauter Autotypien — besteht aus nicht weniger als 16 Vollseitenbtldern und 21 anderen, mehr oder minder großen Darstellungen, sämtlich flott gezeichnet und gut auf kräftiges weißes Papier gedruckt, auf dem auch der Text in schöner klarer, offen gehaltener Schrift vom Auge leicht erfaßt werden kann, — in typographischer Beziehung im ganzen eine sehr anerkennenswerte Leistung. Da nun aber in England eine Weihnachtsnummer ohne besondere Kunst beilage nicht denkbar ist, so geben die Uonäon k^evs gleich deren zwei: eine große Chromolithographie im Format von 54:70 em, OL Out/, nach dem Gemälde von Julius M. Price, und eine
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